Bildungssystem "Am Ende entscheiden die Eltern"
Gymnasium oder Hauptschule nach der vierten Klasse? Baden-Württemberg probiert eine neue Regelung aus. Ein Streitgespräch zwischen Eltern und Lehrern.
DIE ZEIT: Frau Saalbach: Fühlen Sie sich eigentlich bevormundet?
Silke Saalbach: Nein. Warum?
ZEIT: Die Kultusministerin Baden-Württembergs begründet die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung mit dem Argument, Eltern seien dadurch »unsäglich bevormundet« worden.
Die Mutter zweier Grundschulkinder aus Reutlingen engagiert sich beim Landes- elternbeirat Baden-Württemberg für eine gute Umsetzung der geplanten Veränderungen.
Saalbach: Bevormundet würde ich nicht sagen, aber es lastet einfach ein zu großer Druck auf den Eltern und den Kindern. Wir vom Landeselternbeirat fordern deshalb seit Jahren, dass die Eltern über die Wahl der verschiedenen Schultypen entscheiden sollten und nicht die Lehrer.
ZEIT: Wer kann besser entscheiden, welche Schule nach der vierten Klasse die richtige für das Kind ist – die Eltern oder die Lehrer? Was sagen Sie als Leiter einer Grundschule dazu, Herr Burkhardt?
Peter Burkhardt: Natürlich kennen Eltern das Kind viel länger und von seiner privaten Seite her natürlich viel besser. Der Blick der Eltern ist uns deshalb sehr wichtig. Aber: Wir kennen das Kind aus dem Schulalltag und wissen genau, was auf der weiterführenden Schule erwartet wird.
- Der Elternwille
Wenige Tage vor Weihnachten hat die grün-rote Mehrheit im baden-württembergischen Landtag eines ihrer Wahlversprechen eingelöst. Künftig dürfen Mütter und Väter selber entscheiden, auf welche weiterführende Schule ihr Kind nach der vierten Klasse wechseln wird. Mit der Stärkung des Elternwillens reagiert die Koalition auf die jahrelangen heftigen Proteste vieler Eltern. Bisher brauchte ein Kind in Baden-Württemberg für den Besuch des Gymnasiums einen Notendurchschnitt von 2,5 in Deutsch und Mathematik, für die Realschule genügte die 3,0. Alle Schüler, die schlechter waren, landeten auf der Hauptschule. Kritiker sprachen von »Grundschulabitur«, beklagten den »Probenwahnsinn« in der vierten Klasse und einer Lernatmosphäre, in der es nur noch um den nächsten Leistungstest gegangen sei. Die Änderung des Schulgesetzes sieht nun vor, dass die Lehrer die Eltern zwar weiter intensiv beraten, welche Schulart sie für das Kind am geeignetsten halten, einen verbindlichen Charakter jedoch hat diese Empfehlung nicht mehr.
ZEIT: Was ist, wenn die Eltern das nicht so sehen?
Burkhardt: Ja, das kommt vor. Auch an unserer Schule sind bei Eltern schon mal Tränen geflossen, weil sie mit unserer Empfehlung nicht einverstanden waren.
ZEIT: Man sagt auch, Eltern seien nicht selten aus allen Wolken gefallen, wenn sie am Ende der vierten Klasse die Empfehlung für ihre Kinder bekamen. Wurde da eine Front zwischen Eltern und Lehrern aufgebaut, die niemand wollte?
Burkhardt: Wenn es ungünstig lief, sicherlich. An unserer Schule ist jedoch niemand aus allen Wolken gefallen. Unsere Eltern spüren, dass wir die Grundschulempfehlung sehr wichtig nehmen, dass es für uns keine Pflichtaufgabe ist, die Eltern zu beraten. Je mehr Wert wir auf diese Gespräche legen, desto eher stimmen die Eltern uns zu. Es wird dann problematisch, wenn die Lehrer meinen, sie müssten den Eltern sagen, wo es langgeht.
ZEIT: Die Lehrergewerkschaft GEW beschreibt das »Grundschulabitur« als regelrechtes Folterinstrument. Frau Saalbach, wie stark ist der Druck, der auf den Kindern lastet?
