Sängerin Lana del Rey"Mein Amerikanischer Traum war: Jemanden zu finden, der mich liebt und den ich liebe"

Die Popsängerin Lana del Rey wird schon überall gefeiert, obwohl sie noch kein Album veröffentlicht hat. Ein Star wird man, wenn genügend Leute Fotos machen, sagt sie. von 

Als ich jünger war, träumte ich davon, alle möglichen Dinge zu bekommen. Inzwischen geht es mir mehr darum, dass es meiner Familie und meinen Freunden gut geht. Und so hat sich auch meine Interpretation des »Amerikanischen Traums« gewandelt.

Ich war immer ein sehr unabhängiger Mensch, schon mit vierzehn. Ich konnte früh selbst entscheiden, wie ich mein Leben leben wollte – es ist wunderschön, diese Freiheit zu haben. Vor einer Weile habe ich mir einen neuen Namen gegeben. Daher sagen manche, ich hätte mich neu erfunden, aber das stimmt nicht. Ich bin mir absolut treu geblieben, mir und den Träumen, die mir wichtig sind. Mein neuer Name passt zu dem Weg, den ich eingeschlagen habe. Schon als Teenager betrachtete ich das, was ich machte, als Kunstprojekt: Ich habe viel geschrieben, mit Videos gearbeitet, es ging immer in viele Richtungen. »Lana Del Rey« verbindet das alles. Das Singen ist nur ein Teil meines Lebens.

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Ich bin in New York City geboren, und ich wusste immer, dass ich dahin gehöre. Aufgewachsen bin ich in Lake Placid, sechs Stunden nördlich von New York. Es gibt dort eine sehr schöne, monumentale Landschaft, Lake Placid ist umgeben von 46 hohen Bergen, es ist einer der kältesten Orte der USA, ein Ferienort, den die Leute in den Fünfzigern gern besucht haben.

Lana del Rey

25, hieß ursprünglich einmal Elizabeth Grant. Seit August wurde ihre Videocollage zu ihrem Song Video Games bei YouTube mehr als acht Millionen Mal angeschaut. Im Januar erscheint ihr Debütalbum Born 2 Die.

Ich sehne mich aber nicht zurück nach irgendeiner mythischen Vergangenheit. Ich habe meine eigene mythische Vergangenheit hinter mir. Über die spreche ich nicht, mir würde sowieso niemand glauben. Aber ich kann sagen: Alle meine Songs sind autobiografisch, ich muss nichts dramatisieren. Nein, ich sehne mich nicht nach der Vergangenheit, aber ich denke oft über sie nach. Als ich die Clips für meine Videos zusammenstellte, war mir gar nicht bewusst, dass so viele davon eine bestimmte Vergangenheit zeigen. Mir gefielen einfach die Farben, die Super-8-Optik. Aber wenn ich Bilder von Elvis und dem Hollywood-Schild aussuchte, habe ich vielleicht unbewusst versucht, das Beste aus der Vergangenheit mit meinen Hoffnungen für meine Zukunft zusammenzubringen.

Ich habe einen Traum
Alle bisherigen Träume zum Nachlesen

Alle bisherigen Träume zum Nachlesen  |  © Miss Jones/Photocase

Jeder hat seine eigene Version des Amerikanischen Traums, der ja inzwischen eine Art Welt-Traum geworden ist: das Streben nach Glück. Mein Amerikanischer Traum war: jemanden zu finden, der mich liebt und den ich liebe, und mit ihm zu leben. Das ist etwas, was mir an den Fünfzigern tatsächlich gefällt: der Glaube an die wahre Liebe. Ich fühlte mich immer hingezogen zur Schönheit des klassischen Kinos, die Macht der großen Filmikonen fasziniert mich. Ich selbst bin eine eher stille Person, aber durch das Singen habe ich die Möglichkeit, auf der Bühne zu stehen. Vielleicht auch ein Star zu sein? Wer weiß. Ich glaube, es ist gar nicht so schwer, ein Star zu sein – solange nur genügend Leute Fotos von dir machen. Ich muss dafür jedenfalls keine Rolle einstudieren. Wenn ich länger als ein Jahr in diesem Geschäft bleibe, oder sogar viele Jahre, wird man besser erkennen können, wer ich bin.

Ein großer persönlicher Traum ist für mich jetzt schon wahr geworden: Ich habe mit mir selbst Frieden geschlossen. Das ist auch mein Leitstern für die Zukunft. Bis in alle Ewigkeit.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

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Leserkommentare
    • gonkox
    • 11. Dezember 2011 19:59 Uhr

    shameless self-promotion with a little help from my friend Jürgen von Rutenberg

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... hat mit Sicherheit keine Promotion in einer poppeligen deutschen Zeitung nötig, die übrigens in der Mehrheit noch nicht einmal ihre Zielgruppe vertritt.

    Die Frau ist schon länger bekannt und fast schon ein Star.

    • MeÖz
    • 11. Dezember 2011 20:28 Uhr

    aber ihre Videos und der Song dazu ergeben keinen Sinn.

    Der song heißt Videogames - es wird über eine Person gesungen ( nur 2 mal fällt das Wort "Videogame" - und im Video werden Vintage-Videoaufnahmen gezeigt.

    Mal gucken was noch kommt.

    • Zecher
    • 11. Dezember 2011 23:09 Uhr

    wirkt der Stil dieser Künstlerin erfrischend erwachsen und bodenständig. Habe den Auftritt in der Harald - Schmidt - Show gesehen und daraufhin eingie Videos auf YouTube gesehen.

    Am Besten selber entscheiden: http://www.youtube.com/wa...

  1. ... hat mit Sicherheit keine Promotion in einer poppeligen deutschen Zeitung nötig, die übrigens in der Mehrheit noch nicht einmal ihre Zielgruppe vertritt.

    Die Frau ist schon länger bekannt und fast schon ein Star.

    Antwort auf "unglaublich"
  2. natürlich fällt videogames viel öfter und es beschreibt eher eine alltagssituation einer beziehung und vielleicht ist das einfach nur ein ziemlich guter song, einer der schönsten 2011

  3. 6. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen sachlichen Diskussionsbeitrag leisten möchten. Danke. Die Redaktion/ag

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