Wettlauf am Südpol Helden wie ihr
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Vieles bleibt vom Geist der heroisierenden Polargeschichtsschreibung durchdrungen

Ausgerüstet für die Reise ins ewige Eis: Der Brite Robert Scott und seine Mannschaft erreichte den Südpol einen Monat nach dem Norweger Amundsen.

Ausgerüstet für die Reise ins ewige Eis: Der Brite Robert Scott und seine Mannschaft erreichte den Südpol einen Monat nach dem Norweger Amundsen.

Trotz ihrer Bemühungen um sachliche Distanz bleiben viele Zeilen jedoch vom Geist der heroisierenden Polargeschichtsschreibung durchdrungen. »Die Antarktis«, heißt es etwa, »ist ein Land, in dem Helden geboren werden.« Keine Frage: Das schreibende Paar ist allen Abenteurern grundsätzlich zugetan. Über Amundsen fällt kein böses Wort. Scotts schließlich tödliche Organisationsfehler werden zwar benannt, aber Gastautor Ranulph Fiennes, Antarktisdurchquerer und Scott-Biograf, hält Kritikern entgegen: »Um über die Hölle schreiben zu können, ist es hilfreich, wenn man schon mal dort war.« Das Zitat ist typisch für das Harte-Kerle-Image, das im Buch gepflegt wird. Für die jüngste Generation von Antarktisbesuchern, die Touristen nämlich, haben seine Autoren nur Geringschätzung übrig.

Der Reisejournalist Martin Wein sieht das vollkommen anders. »Cool bleiben und ab ins Eis«, rät er im Vorwort zu seinem Reportageband Abenteuer im Eis. Jeder körperlich einigermaßen fitte Mensch könne heute Polarreisen unternehmen. Um Platz auf einem Expeditions-Kreuzfahrtschiff zu finden, seien die Vermögensverhältnisse ohnehin wichtiger als die Kondition. Wein hat auf der Fram, dem Luxusnachbau von Amundsens Schiff selben Namens, die Weichei-Variante genossen: leckere Buffets, einen Fahrstuhl zu den Kabinen, perfekt organisierte Landgänge. Aber er war auch in anderen eisigen Regionen der Welt unterwegs.

Im Jahr 1910 stach Robert Falcon Scott mit seinem Forschungsschiff Terra Nova in See, um unter britischer Flagge als erster Mensch den Südpol zu erreichen. An Bord war auch der Fotograf und Kameramann Herbert G. Ponting. Er dokumentierte die ersten Monate der Expedition, die tragisch endete, in beeindruckenden Bildern. Ponting hatte die Gruppe 1912 verlassen, um mit seinem Fotomaterial in die Zivilisation zurückzukehren

Dabei sind Wein durchaus Helden begegnet: Der britische Polarforscher Ernest Shackleton zum Beispiel, dessen Grab er in Südgeorgien besucht. Oder die philippinischen Kellner an Bord der Fram, die selbst Orkane beim Servieren lächelnd ausbalancieren. Im Übrigen hält Wein jedes Pathos fern. Die Geschichte der Polarforschung erzählt er im Zeitraffer, gerne mit schnoddrigen Bemerkungen garniert – vor allem, wenn er von den Pannen diverser Unternehmen berichtet.

Ins Schwärmen bringt ihn dagegen immer wieder die Natur, das große Landschaftskino und seine Bewohner, wie die Belgica antarctica. Diese krabbelnde Zuckmückenart ist das einzige Insekt der Antarktis. Ihre Larven trotzen sowohl Eis als auch wochenlanger Trockenheit und Hitze. Ihr robustes Naturell macht sie womöglich eines Tages, wenn das Eis längst geschmolzen ist, zum Südpol-Helden der Zukunft.

 
Leser-Kommentare
  1. "Pinguine und Orcas bekriegen einander an der Eiskante"???
    Wie sollen denn die Pinguine das machen, bitteschön???

