Europas Krise"Europa ist nur der Anfang"

Das Ende des Kapitalismus naht. Davon ist die indische Schriftstellerin Arundhati Roy überzeugt. Und die Reichen werden sich von den Armen abschotten – mit Waffengewalt. von 

DIE ZEIT: Wie blickt der indische Beobachter von Weitem auf die europäische Krise?

Arundhati Roy: Natürlich sieht die Lage brenzlig aus. Die Armen Europas hat die Wut gepackt, und die Maßnahmen ihrer Regierungen ziehen nicht mehr. Wie ein Lauffeuer scheint die Krise von einem Land aufs andere überzugreifen. Mir kommt es dabei vor, als hätten die Mächtigen in Europa – die großen Medien ausdrücklich eingeschlossen – viel zu viel Angst, der Krise ernsthaft gegenüberzutreten. Sie glauben immer noch, dass Rettungspläne und Polizeiaktionen die Probleme lösen werden. Damit gewinnen sie allenfalls Verschnaufpausen.

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ZEIT: Verliert das aufgeklärte, soziale Bewusstsein der Europäer jetzt seinen Charme?

Roy: Auf diesen Charme war nie Verlass. Während Europa einst für sich seine Ideen von Freiheit und Gleichheit entwickelte, kolonisierte es andere Länder, beging Völkermorde und praktizierte Sklaverei – und das in unvorstellbaren Dimensionen. Ganze Völker wurden vernichtet. Die Belgier brachten im Kongo zehn Millionen Menschen um. Die Deutschen rotteten in Westafrika die Hereros aus.

ZEIT: Aber was hat das noch mit dem verunsicherten Europa von heute zu tun?

Roy: Langsam, warten Sie ab. Die Völkermorde dienten der Rohstoffbeschaffung für eine industrielle Revolution, die den westlichen Kapitalismus begründete und mit ihm den materiellen Überschuss produzierte, auf dessen Basis die Ideen der modernen Demokratie entstanden. Dieser Kapitalismus aber hat unsere heutige Krise geschaffen, die sowohl ökonomischer wie ökologischer Natur ist.

ZEIT: Kann sich Europa denn heute nur noch helfen, wenn es gleich den Kapitalismus abschafft? Geht es nicht einfacher?

Roy: Schön wäre es. Aber in unseren Ozeanen schwimmen bald keine Fische mehr. Überall in der Welt fallen die Grundwasserspiegel. Die Regenwälder werden vernichtet, um Rinder zu züchten. Das alles zeigt doch, wie kurzsichtig und engstirnig die westlich-europäische Definition von Freiheit und Gleichheit bisher war. Sie ging immer auf Kosten anderer.

ZEIT: Gehen denn Inder und Chinesen heute besser mit der Natur um?

Roy: Nein. Das will ich auch nicht sagen. Die indische Kultur kann genauso despotisch sein, siehe das Kastensystem. Ich will auch den europäischen Ideen nicht ihren Wert absprechen – aber ihre Umsetzung in die Praxis unter den Bedingungen der kapitalistischen Profitanhäufung hat Europa und uns alle an den Punkt geführt, an dem wir heute stehen: nicht weit entfernt vom Zusammenbruch.

ZEIT: Aber trotzdem gab es bisher ein europäisches Modell: die EU als Verbund von Nationen, die dem Krieg abgeschworen haben. Strahlt dieses Modell heute noch über Europa hinaus?

Roy: Dieses Modell gründete ursprünglich auf zwei Weltkriegen und dem Holocaust. Heute aber kommt es mir vor, als würde die Europäische Union von materiellen Werten zusammengehalten, vom Versprechen eines guten Lebens für alle. Dieses Versprechen aber wird nun überschattet, deshalb sind Spannungen und Spaltungen so gut wie sicher. Auch Indien ist eine Union vieler Völker, vielleicht sogar noch vielfältiger als das ganze Europa. Uns aber hält, vor allem an den Rändern in Kaschmir und dem Nordosten, die indische Armee zusammen. Doch so, wie die Welt sich heute bewegt, fällt es mir ohnehin schwer, in Länder- oder auch Unionsgrenzen zu denken.

