Sozialismus Wir Sozialisten

Heinz Dieterich, Ex-Wirtschaftsberater südamerikanischer Staatschefs, über die Wiederkehr einer alten Ideologie.

Ecuadors Präsident Rafael Correa (rechts) spricht auf einer Veranstaltung zu Ehren des venezolanischen Amtskollegen Hugo Chávez (Mitte). Links daneben Evo Morales, Präsident Boliviens (Archivbild).

Ecuadors Präsident Rafael Correa (rechts) spricht auf einer Veranstaltung zu Ehren des venezolanischen Amtskollegen Hugo Chávez (Mitte). Links daneben Evo Morales, Präsident Boliviens (Archivbild).

DIE ZEIT: In der Finanzkrise titelte die Zeitschrift Newsweek : Wir sind jetzt alle Sozialisten. Ehrlich?

Heinz Dieterich: Der Begriff ist ausgesprochen überfrachtet, und das war ein Problem, als ich mein Buch Der Sozialismus des 21. Jahrhunderts schrieb. Wenn man den Begriff benutzt, kommen die Erfahrungen der DDR und der Sowjetunion hoch. Lässt man ihn weg, dann schließt man viele Menschen aus, deren Herz noch links schlägt. Ich will die Kontinuität einer Alternative zur Marktwirtschaft darstellen, aber auch deutlich machen, dass die mit dem Sozialismus des 20. Jahrhunderts nichts zu tun hat. Daher »Sozialismus des 21. Jahrhunderts«.

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ZEIT: Haben Sie dafür eine klare Definition?

Dieterich: Ein wirtschaftlich-gesellschaftliches System, das auf demokratischer Planung und partizipativer Demokratie beruht und das als Bewertungsmaßstab nicht Marktpreise benutzt, sondern die Arbeitswerte. Ich denke, das ist der entscheidende Unterschied zur Sozialdemokratie heute und im Grunde zu allen anderen vorliegenden Alternativprojekten einer neuen Wirtschaft.

ZEIT: Das müssen Sie erklären.

Heinz Dieterich

Der 68-jährige lehrt Soziologie in Mexico City und hat die Präsidenten Hugo Chávez (Venezuela), Evo Morales (Bolivien) und Rafael Correa (Ecuador) beraten. 1996 erschien sein Buch Sozialismus des 21. Jahrhunderts. Kürzlich veröffentlichte er mit anderen Autoren den Band EU am Ende? Unsere Zukunft jenseits von Kapitalismus und Kommandowirtschaft. In ihm soll der Weg zum Sozialismus in Europa aufgezeigt werden

Dieterich: Im Grunde ist der gesamte Produktionsprozess auf Zeit aufgebaut. Eine Krankenschwester muss eine bestimmte Anzahl von Patienten in einem bestimmten Stundenrhythmus versorgen. In der Produktion am Fließband sind alle Arbeitsschritte zeitlich genau festgelegt. Die Zeiteinheit ist das entscheidende Strukturmuster für wirtschaftliches Verhalten, aber es wird dann konvertiert in monetäre Bewertung, und da tauchen alle möglichen Probleme sozialer Gerechtigkeit auf. Im Sozialismus des 21. Jahrhunderts geht man zurück auf die ursprüngliche Zeitbewertung. Ein Produkt ist so viel wert, wie an Arbeit in das Endprodukt oder die Dienstleistung eingeflossen ist – das lässt sich bei den heutigen Produktionsmethoden interessanterweise sehr genau messen.

ZEIT: Ja, auch dank der modernen Computertechnik. Aber was soll es nützen, den Wert von Produkten auf diese Weise zu bestimmen statt über Angebot und Nachfrage auf dem Markt?

Dieterich: Die wirtschaftlichen Beziehungen werden transparent. Das ist die Voraussetzung für Wirtschaftsdemokratie. Anders als im Sozialismus des 20. Jahrhunderts soll die Ökonomie nicht verstaatlicht werden, sondern vergesellschaftet. Jeder soll, im Prinzip, Anspruch auf das volle Wertprodukt haben, das er erwirtschaftet. Wenn jemand 40 Stunden arbeitet, dann bedeutet das ein Anrecht auf Produkte und Dienstleistungen im Wert von 40 Stunden, die andere erwirtschaftet haben. Also statt einer Kreditkarte bekommt man eine Wertkarte, und damit geht man zum Friseur. Da werden zehn Minuten abgebucht...

ZEIT: Wenn man sehr wenige Haare hat.

Dieterich: ...und dann geht man einkaufen fürs Wochenende, da sind dann drei Stunden weg.

