Nachhaltige LandwirtschaftBoden gut machen

Ausgerechnet der weltgrößte Chemiekonzern will jetzt Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft messen. Kann das gelingen?

Ein Arbeiter fährt mit dem Traktor durch eine Reismühle.

Ein Arbeiter fährt mit dem Traktor durch eine Reismühle.

In leuchtend grüner Farbe prangen vier Buchstaben auf Papieren, Webseiten und Pressemitteilungen der Firma: BASF – The Chemical Company. Ganz besonders grün präsentiert sich das weltgrößte Chemieunternehmen einige Kilometer außerhalb des Stammsitzes Ludwigshafen, in Limburgerhof. Inmitten landwirtschaftlicher Anwesen wird hier an Pflanzen und Pflanzenschutzmitteln geforscht. Das Agrarzentrum wurde 1914 von Carl Bosch gegründet. Vier Jahre zuvor hatte der Chemiker zusammen mit Fritz Haber ein Verfahren zur Ammoniaksynthese entwickelt und den Grundstein der modernen Düngemittelproduktion gelegt.

Heute heißen die Unternehmensbereiche hier im internationalen Jargon Plant Science und Crop Protection. 1.500 Angestellte arbeiten in Limburgerhof. 325 Millionen Dollar gibt das Unternehmen jährlich für Agrarforschung aus, für Mittel gegen Pilze, Schädlinge und Unkräuter sowie für gentechnisch veränderte Pflanzen.

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BASF-Vorstandsmitglied Stefan Marcinowski hat nach Limburgerhof geladen, um ein Produkt vorzustellen, das streng genommen gar kein Produkt ist. Es ist kein Molekül, keine Chemikalie, keine Pflanze – sondern eine Methode. Oder, um es in der Sprache von Geschäftsmodellen auszudrücken: eine Dienstleistung.

Marcinowski sagt, er ärgere sich, dass alle Welt über Nachhaltigkeit rede, aber im Detail niemand so genau wisse, was das eigentlich sei. Das, meint der Kopf der BASF-Pflanzensparte, öffne Vorurteilen und Ideologien Tür und Tor. Um das richtige Grün wird nämlich heftig gestritten: Wie kann man die Ernährung der Menschheit nachhaltig sichern? Mit chemischem Pflanzenschutz, Mineraldünger und Anbau in industriellem Maßstab? Mit Ökolandbau und biologischen Mitteln? Der Chemiekonzern ist mittendrin in diesem Streit. Für die einen ist die Firma eine der letzten Bastionen erfolgreicher Industrieforschung, die mit ihren Erfindungen Nahrung für Milliarden sichert. Für andere ist sie der industrielle Hemmschuh, der echte Nachhaltigkeitsbemühungen ausbremst, weil sie Chemie und Gentechnik verficht.

Marcinowski will die Vorurteile bekämpfen. Mit Zahlen. Er hat eine Methode entwickeln lassen, die die Nachhaltigkeitsfrage umfassend und im Detail beantworten soll: Wie verhindert man am meisten Treibhausgasemissionen beim Rapsanbau in Europa? Wie verbraucht man auf den gewaltigen Maisfeldern der USA am wenigsten Wasser? Wie kann die Zuckerrohrproduktion in Brasilien sozialer gestaltet werden?

Infografik
Klicken Sie auf das Bild, um zur Infografik über nachhaltige Landwirtschaft zu gelangen.

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AgBalance heißt die Methode, ein Bündel von Algorithmen, gefüttert mit unzähligen Daten. Es ist nicht das erste Nachhaltigkeitswerkzeug des Unternehmens. Am Anfang stand die klassische Abwägung ökologischer und ökonomischer Faktoren etwa bei der Entwicklung von Lacken und anderen Chemikalien. Mehr als 450 Projekte wurden so im Verlauf von 15 Jahren einer Ökoeffizienzanalyse unterzogen – entwickelt unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Öko-Institut in Freiburg . Das neue Modell soll gezielt die Wertschöpfungskette der Agrarwirtschaft analysieren – vom Produzenten über den Verarbeiter bis zum Konsumenten. Insgesamt 199 Messwerte fließen in eine Untersuchung ein.