ZEIT: Sind Europa und Indien nicht schon zu groß, um noch regierbar zu sein?

Roy: Die Mächtigen denken heute weder europäisch noch indisch, sondern global. Unsere Regierungen werden doch längst von Banken und multinationalen Unternehmen kontrolliert. Mir kommt es manchmal vor, als hätten die Eliten all unserer Länder im Weltraum eine Nation gegründet. Von dort schauen sie auf die Welt nieder wie auf Dienstbotenquartiere. Gibt es Protest, schicken sie Armeen, Polizei und Überwachungspersonal, wobei ihre Soldaten und Polizisten alle zusammenarbeiten und ihr Geheimwissen austauschen, um die Dienstboten zu kontrollieren. Aber trotz alledem werden die Dienstboten immer unruhiger. Am Horizont leuchten Aufstände. In den USA, wo ich mich gerade länger aufhielt, hat sich die Sprache auf der Straße verändert. Das war bisher unvorstellbar.

ZEIT: Setzen Sie etwa auf eine neue Protestbewegung im Westen?

Roy: Wer hätte schon gedacht, dass amerikanische Studenten, denen bisher weisgemacht wurde, dass an den Sozialismus zu glauben gefährlicher als Aids sei, plötzlich mit Parolen gegen den »Klassenkrieg« auf die Straße gehen?

ZEIT: Glauben Sie, dass die Krise in Europa und den USA eine neue Chance für die Armen dieser Welt bietet?

Roy: Diese Krise betrifft nicht nur die Armen, sie ist auch eine Krise der Reichen. Die Dinge können nicht mehr so weitergehen. Die alte Art funktioniert nicht mehr. In den USA besitzen 400 Menschen so viel wie die Hälfte der US-Bevölkerung. In Indien verfügen 100 Menschen über Eigentum im Wert von 25 Prozent des Bruttosozialprodukts. Ohne größere Veränderungen wird dieses System zusammenbrechen.

ZEIT: Werden dann alle ärmer? Oder wird der Reichtum gerechter verteilt?

Roy: Es wird entweder einen völligen Zusammenbruch geben, oder es entstehen militarisierte Zonen, in denen die Reichen nur unter Bewachung leben können, um sich aller Art von Widerstand zu erwehren – von friedlich über militant bis terroristisch. Diese Schlachten werden in Indien heute schon geschlagen. Die Frage ist, ob die Vorstellungskraft, die viele dieser Probleme erst entstehen ließ, irgendwann zu ihrer Lösung beitragen kann. Ich glaube aber nicht daran.

ZEIT: Dann glauben Sie also nicht mehr an Krisenmanagement, sondern an Revolution?

Roy: Wir brauchen neue Vorstellungskraft, eine neue Definition von der Bedeutung des Fortschritts, eine neue Definition von Freiheit, Gleichheit, Zivilisation und Glück auf Erden. Die Zeit des uneingeschränkten Individualismus ist vorbei. Dabei plädiere ich gar nicht für eine moralische Erneuerung oder appelliere an die gute Seite des Menschen. Ich sage nur: So wie die Dinge aussehen, wird etwas geschehen. Europa ist nur der Anfang.

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Leserkommentare
  1. "Unsere Regierungen werden doch längst von Banken und multinationalen Unternehmen kontrolliert." Recht hat Sie !!!

    http://www.independent.co...

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    „Die Zeit des uneingeschränkten Individualismus ist vorbei.“

    Bereits der antike Polybios beschrieb exakt diese Verhaltensweise. Es ist dies ein Ethos, bei dem die Mächtigen nicht mehr bereit sind Einbußen für das Gemeinwohl hinzunehmen, sondern dazu übergehen Privatinteressen zu verabsolutieren. Im Falle der Aristokratie – der Herrschaft der Besten –, sieht Polybios darin ihre Entartung zur Oligarchie, zur bloßen Herrschaft der Wenigen.