ZEIT: Das klingt so einfach. Zehn Stunden ärztlicher Arbeit kaufen in Ihrem System zehn Stunden Friseurarbeit. Wird dann noch jemand Arzt?

Dieterich: Der erste Forscher, der diesen Gedanken weiterentwickelt hat, war Arno Peters aus Bremen. Peters ging davon aus, dass die Entlohnung der Arbeit direkt proportional sein muss, 40 Stunden des Ingenieurs müssen also tatsächlich den gleichen Warenkorb ergeben wie 40 Stunden des Arztes oder desjenigen, der die Müllabfuhr betreut. Nur das ist gerecht. Jede andere Lösung ist willkürlich. Warum soll ein Ingenieur 1,3-mal mehr bekommen als ein Techniker und nicht 1,5-mal so viel? Aber man muss natürlich auch pragmatisch sein. Wenn Veränderungen stattfinden, dann graduell.

ZEIT: Sie würden den bisherigen Besserverdienenden also erst mal Zugeständnisse machen.

Dieterich: Ich erinnere mich zum Beispiel an einen Vorschlag von Hugo Chávez. Vor vier, fünf Jahren sagte er: Gut, wenn wir jetzt alle im Sozialismus sind, dann schlage ich vor, dass in der staatlichen Ölgesellschaft alle Leute das Gleiche verdienen, sagen wir, 1000 Dollar. Wenn er das wirklich durchgeführt hätte, dann wären drei Monate später die fähigsten Ingenieure und Techniker in Brasilien, den USA oder Mexiko gewesen, und damit wäre die Ölwirtschaft natürlich zusammengebrochen. Also muss man das nach und nach machen.

ZEIT: Zeigt nicht die Erfahrung, dass sich Unterschiede in der Gesellschaft, wenn sie einmal bestehen, im Lauf der Zeit eher verstärken? Übrigens unabhängig vom politischen System.

Dieterich: Diese Diskussion gab es natürlich auch im real existierenden Sozialismus des 20. Jahrhunderts, und da wurden eben Obergrenzen für Einkommen administrativ festgelegt. Der Fabrikdirektor durfte nur zweimal so viel verdienen wie ein Arbeiter in der untersten Einkommensgruppe.

ZEIT: Was Sie sich da vorstellen, ein schrittweises Anziehen der Schrauben hin zu immer mehr Sozialismus, das ist doch politisch gar nicht durchzuhalten. Die einflussreicheren Kräfte in der Gesellschaft werden nicht einfach zuschauen, wenn sie Jahr für Jahr Privilegien verlieren.

Dieterich: Am Ende können nur von Mehrheiten getragene Veränderungen dauerhaft sein. Man muss die Leute davon überzeugen, dass es eine bessere Form der weltökonomischen Ordnung geben kann – für alle – und dass die durchsetzbar ist. Sonst kommen die Veränderungen eben nur über die Eliten, und die werden nicht zugunsten der Mehrheit ausfallen. Ich denke, dass in der jüngsten Krise das Bewusstsein von der Brutalität der Eliten geschärft wurde und über den völligen Unwillen der Regierungen, ihnen Zügel anzulegen. Nach dem Debakel von 2007/2008 hat es im Grunde keine wesentlichen Veränderungen gegeben.

ZEIT: Wie sollen nach Ihren Vorstellungen die Produktionsmittel vergesellschaftet werden?

Dieterich: Wir werden eine Kombination verschiedener Eigentumsformen finden. Einige strategische Unternehmen, zum Beispiel im Energiesektor, könnten durchaus in der Hand des Staates liegen. Andere könnten kommunales Eigentum sein, und kleine Betriebe könnten durchaus eigene Eigentümer haben. Denn wenn von der Gesamtbevölkerung eine Rahmenplanung festgelegt wird, etwa der Investitionsquote, und wenn die Entlohnung und Gratifikation über Wertbeiträge wie Arbeitszeit-Inputs geliefert würde, dann sind die Möglichkeiten der einseitigen Akkumulation und des Missbrauchs von Kapital weg.

ZEIT: Und der Chef verdient das Gleiche wie seine Angestellten?

Dieterich: Wenn er 40 Stunden arbeitet, wird er für 40 Stunden entlohnt. Vielleicht kriegt der noch einen Bonus, weil er die Erfahrung hat. Vielleicht zehn Prozent mehr. Wenn das erst so ist, spielt es im Grunde auch keine Rolle mehr, ob er Eigentümer ist oder nicht. Er kann eine volkswirtschaftlich wichtige Dienstleistung erfüllen, ohne schädliche private Machtanhäufung.

ZEIT: Warum wäre dann noch jemand so dumm, Unternehmer zu werden?

