Seit Jahrzehnten liefert Deutschland Waffen an Diktatoren – aber nie modernste Kampfpanzer, über die nicht einmal die Bundeswehr verfügt. Und nie zuvor an Saudi-Arabien, das Israel feindlich gegenübersteht. Der Deal passt schlecht zum Schwerpunkt Abrüstung, den Außenminister Guido Westerwelle verkündete, oder zur »wertegebundenen Außenpolitik«, die Angela Merkel beschwor.

Für den Verkauf von Waffen gilt: Was nicht erlaubt ist, ist verboten. Heikle Ausfuhren müssen sogar durch den Bundessicherheitsrat genehmigt werden, in dem die Kanzlerin und acht Minister sitzen. Offiziell wird über die Deals nicht gesprochen, auch nicht über den Leo und die Saudis. Inoffiziell ist von strategischen Interessen und geopolitischen Zusammenhängen die Rede. Doch die Wahrheit ist auch: Dahinter steckt ein großes Geschäft, an dem viele deutsche Traditionsunternehmen mitverdienen.

Der Leo soll noch auf Wüstentauglichkeit geprüft werden

In 18 Ländern werden Leopard-Panzer bislang eingesetzt, unter anderem in Chile, in der Türkei und in Singapur. Vom Polarkreis bis zum Atlantik, wie es in der Leo-Werbung heißt. Und bald auch in der saudischen Wüste. Derzeit laufen die Vertragsverhandlungen. In den Vereinigten Arabischen Emiraten wurde der Panzer bereits erprobt, nun soll er auch in Saudi-Arabien selbst auf seine Wüstentauglichkeit getestet werden. Details über den Vertragsumfang müssen noch geklärt werden.

Der Leopard 2 A7+, um den es geht, ist die neueste Version des Klassikers. Besonders geeignet, wirbt der Hersteller, sei das Gerät für »asymmetrische« Bedrohungslagen. Im Klartext: Für die Aufstandsbekämpfung in Ländern wie Afghanistan oder dem Irak wäre er hervorragend einzusetzen. Und die Unterscheidung zwischen Terroristen und Freiheitskämpfern ist nicht immer ganz leicht.

Haupthersteller ist die Firma Krauss-Maffei Wegmann, ein Familienunternehmen, das nicht an der Börse notiert ist und deshalb auch keine Auskünfte über sein Geschäft erteilen muss. Und Informationen zum Panzer-Deal gibt es grundsätzlich nicht. Ein Film, der im Internet kursiert und den Leopard bei einer simulierten »Räumung«, sprich einem Übungseinsatz gegen Demonstranten zeigt, sei Krauss-Maffei Wegmann gar nicht recht, sagt ein Vertreter des Unternehmens. Er sagt nicht direkt, warum, aber es ist klar, was er meint: Man denkt dabei zu leicht an die Demos des Arabischen Frühlings.

Am Ende könnte es um bis zu drei Milliarden Euro gehen. Der Leopard 2 sei ein Produkt des deutschen Mittelstandes, sagt ein Lobbyist, der ungenannt bleiben will. Das macht es selbst Gegnern schwer, die Rüstungsindustriellen zu brandmarken: Die meisten sind schließlich »gute« deutsche Unternehmer, für die Kriegsgerät nur ein Nebenjob ist. Und die meisten sind, global gesehen, ohnehin nur Zwerge. Unter den hundert größten Kriegsgeräteherstellern der Welt finden sich lediglich drei aus Deutschland. Doch die Masse macht’s.

Das umsatzstärkste deutsche Rüstungsunternehmen gehört zu den wichtigsten Zulieferern beim Leopard 2: Rheinmetall fertigt die 120-Millimeter-Glattrohrkanone, die Feuerleitanlage, Munition und das 7,62-Millimeter-Maschinengewehr. Der Konzern aus Düsseldorf notiert als einer von wenigen deutschen Waffenproduzenten an der Börse. Rheinmetall baut auch selbst Panzer und geschützte Transporter. Rund 14000 Ketten- und Radfahrzeuge hat das Unternehmen nach eigenen Angaben bislang ausgeliefert. Bekannt ist es in Deutschland aber vor allem als Automobilzulieferer von Audi, VW, BMW und Daimler.