    Weiter sagt er, dass sich jede entartete Gesellschaftsordnung bereits in ihrem Endstadium befindet. Dabei folgt im polybios'schen Verfassungskreislauf auf die oligarchische eine demokratische Gesellschaftsordnung.

    Man darf gespannt sein.

  2. Aussagen wie die von Roy machen mich immer ratlos, auch wenn ich viele Argumente teile.

    Ratlos deshalb, weil sich keine Alternative anbietet. Roy fordert "neue Vorstellungskraft, eine neue Definition von der Bedeutung des Fortschritts, eine neue Definition von Freiheit, Gleichheit, Zivilisation und Glück auf Erden."

    Gern, und wie bitteschön sieht die aus? Und in welchem Land soll sie erprobt werden? Und wie kann man das Land so isolieren, dass es nicht durch den globalen Wettbewerb gezwungen ist, sich bald wieder an das herrschenden System anzupassen?

    16 Leserempfehlungen
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    Ich wundere mich über diese Haltung. Es handelt sich bei dem Artikel doch lediglich um eine Analyse. Warum erwarten einige Menschen immer, dass Ihnen Lösungen auf einem Silbertablett serviert werden?

    Genau diese Haltung sollten wir ändern. Der Wohlstand hat uns in der Vergangenheit zu viele Dinge zu leicht gemacht. Bald wird sich das aller Voraussicht nach ändern. Stellen wir uns darauf ein: Raus aus der Komfort-Zone.

    • joG
    • 18. Dezember 2011 16:01 Uhr

    ....bei Ihnen, dass es keine Alternativen Lösungen zur heutigen Ordnung gäbe. Allerdings bedürfen solche tatsächlich eine erhebliche Bereitschaft aktuelle Strukturen einer neuen Ordnung anzupassen und Energie solche Bereitschaft umzusetzen. Es gibt bereits Anstrengungen in diese Richtung, aber die Bevölkerungen sind darauf schlecht vorbereitet.

    • Harzer
    • 18. Dezember 2011 16:58 Uhr

    ..."Aussagen wie die von Roy machen mich immer ratlos, auch wenn ich viele Argumente teile.
    Ratlos deshalb, weil sich keine Alternative anbietet." ...

    Dann müssen wir unseren Hirnkasten (auch jeder seinen eigenen) anstrengen und uns welche überlegen ... !!
    Außerdem gibt es schon genug kluge Vordenker und auch Ideen.

    ("Mir kommt es manchmal vor, als hätten die Eliten all unserer Länder im Weltraum eine Nation gegründet. Von dort schauen sie auf die Welt nieder wie auf Dienstbotenquartiere. Gibt es Protest, schicken sie Armeen, Polizei und Überwachungspersonal, wobei ihre Soldaten und Polizisten alle zusammenarbeiten und ihr Geheimwissen austauschen, um die Dienstboten zu kontrollieren....")

    Diese Ideen werden nur von unseren o.g. Eliten todgeschwiegen, lächerlich gemacht, oder zerredet.

    Den "völligen Zusammenbruch" bekommen wir Dienstboten sonst ganz umsonst und von selber. Für den müssen wir uns nicht anstrengen .
    Dafür können wir weiter brav und ruhig und unbeweglich bleiben ... !!

    Jedem denkenden Menschen ist klar, dass der Planet nicht genuegend hergibt fuer 7 Milliarden. Die Schaetzung die ich gelesen habe sind dass 2 Milliarden einigermassen gut auf der Erde zurechtkommen. Ausserdem gehen uns die Rohstoffe aus. Die Menschheit rast mit zunehmnder Geschwindigkeit auf den Abgrund zu. Doch weder auf dem Umweltgipfel in Durban (wo nur publikumswirksam ueber "global warming" diskutiert wird und viel wichtigere Fragen nicht behandelt werden) noch bei den unzaehligen EU Gipfeln wird auch nur ansatzweise eine grundlegende Loesung diskutiert. Mehr Schulden und mehr Wachstum sollen es richten. Das kann und wird nicht funktionieren. Die Politik muss Spielregeln entwickeln die ein Leben auf diesem Planet auch noch in 100 Jahren ermoeglichen. "Das Wirtschaftsgeschehen muss der Bedarfsdeckung der Bevoelkerung dienen" (CDU: Ahlener Programm). Das muss der Ansatzpunkt sein. Was brauchen wir wirklich, das muss produziert werden. Alles andere darf nur nachhaltig (also ohne Vernichtung von Rohstoffen) produziert werden. Zu viel Regulation? Na ja; nichts funktioniert ohne klare Regeln.

