Quantenphysik: Die Wirklichkeit der Welle
Noch immer wird erbittert um die Interpretation der Quantentheorie gerungen. Ist die Natur wirklich per se "unscharf" – oder gibt es eine "tiefer liegende" Realität, die wir nicht kennen? Eine neuer Aufsatz heizt den Streit an.
Seit mehr als hundert Jahren beschreiben die Physiker das merkwürdige Verhalten von (sub)atomaren Objekten durch die Quantentheorie. Genügend Zeit, so sollte man meinen, sich darüber klar zu werden, was die seltsamen Quantengesetze eigentlich bedeuten und wie die Theorie zu interpretieren ist. Erstaunlicherweise ist sich die Fachwelt darüber aber keineswegs einig. Seit sich Niels Bohr und Albert Einstein (»Gott würfelt nicht«) über die Quantenphysik stritten, köchelt die Debatte. Und in letzter Zeit erhält sie sogar neue Nahrung.
Unter dem Titel Quanten-Theorem erschüttert Grundlagen berichtete kürzlich das Fachblatt Nature über eine Arbeit von drei jungen Theoretikern aus London. Mit jugendlicher Unbekümmertheit haben sich die drei an die fundamentale Frage gewagt, wie die berühmte »Wellenfunktion« eines quantenphysikalischen Objekts zu interpretieren sei. Während Generationen von Physikern diese Funktion nur als mathematisches Werkzeug zur Berechnung von Wahrscheinlichkeiten begriffen, kommen Matthew F. Pusey, Jonathan Barrett und Terry Rudolph zu einem anderen Schluss: Die Wellenfunktion sei viel mehr als nur ein Rechentrick – man müsse ihr vielmehr eine konkrete physikalische Realität zuschreiben.
Nun könnte man das (zugegebenermaßen enorm abstrakte) Gedankenexperiment der drei als kuriosen Einzelfall abtun – zumal ihre Arbeit noch nicht einmal in einem ordentlichen Fachblatt veröffentlicht ist, sondern nur als preprint im Internet zirkuliert . Das Erstaunliche jedoch ist, dass sie bereits enormes Echo erhält und nur ein Beispiel für viele andere Versuche ist, die Quantentheorie neu zu denken.
So diskutierten kürzlich auch an der Universität Wien Physiker bei einer internationalen Konferenz Alternativen zum vorherrschenden Quanten-Weltbild – darunter selbst gestandene Nobelpreisträger wie Gerard ’t Hooft . Der ebenfalls anwesende Theoretiker Lee Smolin postulierte bereits in seinem Buch The trouble with physics , dass »das schwerwiegendste Problem der modernen Naturwissenschaft« vermutlich mit den »Grundlagen der Quantentheorie« zu tun habe.
Im Kern geht es dabei immer noch um jene Frage, die schon Bohr und Einstein umtrieb: Was können wir über die Realität wissen?
Bohr vertrat die Ansicht, dass man sich einzig und allein auf die quantentheoretischen Formeln verlassen könne und dass es unmöglich sei, das »wahre« Treiben atomarer Teilchen zu verstehen.







Man wundert sich schon über die Vorstellung, die die Leute von Naturwissenschaft haben (leider zu oft auch die Naturwissenschaftler selber ;-). Naturwissenschaft hat die Weisheit nicht mit Löffeln gefressen, und kann sich deshalb auch keine Denkverbote leisten. Offensichtlichen Blödsinn kundzutun stößt natürlich auf Ablehnung, aber auch etablierte Interpretationen dürfen selbstverständlich hinterfragt werden - wobei natürlich Wissenschaftler auch nur Menschen sind, und, sofern sie über 30 sind, Neuem eher kritisch gegenüber stehen.
Die Quantenmechanik ist verwirrend, insbesondere das, was Bohm "spoky actions at a distance" nennt. Meiner Meinung nach ist die Theorie schlicht und einfach unvollständig, und beschreibt nur weitgehend statische Zustände - in denen sich die Teilchen in Kohärenz befinden, und deshalb ausgedehnte Wellenfunktionen deren Verhalten beschreiben können. Löst man diesen statischen Zustand auf, etwa durch Beobachtung, "bricht" die Kohärenz physikalisch real zusammen, so wie Supraleitung zusammenbricht, wenn man den Festkörper, in dem sie stattfindet, ausreichend erwärmt, und dadurch die thermische Bewegung der Atome die Kohärenz der Cooper-Paare verhindert. Letzteres ist sehr gut untersucht, aber wird irgendwie nicht mit dem Rest der Quantenmechanik in Verbindung gebracht.
Nein, Alter, das war wissenschaftlich. Kein StarTrek-Mist. Ich weiß es ganz genau, nur weiß ich nicht mehr, in welcher Ausgabe, und mir fällt die Versuchsanordnung auch nicht mehr ein.
Du verwechselst das mit dem Turboencabulator!
Du verwechselst das mit dem Turboencabulator!
dass unter Voraussetzung der Annahme, dass "Atome wirklich existieren und messbare Eigenschaften haben", widerlegt wird, dass Quantenzustände als nicht ebenso "real existierend" angenommen werden können?
Das wäre zwar eigentlich ein Zirkelschluss, aber interessant, weil es zeigen würde, aus welchen Annahmen die Quantentheorie besteht.
Planck wollte nämlich ursprünglich zeigen, dass Atome nicht real existieren müssen, ist darin aber glänzend gescheitert. Die Atomisten (Boltzmann et al.) hat's jedenfalls gefreut.
... entdecken Tarski?
Denn:
Letztgültig muss man sagen, dass Wissenschaft innerhalb einer qualitativ und quantitativ grenzenlos komplexen Ganzheit einen heraus gelösten Teilbereich als ein abstraktes Bild beobachtet.
Oder:
Da der nahtlos sich anschließende Hintergrund von unendlicher Tiefe ist, ist keine Theorie absolut.
Alles richtig.
Die Gretchen hier ist aber doch, dürfen wir unser Modell (hier der Zustandsvektor) als zur Realität isomorphe (für Vorhersagen) operationell nutzbare und vollständige Beschreibung auffassen oder nicht.
C.
"Noch immer wird erbittert um die Interpretation der Quantentheorie gerungen."
Es wird gerungen ja klar - aber ERBITTERT? Nein.
Als ich vor ungefähr 15 Jahren mein Diplom in Teilchenphysik gemacht hab waren am Lehrstuhl einige Russen. Die konten Feynman Graphen im schlaf und unter Gefächtslärm berechnen und haben sich oft RICHTIG in die Haare bekommen ;-) Aber erbittert waren auch die nicht nur sehr engagiert ;-)
und überhaupt : was ist schon die Realität im Vergleich zur Mathematik ... Leute lesst: Anathem von Stephenson ...
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