Die drittgrößte Social-Games-Firma der Welt
Begemann und Möser schicken jetzt ständig To-do-Listen an Kaiser: Das Spiel läuft zu langsam, die Spieler brauchen neue Aufgaben. »Wenn du eine Firma gründest und das ist das wichtigste Produkt, dann musst du dich einmischen«, sagt Philipp Möser, der Technikchef. »Steve Jobs hat sich auch nicht gesagt, macht ihr mal ein iPhone, ich komm in einem halben Jahr wieder.«
In diesem August fährt Kaiser in ein Wellnesshotel im Spreewald. Ihr Freund, ein Ingenieur, der als Videokünstler arbeitet, will dort seinen Geburtstag mit ihr und ihren Eltern feiern, und sie kann Erholung gebrauchen. »Ich kann kaum noch durchatmen«, sagt sie zu ihrer Mutter, als sie in dicken Bademänteln am Kamin liegen. »Uns wird ständig reingeredet. Aber ich kenne das Spiel besser als alle.« Sie hat das Gefühl, sich zu verzetteln, die Probleme in der falschen Reihenfolge zu lösen, das Team durch die Dauerforderungen nach neuen Funktionen, kaum noch motivieren zu können, weil alle sehen, dass die Qualität leidet. »Qualität setzt sich durch«, sagt ihre Mutter, die schon viele Führungs-Seminare besucht hat. »Vertrau deinem Gefühl.«
Ein paar Tage nach dem Wochenende bittet Stephanie Kaiser Begemann, ihr Zeit zu geben, eine Zeit lang keine neuen Funktionen mehr bauen zu lassen, sondern die alten zu verbessern. Denn nur zufriedene Spieler, glaubt sie, werden ihre Freunde zum Mitmachen animieren. »Sie hat Jens signalisiert: Tut mir leid, du bist zwar der Chef, aber was du da forderst, bringt nichts, ich halte meinen Weg für den besseren«, erinnert sich die Mutter. »Das war ein gewaltiger Sprung.«
In den nächsten Wochen verbessern sie das Spiel mithilfe einer Kontrollgruppe. Sie finden heraus, dass die Aussteigerquote sinkt, wenn die Spieler eine Figur vorgegeben bekommen, statt zwischen mehreren wählen zu können. Das Erstaunliche: Die Spieler kommen auch häufiger zurück. Und je mehr sie spielen, desto mehr Freunde laden sie ein. Am 1. September 2010 haben sie 520.000 Nutzer. Am 1. Oktober 688.000. Am 1. November 888.000. Es ist zwar noch kein Hockeyschläger, aber das Spiel fängt an, von alleine zu wachsen. Es ist absehbar, dass sie bald die Million schaffen werden. Das ist zwar viel weniger als FarmVille, aber sie würden damit zu den 20 Spielen auf Facebook gehören, die mehr als eine Million User haben. Pro Spieler setzt ein Social Game im Branchendurchschnitt zwei bis zehn Dollar-Cent am Tag um – 30 Prozent davon gehen an Facebook.
Ein weniger guter Manager, sagt Bonanzinga, hätte in so einer Situation die Nerven verloren. »Stephanie fragte, was nicht funktionierte, erkannte, was sie ändern musste, und änderte es in der richtigen Reihenfolge.« Im November 2010 fliegt sie nach Istanbul, wo ihr Freund an einem Video arbeitet. Als sie am nächsten Tag aufwacht, ist es so weit: Mehr als eine Million Menschen haben am vergangenen Tag ihr Spiel gespielt.
Sie liebt Badehäuser, und an jenem Vormittag steuern die beiden einen besonders schönen Hamam an. Er sei reserviert, sagt der junge Türke am Empfang, für Touristen. Sie habe aber was zu feiern, sagt Kaiser. »Sie hat ein Facebook-Spiel entwickelt, das von einer Million Leuten gespielt wird«, ergänzt ihr Freund. Der Bademeister hat einen Laptop vor sich und loggt sich in seinen Facebook-Account ein: »Wow, es ist auf Türkisch!«, ruft er. Fünf seiner Freunde sind schon dabei.
