Vor 20 Jahren besuchte ich als Reporter das damalige Jugoslawien. Ich interviewte gerade den Vorsitzenden der Republikanischen Nationalbank von Kroatien, als er plötzlich einen Anruf erhielt. Das serbische Parlament hatte gerade beschlossen, große Mengen an Dinar, der gemeinsamen Währung Jugoslawiens, eigenmächtig zu drucken. Als der Banker auflegte, sagte er: »Das ist das Ende von Jugoslawien.«

Er behielt recht. Jugoslawien brach auseinander. Die »Dinar-Zone« brach zusammen. Wir wissen, was dann folgte. Geld kann über Krieg und Frieden entscheiden, über Leben und Tod von Föderationen. Heute haben Kroatien, Serbien und die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien jeweils eigene Währungen. Montenegro und Kosovo sind nicht in der Euro-Zone, aber sie verwenden den Euro. Bosnien hat sogar noch eine konvertible Mark, die an den Euro gekoppelt ist.

Das ist eine frappierende Geschichte, und zwar nicht über die Integration, sondern über die Desintegration Europas, die viele Menschenleben gekostet hat. Erst jetzt bewegt sich die Region langsam zurück Richtung Europa.

Das Auseinanderbrechen der Euro-Zone würde weit über unser Finanzsystem hinaus eine Krise apokalyptischen Ausmaßes bedeuten. Wenn sich erst einmal die Logik »Jeder ist sich selbst der Nächste« breitmacht, können wir dann wirklich darauf vertrauen, dass jedermann im Geiste der Gemeinschaft handelt und der Versuchung widersteht, auf anderen Gebieten Rechnungen begleichen zu wollen? Würden wir wirklich darauf wetten wollen, dass der europäische Binnenmarkt überlebt, wenn die Euro-Zone auseinanderbricht?

Wenn wir nicht Gefahr laufen wollen, eine teilweise Zerstörung der EU zu erleben, dann bleibt nur die Wahl: tiefere Integration oder Kollaps.

Was kann die Rolle Polens sein? Polen ist heute nicht mehr ein Quell von Problemen, sondern von Lösungen für Europa. Wir haben jetzt die Kraft und den Willen, uns zu beteiligen. Wir können unsere Erfahrungen einbringen, wie wir den Wandel von einer Diktatur zu einer Demokratie erlebt haben, vom wirtschaftlich nahezu hoffnungslosen Fall zur aufblühenden Marktwirtschaft. Uns wurde geholfen, von Freunden und Alliierten: den Vereinigten Staaten, Großbritannien, Frankreich, und, vor allem, Deutschland. Wir sind dankbar für die starke und großzügige Unterstützung, die Solidarität, die Deutschland uns über die vergangenen zwei Jahrzehnte hinweg geschenkt hat. Ich hoffe, Sie betrachten es als eine gute Investition. 2010 hat Deutschland neun Mal mehr nach Polen exportiert als noch 1990, und der Export wächst trotz der Krise. Deutschlands Handel mit Polen ist größer als der mit Russland, auch wenn man es dem politischen Diskurs in Deutschland nicht immer anmerkt.

In den vergangenen vier Jahren ist das Bruttoinlandsprodukt Polens insgesamt um 15,4 Prozent gewachsen. Und wer ist mit acht Prozent auf dem zweiten Platz innerhalb der EU? Ja, ein Mitglied der Euro-Zone – die Slowakei. Der Durchschnitt der EU liegt bei Minus 0,4 Prozent. Denen, die Europa teilen wollen, sage ich: Wie wäre es mit einer Teilung in ein wachsendes und ein nicht wachsendes Europa? Aber seid gewarnt, sie würde nicht den vorherrschenden Vorurteilen entsprechen.