  2. 2. These

    Ich möchte einmal die These in den Raum stellen, dass Amundsen erfolgreich war, weil er bereit war, von Inuit und Lappen als Experten für die Eiswildnis zu lernen, während Scott scheiterte, weil für ihn ein zivilisierter Engländer nichts von "Wilden" zu lernen brauchte.

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    Diese These haben schon Hunderte vor ihnen "in den Raum gestellt". Teilweise mit guten Begründungen, oft jedoch viel zu oberflächlich.

    Scott scheiterte wenige Kilometer vor dem rettenden Lager. Wäre er wirklich ein unverbesserlicher "zivilisierter Engländer" ohne Anpassungsbereitschaft gewesen, wäre vermutlich deutlich früher Schluss gewesen.

    • kyon
    • 14.12.2011 um 23:50 Uhr

    Hat der "Held" Amundsen bei den Inuit und Lappen auch gelernt, die so überlebenswichtigen und mit dem Menschen so eng verbundenen Schlitthunde zu verspeisen?

    • dojon
    • 15.12.2011 um 10:17 Uhr

    Daß die Urbewohner der Arktis mit ihren Tieren nämlich immer so umgingen, wie sich daß ein westlicher Hundeliebhaber, dem der "gute Wilde" im Kopf herumspuckt, vorstellt, ist nämlich nichts vermutlich ein Mythos. Reisende des mittleren zwanzigsten Jahrhunderts berichten, daß die Ureinwohner fast durchwegs ziemlich roh mit ihren Hunden umgingen.Als einer unter vielen sei hier genannt. Tete-Michel-Kpomassie: ein Afrikaner in Grönland. Das Buch ist sehr naiv, aber vermutlich deshalb durchaus zutreffend, vor allem da der Schreiber nicht den europäischen Mythos vom guten Wilden in seinem geistigen Gepäck mitschleppt.

    Diese These haben schon Hunderte vor ihnen "in den Raum gestellt". Teilweise mit guten Begründungen, oft jedoch viel zu oberflächlich.

    Scott scheiterte wenige Kilometer vor dem rettenden Lager. Wäre er wirklich ein unverbesserlicher "zivilisierter Engländer" ohne Anpassungsbereitschaft gewesen, wäre vermutlich deutlich früher Schluss gewesen.

    • kyon
    • 14.12.2011 um 23:50 Uhr

    Hat der "Held" Amundsen bei den Inuit und Lappen auch gelernt, die so überlebenswichtigen und mit dem Menschen so eng verbundenen Schlitthunde zu verspeisen?

    • dojon
    • 15.12.2011 um 10:17 Uhr

    Daß die Urbewohner der Arktis mit ihren Tieren nämlich immer so umgingen, wie sich daß ein westlicher Hundeliebhaber, dem der "gute Wilde" im Kopf herumspuckt, vorstellt, ist nämlich nichts vermutlich ein Mythos. Reisende des mittleren zwanzigsten Jahrhunderts berichten, daß die Ureinwohner fast durchwegs ziemlich roh mit ihren Hunden umgingen.Als einer unter vielen sei hier genannt. Tete-Michel-Kpomassie: ein Afrikaner in Grönland. Das Buch ist sehr naiv, aber vermutlich deshalb durchaus zutreffend, vor allem da der Schreiber nicht den europäischen Mythos vom guten Wilden in seinem geistigen Gepäck mitschleppt.

  3. 3. Nun...

    Diese These haben schon Hunderte vor ihnen "in den Raum gestellt". Teilweise mit guten Begründungen, oft jedoch viel zu oberflächlich.

    Scott scheiterte wenige Kilometer vor dem rettenden Lager. Wäre er wirklich ein unverbesserlicher "zivilisierter Engländer" ohne Anpassungsbereitschaft gewesen, wäre vermutlich deutlich früher Schluss gewesen.