Die Kategorie »Boden« erfasst die Nährstoffbilanz, die Kohlenstoffbilanz, Bodenverdichtung und Erosion. Unter dem Stichwort »Biodiversität« werden Daten zu Schutzgebieten oder Fruchtfolgen eingespeist. Die Kategorie »Emissionen« enthält Werte zu Treibhausgasen und Bodenversauerung, Ozonzerstörungspotenzial und Abfallstoffen.

Leserkommentare
  1. einfach mal "good food, bad food"anschauen, die doku zeigt recht eindrucksvoll wozu die heute konventionelle landwirtschaft führt und vergeleicht es mit traditionellen anbaumethoden.

    sehr empfehlenswert

    3 Leserempfehlungen
  2. So ziemlich jedes Unternehmer mit mehr als 1000 Angestellten bemüht sich via Corporate Social Responsibility um Nachhaltigkeit, engagiert sich super sozial und hat eine umfassende Geschäftsethik.
    Die CSR der ehemaligen HRE war für mich besonders beeindruckend.
    Ein Unternehmem mit Sonderbauftragten für Klimaschutzfragen der die CO2 Emmissionen der Büroausstattung reduzieren soll - toll!
    Und Monsanto kämpft seit Jahrzehnten gegen den Welthunger, mit freundlicher Unterstützung des US-Aussenministeriums.

    Die "Leitwerte" von Shell - Ehrlichkeit, Integrität und Respekt Dritten gegenüber kann man gerade in Nigeria "wirken" sehen:
    http://www.guardian.co.uk...

    Und niemals würde so ein Unternehmen zum Schaden der Menschen, gar zum Schaden der Gesellschaft handeln, Regierungen korrumpieren oder Wissenschaftler kaufen nur des eigenen Profites wegen.

    Denn wenn der Pressesprecher sagt, wir tun sowas nicht, wir sind anständig, dann muss das ja stimmen.

    Klar, dass BASF da nicht hinten anstehen will, und mindestens genauso nachhaltige Produkte und Methoden anbieten will, wie z.B. die Deutsche Bank.

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    Bei allen vermeintlich guten Absichten und Gutgläubigkeit der Leute, die Tatsachen sprechen eindeutig gegen ein tatsächliches Vorgehen für das Gemeinwohl.

    Besonders schockiert hat mich auch die Formulierung von Marcinowski, die den "Gutmensch" unterschwellig negativ konnotiert. In welcher Zeit leben wir eigentlich, in der "Gutmenschen" negativ sind?

    Bei allen vermeintlich guten Absichten und Gutgläubigkeit der Leute, die Tatsachen sprechen eindeutig gegen ein tatsächliches Vorgehen für das Gemeinwohl.

    Besonders schockiert hat mich auch die Formulierung von Marcinowski, die den "Gutmensch" unterschwellig negativ konnotiert. In welcher Zeit leben wir eigentlich, in der "Gutmenschen" negativ sind?

    • essilu
    • 22.12.2011 um 19:39 Uhr

    ...MONSANTO...längst "holistisch" vereint. Grosskonzerne auf agrarindustriellem Expansionskurs.
    Man informiere sich einmal genauer über die Hintergründe.
    Zum Wohle der Ernährung...zum Wohle der Menscheit?
    Ich glaube nicht an "unabhängige" Überprüfung.

    5 Leserempfehlungen
  3. dass die "unabhängigen Wissenschaftler" die das BASF-Verfahren untersuchen sollen, genauso neutral sind, wie die Journalisten die hier über die Agro-Industrie berichten und dafür Preise von deren Lobbyverbänden bekommen:
    http://www.innoplanta.de/...

    Andreas Sentker bekam seinen Preis für seine "Erkenntnis", dass eine Feldbefreiung von gentechnisch veränderten Organismuen "Öko-Terror" brutaler, bewaffneter Fanatiker sei, der die Forschungsfreiheit bedrohe(!):
    http://www.zeit.de/2011/3...

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    • RoH
    • 23.12.2011 um 10:16 Uhr

    ... und damit hat Herr Sentker vollkommen Recht.

    • RoH
    • 23.12.2011 um 10:16 Uhr

    ... und damit hat Herr Sentker vollkommen Recht.

