Rolf Eden, Deutschlands berühmtester und dienstältester Playboy, ist eine echte Herausforderung für unsere Moral. Nicht weil er mit so vielen Frauen schläft. Auch nicht, weil die Mädchen höchstens 30 Jahre sein dürfen, während er selbst im vergangenen Jahr seinen achtzigsten Geburtstag gefeiert hat. Rolf Eden fordert unsere Moral heraus, weil er ein kompromissloser Antimetaphysiker ist. Bei ihm ist alles Mechanik, und er verbittet es sich, hinter dem Äußeren noch irgendein Inneres zu vermuten. In diesem Leben soll es absolut keine Hinterwelten geben. Keinen höheren Sinn, keine tiefere Dimension. Nichts Tragisches, nichts Erhabenes. Im 19. Jahrhundert hätte man so jemanden mit Schaudern einen Nihilisten genannt. Aber Eden verbittet sich solche Ehrentitel. Er will gar nichts sein, nichts bedeuten, nichts beweisen. Er will – Herrgott, ist das so schwer zu begreifen! – einfach nur mit vielen jungen Frauen schlafen. Und zwar: weil es ihm Spaß macht. "Besser leben mit Eden", sagt er dann und grinst. Er hat so ein kleines Repertoire an Sätzen, die er immer wiederholt. Wenn man sie zum ersten Mal hört, klingen sie ziemlich bescheuert. Aber bei der fünften Wiederholung entfalten sie plötzlich Kraft. " I love myself " ist so ein Satz. Oder: "Ich hatte einfach immer Glück." Oder: "Geld ist ganz wichtig." Oder, ganz wichtig: " Fantastico. "

Ein Playboy brauche Geld, damit er überall mithalten könne. "Ich habe immer einen Rolls-Royce gefahren", sagt Rolf Eden. Man müsse den Frauen Komplimente machen und sie überraschen, sagt er mit großer Ernsthaftigkeit. Blumen. Schmuck. Teurer Schmuck. Dann sagt sie: " Sweetheart , du bist ja verrückt! Dieser Ring kostet doch mindestens 5.000 Euro!" Und er antwortet: "Ja, my dear , damit du immer an mich denkst."

Raffinement bedeutet Rolf Eden nichts. Es geht eher um Logistik und Kausalitäten. Sei es nicht, bohren wir nach, viel schmeichelhafter, die Frauen mit Charme rumzukriegen statt mit Geld? Rolf Eden schaut, als falle es ihm wirklich schwer, den kategorialen Unterschied zwischen beidem zu erkennen. Dann sagt er: "Also, warum ich sie rumkriege, ist mir völlig egal, Hauptsache sie landen im Bett. Es geht nur darum, sie am Ende im Bett zu haben."


Schauen wir uns also um am Ort des Geschehens. Rolf Eden, der König der Berliner Nacht, der seit 1957 legendäre Diskotheken und Nachtclubs in Berlin gründete, die ihn reich gemacht haben, lebt seit 20 Jahren in Berlin-Dahlem. Im Garten steht ein Swimmingpool. Das leuchtet sofort ein, dass ein Playboy einen Swimmingpool braucht. Das Wohnzimmer sieht so aus, als hätte man es in den achtziger Jahren für eine Derrick -Folge eingerichtet, wenn Horst Tappert im Haus eines stadtbekannten Spielkasinobesitzers ermitteln muss. Viel Glitzer, schwere Teppiche, Spiegel. Und ein Kamin. So ein Kamin, sagt Eden, sei ganz wichtig. Die Mädchen würden auf dem Sofa Platz nehmen, während das Feuer im Kamin flackere, und er würde ihnen ein Glas Champagner mit Wodka drin servieren. Wodka im Champagner?, fragen wir etwas irritiert. "Davon wissen die Mädchen ja nichts." Wow, echte Trickkiste. "Klaro", sagt er, "man muss mit allen Tricks arbeiten."

Und dann führt er uns drei Treppenstufen hinauf und um die Ecke herum, wo das weiße Klavier steht. Er setzt sich dran. Wenn das Mädchen eine Russin sei, dann spiele er Kalinka – und schon greift er beherzt in die Tasten. Sowie Musik ins Spiel kommt, ist Rolf Eden nicht mehr zu bremsen. Er haut zwar kräftig daneben, aber es hat Schmiss. Wir rufen jetzt Nationen auf, und er spielt die entsprechenden Lieder. Und wenn es ein deutsches Mädchen ist? Jetzt strahlt er übers ganze Gesicht und spielt an: "Vor der Kaserne...". Aber der eigentliche Trick komme erst noch. Die Mädchen würden sich nämlich jetzt in Sicherheit wiegen, weil er ja am Klavier sitze. "Ha!" Er drückt einen Knopf am Klavier, worauf die Tasten dank einer eingebauten Mechanik weiterspielen. Und schon kann Rolf Eden wieder zurück zum Kamin schleichen und die Dame überraschend in seine Arme schließen.

Als Materialist hat Rolf Eden ein mechanistisches Weltbild. Der Mensch ist eine Maschine, bei der man bestimmte Knöpfe drücken muss, um bestimmte Handlungen oder Gefühle auszulösen. Sein Schlafzimmer bringt das anschaulich zum Ausdruck. Über dem Bett hängt ein großer Spiegel: "Man muss immer alles sehen." Aber viel lustiger sind die ganzen Knöpfe und Regler neben dem Bett. Das hat so eine Captain-Future -Ästhetik. Mit diesen Knöpfen und Hebeln kann Eden im entscheidenden Moment das Licht dimmen, die Musik regulieren, den hier oben künstlichen Kamin anschalten oder den Videorekorder mit den Pornos bedienen. Wer dieses Schlafzimmer gesehen hat, hat eine Lektion fürs Leben gelernt: Zum Vollzug kommt es, wenn der Mensch im richtigen Moment den richtigen Knopf drückt.