Euro-KriseSouverän bleiben

Jetzt entscheidet sich das Schicksal Europas. Warum die Staaten keine Angst haben dürfen, Macht zu verlieren.

Angela Merkel im Gespräch mit ihren Amtskollegen aus Irland und den Niederlanden, Enda Kenny (3. von rechts) und Mark Rutte (r.), bei einem Treffen im Oktober in Brüssel

Angela Merkel im Gespräch mit ihren Amtskollegen aus Irland und den Niederlanden, Enda Kenny (3. von rechts) und Mark Rutte (r.), bei einem Treffen im Oktober in Brüssel

An diesem Freitag geht es in Brüssel um unser Geld, um unsere Souveränität, um unser Gewicht in der Welt. Es geht, in einem Wort, um die Zukunft Europas. Man spürt es, wie der ganze Kontinent auf den Befreiungsschlag wartet. Es muss etwas geschehen. Jetzt. Alle wissen es.

In dieser Krise, so sagte es die Bundeskanzlerin vor dem Deutschen Bundestag, habe die Politik nahezu "jedes Vertrauen verspielt, verwirkt und fast zerstört". Für Angela Merkel, die es gern eine Nummer kleiner hat, ist dies ein erstaunliches Wort. Auch sie erklärt damit das Brüsseler Gipfeltreffen zum europäischen Schicksalstag. Die Drohung der Rating-Agentur Standard & Poor’s, die Kreditwürdigkeit der ganzen Euro-Zone herabzusetzen und Deutschland die Bestnote "Triple A" zu nehmen, braucht es dazu nicht.

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Manches von dem, was kommen wird, ist seit diesem Montag bekannt, als sich Angela Merkel und Nicolas Sarkozy in Paris trafen. Jedes Euro-Land wird künftig, wenn es die festgelegten Verschuldungsgrenzen überschreitet, automatisch mit Sanktionen belegt. Wer seinen Staatshaushalt nicht in Ordnung bringt, der kann vor Gericht gestellt werden. Der Europäische Gerichtshof soll darüber wachen, ob dies geschieht.

Die Kanzlerin macht sich gern klein: Mehr Uckermark als Bismarck

Eine solche "Fiskalunion" wäre für Europa ein großer Schritt voran. Der Widerspruch zwischen Währungsunion und fehlender politischer Union wäre zum Teil aufgelöst. Die europäischen Verträge müssten dafür geändert werden, und das dürfte kein leichtes Unterfangen sein. Denn klar ist: Die Nationalstaaten müssen ein wenig von ihrer Macht abgeben.

Souveränitätsverzicht!, schreien deshalb die Nationalkonservativen. Das Haushaltsrecht für Europa opfern oder auch nur einschränken lassen? Undenkbar! In Wahrheit geht es um Souveränitätsgewinn durch Souveränitätsübertragung. Nicolas Sarkozy hat das begriffen. Nur in einem handlungsfähigen Europa bleibe Frankreich wirklich souverän, sagte er dieser Tage in einer großen Rede in Toulon.

Natürlich kann ein starkes Land wie Deutschland, das in Europa eine Großmacht ist, leichter auf Souveränität verzichten als ein kleines Land; der Große wird sich schon zu behaupten wissen. Deshalb steht er schnell unter Verdacht, herrschen zu wollen, wo er nur (auch sich selber!) helfen will. Die "urdeutschen Tugenden" (Neue Zürcher Zeitung) der Sparsamkeit und Fiskaldisziplin kommen nicht überall gut an. Vom "deutschen Diktat" ist die Rede.

Natürlich ist das Unfug. Das eigentliche Problem sind überzogene Erwartungen. Niemand hat sie klarer formuliert als Polens Außenminister Radosław Sikorski, der vorige Woche in Berlin erklärte: "Ich verlange von Deutschland, dass es der Euro-Zone zum Überleben und Gedeihen verhilft." Sikorski sagt von sich, er sei wohl der erste polnische Außenminister, der deutsche Macht weniger fürchte als deutsche Untätigkeit. "Sie sind Europas unverzichtbare Nation geworden", rief er den Deutschen zu.

Leserkommentare
  1. Statt den Eurowahn zu beenden, will man Benzin ins Feuer gießen?
    Natürlich ohne das Volk zu befragen.
    Hauptsache, die Märkze sind beruhigt.
    Einstein definierte Wahnsinn als die Annahme, mit dem immer gleichen Vorgehen andere Ergebnisse erzieln zu können.