  4. Bündnis 90 der Grünen sagt:
    Freitag, den 14. Januar 2011 um 18:00 Uhr

    In der Zeitschrift "Faszination Forschung" vom Dezember 2010 kommt unter der Rubrik "Standpunkt" ein Befürworter der Agro-Gentechnik zu Wort. In einer wissenschaftlichen Zeitschrift finde ich die einseitige Darstellung eines Vorstandsmitglieds der BASF nicht angemessen, zumal unabhängige wissenschaftliche Untersuchungen zu den gentechnisch "verbesserten" Pflanzen nicht existieren.

    Herr Marcinowski wünscht sich eine "ideologiefreie"
    Betrachtung der "Pflanzenbiotechnologie". Ideologie ist immer das, was der andere hat. Tatsächlich finden sich in dem Artikel nur Argumente der BASF-Konzernideolog.
    as Problem der Ernährung der Weltbevölkerung lässt sich bestimmt nicht dadurch lösen, indem gentechnisch veränderte "trockentolerante Maissorten" in Monokultur die trockenen Ackerböden zerstören. Das Ansinnen, diese Maissorten "Kleinbauern lizenzfrei zur Verfügung" zu stellen, ist ein Hohn. Wurden nicht über 100.000 indische Kleinbauern vom Saatgutkonzern Monsanto in den Selbstmord getrieben?

    3 Leserempfehlungen
  5. Greenpeace behauptet, Monsanto wolle die globale Landwirtschaft vollständig unter seine Kontrolle bringen."
    (Wikipedia)

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    • tobmat
    • 23.12.2011 um 10:54 Uhr

    Microsoft hat das mit den Betriebssystemen der Welt schon fast geschafft. Jedes Unternehmen strebt nach einer Monopolstellung, da man dadurch die Gewinn maximieren kann und das ist schließlich deren Hauptaufgabe.

    • tobmat
    • 23.12.2011 um 10:54 Uhr

    Microsoft hat das mit den Betriebssystemen der Welt schon fast geschafft. Jedes Unternehmen strebt nach einer Monopolstellung, da man dadurch die Gewinn maximieren kann und das ist schließlich deren Hauptaufgabe.

  6. Da bin ich doch mal gespannt, wann die BASF auf die Idee kommt sich Methoden der nachhaltigen Landwirtschaft patentieren zu lassen... oder haben sie das schon? Ist doch nur die logische Konsequenz: Mehr nachhaltige/ökologische Landwirtschaft => weniger Umsatz von Düngemitteln, Pestiziden & Co => BASF benötigt neue Einnahmequellen, daher springen sie auf den Nachhaltigkeits-Zug auf.

    2 Leserempfehlungen
    • H_B_
    • 22.12.2011 um 23:52 Uhr

    und so ganzheitlich! Natürlich ist das ganze zertifiziert und mit Gütesiegeln versehen. Und dass ist noch nicht alles:
    "Die einzelnen Studien wolle der Konzern veröffentlichen – peer reviewed, also von unabhängigen Experten kritisch kontrolliert. An dieser Transparenz wird sich das Unternehmen messen lassen müssen."
    Jedoch nur auf der Basis der Daten von BASF, oder?!
    Ich hör nur Daten, auswerten, kontrollieren. Wir sollten lieber wieder mit Hilfe unseres Verstands auf Erfahrungen zurückgreifen und unser Gespür für echte nachhaltige Landwirtschaft trainieren. Und zwar zum nutzen aller und mit guten Erträgen für jeden.
    Natur braucht keine Chemie, sie verträgt keine Chemie. Wie sie ist, ist sie bereits perfekt. Wir müssen nur wieder lernen Ihren Rhythmus zu erkennen, nach dem wir uns richten müssen, statt Ihr unseren auf zu zwengen.

    5 Leserempfehlungen
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    Klingt echt toll, nur:
    Natur IST Chemie .... jede Menge.

    Wie sähen denn unsere Getreidepflanzen, Äpfel und Bananen aus, wäre nicht überall auf der Welt konsequent gezüchtet worden? Diese gut gemeinten Ratschläge sind der Menschheit ein Bärendienst.

    Klingt echt toll, nur:
    Natur IST Chemie .... jede Menge.

    Wie sähen denn unsere Getreidepflanzen, Äpfel und Bananen aus, wäre nicht überall auf der Welt konsequent gezüchtet worden? Diese gut gemeinten Ratschläge sind der Menschheit ein Bärendienst.

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