Dieterich: Der Antrieb ist, dass es unterschiedlich interessante Arbeiten gibt. Es gibt einen natürlichen Motivationsschub zur Arbeitsqualität. Ärzte würden dann nicht mehr Ärzte sein wollen, um viel Geld zu verdienen, sondern weil sie den Leuten helfen wollen.

ZEIT: Das klingt ein bisschen naiv...

Dieterich: Wieso? Wir sehen das doch heute schon in den fortschrittlichsten aller Branchen. In der Softwareherstellung haben Sie das gemeinschaftlich produzierte Onlinelexikon Wikipedia und das Browserprogramm Mozilla Firefox, für das Leute ihr Wissen praktisch kostenlos in den Dienst der Gemeinschaft stellen. In der menschlichen Gesellschaft finden Sie sowohl Egoismus als auch Kooperation. Man muss die institutionellen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die egozentrische Komponente nicht alles andere zerschlägt.

ZEIT: Sozialisten haben immer schon zu einem viel zu optimistischen Menschenbild geneigt.

Dieterich: Wir sind Herdentiere, und die Herde ist sieben Milliarden Menschen groß. Die institutionelle Organisation unserer Daseinsform ist entscheidend für die Lebensqualität.

ZEIT: Muss der Mensch für Ihren Sozialismus zu einem besseren Herdentier erzogen werden?

Dieterich: Nein, das war einer der großen Fehler des Sozialismus des 20. Jahrhunderts. Über Neurowissenschaften und Informatik verstehen wir allmählich, wie die Software des Menschen geprägt wird. Jeder, der lehrt, weiß, dass der entscheidende Einfluss auf Studenten oder Kinder durch die praktische Rolle, die man einnimmt, erzielt wird. Man muss ein Beispiel vorleben.

ZEIT: Sie klingen immer so sanft. Allmähliche Veränderung statt Revolution, keine Umerziehung des Menschen. Dem steht die Einsicht früherer Revolutionäre entgegen, dass man die gesellschaftlichen Verhältnisse gewaltsam ändern muss, um tief verankerte Machtverhältnisse auszuhebeln.

Dieterich: Man will dieses hochkomplexe und weltweit integrierte Gefüge nicht mit dem Hammer ändern, sondern sehr vorsichtig Schritt für Schritt, ohne zu einem Zusammenbruch der Produktion oder Lebensqualität beizutragen. Zum Beispiel bei der Währung. Wenn ich eine neue Währung habe, die auf Arbeitszeit beruht, will ich parallel dazu auch noch die alte monetäre Währung beibehalten. Solange wir im Übergang stehen und beide Welten existieren, muss eine Firma ja in der Lage sein, sowohl auf dem Weltmarkt zu agieren als auch daheim zu arbeiten.

ZEIT: Sie wollen den Sozialismus häppchenweise.

Dieterich: Ich würde sagen: schrittweise. Damals bei Chávez waren wir schon relativ weit. Ich habe da vor Arbeitern und Direktoren gesprochen und gesagt: Der nächste bedeutende Schritt ist, dass wir die Ökonomie in Arbeitswerten darstellen. Man war damit einverstanden, und wir haben eine Sitzung organisiert. Da kamen dann Leute aus diesen Schwerindustrieräten nach Caracas, und ich habe denen erklärt, dass der erste Schritt eine doppelte Buchführung sei – monetäre Werte auf der einen Seite und Arbeitszeit-Inputs auf der anderen. Das ist dann alles so organisiert worden. Das implizierte auch Probleme. Die hatten Angst, dass die Transparenz auch Korruption und Unproduktivität öffentlich macht. Aber das ist eine Frage der Menschenführung, das zu überwinden.

ZEIT: Und was ist daraus geworden?

Dieterich: Unglücklicherweise hatte der Industrieminister einen Unfall und ich wenig Zeit.

ZEIT: Wer soll Ihre schrittweise Revolution denn nun vorantreiben?

Dieterich: Wir wissen heute – auch aus anderen Wissenschaften wie der Biologie oder der Physik – sehr viel mehr über Übergangsprozesse. Meiner Ansicht nach wird es so sein wie in der Sowjetunion oder wie im Iran des Schahs. Das System wird nicht explodieren, sondern implodieren, weil es von der Mehrheit nicht mehr unterstützt wird.

ZEIT: Aber die große Frage ist, was dann entsteht. Sind sich die Vordenker einig?

Dieterich: Nein, ich muss sagen, obwohl es mich ein bisschen schmerzt, dass eine Ernüchterung eingetreten ist, vor allem gegenüber Hugo Chávez. Als er 2005 zum ersten Mal vom Sozialismus des 21. Jahrhunderts sprach, hatte er ein Tabu gebrochen. Inzwischen aber ist es deutlich geworden, dass er nicht bereit ist, den wirklichen Schritt zu tun hin zu einer neuen sozialistischen Gesellschaftsordnung. Jetzt ist es zu spät. Jetzt macht er nicht mehr als sozialdemokratische Politik. Morales ebenfalls.