    Antwort auf "These"
  4. scott ist ein denkmal ist ein denkmal ist ein denkmal.

    an dessen heldenhaftigkeit zu zweifel scheint bereits so etwas wie ein verbrechen darzustellen.
    sollte es tatsächlich gegen die guten sitten verstoßen einen menschen der durch sein fehlverhalten den tot seiner gefolgsleute zu verantworten hat, die ehrhaftigkeit seiner handlungen und seinen heldenstatus abzusprechen?

    leider wird in praktisch jeder entsprechenden berichterstattung scott als der heldenhaft und ehrenhaft gescheiterte dargestellt. wie auch im gegenständlichen bericht.

    ich persönlich hege wenig sympathie für diesen menschen und sein verhalten.

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    • TDU
    • 15.12.2011 um 17:30 Uhr

    Nicht gleich beleidigt sein. Noch mal gefragt: Was wusste Scott damals, was seine Leute nicht wussten? Man sollte kritisieren und verurteilen nach den Masstäben der damaligen Zeit.

    Dass nach heutigen Massstäben die Erben der Angehörigen die Erben Scotts verklagt hätten ist klar. Für Königin und Vaterland ginge sowieso nicht. Und wenn Abenteuer dann mit sicherem Ausgang.

    Wer scheitert, muss vorwerfbare Fehler gemacht haben. Deswegen gilt ja heute auch nur der Erfolgreiche was. Auch wenn natürlich der böse Erfolgsdruck verdammt wird.

    • TDU
    • 15.12.2011 um 17:30 Uhr

    Nicht gleich beleidigt sein. Noch mal gefragt: Was wusste Scott damals, was seine Leute nicht wussten? Man sollte kritisieren und verurteilen nach den Masstäben der damaligen Zeit.

    Dass nach heutigen Massstäben die Erben der Angehörigen die Erben Scotts verklagt hätten ist klar. Für Königin und Vaterland ginge sowieso nicht. Und wenn Abenteuer dann mit sicherem Ausgang.

    Wer scheitert, muss vorwerfbare Fehler gemacht haben. Deswegen gilt ja heute auch nur der Erfolgreiche was. Auch wenn natürlich der böse Erfolgsdruck verdammt wird.

    • kyon
    • 14.12.2011 um 23:50 Uhr

    Hat der "Held" Amundsen bei den Inuit und Lappen auch gelernt, die so überlebenswichtigen und mit dem Menschen so eng verbundenen Schlitthunde zu verspeisen?

    Antwort auf "These"
    • dojon
    • 15.12.2011 um 10:17 Uhr

    Daß die Urbewohner der Arktis mit ihren Tieren nämlich immer so umgingen, wie sich daß ein westlicher Hundeliebhaber, dem der "gute Wilde" im Kopf herumspuckt, vorstellt, ist nämlich nichts vermutlich ein Mythos. Reisende des mittleren zwanzigsten Jahrhunderts berichten, daß die Ureinwohner fast durchwegs ziemlich roh mit ihren Hunden umgingen.Als einer unter vielen sei hier genannt. Tete-Michel-Kpomassie: ein Afrikaner in Grönland. Das Buch ist sehr naiv, aber vermutlich deshalb durchaus zutreffend, vor allem da der Schreiber nicht den europäischen Mythos vom guten Wilden in seinem geistigen Gepäck mitschleppt.

    Antwort auf "These"
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    • kyon
    • 15.12.2011 um 12:13 Uhr

    Gehört bei den Ureinwohnern der Arktis bei der "rohen Behandlung ihrer Hunde" auch dazu, dass sie sie verspeisen?
    Das wäre für mich eine neue Information. Wissen sie darüber(!) etwas?

    • kyon
    • 15.12.2011 um 12:13 Uhr

    Gehört bei den Ureinwohnern der Arktis bei der "rohen Behandlung ihrer Hunde" auch dazu, dass sie sie verspeisen?
    Das wäre für mich eine neue Information. Wissen sie darüber(!) etwas?