Saalbach: Man spürt schon deutlich, wie der Druck von Klasse zwei auf drei zunimmt und sich dann im ersten Halbjahr der vierten Klasse noch einmal steigert. Bei manchen Kindern führt das zu einer Art Bulimielernen, sie pauken für eine Arbeit, um danach gleich wieder alles zu vergessen. Kinderpsychologen haben starken Zulauf aus den vierten Klassen. Das hört man immer wieder. Es gibt Kinder, die entwickeln regelrechte Burn-out-Syndrome, weil sie in der Schule überfordert sind. Eltern, die es sich leisten können, schicken ihre Kinder in teure Nachhilfestunden, Zeit für Sport und einfach nur spielen kommt da oft zu kurz.
ZEIT: Durch die Änderung des Schulgesetzes sollen nun ab sofort die Eltern das letzte Wort bei der Entscheidung über die weiterführende Schule haben. Fürchten sich die Gymnasien schon vor Kindern, die dort nicht hingehören, Herr Scholl?
Der Mathe- und Physiklehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Stuttgart vertritt beim Philologenverband den Bezirksverband Nordwürttemberg.
Ralf Scholll: Ich befürchte eher, dass das neue System zu einer noch größeren sozialen Ungerechtigkeit führt als das alte. Wir werden eine Reihe von Kindern aus gut situierten, bildungsnahen Familien bekommen, die eben keine Gymnasialempfehlung mitbringen. Langfristig wird man die Bildungsstandards am Gymnasium weiter nach unten schrauben müssen, um den unterschiedlichen Leistungsniveaus überhaupt noch gerecht zu werden.
ZEIT: Spüren Sie eine Art Erleichterung, dass die Grundschulen nun Verantwortung abgeben können, Herr Burkhardt?
Burkhardt: Ja und nein. Es werden die eher unerfreulichen Gespräche weniger werden, die besonders konfliktbeladen waren. Keiner wird uns mehr den Vorwurf machen können, wir Lehrer verbauten die Zukunft eines Kindes. Aber die Verantwortung bleibt ja.
- Datum 20.12.2011 - 19:06 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 15.12.2011 Nr. 51
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Es werden mehr Schüler zum Abitur geführt, das Niveau wird etwas sinken.
Ein Problem?
Wir haben uns (leider) angewöhnt, in solchen Fragen "syntaktisch", also in "formalen Abschlüssen", zu denken. Das wirkliche Leben nimmt wenig Rücksicht auf "Formalia". Die Bewährung findet anderswo statt.
Herzlichst Crest
P.S.
Schade wäre es nur, wenn Hochbegabte ausgebremst würden. Sie verdienen, vergleichbar den Hochleistungssportlern, besondere Förderung. Wenn man diese Förderung aber politisch will, ist dies in (fast) jeder Umgebung möglich und machbar.
>>Wir haben uns (leider) angewöhnt, in solchen Fragen "syntaktisch", also in "formalen Abschlüssen", zu denken.<<
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Das ganze Berufsleben verläuft doch so. Anders ist der Gedanke, ausländische Abschlüsse anzuerkennen auch nicht zu deuten, man hätte "auf einen Schlag viele Fachkräfte mehr". Als ob man mit Anerkennung der Zertifikate plötzlich mehr Wissen hat.
In Deutschland geht es AUSSCHLIEßLICH um Scheine und Zertifikate.
>>Wir haben uns (leider) angewöhnt, in solchen Fragen "syntaktisch", also in "formalen Abschlüssen", zu denken.<<
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Das ganze Berufsleben verläuft doch so. Anders ist der Gedanke, ausländische Abschlüsse anzuerkennen auch nicht zu deuten, man hätte "auf einen Schlag viele Fachkräfte mehr". Als ob man mit Anerkennung der Zertifikate plötzlich mehr Wissen hat.
In Deutschland geht es AUSSCHLIEßLICH um Scheine und Zertifikate.
Je mehr Leistung relativiert wird, desto kleiner wird die Chance nichtpriviligiert aufzusteigen.
Da hilft nur eine allgemeine Aufnahmeprüfung, wie sie zu meiner Schulzeit üblich war. Schon heute sitzen bereits zu viele Schüler in Schulen, in denen sie fehl am Platze sind. Ohne Grundschulempfehlung wird sich dieser Trend noch verstärken.