ZEIT: Auch Morales bezeichnet sich als Sozialist.

Dieterich: Ja, es war es eben opportun, dass die Präsidenten sich so nannten. Ich habe ihm sogar mal ein Programm entworfen, das war alles sehr erfolgreich, aber andere im Land hatten andere Vorstellungen. Der Dritte im Bunde war Correa. Der ist der einzig gute Ökonom unter den Präsidenten. Er war begeistert, und wir vereinbarten, ein erstes Seminar zu machen. Aber er brauchte Zeit, das mit seinem Planungsminister abzusprechen. Und der Planungsminister hat das dann sabotiert.

ZEIT: Bleibt Kuba.

Dieterich: Na, in Kuba ist das Problem mit dem Sozialismus des 21. Jahrhunderts, dass der demokratisch ist und dezentral. Und in Kuba herrscht das alte Modell, in dem die Partei die Politik monopolisiert.

ZEIT: Und im Westen...

Dieterich: Im Westen müssten die beiden entscheidenden Träger der Bewegung die kritischen Wissenschaften und die Bevölkerung selbst sein. Da gibt es Kristallisationspunkte. Nehmen Sie die Anti-Atomkraft-Bewegung...

ZEIT: Das sind ja zum Teil Konservative.

Dieterich: Richtig. Das ist alles bunt gemischt. Aber ich denke, es ist eine Frage der Zeit, dass die Sache überspringen wird auf die sozialen Bewegungen.

ZEIT: Das ist jetzt aber kompliziert. Sie wollen sagen, dass wir von der ökologischen Kapitalismuskritik einen Übergang finden zum Sozialismus?

Dieterich: Man müsste dazu kommen, dass gesagt wird: Die Konzerne machen unsere Welt kaputt, also müssen wir versuchen, die Konzerne durch irgendwas zu ersetzen.

ZEIT: Da müsste der Sozialismus auch bessere Antworten auf die ökologische Krise haben.

Dieterich: Im ökologischen Lager gibt es viel Illusion. Man glaubt dort zum Beispiel: Wenn die Umwelt weiter kaputt geht, leidet die gesamte Menschheit. Das ist natürlich ein Irrtum. Wie in jedem Evolutionsprozess werden sich diejenigen, die die längsten Reißzähne haben, am besten verteidigen. Die anderen beißen in den Staub. Trotz allem ist die Ökologiebewegung der erste Bereich, in dem kritische Überlegungen angestellt wurden und Menschen in Bewegung kommen. Wenn weitergedacht wird, wird sich das auch auf andere Themen ausweiten.

ZEIT: In den USA erleben wir zurzeit den, zumindest relativen, Abstieg der kaptalistischen Welt-Hegemonialmacht. Nützt das dem Sozialismus?

Dieterich: Ich denke, es ist förderlich, weil jedes Monopol die Entfaltung von Kreativität beeinträchtigt. Ich denke, dass das Auftreten von zwei neuen großen Zivilisationen wie der chinesischen und der indischen, wo das Christentum keine Rolle spielt, ein sehr wohltuendes Element sein wird für die Neugestaltung der Weltordnung. Ich glaube, dass das bisherige System – bestimmt von Parlamentarismus, Nationalstaat und Marktwirtschaft, dessen Konstruktion aus dem 18. Jahrhundert stammt – heute nicht mehr fähig ist, sich den neuen Erfordernissen der Menschheit anzupassen. Nun muss die Evolution ein neues Weltordnungssystem erzeugen.

 
Leser-Kommentare
    • Harzer
    • 17.12.2011 um 19:38 Uhr

    ... ohne Scheuklappen über neue Wege nachzudenken, werden wir keine neuen Wege zum betreten haben, wenn die alten hinter uns einstürzen ... .

    Aler Anfang ist schwer... ... !

    19 Leser-Empfehlungen
  1. Werter Genosse Dieterich,
    der Sozialismus ist 1989/1990 gescheitert, nicht die liberale Marktwirtschaft.
    Und die Extremform des Sozialismus, der menschenverachtende Kommunismus hat zwischen 1917 und 1990 rund einhundert Millionen Tote hinterlassen.
    Da spricht nicht all zu viel für einen Systemwechsel. Höchstens in Kuba, Venezuela, Nordkorea, ... für einen Wechsel zum "ach so bösen Kapitalismus".