    • kyon
    • 15.12.2011 um 12:13 Uhr

    Gehört bei den Ureinwohnern der Arktis bei der "rohen Behandlung ihrer Hunde" auch dazu, dass sie sie verspeisen?
    Das wäre für mich eine neue Information. Wissen sie darüber(!) etwas?

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    • dojon
    • 15.12.2011 um 15:39 Uhr

    Die Regel war das sicher nicht. Ein gutes Hundegespann muß aufwendig trainiert werden, Hunde zu verspeisen, kam sicher genau so selten vor, wie man in unserer Kultur Pferde schlachtete und as. Leider war die Lebensmittelversorgung in der Arktis nicht immer garantiert, und in extremen Notzeiten, die gar nicht so selten waren, kam es durchaus vor, daß man Hunde, (wahrscheinlich die, die man nicht mehr so wirklich brauchen konnte zuerst,) verspeiste. In solchen Zeiten ließ man übrigens auch alte Verwandte zurück, um das Überleben des Clans zu sichern. Ich kann mich flüchtig erinnern, mal was darüber gelesen zu haben, bitte aber um Entschuldigung, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, das war vor 20 Jahren. Wie gesagt, ich bin Vielleser, aber der Arktis gehörte nicht gerade mein spezielles Interesse. Aber wenn sie gezielt googeln, müßten sie was dazu finden.

    • dojon
    • 15.12.2011 um 15:48 Uhr

    Suche sie mal ein bischen. Zur Altentötung bei den Eskimos habe ich ziemlich sofort was gefunden.

    • dojon
    • 15.12.2011 um 15:39 Uhr

    Die Regel war das sicher nicht. Ein gutes Hundegespann muß aufwendig trainiert werden, Hunde zu verspeisen, kam sicher genau so selten vor, wie man in unserer Kultur Pferde schlachtete und as. Leider war die Lebensmittelversorgung in der Arktis nicht immer garantiert, und in extremen Notzeiten, die gar nicht so selten waren, kam es durchaus vor, daß man Hunde, (wahrscheinlich die, die man nicht mehr so wirklich brauchen konnte zuerst,) verspeiste. In solchen Zeiten ließ man übrigens auch alte Verwandte zurück, um das Überleben des Clans zu sichern. Ich kann mich flüchtig erinnern, mal was darüber gelesen zu haben, bitte aber um Entschuldigung, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, das war vor 20 Jahren. Wie gesagt, ich bin Vielleser, aber der Arktis gehörte nicht gerade mein spezielles Interesse. Aber wenn sie gezielt googeln, müßten sie was dazu finden.

    • dojon
    • 15.12.2011 um 15:48 Uhr

    Suche sie mal ein bischen. Zur Altentötung bei den Eskimos habe ich ziemlich sofort was gefunden.

    • dojon
    • 15.12.2011 um 15:39 Uhr

    Die Regel war das sicher nicht. Ein gutes Hundegespann muß aufwendig trainiert werden, Hunde zu verspeisen, kam sicher genau so selten vor, wie man in unserer Kultur Pferde schlachtete und as. Leider war die Lebensmittelversorgung in der Arktis nicht immer garantiert, und in extremen Notzeiten, die gar nicht so selten waren, kam es durchaus vor, daß man Hunde, (wahrscheinlich die, die man nicht mehr so wirklich brauchen konnte zuerst,) verspeiste. In solchen Zeiten ließ man übrigens auch alte Verwandte zurück, um das Überleben des Clans zu sichern. Ich kann mich flüchtig erinnern, mal was darüber gelesen zu haben, bitte aber um Entschuldigung, ich kann mich nicht mehr so genau erinnern, das war vor 20 Jahren. Wie gesagt, ich bin Vielleser, aber der Arktis gehörte nicht gerade mein spezielles Interesse. Aber wenn sie gezielt googeln, müßten sie was dazu finden.

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