SPD Echte Patrioten
Seite 2/2:

Für ihren Patriotismus hat die SPD stets bezahlt

Für ihren Patriotismus, das ist die bittere Ironie, hat die SPD stets bezahlt. Die Agenda 2010 war ein von Verantwortung getragener Akt. Die Sozialdemokraten machten Deutschland wieder wettbewerbsfähig, wohl wissend, dass der dafür notwendige Umbau des Sozialstaates die eigene Stammklientel betraf und massiv verärgerte. Deutschland steht heute wirtschaftlich so glänzend da, weil die SPD damals das Risiko einging, die Macht zu verlieren. Und auch verlor.

Den höchsten Preis für ihren Patriotismus zahlten die Sozialdemokraten unter der Naziherrschaft. Am 23. März 1933 begründete der SPD-Vorsitzende Otto Wels die Ablehnung seiner Partei gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz. Die SPD wurde daraufhin verboten und verfolgt – viele Sozialdemokraten zahlten mit ihrem Leben. Bis heute wirkt nichts so identitätsstiftend in der SPD wie ihr Widerstand gegen die Nazis, wie ihr Versuch, Deutschland zu retten.

Der sozialdemokratische Patriotismus fordert immer seinen Preis, zahlt sich auf lange Sicht aber aus. Die CDU hat sich unter ihrer Vorsitzenden Angela Merkel in eine Partei verwandelt, die sich so geschmeidig den veränderten Grundeinstellungen und wechselnden Stimmungen der Menschen anpasst, dass der Wähler kaum noch weiß, wo die Modernisierung endet und die Selbstentkernung beginnt. Man muss schon Tageszeitung lesen, um zu wissen, wofür die CDU steht.

Vor zwei Jahren, nach ihrem historischen Debakel bei der Bundestagswahl, hat die SPD Sigmar Gabriel zum Vorsitzenden gewählt, den vermeintlich erratischen Übertaktierer mit dem Lautstärkeregler auf Daueranschlag. An diesem Sonntag steht er beim SPD-Parteitag in Berlin zur Wiederwahl. Unter ihm, ausgerechnet unter ihm, erweist sich die SPD in der Finanzkrise als verlässliche, grundsolide politische Kraft, von der man genau weiß, wo sie steht: dort, wo man den Staat tragen muss. Am Platz für Patrioten.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Die eigentlichen Antieuropäer sitzen auf der Regierungsbank, würde die USA, die OECD und die Nato Deutschland nicht treiben, würde die Regierung längst eine Renationalisierung als Ziel haben, ausgenommen Herr Schäuble, Frau von der Leyen und Herr Röttgen.

    Die europäischen Patrioten aller Parteien sollten sich schnellstmöglich vereinigen, um unseren Wohlstand und unseren modernen Geist, der viele Millionen Tote des 20. Jahrhunderts brauchte, zu retten.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 03.12.2011 um 20:21 Uhr

    ....mit der Regierung. Die Handhabung ist ziemlich schlimm und der Schaden ist groß. Das ist aber weil die Europa Politik der letzte 40 Jahre eine Katastrophe war und deren Kumulation nun einschlägt.

    Da war die SPD auch schuld und die Lösung, die die SPD jetzt fordert ist unsinnig. Wenn Sie wollen können wir ins Detail gehen.

    • joG
    • 03.12.2011 um 20:21 Uhr

    ....mit der Regierung. Die Handhabung ist ziemlich schlimm und der Schaden ist groß. Das ist aber weil die Europa Politik der letzte 40 Jahre eine Katastrophe war und deren Kumulation nun einschlägt.

    Da war die SPD auch schuld und die Lösung, die die SPD jetzt fordert ist unsinnig. Wenn Sie wollen können wir ins Detail gehen.

    • adept
    • 03.12.2011 um 18:22 Uhr
    30 Leser-Empfehlungen
  2. Lob auf eine Partei der Vernunft

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 03.12.2011 um 20:40 Uhr

    ....die SPD schweigt. Die wollten doch die Euro Bond und solche Dinge. Nun sind sie ruhig und das ist gut so.

    Andererseits ist es kein gutes Zeichen für eine demokratische Partei, wenn sie nichts sinnvolles beitragen kann/will um der größten Krise seit WWII zu begegnen.

    • joG
    • 03.12.2011 um 20:40 Uhr

    ....die SPD schweigt. Die wollten doch die Euro Bond und solche Dinge. Nun sind sie ruhig und das ist gut so.