    12 Leser-Empfehlungen
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    • Buh
    • 17.12.2011 um 20:30 Uhr

    Millionen hungern, Umwelt wird verschmutzt, Tierschutz ist unwichtig, Minderheiten werden unterdrückt, Frauen diskriminiert. Ihre kapitalistischen Konzerne sind ja garnicht gescheitert, nein, üüüüberhauptnicht.

    Der Sozialismus ist nicht gescheitert weil er schlecht ist, sondern weil er sich mit der Diktatur gepaart hat. Sozialismus und Demokratie ist vereinbar, der demokratische Sozialismus eben, der immernoch als Relikt im SPD-Parteibuch steht, aber nicht mehr angestrebt wird. Ein Ur-Sozialdemokratischer Gedanke, verraten an den Kapitalismus.

    Der Kapitalismus ist gescheitert. Er ist Menschenverachtend und begünstigt wenige Glückliche. Der einzige Grund, dass er noch existiert ist der, dass die wenigen Glücklichen darüber entscheiden können, ob er lebt oder stirbt. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

    grundsätzlich gebe ich Ihrem Kommentar recht, er hat aber (fast) gar nichts mit dem Interview zu tun. Dieterich redet von einem "wirtschaftlich-gesellschaftliche[n] System, das auf demokratischer Planung und partizipativer Demokratie beruht", verwirklicht durch eine "allmähliche Veränderung statt Revolution", er will eine "Kombination verschiedener Eigentumsformen", aber "keine Umerziehung des Menschen".
    Dieterich distanziert sich nach eigenen Angaben auch von dem angeblichen "Sozialismus" in Kuba ("das alte Modell, in dem die Partei die Politik monopolisiert"), Venezuela ("Ernüchterung [...] gegenüber Hugo Chávez"), Bolivien ("eben opportun, dass die Präsidenten sich so [sozialistisch] nannten") und Ecuador ("der Planungsminister hat das dann sabotiert").

    Und das einzige, was Ihnen in Ihrem Kommentar dazu einfällt, ist, die sozialistisch-kommmunistische Klamottenkiste auszupacken und - vollkommen bezugsfremd - deren Unzulänglichkeiten und Verbrechen zu erwähnen! Daher hier noch einmal: "Ich will die Kontinuität einer Alternative zur Marktwirtschaft darstellen, aber auch deutlich machen, dass die mit dem Sozialismus des 20. Jahrhunderts nichts zu tun hat..." - noch deutlicher kann man es doch eigentlich nicht machen.

    Der erste und zweite Weltkrieg war möglich geworden wegen dem davor zugrunde liegendem System. Dem Kapitalismus Versuch nummer 1. Wieviele Tote gab es da? So viele das Sie die Systemtoten nach dem zweiten Weltkrieg die der Kapitalismus Versuch nummer 2 so zu verantworten hat hinzuaddieren müssen. Da sind also weitere kriege, Tote die unseren Wohlstand damit bezahlten (Asien, Afrika) und all die Selbstmorde aus Resignation bzw. Perspektivlosigkeit, die toten Obdachlosen, die Toten von Amokläufen da das System deren Täter traumatisierte und und etc. pp.

    Sie müssen also einsehen das der kapitalismus sogar wesentlich mehr tote zu verantworten hat. Und das kleinste Übel genommen werden sollte. als systemwechsel. Die meisten Ihres Schlages geben doch wenigstens zu das nicht alles gut ist und man nur das kleinere übel nimmt.

    Also auf auf oder mehr nachdenken.

    PS. Sozial ist griechisch und heisst für die Gesellschaft. Ein Land das seine Bürger tyrannisiert und sich sozialistisch nennt kann dies somit nicht sein. Lassen sie sich immer so etwas leichtgläubig erzählen. Diese Länder sagten auch Sie seien Demokratien. Nur das glauben Sie denen dann doch nicht.---> Erwischt beim Messen mit zweierlei Mass. ;) Als dann ZE

    "Und die Extremform des Sozialismus, der menschenverachtende Kommunismus hat zwischen 1917 und 1990 rund einhundert Millionen Tote hinterlassen"

    Hitlers Diktatur war ein Vorläufer neoliberalen Kapitalismus. Wieviele Opfer gabs da nochmal?

    Kein Extrem ist gut. Am Schlechtesten sind grundsätzlich Systeme in denen nicht der Mensch und sein Wohl im Zentrum stehen. Das ist beim Kapitalismus schon per Definition nicht der Fall.

    Eines der größten Probleme heutzutage wird zudem vom Kapitalismus verursacht:
    http://www.heise.de/tp/ar...