Der ganze pädagogische Schnickschnack, den Grün-Rot jetzt in Baden-Württemberg instlliert, wird dazu führen, dass sich das Ländle in Sachen Bildung den Pisa-Ergebnissen der "Nordlichter" annähern wird. Nachgewiesenermaßen Erfolgreiches durch grün-rote Bildungsutopien zu ersetzen, das ist das Letzte, was Deutschland brauchen kann.
Da hilft nur eine allgemeine Aufnahmeprüfung, wie sie zu meiner Schulzeit üblich war. Schon heute sitzen bereits zu viele Schüler in Schulen, in denen sie fehl am Platze sind. Ohne Grundschulempfehlung wird sich dieser Trend noch verstärken.
Der ganze pädagogische Schnickschnack, den Grün-Rot jetzt in Baden-Württemberg instlliert, wird dazu führen, dass sich das Ländle in Sachen Bildung den Pisa-Ergebnissen der "Nordlichter" annähern wird. Nachgewiesenermaßen Erfolgreiches durch grün-rote Bildungsutopien zu ersetzen, das ist das Letzte, was Deutschland brauchen kann.
wird doch so nur verlagert um 1 Jahr. Wenn die Kinder sich auf dem Gymnasium bzw.der Realschule schwertun, möchte ich die Eltern sehen, die dann keinen Druck ausüben auf ihre Kinder. Denn die Rückstufung wird ja weiter beibehalten. Wer im 4. Schuljahr schon Anzeichen von Burn-Out zeigt, der wird es in den höheren Jahrgängen nicht leichter haben.
...ist die Separation in der vierten Klasse das Perverse. Als ob die Schüler da schon nach Leistung eingeteilt werden könnten, schliesslich macht jedes Kind Entwicklungsphasen durch. In der 4ten war ich z.B. ziemlich schlecht, nachdem wir in der 5ten viele neue Lehrer bekamen, war ich dann ein Jahr einer der Klassenbesten und auch in Folge schwankte das immer. Erst zur neunten und zehnten Klasse strengte ich mich richtig an, aus eigener Motivation.
Na ja, solange es möglich bleibt, das Abi nach der Realschule nachzuholen, werde ich mein Kind wahrscheinlich da unterbringen. Ich habe keinen guten Eindruck von Gymnasien mehr, "selber denken" ist da auch nicht gefragt, auch dort herrscht Bulimielernen vor, nur die Frequenz ist höher und verzögert die Entwicklung zu einer reifen Persönlichkeit eher, als dass es sie fördert. Studierte Dummheit sehe ich jeden Tag bei mir in der Firma...
...ist die Separation in der vierten Klasse das Perverse. Als ob die Schüler da schon nach Leistung eingeteilt werden könnten, schliesslich macht jedes Kind Entwicklungsphasen durch. In der 4ten war ich z.B. ziemlich schlecht, nachdem wir in der 5ten viele neue Lehrer bekamen, war ich dann ein Jahr einer der Klassenbesten und auch in Folge schwankte das immer. Erst zur neunten und zehnten Klasse strengte ich mich richtig an, aus eigener Motivation.
Na ja, solange es möglich bleibt, das Abi nach der Realschule nachzuholen, werde ich mein Kind wahrscheinlich da unterbringen. Ich habe keinen guten Eindruck von Gymnasien mehr, "selber denken" ist da auch nicht gefragt, auch dort herrscht Bulimielernen vor, nur die Frequenz ist höher und verzögert die Entwicklung zu einer reifen Persönlichkeit eher, als dass es sie fördert. Studierte Dummheit sehe ich jeden Tag bei mir in der Firma...
wie das so wird. Die Grundschulzeit meiner Kinder habe ich als sehr wechselhaft empfunden. Schmusepädagogik in Klasse 1 und 2. Ab 3 dann ging es ab. Endlich die Empfehlungen raus in nach 4.1 4.2 war wieder lässig.
Jetzt also zählt Elternwille vor Empfehlung. Von den Grundshcullehrern nimmt das Stress.