    Andererseits ist es kein gutes Zeichen für eine demokratische Partei, wenn sie nichts sinnvolles beitragen kann/will um der größten Krise seit WWII zu begegnen.

  3. 4. Dafür

    wird die SPD garantiert auch bei der nächsten BW wieder abgestraft werden.
    Und alles was positiv ist/war hat dann schwarz-gelb oder zumindest schwarz beschlossen und veranlasst.
    Das war (leider) schon immer so- und die SPD-Politker und Mitglieder werden wieder als vaterlandslose Gesellen und Vaterlandsverräter beschimpft werden.
    Also nichts Neues unter der Sonne.

    14 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 03.12.2011 um 20:24 Uhr

    ....In der Zeit?

    Sie scherzen.

    • joG
    • 03.12.2011 um 20:24 Uhr

    ....In der Zeit?

    Sie scherzen.

  4. Die SPD war sogar so patriotisch, dass sie sich 1914 einer durch alte, undemokratische, aber hochnationalistische Machtzirkel konstruierten deutschen Identität gebeugt und dem Ersten Weltkrieg zugestimmt und 1918 somit den alten Militäreliten paktiert hat. Bei den vielen, undifferenzierten Lobtönen auf die Vergangenheit der SPD sollten diese Sündenfälle nicht außer Acht gelassen werden.

    Dies sagt zwar prinzipiell nichts über die heutigen Leitlinien der Partei aus, nur neigt der Verfasser des Artikels offenbar zu einer ganzheitlichen Verklärung der deutschen Sozialdemokratie - die furchtbar unfundierte Passage zur Agenda 2010 bedarf keiner Kritik, sondern einer vollständigen Revision.

    Ich nehme keine Gleichsetzung von Nationalismus und Patriotismus vor, da ich weiß, wieviel diese Unterscheidung dem deutschen "Bildungs"-Bürger bedeutet, halte es aber für eine gefährliche intellektuelle Bankrotterklärung, im Jahr 2011 die Sozialdemokraten für ihren Patriotismus zu rühmen.

    22 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben: "Die SPD war sogar so patriotisch, dass sie sich 1914 einer durch alte, undemokratische, aber hochnationalistische Machtzirkel konstruierten deutschen Identität gebeugt und dem Ersten Weltkrieg zugestimmt und 1918 somit den alten Militäreliten paktiert hat."

    Gähn, gähn, gähn ... Geht's noch? Wie oft wollen sie denn diese vermoderte Leiche noch argumentativ ausgraben? Die SPD war auch so patriotisch, 1919 die Demokratie auszurufen, eine respektable und bis heute öffentlich völlig unterschätzte Weimarar Republik aufzubauen und 1933 als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte - mit den bekannten Folgen. Und sie hat nie den Anspruch auf Unfehlbarkeit erhoben wie andere.

    Dagegen hat die Ecke, aus der sie argumentieren, noch in den 1920ern mit den Nazis verhandelt (wissen sie nicht? Nachzulesen bei Enzo Traverso: Im Bann der Gewalt. Siedler 2007), Lenin, Stalin, Ulbricht, Mielcke, Honecker, den Gulag, Bautzen, den 17. Juni ... auf dem Buckel.

    Also, husch, husch zurück in ihr heimelig-blutrotes Körbchen.

    Sie schreiben: "Die SPD war sogar so patriotisch, dass sie sich 1914 einer durch alte, undemokratische, aber hochnationalistische Machtzirkel konstruierten deutschen Identität gebeugt und dem Ersten Weltkrieg zugestimmt und 1918 somit den alten Militäreliten paktiert hat."

    Gähn, gähn, gähn ... Geht's noch? Wie oft wollen sie denn diese vermoderte Leiche noch argumentativ ausgraben? Die SPD war auch so patriotisch, 1919 die Demokratie auszurufen, eine respektable und bis heute öffentlich völlig unterschätzte Weimarar Republik aufzubauen und 1933 als einzige Partei gegen das Ermächtigungsgesetz stimmte - mit den bekannten Folgen. Und sie hat nie den Anspruch auf Unfehlbarkeit erhoben wie andere.

