Künstler Michael Fischer-Art Bunt fürs Leben
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"Wenn man nur ein Haus bemalt, kann man ganze Sichtachsen verändern"

Er braucht dieses Tempo. 1999 erkrankte er am Lungenleiden Sarkiodose. »Ich hatte Angst, ich mache es nur noch ein Jahr«, sagt er. »Ich habe Kortison geschluckt und vom Krankenbett aus wie verrückt an Kunstwettbewerben teilgenommen.« Heute gilt er als genesen, läuft Marathon. In New York rannte er mit angebrochenem Schienbein.

Sein spektakulärstes Projekt war die Verhüllung von drei Hochhäusern am Leipziger Brühl. Um die DDR-Platten verschwinden zu lassen, malte er 2006 die seiner Meinung nach wichtigsten Leipziger auf 13.000 Quadratmeter Stoff. Für die Aktion suchte er Sponsoren, die er als Gegenleistung ebenfalls ins Bild aufnahm. So kamen Firmen während der Fußball-Weltmeisterschaft zu Werbeflächen in bester City-Lage.

Leipzigs Kulturgrößen empörten sich. Barbara Steiner von der Galerie für Zeitgenössische Kunst schickte eine Unterschriftenliste gegen das Projekt herum – und kassierte sie wieder ein. Wohl aus Angst, sie beschere Fischer-Art noch mehr Aufmerksamkeit. Die Debatte mündete in einer Podiumsdiskussion, bei der sich Fans und Kritiker des Künstlers mit Beleidigungen überzogen. Sein Ex-Lehrer Günther Thiele deklamierte mit zitternder Stimme, schon als Student habe Fischer-Art nicht zeichnen können. Seine Gestalten seien »dumme, jämmerliche Fratzen«. Der Geschmähte zerriss öffentlich einen kritischen Artikel über ihn.

Es war der vorläufige Höhepunkt in einem Konflikt, der schon 1992 begonnen hatte. Fischer-Art war damals Erstsemester an der Hochschule für Grafik und Buchkunst (HGB) in Leipzig. Während einer Versammlung warf er dem angesehen Maler und Rektor der Hochschule, Arno Rink, vor, ein Vertreter des DDR-Establishments gewesen zu sein. Er selbst dagegen habe das SED-Regime kritisiert, sich als Maurer durchschlagen müssen und das Abitur erst auf der Abendschule nachholen können. Selbstbewusst nannte Fischer-Art seine Kunst »marktwirtschaftlichen Realismus« in Abgrenzung zum sozialistischen Realismus.

Er malte schon damals sehr bunt und gewann mit seinen dekorativen Entwürfen erstaunlich schnell Wettbewerbe, was Lehrer und Mitstudenten verblüffte. »Meine Kommilitonen haben Bafög beantragt, ich eine Steuernummer«, sagt Fischer-Art. Zur Zwischenprüfung gestaltete er einen sieben Meter hohen Stahl-Vogel, der in der Leipziger Gutenberg-Galerie steht. Fürs Diplom entwarf er die Wandbemalung des Hörsaalgebäudes der TU Dresden. Die HGB benotete ihn zum Abschluss trotzdem nur mit einer Zwei. Fischer-Art hinterließ einen offenen Brief: »Borniertheit, Verbeamtung und der Tod herrschen im Fachbereich Malerei.«

»Ach, seine Hanswurstereien«, sagt Rolf Münzner und lacht. Der pensionierte Grafikprofessor hat Fischer-Arts Diplomarbeit betreut und hätte ihm dafür auch eine Eins gegeben, konnte sich aber nicht durchsetzen. »Natürlich habe ich ihn gewarnt: Male nicht immer diese gleichen Fressen«, sagt Münzner heute. Doch eigentlich mag er Fischer-Art. Kein anderer Student habe sich so energisch in neue Projekte gestürzt. Im Grundstudium fuhr Fischer-Art zum Immobilienspekulanten Jürgen Schneider und schwatzte ihm ein Atelier in der City ab. Für Presseanfragen hatte er schon damals ein Handy. »In gewisser Weise hat er keinen Lehrer gebraucht«, sagt Münzner. »Es wäre schön, wenn er seine Reise-Skizzenbücher weiterführt. Da habe ich Potenzial gesehen.« Tatsächlich reist Fischer-Art noch durch die Welt und zeichnet. Zuletzt war er in Neapel. »Heruntergekommen wie die DDR«, sagt er. In Hoyerswerdas Einkaufspassage Lausitz-Center steht das von ihm bemalte Mauerteil vorübergehend neben einer Fotosammlung zur friedlichen Revolution. Die Fotos waren 2009 schon in der Galerie für Zeitgenössische Kunst und im Museum der bildenden Künste zu sehen – in jenen Leipziger Häusern also, die Distanz zu ihm halten. Die Verbindung der Sammlung mit seiner bemalten Mauer ist ein kleiner Triumph für ihn.