Mein Tipp: Es werden einige wenige aufs Gymnasium gehen, die dort sonst nicht waren. Es werden weiterhin Kinder mit Gymnasialempfehlung auf die Realschule gehen, weil die Eltern sich dem Gymnasium nicht gewachsen fühlen. Ja, die Eltern. Selbst miterlebt.
Und "keiner" geht mehr auf die Hauptschule. Zumindest nicht in Klasse 5.
Und dann? Löst sich die Sache mit dem Klassenteiler im Laufe der Unterstufe sozusagen von alleine, weil nicht alle mitkommen? Zieht man alle irgendwie mit?
Wie fühlt man sich, wenn man nach Klasse 6 von der Realschule Richtung Hauptschule geschickt wird? Oder demnächst in die Gesamtschule (heißt anders in BaWü, wird aber dasselbe in grün! pun intended).
Eine Frage zum Schluss: Warum schreibt sich Herr Scholll mit drei "l"?
"weil die Eltern sich dem Gymnasium nicht gewachsen fühlen. Ja, die Eltern. Selbst miterlebt."
...geht mir auch so, ich will das meinem Kind nicht antun und mir auch nicht (es sei denn es will unbedingt). Man muss schon Überflieger sein oder ein sehr leichtes Gym (ja da gibt es große Unterschiede) besuchen, um noch eine lebenswerte Restkindheit und Jugend zu erhalten. Und die fetischhafte Ausrichtung auf eine Stromlinien-Karriere halte ich erstens für eine menschliche Fehlentwicklung und zweitens für das Gegenteil von intelligent. Zumal man das Abi auch nach der Realschule noch machen kann.
Und ja, hoffen wir, dass die Restschule endlich stirbt, auch auf dem Land, wo die BaWü-CDU bisher zu feige oder geizig (Hauptschule ist schön billig) war, sie abzuschaffen.
"weil die Eltern sich dem Gymnasium nicht gewachsen fühlen. Ja, die Eltern. Selbst miterlebt."
...geht mir auch so, ich will das meinem Kind nicht antun und mir auch nicht (es sei denn es will unbedingt). Man muss schon Überflieger sein oder ein sehr leichtes Gym (ja da gibt es große Unterschiede) besuchen, um noch eine lebenswerte Restkindheit und Jugend zu erhalten. Und die fetischhafte Ausrichtung auf eine Stromlinien-Karriere halte ich erstens für eine menschliche Fehlentwicklung und zweitens für das Gegenteil von intelligent. Zumal man das Abi auch nach der Realschule noch machen kann.
Und ja, hoffen wir, dass die Restschule endlich stirbt, auch auf dem Land, wo die BaWü-CDU bisher zu feige oder geizig (Hauptschule ist schön billig) war, sie abzuschaffen.
Ich habe persönlich Erfahrung mit den Bewertungen von Grundschullehrern gemacht.
Eingestuft wurde ich als Hauptschulkanidat, da dies in NRW zu der Zeit nicht bindent war, schickte mich meine Mutter auf die Realschule, ich hingegen wollte auf das Gymnasium und mein Abitur machen.
Mit einigen Umwegen habe ich es auch bekommen, mit 23 Jahren auf dem Abengdgymnasium.
Hätte ich vorher die Hauptschule und nicht die Realschule besucht, wär dieser Weg für mich nahezu unmöglich gewesen.
Die Wahl der Schule ist entscheidend für den Werdegang eines Menschen. Diese Wahl aufgrund der schulischen Leistungen eines zehnjährigen Kindes zu treffen, also noch vor der Pubertät(!), kann doch nur ein schlechter Scherz sein?
Viele Grüße,
Michael
Diese Frage sollte man sich doch mal beantworten. In der vierten Klasse kann man doch gar nicht sehen, wie sich der jeweilige Schüler entwickeln wird. Viele Schüler werden doch deswegen schon in ihren jungen Jahren mit sehr viel Druck belastet, dann sind die Kleinen überfordert und die Eltern beschweren sich. Würde man erst nach der 8. Klasse aufteilen, ginge es in dern ersten 4-6 Jahren viel unaufgeregter zu und die Schüler könnten sich besser entwickeln.
meine Kinder haben drei Fremdsprachen, auf der Hauptschule gibt es Kinder in dem Alter, die in Englisch schlicht nichts lernen können und im Deutschen noch Probleme zu bewältigen versuchen.
