Als ich jünger war, träumte ich davon, alle möglichen Dinge zu bekommen. Inzwischen geht es mir mehr darum, dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Und so hat sich auch meine Interpretation des »Amerikanischen Traums« gewandelt.

Ich war immer ein sehr unabhängiger Mensch, schon mit vierzehn. Ich konnte früh selbst entscheiden, wie ich mein Leben leben wollte – es ist wunderschön, diese Freiheit zu haben. Vor einer Weile habe ich mir einen neuen Namen gegeben. Daher sagen manche, ich hätte mich neu erfunden, aber das stimmt nicht. Ich bin mir absolut treu geblieben, mir und den Träumen, die mir wichtig sind. Mein neuer Name passt zu dem Weg, den ich eingeschlagen habe. Schon als Teenager betrachtete ich das, was ich machte, als Kunstprojekt: Ich habe viel geschrieben, mit Videos gearbeitet, es ging immer in viele Richtungen. »Lana Del Rey« verbindet das alles. Das Singen ist nur ein Teil meines Lebens.

Ich bin in New York City geboren, und ich wusste immer, dass ich dahin gehöre. Aufgewachsen bin ich in Lake Placid, sechs Stunden nördlich von New York. Es gibt dort eine sehr schöne, monumentale Landschaft, Lake Placid ist umgeben von 46 hohen Bergen, es ist einer der kältesten Orte der USA, ein Ferienort, den die Leute in den Fünfzigern gern besucht haben.

Ich sehne mich aber nicht zurück nach irgendeiner mythischen Vergangenheit. Ich habe meine eigene mythische Vergangenheit hinter mir. Über die spreche ich nicht, mir würde sowieso niemand glauben. Aber ich kann sagen: Alle meine Songs sind autobiografisch, ich muss nichts dramatisieren. Nein, ich sehne mich nicht nach der Vergangenheit, aber ich denke oft über sie nach. Als ich die Clips für meine Videos zusammenstellte, war mir gar nicht bewusst, dass so viele davon eine bestimmte Vergangenheit zeigen. Mir gefielen einfach die Farben, die Super-8-Optik. Aber wenn ich Bilder von Elvis und dem Hollywood-Schild aussuchte, habe ich vielleicht unbewusst versucht, das Beste aus der Vergangenheit mit meinen Hoffnungen für meine Zukunft zusammenzubringen.

Jeder hat seine eigene Version des Amerikanischen Traums, der ja inzwischen eine Art Welt-Traum geworden ist: das Streben nach Glück. Mein Amerikanischer Traum war: jemanden zu finden, der mich liebt und den ich liebe, und mit ihm zu leben. Das ist etwas, was mir an den Fünfzigern tatsächlich gefällt: der Glaube an die wahre Liebe. Ich fühlte mich immer hingezogen zur Schönheit des klassischen Kinos, die Macht der großen Filmikonen fasziniert mich. Ich selbst bin eine eher stille Person, aber durch das Singen habe ich die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen. Vielleicht auch ein Star zu sein? Wer weiß. Ich glaube, es ist gar nicht so schwer, ein Star zu sein – solange nur genügend Leute Fotos von dir machen. Ich muss dafür jedenfalls keine Rolle einstudieren. Wenn ich länger als ein Jahr in diesem Geschäft bleibe, oder sogar viele Jahre, wird man besser erkennen können, wer ich bin.

Ein großer persönlicher Traum ist für mich jetzt schon wahr geworden: Ich habe mit mir selbst Frieden geschlossen. Das ist auch mein Leitstern für die Zukunft. Bis in alle Ewigkeit.

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