Uni-BürokratieFaul oder überfordert?
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Dem einzelnen Professor ist auch künftig kaum beizukommen

Fakt ist aber auch: Die meisten Dozenten schaffen es trotz der gestiegenen Anforderungen durchaus, die Klausurnoten pünktlich einzutragen. In den Fällen säumiger Professoren wirkt daher die Formulierung »mangelnde Kapazitäten«, mit der Hochschulen Versäumnisse begründen, auf viele Studierende allzu vorgefertigt.

Was das Anliegen der Betroffenen zusätzlich erschwert: Erhebungen über ihre Zahl gibt es nicht. Deswegen werden Beschwerden von Bachelorabsolventen, die wegen einer fehlenden Note in der Luft hängen oder gar ihr Masterstudium um ein Semester verschieben müssen, meist als »Einzelfälle« deklariert. Eine Formulierung, der Imke Brümmer, Studierendenreferentin an der Berliner Humboldt-Uni, vehement widerspricht. Sie kritisiert vor allem den Mangel an Kommunikation. »Es ist oft sehr schwer, die Professoren überhaupt zu erreichen.« Außerdem würden viele Regeln von Lehrenden eher als Auslegungssache betrachtet und nicht ernst genug genommen. »Ein Missstand, der sich nicht einfach mit Kapazitätsmangel wegerklären lässt.« 

Gegen säumige Profs hat niemand etwas in der Hand

Zumal es auch anders geht: Einige Hochschulen haben mittlerweile ein Einsehen und verringern das Prüfungsaufkommen gegen Ende des Bachelorstudiums. Oder sie machen es wie die Universität Mainz, lassen Bewerber mit einer Mindestanzahl an Leistungspunkten zum Master zu und erkennen spät eintreffende Ergebnisse noch bis zum Ende des ersten Semesters an.

Dem einzelnen Professor ist auch künftig kaum beizukommen: Bewertungsfristen seien nicht bindend, und ihr Überschreiten stelle daher weder Dienst- noch Disziplinarvergehen dar, sagt DHV-Sprecher Jaroch. Gegebenenfalls sei eine Untätigkeitsklage beim Verwaltungsgericht möglich. »Dazu muss aber der schwer zu erbringende Nachweis geführt werden, dass die Verzögerung kausal dafür ist, zum Beispiel eine Arbeitsstelle erst später antreten zu können.« Darüber kann Nora Flach nur den Kopf schütteln. »Nicht nur die Studierenden haben Pflichten, auch Professoren sollten zur Rechenschaft gezogen werden, wenn sie ihre Pflichten verletzen. Die werden schließlich dafür bezahlt, sie zu erfüllen!«

 
Leserkommentare
    • niebla
    • 16.12.2011 um 15:26 Uhr

    ...und bis Mitte September gewartet? Das ist doch noch vergleichweise schnell. Anfang Oktober geschrieben und Ende Dezember immer noch nichts gehört ist bei uns in der Fakultät normal und kann leider auch nicht geändert werden. Auf einen anderen Sachverhalt wird hier leider nicht eingegangen:

    Studenten die BaFöG beziehen müssen beim Studentenwerk nach dem vierten Semester eine Bestätigung vorlegen, dass sie schon 100 ECTS Punkte in ihrem Studiengang erreicht haben. Mit Stempel des Prüfungsamtes. Je nach Prüfungsamt bekommt man den Stempel aber nicht, wenn einem ein paar Punkte fehlen, weil eine geschrieben Klausur noch nicht korrigiert ist. Auch wenn aus den anderen Noten hervorgeht, dass es sich bei dem Studenten um jemanden handelt der sein Studium durchaus ernst nimmt und von dem zu erwarten ist, dass die fehlenden Punkte nur durch die noch nicht korrigierte Klausur zustande kommen. Die Folgen: Der Student bekommt kein Bafög mehr und kann wenn er Pech hat seine Miete nicht mehr bezahlen. So lange bis der Professor/Dozent die Zeit findet die Klausur zu korrigieren. Und was kann der Student machen???