    • Buh
    • 17.12.2011 um 20:30 Uhr

    Millionen hungern, Umwelt wird verschmutzt, Tierschutz ist unwichtig, Minderheiten werden unterdrückt, Frauen diskriminiert. Ihre kapitalistischen Konzerne sind ja garnicht gescheitert, nein, üüüüberhauptnicht.

    Der Sozialismus ist nicht gescheitert weil er schlecht ist, sondern weil er sich mit der Diktatur gepaart hat. Sozialismus und Demokratie ist vereinbar, der demokratische Sozialismus eben, der immernoch als Relikt im SPD-Parteibuch steht, aber nicht mehr angestrebt wird. Ein Ur-Sozialdemokratischer Gedanke, verraten an den Kapitalismus.

    Der Kapitalismus ist gescheitert. Er ist Menschenverachtend und begünstigt wenige Glückliche. Der einzige Grund, dass er noch existiert ist der, dass die wenigen Glücklichen darüber entscheiden können, ob er lebt oder stirbt. [...]

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn

    grundsätzlich gebe ich Ihrem Kommentar recht, er hat aber (fast) gar nichts mit dem Interview zu tun. Dieterich redet von einem "wirtschaftlich-gesellschaftliche[n] System, das auf demokratischer Planung und partizipativer Demokratie beruht", verwirklicht durch eine "allmähliche Veränderung statt Revolution", er will eine "Kombination verschiedener Eigentumsformen", aber "keine Umerziehung des Menschen".
    Dieterich distanziert sich nach eigenen Angaben auch von dem angeblichen "Sozialismus" in Kuba ("das alte Modell, in dem die Partei die Politik monopolisiert"), Venezuela ("Ernüchterung [...] gegenüber Hugo Chávez"), Bolivien ("eben opportun, dass die Präsidenten sich so [sozialistisch] nannten") und Ecuador ("der Planungsminister hat das dann sabotiert").

    Und das einzige, was Ihnen in Ihrem Kommentar dazu einfällt, ist, die sozialistisch-kommmunistische Klamottenkiste auszupacken und - vollkommen bezugsfremd - deren Unzulänglichkeiten und Verbrechen zu erwähnen! Daher hier noch einmal: "Ich will die Kontinuität einer Alternative zur Marktwirtschaft darstellen, aber auch deutlich machen, dass die mit dem Sozialismus des 20. Jahrhunderts nichts zu tun hat..." - noch deutlicher kann man es doch eigentlich nicht machen.

    Der erste und zweite Weltkrieg war möglich geworden wegen dem davor zugrunde liegendem System. Dem Kapitalismus Versuch nummer 1. Wieviele Tote gab es da? So viele das Sie die Systemtoten nach dem zweiten Weltkrieg die der Kapitalismus Versuch nummer 2 so zu verantworten hat hinzuaddieren müssen. Da sind also weitere kriege, Tote die unseren Wohlstand damit bezahlten (Asien, Afrika) und all die Selbstmorde aus Resignation bzw. Perspektivlosigkeit, die toten Obdachlosen, die Toten von Amokläufen da das System deren Täter traumatisierte und und etc. pp.

    Sie müssen also einsehen das der kapitalismus sogar wesentlich mehr tote zu verantworten hat. Und das kleinste Übel genommen werden sollte. als systemwechsel. Die meisten Ihres Schlages geben doch wenigstens zu das nicht alles gut ist und man nur das kleinere übel nimmt.

    Also auf auf oder mehr nachdenken.

    PS. Sozial ist griechisch und heisst für die Gesellschaft. Ein Land das seine Bürger tyrannisiert und sich sozialistisch nennt kann dies somit nicht sein. Lassen sie sich immer so etwas leichtgläubig erzählen. Diese Länder sagten auch Sie seien Demokratien. Nur das glauben Sie denen dann doch nicht.---> Erwischt beim Messen mit zweierlei Mass. ;) Als dann ZE

    "Und die Extremform des Sozialismus, der menschenverachtende Kommunismus hat zwischen 1917 und 1990 rund einhundert Millionen Tote hinterlassen"

    Hitlers Diktatur war ein Vorläufer neoliberalen Kapitalismus. Wieviele Opfer gabs da nochmal?

    Kein Extrem ist gut. Am Schlechtesten sind grundsätzlich Systeme in denen nicht der Mensch und sein Wohl im Zentrum stehen. Das ist beim Kapitalismus schon per Definition nicht der Fall.

    Eines der größten Probleme heutzutage wird zudem vom Kapitalismus verursacht:
    http://www.heise.de/tp/ar...

  2. ...das jetzt der Herzchirug genausoviel verdient wie der Müllmann oder der Kanalarbeiter, halte ich mal für sehr unsinnig.