Ein paar Wochen später bittet Kaiser ihre Chefs, in Zukunft bei Spielekonferenzen für Wooga sprechen zu können. Im Juli 2011 steht auf der Casual Connect in Seattle eine schmächtige Frau vor einem großen Pult und sagt: »Nicht alle Social Games sind von Anfang an Hits. So war das auch bei Monster World , einem Farm-Spiel, das im April 2010 auf den Markt gebracht wurde. Wooga ist heute einer der größten Entwickler von Social Games auf Facebook. Und Monster World ist Woogas erfolgreichster Titel mit 1,6 Millionen Nutzern und einer sehr guten Rendite.«
2011 ist die Firma von 75 auf 150 Leute gewachsen, sie sind jetzt die drittgrößte Social-Games-Firma der Welt, ihr Wert wird auf eine Zahl zwischen 100 und 500 Millionen Euro geschätzt. Als wieder mal so eine Schätzung durch die Blogs geisterte, hat ein Freund ihr ausgerechnet, dass Stephanie Kaiser in Anteilen gerechnet Millionärin ist. Nach Steuern. Sie verdient jetzt 6.500 Euro. Sie ist für vier neue Spiele verantwortlich und hat 50 Mitarbeiter unter sich. »Was ich nicht haben will, sind zu viele Meetings, zu viele Hierarchien, office politics «, sagt sie. Einen Bewerber hat sie neulich trotz außergewöhnlicher Qualifikationen abgelehnt, weil er ihr im Vorstellungsgespräch zu selbstsicher erschien. Er wirkte auf sie wie jemand, der glaubte, nichts mehr lernen zu müssen. Noch immer besteht Stephanie Kaiser darauf, dass ihre ganze Abteilung einmal im Monat zusammen essen geht. Aus Prinzip. »Und weil ich glaube, dass Leute, wenn sie im Job glücklich sind, besser arbeiten.«
»Sie hat sehr dazu beigetragen, die Wooga-Kultur zu formen«, sagt Roberto Bonanzinga. Zum Beispiel mit Glückwunschkarten, die jeder Mitarbeiter in seiner Landessprache an seinem Geburtstag vorfinde. »Es ist nur eine kleine Sache, aber wir haben tausend solcher Sachen. Und in vielen dieser Details hat Steffi ihre Finger drin. Sie liebt das«, sagt Bonanzinga. Er wäre der erste Investor, wenn Stephanie Kaiser eines Tages selbst eine Firma gründet, sagt er. Sie ist jetzt 29 Jahre alt. 1,8 Millionen Menschen in 231 Ländern spielen täglich ihr Spiel. »Früher musste sie sich anpassen«, sagt ihre Mutter. »Ich denke, dass sie mittlerweile in der Lage ist, die Dinge auf ihre Art zu bewegen.« Ihre Tochter ist jetzt auf einer Stufe angelangt, auf der sie die Spielregeln selbst mitbestimmen kann.
- Datum 15.12.2011 - 07:00 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 15.12.2011 Nr. 51
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Es tut mir leid das ich immer negative Kommentare abgeben muss, aber zwei, drei Dinge sollte auch bei einer solchen Reportage ganz *vorne* stehen -- und nicht im Artikel.
1) Der ganze Kram geht nur mit Facebook.
2) Der Holtzbrinck Verlag (=Die Zeit) steckt mit drin.
3) Wie solche Firmen leben, benutzt werden und sterben ist im Buch "Die Datenfresser" (nicht im ZEIT Verlag erschienen) bestens nachzulesen, da hilft auch alles ZEITMAGAZIN-gemenschliche nicht.
muss man gar nicht lesen
Das muss ja ein Wahnsinns-Spiel sein, wenn man es in mehr Ländern spielen kann, als es Nationen auf dieser Welt gibt!!
Wer hat denn diese Info recherchiert?
Der Kram geht auch über Google+, und über HTML5-wobei man da einen Facebookaccaunt braucht.
Was mich an der abgelehnten Person mit hohen Qualitfikationen stört ist, sie nehmen ja auch nicht Leute die etwas weniger qualifiziert sind und aber lernfähig sind.
Ich habe außerdem auch zwei andere Artikel gelesen. Einer, wo erwähnt wurde, dass die Leute aufgefordert werden Überstunden zu machen. Ein anderer, wo über die Familienplanung im Unternehmen geschrieben wurde. Da wurden einfach mal zwei sich widersprechende Artikel ins Netz gestellt.
Leider sind auch viele neue Spiele nicht der Hammer.
Die immer wieder kehrenden Wiederholungen von Aufgaben können über Wochen schon, oder Tage, sehr langweilig werden. Ich für mein Teil brauche ein Ziel. Ich will wissen, was am Ende passiert. Das treibt an, das Spiel zu spielen.
Sie nutzen etwas, was angeblich schnell auf mobilen Geräten funktionieren soll. HTML5. Ich habe das Spiel mal auf mein Mobile Device versucht zu starten, das klappte einfach nicht. Ich weiß, dass mein Telefon funktioniert, weil es immer noch tolle Engines gibt, bei denen das Spiel auf mein Telefon Reibungslos funktioniert.
muss man gar nicht lesen
Das muss ja ein Wahnsinns-Spiel sein, wenn man es in mehr Ländern spielen kann, als es Nationen auf dieser Welt gibt!!
Wer hat denn diese Info recherchiert?
Der Kram geht auch über Google+, und über HTML5-wobei man da einen Facebookaccaunt braucht.
Was mich an der abgelehnten Person mit hohen Qualitfikationen stört ist, sie nehmen ja auch nicht Leute die etwas weniger qualifiziert sind und aber lernfähig sind.
Ich habe außerdem auch zwei andere Artikel gelesen. Einer, wo erwähnt wurde, dass die Leute aufgefordert werden Überstunden zu machen. Ein anderer, wo über die Familienplanung im Unternehmen geschrieben wurde. Da wurden einfach mal zwei sich widersprechende Artikel ins Netz gestellt.
Leider sind auch viele neue Spiele nicht der Hammer.