Zur Mittagszeit besucht er ein Schnellrestaurant. Vor ihm in der Warteschlange steht ein älteres Paar mit Rabattmarken. Fischer-Art schaut neugierig und bekommt dann eine geschenkt. Lächelnd wie ein Junge, lässt er sich preisreduzierten Grillfisch reichen. »Glatt 25 Prozent gespart«, sagt er. Durch die Glasfenster schimmern die Plattenbauten: graue Fassaden, die auf Farbtöpfe warten. »Wenn man nur ein Haus bemalt, kann man ganze Sichtachsen verändern«, sagt Fischer-Art. Er will auch Hoyerswerda bunt machen. Er kann nicht anders.

 
Leser-Kommentare
    • malios
    • 01.12.2011 um 13:26 Uhr

    Für mich ein toller Künstler und Mensch der immer offen und ehrlich mit seiner Umgebung im konstruktiven Dialog für eine besserer Welt steht. Neben seiner Fähigkeit aus grauen Fassaden bunte anregende Kontraste zu schaffen, hat er auch ein Herz für bedürftige Kinder und Menschen. Es müßte mehr Menschen dieser Güte geben, die nicht nur reden sondern ein Problem an der Wurzel anpacken und versuchen es zu lösen. A. Malios

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    doch was hat diese Aussage mit seinem Werk zu tun.
    Ich bin ja echt froh, dass die Planen in Leipzig weg sind. In dieser Menge wirkte das nur grauenhaft beliebig und öde trotz quitschbunter Oberfläche.

    doch was hat diese Aussage mit seinem Werk zu tun.
    Ich bin ja echt froh, dass die Planen in Leipzig weg sind. In dieser Menge wirkte das nur grauenhaft beliebig und öde trotz quitschbunter Oberfläche.

  1. Preise hin oder her. Das ist Langeweile pur. Das ist doch alles spröder,alter Kaffee. Ein Verschnitt aus vielen einst originellen Kunstphänomenen der letzten Dekaden, einmal durch den Zyliss gedrückt. Klar, dass so was Westerwelle gefällt. Gähn. Kann er sich auf Malle ranklatschen.

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  2. doch was hat diese Aussage mit seinem Werk zu tun.
    Ich bin ja echt froh, dass die Planen in Leipzig weg sind. In dieser Menge wirkte das nur grauenhaft beliebig und öde trotz quitschbunter Oberfläche.

  3. "Die HGB benotete ihn zum Abschluss trotzdem nur mit einer Zwei.
    Fischer-Art hinterließ einen offenen Brief: »Borniertheit, Verbeamtung und der Tod herrschen im Fachbereich Malerei.«"

    Genauso geht man mit Andersdenkenden um, ist halt Kunst und Künstler sind zwangsläufig Einser.

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  4. 5. warum

    dieser artikel? qualität nicht quantität macht einen künstler.
    und westerwelle ist bestimmt kein kunstkenner.

  5. ...man tut dem Künstler, ohne mich näher mit dessen Werken auszukennen, Unrecht damit, ihn mit Westerwelle in Verbindung zu bringen. Gerade die letzten Wochen haben gezeigt, dass es niemandem gut tut, mit jemandem in Verbindung gebracht zu werden, welcher, auch wenn es zurecht war, die negative Aufmerksamkeit der Medien und der Bevölkerung auf sich gezogen hat.

    Man erkennt das auch schon an vorangehenden Kommentaren. Vielleicht ist Fischer-Art gar nicht so schlecht, ich werde mir meine eigene Meinung bilden.

    Und...wer weiss, vielleicht mag Westerwelle auch einen guten Wein oder Weihnachten.

  6. was ist das...ein kmu? `alles so grau hier lasset uns schöne bunte fassaden malen`hab ich auch schon gedacht, so als teenager damals.

  7. Die Männeken von Fischer-Art sind lächerlich und schlecht gemalt, vermutlich hat er sich für seine Arbeiten ein paar Schüler-Praktikanten herangezogen;)

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