    „Während Europa einst für sich seine Ideen von Freiheit und Gleichheit entwickelte, kolonisierte es andere Länder, beging Völkermorde und praktizierte Sklaverei. Ganze Völker wurden vernichtet. Die Belgier brachten im Kongo zehn Millionen Menschen um. “

    Das ist zwar richtig, nur betreiben heute eigentlich nur die USA, mit NATO Unterstützung ,dieses Business.
    Es ist doch immer wieder witzig ausgerechnet aus Indien Ratschläge zum Humanismus zu bekommen. Einem Land in dem es immer noch einige hunderttausend Kindersklaven gibt und in dem man nicht-korrupte Politiker, Polizisten und Bürokraten an einer Hand abzählen kann. Ich habe 15 Jahre meines Lebens dort verbracht!

    „Diese Krise betrifft nicht nur die Armen, sie ist auch eine Krise der Reichen. Die Dinge können nicht mehr so weitergehen. In den USA besitzen 400 Menschen so viel wie die Hälfte der US-Bevölkerung. In Indien verfügen 100 Menschen über Eigentum im Wert von 25 Prozent des Bruttosozialprodukts. Ohne größere Veränderungen wird dieses System zusammenbrechen.“

    Nichts als leere Phrasen die man seit Jahrzehnten hört, und….

    "Wir brauchen neue Vorstellungskraft, eine neue Definition von der Bedeutung des Fortschritts, eine neue Definition von Freiheit, Gleichheit, Zivilisation und Glück auf Erden. Die Zeit des uneingeschränkten Individualismus ist vorbei.“

    Und leeres Gut-Menschen Gerede. Gerade WEGEN solch hohler Phrasen ändert sich ja nichts!

  3. "Die Völkermorde dienten der Rohstoffbeschaffung für eine industrielle Revolution, ..."

    Die Ursachen der Völkermorde sind faschistische Ideologien der politischen Eliten in ganz Europa.

    Die industrielle Revolution entstand aber aus technischem Fortschritt und Kapitalkonzentration, als Folge von Ausbeutung der Bevölkerungsmehrheit. Hat nichts mit Kolonialherrschaft zu tun. Die elementaren Rohstoffe der industriellen Revolution Kohle und Eisen, waren damals in Europa noch im Überfluss vorhanden.

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    • R_B
    • 18. Dezember 2011 16:31 Uhr

    Sie vergessen (um nur eines von vielen beliebigen Beispielen zu nennen)lateinamerikanisches Gold und Silber, dass den dortigen Urvölkern mittels unvorstellbarer Gewaltanwendung abgepresst wurde, um damit den jeweiligen spanisch-harbsburgischen, niederländischen und nicht zuletzt portugisischen Staatshaushalt im Kampf um immer mehr Kapitalakkumulation auf Kosten der nicht-europäischen Bevölkerung zu sichern.