Die immer wieder kehrenden Wiederholungen von Aufgaben können über Wochen schon, oder Tage, sehr langweilig werden. Ich für mein Teil brauche ein Ziel. Ich will wissen, was am Ende passiert. Das treibt an, das Spiel zu spielen.
Sie nutzen etwas, was angeblich schnell auf mobilen Geräten funktionieren soll. HTML5. Ich habe das Spiel mal auf mein Mobile Device versucht zu starten, das klappte einfach nicht. Ich weiß, dass mein Telefon funktioniert, weil es immer noch tolle Engines gibt, bei denen das Spiel auf mein Telefon Reibungslos funktioniert.
Zitat:
1) "Wooga will Computerspiele herstellen ... einfache, kleine Spiele, die so heißen, weil sie über Facebook gespielt werden, gegen Leute, die man kennt. Gesellschaftsspiele fürs Internet."
Währenddessen könnte man die Leute ("die man kennt") auch treffen, oder mit ihnen zumindest "skypen", oder?
2) "Mit den friedlichen, freundlichen Social Games, meint Begemann, werde jetzt auch der Rest Welt zu Computerspielern."
Zumindest meine Wenigkeit hat die ganze Zeit nur darauf gewartet, die Freude ist nicht zu bremsen.
3) "Sie selbst hat vor einigen Wochen ein altes Computerspiel namens Wurzelimperium entdeckt, das sie obsessiv spielt."
Großartig. Statt Pflanzenpflege obsessiv zu spielen, könnte man sie auch leben. Aber spielen ist schöner, weil keine Folgen, keine Verantwortung, alles ist nur Spiel.
3) "Gamification"
Nein, Danke.
Im übrigen - das Bild zum redaktionellen Beitrag spricht Bände, meine aufrichtige Gratulation an Frau Ruebel.
Wie meinen Sie das? Die Tristesse?
Wie meinen Sie das? Die Tristesse?
"Einen Bewerber hat sie neulich trotz außergewöhnlicher Qualifikationen abgelehnt, weil er ihr im Vorstellungsgespräch zu selbstsicher erschien."
Das sind die Manager, egal ob Mann oder Frau - sie wollen niemanden, der fachlich besser sein könnte.
Und der Witz ist, hier in der Berufsrubrik empfehlen die "Karriereberater" selbstbewusst und fordernd zu sein... aua.
auch eine fachliche Niete kann selbstsicher auftreten ;-)
"Und der Witz ist, hier in der Berufsrubrik empfehlen die "Karriereberater" selbstbewusst und fordernd zu sein... aua."
Ja, selbstbewusst schon, >zu< selbstbewußt nein. Alles eine Frage der Relation ...
auch eine fachliche Niete kann selbstsicher auftreten ;-)
"Und der Witz ist, hier in der Berufsrubrik empfehlen die "Karriereberater" selbstbewusst und fordernd zu sein... aua."
Ja, selbstbewusst schon, >zu< selbstbewußt nein. Alles eine Frage der Relation ...
Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich mit konstruktiven Beiträgen inhaltlich an der Diskussion. Danke, die Redaktion/jz
Wie gesagt, ich habe meine Bedenken an einer anderen Stelle.
Die Geschichte von Frau Kaiser finde ich nachvollziehbar und auch sympathisch, auch wenn es bei der Zeit nach einer sehr merkwürdigen "coming of age" Geschichte klingt ("Das Macbook", "die Aufgabe", "die Idee", "Leitung durch Steve Jobs") dann aber endlich durch Beharrlichkeit, Aufgebegehren und Familienhilfe der "Durchbruch" und Übernahme von "Verantwortung", damit irgendwie Menschwerdung(!?) -- die dann zu einem selbstbewussten Umgang mit dem iPhone, iPad und Macbook auch in der Türkei führt.
Da wird mir etwas übel, aber ich denke auch, dass hierdurch Frau Kaiser falsch dargestellt wird. Ich hoffe die pseudo Startup-Berlin-iDings-Elitementalität, die ein schlimmes Zusammenhaltgefühl erzeugt wird Frau Kaiser hat die Kraft nehmen auch Nein zusagen, wenn Unmögliches von der Firma gefordert wird ...
Ob Heike Faller wohl "long" auf "Wooga" gehen würde?
Die weißen Insignien werden nicht helfen, wenn der Kapitalgeber aussteigt ... Mal sehen, wie es dann den Angestellten ergehen wird, wenn der Gewinn verteilt wird. "Es war ne gute Zeit". Ich glaube der Stock von Zynga rauscht gerade wieder etwas nach unten.
Und ich hatte schon fast vergessen, warum die Indie Games Szene soviel Sympathie ausstrahlt.
Danke dafür.
anfangen mich über die sogennaten "Social Games" und deren Design auszulassen aber ich schließe mich einfach nur deinem Kommentar an.
anfangen mich über die sogennaten "Social Games" und deren Design auszulassen aber ich schließe mich einfach nur deinem Kommentar an.
anfangen mich über die sogennaten "Social Games" und deren Design auszulassen aber ich schließe mich einfach nur deinem Kommentar an.
ist es nicht. Schon die zappelnde Oberfläche nervt. Das, was der Artikel vermiteln möchte bleibt ein Wunsch.
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