Anti-amerikanische Proteste in Teheran © ATTA KENARE/AFP/Getty Images

Das iranische Krisenkarussell nimmt in diesen Tagen rasant Fahrt auf: Großbritannien beschließt Sanktionen gegen Iran , iranische Demonstranten verwüsten die britische Botschaft in Teheran ; die EU verschärft die Sanktionen gegen Iran; eine amerikanische Drohne wird über iranischem Luftraum abgeschossen. Es könnte einem schwindlig werden und angst und bange dazu. Denn eine solche Verdichtung der Ereignisse kann in einen Krieg münden – muss aber nicht.

Bisher verhalten sich alle beteiligten Parteien rational. Sie folgen einer gewissen Logik, auch das iranische Regime. In dreißig Jahren ihrer Existenz hat die Islamische Republik ihre zähe Überlebensfähigkeit unter Beweis gestellt. Es gab zwar eine Zeit, in der Revolutionsführer Chomeini seine Revolution exportieren wollte. Das war in den achtziger Jahren, während des blutigen Krieges mit dem Irak. Doch spätestens seit dem Ende dieses Krieges 1988 und dem Tod Chomeinis im Jahr danach richtet das Regime fast alle Kräfte darauf, sich im Land an der Macht zu halten. Auf innenpolitische Herausforderungen reagiert es mit harter Hand. Das haben zuletzt jene Zehntausende Iraner zu spüren bekommen, die nach den Präsidentschaftswahlen 2009 auf die Straße gegangen sind, um gegen Wahlfälschungen zu demonstrieren. Diese sogenannte Grüne Bewegung wurde mit Gewalt erstickt.

Auch die Außenpolitik Irans konzentriert sich darauf, den Einfluss in der Region zu sichern. Wobei das Regime dabei meisterhaft jede Chance nutzt: In den vergangenen zehn Jahren etwa hat Iran seinen Einfluss im Irak, in Afghanistan, im Libanon und im Gaza-Streifen ausgeweitet, indem es von den Fehlern anderer profitierte. Iran ist in diesem Sinne eine opportunistische Macht, die auf Überleben gepolt ist.

Selbst den Bau einer Atombombe , welchen das Regime nach allem, was wir bisher sagen können, anstrebt, ist in erster Linie ein Mittel zur Selbstversicherung. Wer diese Bombe nicht hat, ist angreifbar – der irakische Diktator Saddam Hussein könnte das bestätigen und der libysche Diktator Muammar al-Gadhafi ebenfalls – wenn sie noch leben würden. Der Nordkoreaner Kim Jong Il kann dasselbe Lied anstimmen, allerdings mit anderer Melodie: Er hält sich auch dank der Bombe an der Macht.

Die Islamische Republik Iran ist schon einmal mit Krieg überzogen worden, von Saddam Hussein 1980. In den acht folgenden Kriegsjahren wurde Saddam von den USA mit Aufklärungsbildern versorgt, von den Franzosen mit Exocet-Raketen und von deutschen Firmen mit Mitteln zur Herstellung von Chemiewaffen, die auch tatsächlich eingesetzt wurden. Wir stehen allein gegen den Rest der Welt, das ist also nicht nur eine ideologisch verbohrte Überzeugung des Teheraner Regimes, es ist auch eine historische Erfahrung des Landes.

Aber wer eine Atombombe besitzt, kann sich nicht nur verteidigen, er wirkt auch nach außen. Ein atomar bewaffneter Iran würde die Machtbalance im Nahen Osten verändern . Allein die Fähigkeit zum Bombenbau würde dafür ausreichen. Im Falle Irans ist hinzufügen: Wer so redet wie der iranische Präsident Mahmud Ahmadineschad, gibt einer ohnehin schon bedrohlichen Waffe einen besonders sinistren Beiklang. Denn Ahmadineschad hat die Existenz des Staates Israel mehrmals öffentlich infrage gestellt.

Die Furcht vor einem nuklear bewaffneten Iran ist der Grund, warum der Westen unter der Führung der USA seit einigen Jahren den Druck auf Iran verstärkt. Es ist zwar viel die Rede von einem Präventivschlag gegen Iran, besonders durch die israelische Luftwaffe, doch insgesamt verfolgt der Westen eine Strategie der Eindämmung der Islamischen Republik. In mehreren Schritten sind in den vergangenen Jahren die Sanktionen gegen Teheran verschärft worden.