    Dagegen hat die Ecke, aus der sie argumentieren, noch in den 1920ern mit den Nazis verhandelt (wissen sie nicht? Nachzulesen bei Enzo Traverso: Im Bann der Gewalt. Siedler 2007), Lenin, Stalin, Ulbricht, Mielcke, Honecker, den Gulag, Bautzen, den 17. Juni ... auf dem Buckel.

    Also, husch, husch zurück in ihr heimelig-blutrotes Körbchen.

  5. Bitte nutzen Sie den Kommentarbereich, um sich argumentativ mit dem Thema auseinanderzusetzen. Danke, die Redaktion/se

    Eine Leser-Empfehlung
  6. "Lob auf eine Partei der Vernunft"

    Geht das auch weniger pathetisch?

    Gerade bei der SPD von einer "Partei der Vernunft" für sehr gewagt (nett ausgedrückt). Gerade die SPD war es, die das Scheidungsrecht feministisch transformiert hat (vom Schuld- zum Zerrüttungsprinzip), die das Bildungsniveau durch 68er-Reformen gesenkt und die HartzIV eingeführt hat - um nur einige Fehltritte zu nennen. Inzwischen ist die SPD nichts weiter als eine Ansammlung von Quotenfrauen, -türken und linken Alt-68ern.

    Einzig Sarrazin hat innerhalb der SPD noch etwas Realitätskontakt

    Sofern Sie Zitate oder Tatsachenbehauptungen veröffentlichen, bitten wir um Verweise auf eine entsprechende Quelle. Danke, die Redaktion/se.

    20 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Lassen sie mich raten, die 68er die jahrelang Schweden, Norwegen und Dänemark mit ihren 68er-Reformen "unterdrückt" haben, manipulieren auch den OECD und PISA Bericht? Oder wie erklären sie sich die Welt?

    Heinz Buschkowsky nicht vergessen ;)

    • febbs
    • 04.12.2011 um 11:43 Uhr

    Hmmm...
    komisch. Werter Krautchan, ich kann ihre Behauptungen, es würden sich in der SPD nur noch Feministinnen, Türken und Alt-68er tummeln, nicht bestätigen.
    Was die Mitglieder angeht, kommt die Partei mir vor, wie ein "Kessel Buntes" - alles und jeder ist dort vertreten.
    Diese Tatsache färbt übrigens irgendwann auf einen selber ab. Irgendwann gewinnt man diese Feministinnen, Alt-68er, Migranten, Tradi-Sozen jenseits der 60 (Urgroßvater war schon in der SPD) und die engagierten Jusos einfach lieb (besonders die Damen U25). Und es wird einem klar, dass man diese unterschiedlichen Menschen eben nicht einfach so in Schubladen stecken kann! Und man merkt, dass sie alle ein Ziel eint - eine soziale, gerechte Welt. Und so unterschiedlich man auch ist, dafür gemeinsam zu streiten ist einfach toll. Täte Ihnen gut! Ja Ihnen, mit Ihrem "T/Köpfchen Graues". Also Schuhe an, Jacke drüber und auf zur nächsten SPD- Ortsverbandsversammlung!

    Lassen sie mich raten, die 68er die jahrelang Schweden, Norwegen und Dänemark mit ihren 68er-Reformen "unterdrückt" haben, manipulieren auch den OECD und PISA Bericht? Oder wie erklären sie sich die Welt?

    Heinz Buschkowsky nicht vergessen ;)

    • febbs
    • 04.12.2011 um 11:43 Uhr

    Hmmm...
    komisch. Werter Krautchan, ich kann ihre Behauptungen, es würden sich in der SPD nur noch Feministinnen, Türken und Alt-68er tummeln, nicht bestätigen.
    Was die Mitglieder angeht, kommt die Partei mir vor, wie ein "Kessel Buntes" - alles und jeder ist dort vertreten.
    Diese Tatsache färbt übrigens irgendwann auf einen selber ab. Irgendwann gewinnt man diese Feministinnen, Alt-68er, Migranten, Tradi-Sozen jenseits der 60 (Urgroßvater war schon in der SPD) und die engagierten Jusos einfach lieb (besonders die Damen U25). Und es wird einem klar, dass man diese unterschiedlichen Menschen eben nicht einfach so in Schubladen stecken kann! Und man merkt, dass sie alle ein Ziel eint - eine soziale, gerechte Welt. Und so unterschiedlich man auch ist, dafür gemeinsam zu streiten ist einfach toll. Täte Ihnen gut! Ja Ihnen, mit Ihrem "T/Köpfchen Graues". Also Schuhe an, Jacke drüber und auf zur nächsten SPD- Ortsverbandsversammlung!