    haben Sie schon ganz zu Recht!
    Seit Kolumbus 1492 Amerika "entdeckt" hat, haben die Europäer die Welt mit einem beispiellosen Krieg überzogen, was letztlich in unserem derzeitigen Wohlstand mündete.
    Man schätzt, dass allein die Portugiesen zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert 6-7 mio westafrikanische Menschen in die "Neue Welt" verschleppt haben, ausschließlich mit dem Ziel auf den Plantagen der weißen Europäer in Europa benötigte Agrarrohstoffe (Brasilholz, Cochinille, Zuckerrohr, Kakao uvm.) kostengünstig zu produzieren. Ironischerweise wurde gegen Ende des 19. Jahrhunderts überall die Sklaverei abgeschafft - bis heute glauben viele, dies sei eine Folge der sog. Menschenrechtsbewegung gewesen, tatsächlich stellte sich die Lohnarbeit aber schlichtweg als billiger heraus.
    Und nicht nur Lateinamerika wurde überfallen und ausgeplündert: Frau Roys Heimatland Indien wurde erst von den Portugiesen, dann von den Holländern und bis 1947 von den Briten "kolonisiert", stets unter dem Deckmantel der kirchlichen Mission. Selbst mit China hat sich das UK angelegt in den sog. Opiumkriegen.
    Daher meine Bitte: Bevor Sie sich in einem Forum äußern, studieren Sie erst einmal Geschichte, damit Sie überhaupt mitreden KÖNNEN. Danke.

    Nehmen Sie Abstand von polemischen Äußerungen. Die Redaktion/mak

    Ab jetzt nicht mal mehr ein 'Bitte' in der pädagogischen Linie der Zeit?

  4. Mal ganz provokant gefragt, welche Krise meint sie eigentlich?

    In den Entwicklungsländern geht der Wohlstand nach oben, die dritte Welt schwimmt auch im Geld (verballert nur jeden Cent in Bürger- und Religionskriegen) und in Europa und Amerika geht er leicht, aber verschmerzbar runter.

    Das einzige wirkliche Problem sind doch nur die Spekulanten und die zu recht angemahnten Superreichen, die einfach zu viel Geld auf sich allein konzentrieren. Aber die beiden Gruppen wischt man doch mit einem Wimpernschlag weg. Spekulanten mit mehreren hundert Jahren Haft bestrafen und die Superreichen enteignen-ist doch ein Klacks, Milliarden liegen auf virtuellen Konten, die kann man nicht unterm Kopfkissen verstecken.

    Ansonsten sehe ich keine Krise. Gut, es mangelt an Arbeit, aber dem kann man entgegen treten, indem man in naher Zukunft für Dinge des täglichen Bedarfs kein Geld mehr nimmt, Essen und Kleidung gratis rausgibt, wird ja größtenteils maschinell gemacht. Kann mir gut vorstellen, dass in zehn Jahren neben dem Laserdrucker daheim noch ein Schnittmusterdrucker liegt, samt automatischer Nähmaschine, man macht sich die Jeans in Zukunft selbst und oh wunder, sie passt dann auch wieder.

    Also Krise sehe ich nicht, eher mehr religiöse Spinner, aber das ist ja kein Geldproblem.

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    ...dass die, die du gerne einsperren willst, gleichzeitig diejenigen sind, die uns regieren und das nach wie vor sehr erfolgreich (in ihrem Sinne).

    • klakowa
    • 19. Dezember 2011 13:06 Uhr

    ...Ideologen, dann wird meiner Erkenntnis nach ein Schuh daraus.

    ES gibt zu wenig Arbeit, sagen Sie.
    Dabei kommt ES doch nur darauf an, wie wir Arbeit definieren.

    Für mich ist ebend auch "Arbeit" - Kraft mal Weg - wenn ich meine Zeitung lese oder einem wissentschaftlichen Beitrag lausche, sie ich das gerade ebend über die Entstehung von Tumoren "nebenher" tue.

    Und dann gibt ES auch bei uns genügend Arbeit - mehr oder weniger wichtige Arbeit, die geleistet werden muß.

    Gestern sagte mir ein junger, schätze 27 Jahre, ausgebildeter Altenpfleger, daß er in einem geschlossenen Spezialheim für Demente gar unter dem eh schon mickrigen Tariflohn verdient.

    Nun, er will sich zum Pflegemanager fort, fort, fort bilden.