Und ähnliche Unterschiede in den Möglichkeiten und Lernfähigkeiten gibt es auch in anderen Fächern.
Ich sehe nicht, dass es sinnvolle Möglichkeiten gibt und habe aus den von anderen gemachten Erfahrungen einen großen Bogen um Gesamtschulen gemacht.
Wenn Sie nach vier Jahren kein Urteil über die Fähigkeiten eines Kindes abgeben können, dann auch nicht nach sechs oder acht Jahren. Überforderte Kinder einige Jahre auf einer Schule, für die sie nicht geeignet sind, mitzuschleppen, ist ein Fehler und führt bei Kindern, Eltern und Lehrern zu Frustrationen.
Ein Schulkamerad von mir hatte in der 4. Klasse eine 4 in Mathe. Er hatte aber das Glück, in der ehemaligen DDR zu leben und konnte in der 10. Klasse einen 1,1er Schnitt erhalten, machte sein Abitur an der erweiterten Oberschule und ist heute Richter.
Die gemeischaftliche Polytechnische Schule bis zur 10. Klasse, wie es sie damals gab, war vielleicht nicht ganz das Gelbe vom Ei, eine Teilung in der 8. Klasse wäre in meinen Augen ideal.
Es gibt viele Spätentwickler, die im heutigen Schulsystem ganz einfach um ihre Chance betrogen werden.
...ist die Grundschule für mind. 1/3 der Kinder, weil sie einfach schneller sind als die anderen, bei den Matheaufgaben doppelt zu schnell fertig sind, sich für Sachuinterricht interessieren... Deshalb haben sie auch ein Anrecht darauf ab der 5. Klasse entsprechend ihrer Begabung unterrichtet zu werden. Das gleiche gilt für die Schüler, die schon in der Grundschule Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen. Von Einheitsschulen halte ich gar nichts. Allerdings halte ich die Entscheidung der BaWÜ-Regierung für richtig. Für einen einzigen Grundschullehrer (der ja auch zufälligerweise ein komischer Typ sein kann) bedeudet die verbindliche Einstufung viel zu viel Verantwortung. Es gibt immer Grenzfälle, bei denen niemand eine 100%ige Prognose stellen kann. Dann sollen eben die Eltern entscheiden. Denn Sie sind es die ein Scheitern ihres Kindes am Gymnasium oder seine Unterforderung an der Realschule pädagogisch "ausbaden" / ggf. durch reagieren müssen. Dann hat der Grundschulleher das Kind schon längst vergessen.
meine Kinder haben drei Fremdsprachen, auf der Hauptschule gibt es Kinder in dem Alter, die in Englisch schlicht nichts lernen können und im Deutschen noch Probleme zu bewältigen versuchen.
Und ähnliche Unterschiede in den Möglichkeiten und Lernfähigkeiten gibt es auch in anderen Fächern.
Ich sehe nicht, dass es sinnvolle Möglichkeiten gibt und habe aus den von anderen gemachten Erfahrungen einen großen Bogen um Gesamtschulen gemacht.
Wenn Sie nach vier Jahren kein Urteil über die Fähigkeiten eines Kindes abgeben können, dann auch nicht nach sechs oder acht Jahren. Überforderte Kinder einige Jahre auf einer Schule, für die sie nicht geeignet sind, mitzuschleppen, ist ein Fehler und führt bei Kindern, Eltern und Lehrern zu Frustrationen.
Ein Schulkamerad von mir hatte in der 4. Klasse eine 4 in Mathe. Er hatte aber das Glück, in der ehemaligen DDR zu leben und konnte in der 10. Klasse einen 1,1er Schnitt erhalten, machte sein Abitur an der erweiterten Oberschule und ist heute Richter.
Die gemeischaftliche Polytechnische Schule bis zur 10. Klasse, wie es sie damals gab, war vielleicht nicht ganz das Gelbe vom Ei, eine Teilung in der 8. Klasse wäre in meinen Augen ideal.
Es gibt viele Spätentwickler, die im heutigen Schulsystem ganz einfach um ihre Chance betrogen werden.