    Ganz genau:

    Nichts.

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  1. Auch ich habe schon lange auf Hausarbeitsnoten gewartet. In der Regel hilft Nerven, man kommt dann in die absurde Situation, vom Prof selbst um ein Ultimatum gebeten zu werden. Manchmal wird man auch über die erfolgte Korrektur nicht per E-Mail informiert und erfährt dann wesentlich später davon auf Nachfrage (die stets überfüllte Sprechstunde kann man nicht dauernd wahrnehmen). Es wird, wie beschrieben, immer dann problematisch, wenn man zwischen zwei Bürokratien festsitzt, die für das Dilemma blind sind.

    Trotzdem fehlt mir ein Aspekt in diesem Artikel: nämlich die Aussagekraft der Benotung in unserem schönen neuen System. Nehmen wir also an, der redliche Prof hat rechtzeitig unter jede Arbeit eine Note gesetzt. In geisteswissenschaftlichen Fächern fehlt es dann aber oft völlig an einer Begründung dieser Note oder sie ist sehr schwammig und kurz. Schön, sie kann also nach Newcastle mit ihrer Note. Aber wie lange hat sie selbst an dieser Arbeit gesessen und wie lange hat der zuständige Dozent sich tatsächlich mit ihr beschäftigt?

    Ich habe das Gefühl, dass meine Profs meine Arbeiten meistens nur oberflächlich lesen und ihre Noten im Zweifel nach persönlicher Sympathie vergeben. Dabei hat man entweder Glück oder Pech und ab einem gewissen Punkt wählt man seine Dozenten nach genau diesen Erfahrungen. Ich habe nicht den Eindruck, dass meine Leistung zählt. Vielleicht ist auch das ein Grund, warum es so viele Plagiate gibt, ohne deren Verursacher verteidigen zu wollen.

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  2. Studenten sollen auf das System des Arbeitsmarktes vorbereitet werden. Doch wenn die Ausbilder selbst nicht mehr mit der Arbeit hinterherkommen, dann sollte man sich die Frage stellen dürfen, ob dieses System zu schnell ist für die Menschheit.
    Es wirkt so, als ob man alle in einen Rennwagen gesetzt hat, der keine Bremsen besitzt.

    4 Leserempfehlungen
  3. Das Problem ist nicht so einfach wie es dargestellt wird. Auch ich warte jetzt schon mehrere Monate auf meine Note. Glücklicherweise bin ich an der selben Uni geblieben, sodass ich es relativ einfach hätte, druck auszuüben. Wenn ich wollte. Denn natürlich ist der Professor, der meine Bachelorarbeit betreute auch der Professor für meinen Schwerpunkt im Master.
    Andererseits kann ich durch den relativ Intensiven Kontakt durchaus sehen, dass mein Professor nicht Faul ist, sondern zeitlich einfach überlastet (nicht überfordert, ein sehr unpassendes Wort, indem Unfähigkeit mitschwingt).

    Hier ist das an einer kleinen Hochschule wahrscheinlich aber noch einigermaßen im Rahmen. Ich weiß nicht, wie Professoren es schaffen sollen, wenn am Ende eines Jahres Arbeiten im zwei bis dreistelligen Bereich geprüft werden sollen. Innerhalb von vier Wochen, jede etwa 30 bis 100 Seiten lang. Möglicherweise mit der Notwendigkeit auch einmal Quellen zu prüfen oder ähnliches.

    An der selben Stelle wird dann Professoren vorgeworfen, dass sie Plagiate nicht anständig Prüfen. Wie soll das möglich sein. Ich weiß es nicht.