  7. Wer hat uns verraten?
    Die SPD.
    Denn immer wenn das reaktionäre Establishment händeringend nach politisch opportunen Kräften sucht, um den eigenen überkommenen Status Quo zu schützen, konnte man sich auf die hohen Funktionäre der "Sozialdemokratie" verlassen.
    Steinmeier und Steinbrück, die legitimen Nachfolger von Ebert und Noske.

    Ermöglichten diese "Patrioten" 1914 mit ihrer Billigung der Kriegskredite den 1. Weltkrieg, so sind, knapp 100 Jahre später wieder jene patriotischen "Pragmatiker" daran beteiligt, Europa in das nächste große Unglück zu stürzen.

    27 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben: "Wer hat uns verraten?"

    Schämen sie sich eigentlich nicht, hier Naziparolen rum zu trompeten? Oder fühlen sie sich in solcher Gesellschaft gar wohl?

    und nicht zufällig sind auch die ganzen Agenda-Seeheimer im Bild, die schon vor der Bankenkrise mit ihrer neoliberalen Zertörungspolitik Millionen Menschen ins soziale Elend gestürzt haben und die einst optimistische deutsche Mittelschichtsgesellschaft irreparabel beschädigten.

    • fanta4
    • 04.12.2011 um 8:15 Uhr

    Frau Nahles konnte man gestern in den Nachrichten mit dem Satz vernehmen:
    "Wir wollen als Partei die Nase vorn haben."

    Nichte etwa: Wir wollen die besseren Ideen, oder Konzepte bieten.

    Nein, man möchte Wählerstimmen gewinnen, um den warmen Sessel im Bundestag zu behalten.

    http://www.youtube.com/wa...

    • BSiR
    • 04.12.2011 um 12:37 Uhr

    Selbst wenn Ihre Anmerkung zu politischen Entscheidungen vor 100 Jahren stimmt, haben sie richtig die SPD als mitschuldig tituliert. Nur haben Sie leider vergessen, die Rädelsführer der damaligen und der aktuellen Geschehnisse zu nennen, die uns angeblich in ein neues Unglück stürzen.
    Sie selbst oder Ihre Eltern haben einen FDP Politiker geduldet, der im Reichstag 1933 das Ermächtigungsgesetz durchgesetzt hat.
    Sozialdemokraten dagegen landeten in Gefängnissen und im KZ, weil sie gegen die braunen Verbrecher opponiert haben.
    Noch Fragen?

    Sie schreiben: "Wer hat uns verraten?"

    Schämen sie sich eigentlich nicht, hier Naziparolen rum zu trompeten? Oder fühlen sie sich in solcher Gesellschaft gar wohl?

    und nicht zufällig sind auch die ganzen Agenda-Seeheimer im Bild, die schon vor der Bankenkrise mit ihrer neoliberalen Zertörungspolitik Millionen Menschen ins soziale Elend gestürzt haben und die einst optimistische deutsche Mittelschichtsgesellschaft irreparabel beschädigten.

    • fanta4
    • 04.12.2011 um 8:15 Uhr

    Frau Nahles konnte man gestern in den Nachrichten mit dem Satz vernehmen:
    "Wir wollen als Partei die Nase vorn haben."

    Nichte etwa: Wir wollen die besseren Ideen, oder Konzepte bieten.

    Nein, man möchte Wählerstimmen gewinnen, um den warmen Sessel im Bundestag zu behalten.

    http://www.youtube.com/wa...

    • BSiR
    • 04.12.2011 um 12:37 Uhr

    Selbst wenn Ihre Anmerkung zu politischen Entscheidungen vor 100 Jahren stimmt, haben sie richtig die SPD als mitschuldig tituliert. Nur haben Sie leider vergessen, die Rädelsführer der damaligen und der aktuellen Geschehnisse zu nennen, die uns angeblich in ein neues Unglück stürzen.
    Sie selbst oder Ihre Eltern haben einen FDP Politiker geduldet, der im Reichstag 1933 das Ermächtigungsgesetz durchgesetzt hat.
    Sozialdemokraten dagegen landeten in Gefängnissen und im KZ, weil sie gegen die braunen Verbrecher opponiert haben.
    Noch Fragen?

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service