...ist die Grundschule für mind. 1/3 der Kinder, weil sie einfach schneller sind als die anderen, bei den Matheaufgaben doppelt zu schnell fertig sind, sich für Sachuinterricht interessieren... Deshalb haben sie auch ein Anrecht darauf ab der 5. Klasse entsprechend ihrer Begabung unterrichtet zu werden. Das gleiche gilt für die Schüler, die schon in der Grundschule Schwierigkeiten haben, dem Unterricht zu folgen. Von Einheitsschulen halte ich gar nichts. Allerdings halte ich die Entscheidung der BaWÜ-Regierung für richtig. Für einen einzigen Grundschullehrer (der ja auch zufälligerweise ein komischer Typ sein kann) bedeudet die verbindliche Einstufung viel zu viel Verantwortung. Es gibt immer Grenzfälle, bei denen niemand eine 100%ige Prognose stellen kann. Dann sollen eben die Eltern entscheiden. Denn Sie sind es die ein Scheitern ihres Kindes am Gymnasium oder seine Unterforderung an der Realschule pädagogisch "ausbaden" / ggf. durch reagieren müssen. Dann hat der Grundschulleher das Kind schon längst vergessen.
meine Kinder haben drei Fremdsprachen, auf der Hauptschule gibt es Kinder in dem Alter, die in Englisch schlicht nichts lernen können und im Deutschen noch Probleme zu bewältigen versuchen.
Und ähnliche Unterschiede in den Möglichkeiten und Lernfähigkeiten gibt es auch in anderen Fächern.
Ich sehe nicht, dass es sinnvolle Möglichkeiten gibt und habe aus den von anderen gemachten Erfahrungen einen großen Bogen um Gesamtschulen gemacht.
Es ist allgemein bekannt, dass Kinder neugierig und lernwillig sind. Das Problem liegt eher an den Eltern, die für das Kind keine Zeit haben (aus welchen Gründen auch immer), an den Lehrern (hat schon jemand gefragt, warum viele Grundschul- oder Hauptschullehrer werden? Die Antwort lautet meistens: "Ich wusste nicht, was ich studieren soll." oder "Weil ich verbeamtet werde und mich damit absichern kann.") oder am Schulsystem (zu große Klasse, zu wenig Lehrer, zu wenig Bücher, etc., etc.) und wer ist unbegabt, dumm, ungähig zu lernen? DIE LERNWILLIGE KINDER
Selbst da gibt es doch Unterschiede. Viele naturwissenschaftlich/mathematisch begabte sind in Fremdsprachen unbegabt, dasselbe gilt umgekehrt. Es gibt einfach viele Spätentwickler, diese Kinder sind nicht dumm.
Es ist allgemein bekannt, dass Kinder neugierig und lernwillig sind. Das Problem liegt eher an den Eltern, die für das Kind keine Zeit haben (aus welchen Gründen auch immer), an den Lehrern (hat schon jemand gefragt, warum viele Grundschul- oder Hauptschullehrer werden? Die Antwort lautet meistens: "Ich wusste nicht, was ich studieren soll." oder "Weil ich verbeamtet werde und mich damit absichern kann.") oder am Schulsystem (zu große Klasse, zu wenig Lehrer, zu wenig Bücher, etc., etc.) und wer ist unbegabt, dumm, ungähig zu lernen? DIE LERNWILLIGE KINDER
Selbst da gibt es doch Unterschiede. Viele naturwissenschaftlich/mathematisch begabte sind in Fremdsprachen unbegabt, dasselbe gilt umgekehrt. Es gibt einfach viele Spätentwickler, diese Kinder sind nicht dumm.
die Sache mit dem Bildungsniveau relativiert sich, wenn wir in der globalen Wirtschaft mit allen anderen Völkern konkurrieren. Gerade die Arbeitsleistung der Akademiker wird mittlerweile immer mehr aus der Ferne und billig bezogen. Offshoring nennt man das, um Brechreiz bei der Audienz zu vermindern. Wenn wir dagegen halten wollen, brauchen wir Massen an Akademikern, die auch mit niedrigen Gehältern zufrieden sind. Keine Sorge, es wird sicher noch höher als H4 sein.
...keine Indianer mehr ? Wer führt denn aus, was die Akademiker verhackstücken ? Irgendein outgesourctes Unternehmen in China oder Vietnam ?