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    • joG
    • 08.12.2011 um 9:53 Uhr

    .....und Politiker trommeln. Ihr Vergleich scheint richtig. Es scheint wie Benzin auf das Feuer. Die Personen, Bürokratie und Parteien konnten die EU und Euroland gut machen in den letzten 30 Jahren. Sie haben sich entschlossen es schlecht zu machen. Jetzt wollen sie auf die Schnelle die Zukunft "retten"?

    "Ganz sachte!" sollte man meinen, würde der Souverän, um dessen Souveränität es geht, sagen. Aber er kann viel sagen. Er hat keine Möglichkeit die Geister, die er rief zu kontrollieren.

    Lediglich könnte er Gewalt einsetzen und dafür ist seine aktuelle Lage zu bequem. So wird er nun bekommen, was seine Vertreter, die über Jahrzehnte tricksten, verheimlichten und offensichtlich schlechte Arbeit ablieferten ihm vorschreiben. Der Souverän wird seine Souveränität teilen müssen und noch weniger Kontrolle über seine Zukunft haben. Ungefragt.

    "Kein europäisches Land wird sich im 21. Jahrhundert allein gegen Amerika und gegen die aufstrebenden Länder Asiens behaupten können." Norwegen, die Schweiz, Japan usw scheinen sich diese Sorgen nicht zu machen. Alles Lüge.

    japan ist ein asiatisches land!

    norwegen hat öl u. die schweiz schwarzgeld (steuerhinterziehern, diktatoren, usw.) über jahr10e gebunkert ausserdem keine weltkriege hinter sich!

    kleine länder w.o. = weltwirtschaftliche rosinenpicker kann man mit deutschland/frankreich/italien/gb überhaupt nicht vergleichen!!!

    • joG
    • 08.12.2011 um 9:53 Uhr

    .....und Politiker trommeln. Ihr Vergleich scheint richtig. Es scheint wie Benzin auf das Feuer. Die Personen, Bürokratie und Parteien konnten die EU und Euroland gut machen in den letzten 30 Jahren. Sie haben sich entschlossen es schlecht zu machen. Jetzt wollen sie auf die Schnelle die Zukunft "retten"?

    "Ganz sachte!" sollte man meinen, würde der Souverän, um dessen Souveränität es geht, sagen. Aber er kann viel sagen. Er hat keine Möglichkeit die Geister, die er rief zu kontrollieren.

    Lediglich könnte er Gewalt einsetzen und dafür ist seine aktuelle Lage zu bequem. So wird er nun bekommen, was seine Vertreter, die über Jahrzehnte tricksten, verheimlichten und offensichtlich schlechte Arbeit ablieferten ihm vorschreiben. Der Souverän wird seine Souveränität teilen müssen und noch weniger Kontrolle über seine Zukunft haben. Ungefragt.

    "Kein europäisches Land wird sich im 21. Jahrhundert allein gegen Amerika und gegen die aufstrebenden Länder Asiens behaupten können." Norwegen, die Schweiz, Japan usw scheinen sich diese Sorgen nicht zu machen. Alles Lüge.

    japan ist ein asiatisches land!

    norwegen hat öl u. die schweiz schwarzgeld (steuerhinterziehern, diktatoren, usw.) über jahr10e gebunkert ausserdem keine weltkriege hinter sich!

    kleine länder w.o. = weltwirtschaftliche rosinenpicker kann man mit deutschland/frankreich/italien/gb überhaupt nicht vergleichen!!!

  2. 4 Leserempfehlungen
    • ngw16
    • 08.12.2011 um 9:40 Uhr

    Das Haushaltsrecht ist das Hauptrecht des Parlaments.

    Und nur dieses ist gerade noch so mit Legitimation der Bürger versehen.
    Aufgabe dieses Rechts bedeutet endgültig, das Parlament ist nur noch fürs Abnicken und Labbern da.
    So etwas muss der Bürger aber auch nicht mehr wählen, da sinnlos. So schlechte Talkshows gibt es billiger.

    Damit wäre dann noch das letzte Feigenblatt bzgl. Demokratie weg.

    Die EU-Kommision und auch nicht das EuGH können sich auf eine Legitimation auf Grundlage allgemeiner und gleicher Wahlen berufen.