    Wenn wir so weitermachen, dann haben wir im Pflegebereich keine oder nur "minderbemittelte" Indianer. Ich meine schlecht ausgebildete, oder solche Menschen, die selber ein ganz erhebliches Handicap haben.

    Mit den besten Wünschen für eine be-sinn-liche Zeit nicht nur in dieser Weihnachts-Zeit!!

    Dat PaPaKlaus
    Klaus K. Wagner
    (Wahrname)

  5. und viele ziehen sich diesen schuh allzu gern an. das in den ländern der 3. welt auch ohne den westen einiges im argen wäre interssiert keinen. besonders der deutsche geisseln sich gern selbst habe ich dabei das gefühl.

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  6. Für die kritischen Positionen zur Situation von Roy kann es Verständnis geben. Ihre Position ist die Sicht einer jungen Schriftstellerin auf die Wirtschaft, die Verteilung des Reichtums und die europäischen Entscheidungen zur Finanzkrise. Wie ähnlich ihr die Situation zwischen der Verteilung des Reichtums in den westlichen Demokratien (z B USA) und Indien mit dem Kastenwesen erscheinen! Dennoch gehen aktuell die Uhren wenigstens in Deutschland (noch?) anders.

    Trotz dem oft ratlos erscheinenden Hin- und Hergerudere europäischer Regierungschefs und den vielen Flickschustereien in der Schuldenkrise sind mir Roy`s Aussagen für Europa so nicht nachvollziehbar. In Deutschland ist die Ablösung von den neoliberalen Glaubenssätzen bereits in die Gänge gekommen. Statt Pessimismus bedarf es hier jetzt mehr Bereitschaft zur Solidarität, also Ermunterung zum sozialen Handeln. Und in Europa könnte schon heute fast jedermann in seinem täglichen Leben bereits einen ersten Beitrag leisten, um Ungerechtigkeit zu vermindern, Freiheit zu festigen und Demokratie zu erhalten.

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    "In Deutschland ist die Ablösung von den neoliberalen Glaubenssätzen bereits in die Gänge gekommen."

    Ähm, wo erkennst du denn sowas?

    "Statt Pessimismus bedarf es hier jetzt mehr Bereitschaft zur Solidarität, also Ermunterung zum sozialen Handeln."

    Von wem und wie? Das ist irgendwie extrem allgemein. Ich bin durchaus bereit zu Solidarität und handle auch sozial, wird deshalb jetzt alles gut?

    "Und in Europa könnte schon heute fast jedermann in seinem täglichen Leben bereits einen ersten Beitrag leisten, um Ungerechtigkeit zu vermindern, Freiheit zu festigen und Demokratie zu erhalten."

    Und jetzt konkret? Wie?

  7. Ich wundere mich über diese Haltung. Es handelt sich bei dem Artikel doch lediglich um eine Analyse. Warum erwarten einige Menschen immer, dass Ihnen Lösungen auf einem Silbertablett serviert werden?

    Genau diese Haltung sollten wir ändern. Der Wohlstand hat uns in der Vergangenheit zu viele Dinge zu leicht gemacht. Bald wird sich das aller Voraussicht nach ändern. Stellen wir uns darauf ein: Raus aus der Komfort-Zone.

    18 Leserempfehlungen
    Antwort auf "Alternativlos"
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    "Warum erwarten einige Menschen immer, dass Ihnen Lösungen auf einem Silbertablett serviert werden?"

    Weil wohl nur ein verschwindend geringer Anteil der Bevölkerung (wenn überhaupt) über den notwendigen Sachverstand verfügt, Lösungen zu solch komplexen Themen zu finden!

    Weil der Rest der Bevölkerung Menschen (Butler mit Silbertablett ;-)) braucht, die Lösungen erarbeiten können. (Btw: gehen Sie eigentlich - z.B. - zum Zahnarzt oder lassen Sie sich Ihre Zähne vom Klempner behandeln?)

    Weil Lösungen notwendig sind, nicht (mehr) jedoch die tatgtäglichen und offensichtlichen Wiederholungen und Hinweise darauf, was alles im Argen liegt, nicht geht, gegen dieses und jenes verstößt etc. pp..