Die Stärke der deutschen Industrie lag in seinen gut ausgebildeten Fachkräften! Leute, die wissen was sie tun, die eine jahrelange Ausbildung durchgemacht haben. Wo auf dieser Welt finden sie denn noch so etwas ?
Anderseits stellen die Firmen heute Bildungsanforderungen als ob jeder Azubi in Zukunft Atome spalten und Vertragsverhandlungen auf Chinesisch führen wird !
Crazy !!
Man sollte sich doch in einem stillen Moment, die Weihnachtszeit bietet sich hierfür ja geradezu an, einmal überlegen, ob die "Wissensgesellschaft" überhaupt möglich ist? Bringen denn 90% der Kinder die Voraussetzungen mit, dass sie alle Abitur machen und studieren können? Wird es darüber hinaus genügend Arbeitsplätze für sie geben? Der Unternehmer hat schließlich immer noch das Ventil der Arbeitsplatzverlagerung. Der Fachkräftemangel ist eine Fata Morgana, der darauf beruht, dass der Arbeitsbedarf wie ein Kessel verstanden wird aus dem man nicht mehr herauskommt. Zu wem wollen wir denn gehen, wenn das Dach kaputt ist oder es eine neue Heizung bedarf? Zum Ökonom dessen Großvater vor langer Zeit einen solchen Betrieb mal hatte? Wer verarbeitet denn das Wissen aus einer "Wissensgesellschaft"? Wollen wir alle nur noch in Glastürmen sitzen und denken ohne reale Produkte herzustellen? Die "Finanzkrise" hat doch gezeigt wo ein solches Arbeitsleben hin führt, weg von der realen Wirtschaft hin zu einer virtuellen Wirtschaft, die nur noch eine große Blase ist, die irgendwann platzt.
Wir brauchen gute Schulen, aber wir brauchen auch ein System wo ein Hauptschulabschluss wieder etwas wert ist und Kinder auch ein vernünftiges Maß an Bildung in der Hauptschule mitbekommen.
...keine Indianer mehr ? Wer führt denn aus, was die Akademiker verhackstücken ? Irgendein outgesourctes Unternehmen in China oder Vietnam ?
Die Stärke der deutschen Industrie lag in seinen gut ausgebildeten Fachkräften! Leute, die wissen was sie tun, die eine jahrelange Ausbildung durchgemacht haben. Wo auf dieser Welt finden sie denn noch so etwas ?
Anderseits stellen die Firmen heute Bildungsanforderungen als ob jeder Azubi in Zukunft Atome spalten und Vertragsverhandlungen auf Chinesisch führen wird !
Crazy !!
Man sollte sich doch in einem stillen Moment, die Weihnachtszeit bietet sich hierfür ja geradezu an, einmal überlegen, ob die "Wissensgesellschaft" überhaupt möglich ist? Bringen denn 90% der Kinder die Voraussetzungen mit, dass sie alle Abitur machen und studieren können? Wird es darüber hinaus genügend Arbeitsplätze für sie geben? Der Unternehmer hat schließlich immer noch das Ventil der Arbeitsplatzverlagerung. Der Fachkräftemangel ist eine Fata Morgana, der darauf beruht, dass der Arbeitsbedarf wie ein Kessel verstanden wird aus dem man nicht mehr herauskommt. Zu wem wollen wir denn gehen, wenn das Dach kaputt ist oder es eine neue Heizung bedarf? Zum Ökonom dessen Großvater vor langer Zeit einen solchen Betrieb mal hatte? Wer verarbeitet denn das Wissen aus einer "Wissensgesellschaft"? Wollen wir alle nur noch in Glastürmen sitzen und denken ohne reale Produkte herzustellen? Die "Finanzkrise" hat doch gezeigt wo ein solches Arbeitsleben hin führt, weg von der realen Wirtschaft hin zu einer virtuellen Wirtschaft, die nur noch eine große Blase ist, die irgendwann platzt.
Wir brauchen gute Schulen, aber wir brauchen auch ein System wo ein Hauptschulabschluss wieder etwas wert ist und Kinder auch ein vernünftiges Maß an Bildung in der Hauptschule mitbekommen.
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