Bis 2014 will die Nato alle ihre Truppen aus Afghanistan abziehen . Das muss vorbereitet werden. Und es gibt keinen passenderen Ort dafür als Bonn. Auf dem Petersberg bei Bonn nämlich trafen sich im Dezember 2001 Delegierte aus Afghanistan, um den Fahrplan für das von den Taliban eben erst befreite Land festzulegen. Jetzt soll eine zweite Bonner Konferenz den Kurs für die Zeit nach dem Abzug der Nato erarbeiten. Den Vorsitz der Konferenz führt sinnigerweise die afghanische Regierung. 90 Delegationen werden teilnehmen. Sie verknüpfen Erwartungen mit der Konferenz, doch hochfliegend sind sie gewiss nicht. Denn es hat sich längst allgemeine Ernüchterung über den Afghanistaneinsatz breitgemacht. Man hat die hehren Ziele, die vor zehn Jahren festgelegt wurden, nicht erreicht, und doch ist viel Nützliches getan worden – so könnte man wohl den kleinsten gemeinsamen Nenner zu der Lage in Afghanistan umschreiben. Das Erreichte wollte man für die Zeit nach 2014 absichern.

Doch nun ist etwas geschehen, das man nicht anders als eine Katastrophe bezeichnen kann: Pakistan hat seine Teilnahme an der Konferenz abgesagt .

Der Grund dafür ist ein Angriff der Nato auf eine Stellung pakistanischer Soldaten im Grenzgebiet zu Afghanistan. Mehr als zwei Dutzend Soldaten starben. Die USA und die Nato haben sich zwar umgehend entschuldigt, doch die pakistanische Armee glaubt, dass der Angriff »vorsätzlich« gewesen sei.

Der Tod dieser Soldaten ist nur das letzte Ereignis, das die Beziehungen zwischen Pakistan und den USA belastet. Seit die USA im Mai 2011 eigenmächtig Osama bin Laden in der pakistanischen Stadt Abbottabad getötet haben, schaukelt sich der Konflikt zwischen den beiden Staaten immer weiter hoch. Diesmal könnte es zu einem Bruch kommen. Es ist der pakistanische Armee kaum mehr zu erklären, warum sie im Kampf gegen den Terror Seite an Seite mit der Nato stehen soll, wenn ebendiese Nato pakistanische Stellungen bombardiert. Die Armee steht unter heftigen Druck, auch aus den eigenen Reihen. Der Boykott der Bonner Konferenz ist eine Reaktion darauf.

Ohne Pakistans Mitwirken wird es allerdings keinen dauerhaften Frieden in Afghanistan geben können. Es stellt sich die Frage, was die Konferenz jetzt noch bringen kann. Schließlich ist sie sehr stark auf die Einbindung der Anrainerstaaten hin konzipiert worden. Es hat sich die Überzeugung durchgesetzt, dass der Afghanistankonflikt in der Region gelöst werden muss. Doch nun fehlt der wichtigste von Afghanistans Nachbarn.