    9 Leserempfehlungen
  3. europa wird untergehen. so oder so. und wenn nicht aus eigenem "verschulden" dann weil die usa untergeht.

    die schuldenberge sind zu groß und wachsen mit exponentieller geschwindigkeit. da kann man sparen wo man will. es kann nicht funktionieren.

    aber solange diese lüge aufrecht erhalten wird, kann es munter weitergehen im ramschausverkauf unserer volkswirtschaften.

    4 Leserempfehlungen
    • joG
    • 08.12.2011 um 9:44 Uhr

    ....die Staaten keine Angst haben dürfen, Macht zu verlieren."

    Da haben Sie recht. "Die Staaten" brauchen keine Angst zu haben. Lediglich ihre Bürger müssen das.

    Es wird hier in der Krise Druck gemacht Dinge hektisch durchzudrücken, die man in ruhiger Zeit nicht konnte. Da denkt man an den alten Händlerspruch: "Wer am späten Freitag Nachmittag anruft um ein Geschäft zu machen, will bertügen."

    8 Leserempfehlungen
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    ...der Artikel von Herrn Nass ist absolut erwartbar und durchschaubar und verliert sich in den üblichen Phrasen. Stimmungsmache pur.

    Hat Herr Nass eigentlich auf den offenen Brief von Sebastian Nobile reagiert?:
    http://www.manuelmeint.de...

    ...der Artikel von Herrn Nass ist absolut erwartbar und durchschaubar und verliert sich in den üblichen Phrasen. Stimmungsmache pur.

    Hat Herr Nass eigentlich auf den offenen Brief von Sebastian Nobile reagiert?:
    http://www.manuelmeint.de...

  4. Bitte die Bogenberger Erklärung widerlegen oder Konsequenzen ziehen.
    http://www.faz.net/aktuel...

    Ein Artikel der zum Souveränitätsverzicht aufruft, ohne das Demokratiedefizit der europäischen Institutionen zu problematisieren, ist schwach.

    12 Leserempfehlungen
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    "Ein Artikel der zum Souveränitätsverzicht aufruft, ohne das Demokratiedefizit der europäischen Institutionen zu problematisieren, ist schwach."

    Und sinnvoll wäre es sicherlich auch, einmal zu überprüfen, inwieweit die Aufgabe Staatshaushaltsrechtlicher Souveränität nach den Regelungen unseres Grundgesetzes überhaupt möglich ist. Ich bin da durchaus skeptisch und verweise einmal exemplarisch auf folgenden Leitsatz der Karlsruher Entscheidung zum EFSF vom 07.09.2011 (nachzulesen unter http://www.bundesverfassu...):

    b) Es dürfen keine dauerhaften völkervertragsrechtlichen Mechanismen begründet werden, die auf eine Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten hinauslaufen, vor allem wenn sie mit schwer kalkulierbaren Folgewirkungen verbunden sind. Jede ausgabenwirksame solidarische Hilfsmaßnahme des Bundes größeren Umfangs im internationalen oder unionalen Bereich muss vom Bundestag im Einzelnen bewilligt werden.
    c) Darüber hinaus muss gesichert sein, dass hinreichender parlamentarischer Einfluss auf die Art und Weise des Umgangs mit den zur Verfügung gestellten Mitteln besteht.

    "Ein Artikel der zum Souveränitätsverzicht aufruft, ohne das Demokratiedefizit der europäischen Institutionen zu problematisieren, ist schwach."

    Und sinnvoll wäre es sicherlich auch, einmal zu überprüfen, inwieweit die Aufgabe Staatshaushaltsrechtlicher Souveränität nach den Regelungen unseres Grundgesetzes überhaupt möglich ist. Ich bin da durchaus skeptisch und verweise einmal exemplarisch auf folgenden Leitsatz der Karlsruher Entscheidung zum EFSF vom 07.09.2011 (nachzulesen unter http://www.bundesverfassu...):

    b) Es dürfen keine dauerhaften völkervertragsrechtlichen Mechanismen begründet werden, die auf eine Haftungsübernahme für Willensentscheidungen anderer Staaten hinauslaufen, vor allem wenn sie mit schwer kalkulierbaren Folgewirkungen verbunden sind. Jede ausgabenwirksame solidarische Hilfsmaßnahme des Bundes größeren Umfangs im internationalen oder unionalen Bereich muss vom Bundestag im Einzelnen bewilligt werden.
    c) Darüber hinaus muss gesichert sein, dass hinreichender parlamentarischer Einfluss auf die Art und Weise des Umgangs mit den zur Verfügung gestellten Mitteln besteht.

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