    Ich würde ein System bevorzugen, in dem die soziale und gesellschaftliche Wichtigkeit mit berücksichtig sind.
    Ergo würde der Arzt mehr verdienen, hätte aber höhere Steuern zu tragen und im Netto wäre die drei dann gar nicht mehr so weit auseinander. Und der Arzt müßte eben auch unregelmäßige Arbeitszeiten, Hausbesuche, Umsonstbehandlungen etc. auf sich nehmen, um die höchsten Einkommensstufen zu erreichen. Der Prof. Dr., der lieber golfen geht, 12 Stunden pro Woche Privatpatienten streichelt, keine Hausbesuche macht und ansonsten noch mal eine Vorlesung an der Uni hält, wäre hier deutlich niedriger eingestuft als der eingangs erwähnte Kanalarbeiter.

    >>Dieterich: Im ökologischen Lager gibt es viel Illusion. Man glaubt dort zum Beispiel: Wenn die Umwelt weiter kaputt geht, leidet die gesamte Menschheit. Das ist natürlich ein Irrtum.<<

    Dieser 'Glaube' ist schlicht und einfach die Wahrheit. Herr Dieterich mag ohne Ökologie leben können, die restliche Welt kann das nicht. Und dieser Punkt ist nicht diskutabel.

    >>Ich denke, dass das Auftreten von zwei neuen großen Zivilisationen wie der chinesischen und der indischen,...<<

    Die wird es beide nicht geben, wenn wir die Umwelt weiter so plattmachen und die Ressourcen sinnfrei verballern. Die Chinesen spüren das schon. Aus den 'emerging societies' werden sehr bald 'never emerging societies' werden.

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    • Riktam
    • 18.12.2011 um 8:06 Uhr

    «...das jetzt der Herzchirug genausoviel verdient wie der Müllmann oder der Kanalarbeiter, halte ich mal für sehr unsinnig»

    Wenn es keine Kanalarbeiter gibt, keine Bauarbeiter, LKW-Fahrer, Ingenieure etc. in welchem OP wird der Arzt dann operieren?

    • Riktam
    • 18.12.2011 um 8:06 Uhr

    «...das jetzt der Herzchirug genausoviel verdient wie der Müllmann oder der Kanalarbeiter, halte ich mal für sehr unsinnig»

    Wenn es keine Kanalarbeiter gibt, keine Bauarbeiter, LKW-Fahrer, Ingenieure etc. in welchem OP wird der Arzt dann operieren?

  3. Entlohnung sein, sondern ihre "Schwere".

    Eine Altenpflegerin, eine Kindergärtnerin, ein(e) Arbeiter(in)bei der Müllabfuhr, eine Reinigungskraft in einem Krankenhaus, eine Kassiererin, ein Kassierer sollten genauso viel verdienen (oder mehr?) als jemand, dem die Arbeit leicht fällt, weil die Arbeit einfach leichter ist oder weil sei ihm viel mehr Freude und Spaß bereitet.

    Schaffen es diejenigen mit "langen Reißzähnen" besser in einer Welt ohne sauberes Wasser, saubere Luft und verträgliche Nahrung zu überleben? Wie machen die das?

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    • Buh
    • 17.12.2011 um 20:38 Uhr

    Spaß ist ein subjektiver Wert und kann nicht zur Lohnfindung als Kriterium gelten. Derzeit gilt gemeinhin das Kriterium des Bildungsstandes. Menschen mit bessern Abschlüssen haben prozentual auch die besseren Jobs. Das ist solange unfair, solange der Bildungsstand von der Herkunft abhängt, was er bei uns und fast überall sonst auch in exorbitanter Weise tut. Ein Mensch mit ausländischem Namen hat es schwerere. Das ist Diskriminierung. Ein Mensch mit weniger Unterstützung von Eltern und Schule hat es schwerer, das sind schlechte Strukturen.

    Prinzipiell würde ich der These zustimmen, dass es unfair ist, dass jemand nur deswegen sehr viel verdienen sollte, weil er einen hohen Bildungsabschluss hat. Im zweifel arbeitet die Mutter mit den vier Kindern in ihrem Niedriglohn-Job mit 5,80€ die Stunde doch wesentlich härter als z.B. mein Hausarzt oder der Gelernte Maler mit 25 Jahren.
    Aber das ist eben das Ding mit dem Markt. Es geht nicht darum wer mehr leistet sondern wie viel er mit seiner Leistung einbringen kann. Das macht "Freiheit" des Marktes aus. Dass eben nicht künstlich von Politikern definiert wird, was Wertvoll ist, sondern dass der Markt das regelt. Es ist daher eigentlich ein positiver Zufall, dass die Bildung dabei eine große Rolle spielt, ob die Leistung viel bringen kann. Jetzt muss aber im Sinne der Freiheit und Gelichheit auch dafür gesorgt werden, wie erwähnt, dass die Bildung nicht von szialer Stellung und Herkunft abhängt.