    Solange, wie man Korrekturen nicht irgendwie auslagern kann, oder dem Tag 48 Stunden verschafft wird das Problem nicht zu lösen sein. Die Abschlussarbeit macht ja auch in vielen Studiengängen kaum mehr einen nennenswerten Einfluss auf die Endnote. Kulanz ist wohl die einzig mögliche Reaktion.

    5 Leserempfehlungen
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    • niebla
    • 16.12.2011 um 15:38 Uhr

    Ich sprach auch nicht von Bachelorarbeiten sondern von ganz normalen Klausuren, die auch nicht allzu komplex sind bzw. mit einfachen Musterlösungen gut korrigierbar wären. Trotzdem dauert es über zwei Monate und das ist nicht die Ausnahme, eher die Regel.

    • niebla
    • 16.12.2011 um 15:38 Uhr

    Ich sprach auch nicht von Bachelorarbeiten sondern von ganz normalen Klausuren, die auch nicht allzu komplex sind bzw. mit einfachen Musterlösungen gut korrigierbar wären. Trotzdem dauert es über zwei Monate und das ist nicht die Ausnahme, eher die Regel.

    • niebla
    • 16.12.2011 um 15:38 Uhr

    Ich sprach auch nicht von Bachelorarbeiten sondern von ganz normalen Klausuren, die auch nicht allzu komplex sind bzw. mit einfachen Musterlösungen gut korrigierbar wären. Trotzdem dauert es über zwei Monate und das ist nicht die Ausnahme, eher die Regel.

    Antwort auf "Nicht so Einseitig"
    • kinnas
    • 16.12.2011 um 15:50 Uhr

    "Unternehmen können die betroffenen Studenten da meist wenig."

    Und leider können sie auch überhaupt nichts dafür. Schön daß das Problem einmal angesprochen wird, man kann für kommende Studenten nur hoffen, daß sich die Situation bessert!

  4. gab es in einem Teilfach zeitweise genau zwei prüfungsberechtigtre Profs. Der eine verstand es, sich die Studis vom Hals zu halten, der anderen hat praktisch alle allein geprüft.

    Mein Sohn erzählt mir, im neuen System ginge das so nicht mehr. Das wäre zumindest EIN Vorteil. Jedoch hätte ohne Erhöhung des Lehrpersonals die Zahl der Prüfungen sich vervielfacht, hinzu kämme ein ausuferndes Berichte-, Evaluations-, Notenverwaltungs- und sonstigs bürokratisches Unwesen, so dass der Prof schlicht und einfach vor der Frage stünde, was er hintanstelle.

    Mit Erfüllung bürokratischer Pflichten kommt er bei der Unileitung gut an. Wissenschaft nutzt dem Renommee. Sich um die Studenten zu kümmern bringt ihm den Vorwurf ein, seine Pflichten (Bürokrastie, Kommissionen ewtc.) und / oder die Wissenschaft nicht ernst genug zu nehmen.

    Der Idealist sch...t auf die Bürokratie. Er kommt nie in eine Position, die es ihm erlauben wird, seinen Studenten auch nach dem Studium noch nützlich sein zu können.

    Vielleicht gibt es da einen Konstruktionsfehler im System?

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  5. bei mir hatte sechs Monate gedauert: Im Mai war Abgabetermin, im Oktober kam die Note.
    Zur Spitzenzeit hatte ich 35 ECTS Punkte offen: Neben der Korrektur einer 15 ECTS-wertigen Bachelorarbeit noch 20 ECTS Prüfungen. Natürlich ungut, denn im Studienerfolgsnachweis, den man zum Beispiel zur Studienförderung angeben muss, werden diese 35 ECTS noch nicht aufgelistet.

    Im Prinzip ist mir das relativ egal, solange ich noch weitere Semester vor mir habe. Wenn man aber dem Professor vorher schon mitteilt, dass dies die letzte Prüfung ist und man daher um eine schnelle Korrektur (zumindest seiner Arbeit) bitte und man vom Professor eine "Mir egal" Antwort bekommt, dann finde ich sowas asozial.

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