    • Buh
    • 17.12.2011 um 20:38 Uhr

    Spaß ist ein subjektiver Wert und kann nicht zur Lohnfindung als Kriterium gelten. Derzeit gilt gemeinhin das Kriterium des Bildungsstandes. Menschen mit bessern Abschlüssen haben prozentual auch die besseren Jobs. Das ist solange unfair, solange der Bildungsstand von der Herkunft abhängt, was er bei uns und fast überall sonst auch in exorbitanter Weise tut. Ein Mensch mit ausländischem Namen hat es schwerere. Das ist Diskriminierung. Ein Mensch mit weniger Unterstützung von Eltern und Schule hat es schwerer, das sind schlechte Strukturen.

    Prinzipiell würde ich der These zustimmen, dass es unfair ist, dass jemand nur deswegen sehr viel verdienen sollte, weil er einen hohen Bildungsabschluss hat. Im zweifel arbeitet die Mutter mit den vier Kindern in ihrem Niedriglohn-Job mit 5,80€ die Stunde doch wesentlich härter als z.B. mein Hausarzt oder der Gelernte Maler mit 25 Jahren.
    Aber das ist eben das Ding mit dem Markt. Es geht nicht darum wer mehr leistet sondern wie viel er mit seiner Leistung einbringen kann. Das macht "Freiheit" des Marktes aus. Dass eben nicht künstlich von Politikern definiert wird, was Wertvoll ist, sondern dass der Markt das regelt. Es ist daher eigentlich ein positiver Zufall, dass die Bildung dabei eine große Rolle spielt, ob die Leistung viel bringen kann. Jetzt muss aber im Sinne der Freiheit und Gelichheit auch dafür gesorgt werden, wie erwähnt, dass die Bildung nicht von szialer Stellung und Herkunft abhängt.

  4. "Jeder soll, im Prinzip, Anspruch auf das volle Wertprodukt haben, das er erwirtschaftet."

    Also weiter mit dem alten sozialistischen Prinzip: "Wer nix arbeitet braucht auch nix zu fressen". Hatten wir doch schon mal, auch daran ging der real existierende Sozialismus kaputt.

    Eine Leser-Empfehlung
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    "Jeder soll, im Prinzip, Anspruch auf das volle Wertprodukt haben, das er erwirtschaftet."

    Hierin liegt ja schon die Frage: °Wer bestimmt den Wert?° und °Wem gehört ein Produkt?°?

    "Jeder soll, im Prinzip, Anspruch auf das volle Wertprodukt haben, das er erwirtschaftet."

    Hierin liegt ja schon die Frage: °Wer bestimmt den Wert?° und °Wem gehört ein Produkt?°?

  5. Entfernt. Bitte verzichten Sie auf unsachliche Spekulationen und belegen Sie Ihre Tatsachenbehauptungen mit seriösen Quellen. Danke. Die Redaktion/vn

  6. 7. ......

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen und provokante Vergleiche. Danke. Die Redaktion/vn

  7. ...in der Theorie, aber leider nicht so ganz umsetzbar. Abgesehn davon, daß es nicht verhindert, daß einzelne unmengen Zeit horten können (wie berechnet sich der Preis für Handel?) stehen viel grundsätzlichere Fragen im Raum. Wieviel Zeit ist ein Apfel wert? Oder eine Taxifahrt? Es lässt sich ja nicht nur die Reinefahrzeit berechnen, der Kaufpreis für Fahrzeug und Energie muss auch umgelegt werden. Da fragt sich auch wieviel Zeit eine Kilowattstunde elektrischer Energie dann wert ist oder eine Erfindung. Im Allgemeinen wird Effektivität benachteiligt, wenn der legt die Quote fest, wieviel wovon in einer Arbeitsstunde zu schaffen ist? Ebenso wird Bildung benachteiligt. Wozu eine Pilotenausbildung, wenn Taxifahren die gleichen Einkünfte bringt und man jeden Tag nach hause kommt, weil eben keiner Taxi nach Übersee fährt?
    Viel dringlicher wierd die Frage nach dem Warum, wenn man viel Verantwortung übernehmen soll oder gar sein Leben riskieren.

    "wenn es die Gessellschaft will..." so könnte man auch gleich nach Star Trek die Währung einfach ganz abschaffen. Zeit als Währung halte ich für eine reine Krücke dieses Gesellschaftssystemes um Laienwissentschaftlich Gerechtigkeit vorzugaukeln, die nicht gegeben wäre.

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