    Nur ein verschwindend geringer Teil der Bevölkerung besitzt (wenn überhaupt) den Sachverstand zur Lösung der Probleme??

    Was machen wir dann mit jenem verschwindend geringen Teil von uns? Expertenrunden bilden? Ausschüsse und Kommissionen zur Lösung all unserer Probleme? Eine super Idee wäre auch: Wir gründen ein Gremium mit sagen wir mal, 620 Mitbürgern die aus jenem Teil der Bevölkerung mit "Sachverstand" stammen, sammeln sie unter einer Glaskuppel in beispielsweise Berlin und bezahlen sie überdurchschnittlich gut. Dann warten wir vier Jahre und SCHWUPPS - alle Probleme gelöst oder in der Lösung begriffen! Na, wie wär das? Haben wir schon? Läuft nicht gut? Woran kann das liegen?

    Ach ja, hier gehts nicht um einen faulen Zahn, nicht um einen verstopften Abfluss - hier geht es um die trivial klingende Frage Wo Wir (alle zusammen) in 10, 20, 50 oder unsere Kinder in 100 Jahren stehen werden und wollen. Fatalisten beantworten sie mit: Dort wo wir sein werden, Einfluss nehmen unmöglich! Realisten antworten: Dort wo der Zahnarzt und der Klempner dann gemeinsam stehen wollen (vorrausgesetzt sie reden mit einander darüber). Und dort müssen wir erstmal anfangen: Ist uns klar, dass wir derzeit sehr schnell Richtung "gated comunitys" (gesicherte Wohnanlagen) unterwegs sind? Können wir uns vorstellen, was uns und unsere Kinder ausserhalb dieser Schutzmauern erwartet? Und: Ist das wirklich die gewünschte Form des hohen Ideals der Freiheit? Wenn nein, was dann? Denken sie mit!

    • joG
    • 18. Dezember 2011 15:49 Uhr

    ...mit apokalyptischen Perspektiven, die ganz offensichtlich den Geschmack der Zeit treffen. Man liest momentan viele solcher oder auf ähnlichen Ängsten beruhenden Visionen. Leider ist mE ein deutlicher Wahrheitsgehalt im Hintergrund. Indes können wir die krassen Folgen mit einiger Wahrscheinlichkeit auffangen, wenn wir bereit sind, und unemotional und unter Beachtung der Tatsachen und Erkenntnisse zur gesellschaftlichen Ordnung handeln.

    Leider sind die Tendenzen gewachsen eher emotional aufwühlende Berichte zu veröffentlichen und diese werden von Politikern zunehmend öfter in der Öffentlichkeit vorgetragen. Gleichzeitig sind unsere Bevölkerungen keineswegs so ausgebildet, dass sie die Entwicklungen und Berichte besonders gut ordnen oder gar analysieren könnten. So herrschen sehr nebulöse Vorstellungen der Zusammenhänge und daraus der möglichen Lösungsansätze geschweige denn Maßnahmen, die adäquat wären, uns aus der Konfluenz der Krisen entstehen. Vielfach würden weit verbreitet geforderte Maßnahmen einzelne und verküpfte Probleme verstärken.

    Das muss Sorge bereiten.

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    • Cherti
    • 18. Dezember 2011 18:23 Uhr

    Anlass zur Sorge besteht gewiss - doch für wen?
    Mit Sorge blicken vor allem Jene auf die aktuelle Kapitalismuskritik, die vom zunehmendem Ungleichgewicht der Güterverteilung, der Ungerechtigkeit und der Desozialisierung der Marktwirtschaft profitieren. Inzwischen erkennen immer mehr Menschen, dass sich die Lebenslügen des Kapitalismus als falsch erweisen.
    Natürlich werden jene Profiteure dem Verlust ihrer Macht nicht tatenlos zusehen. Sie werden alles tun, um den Wandel zu verhindern und zu diskreditieren.
    Entsprechend ist ihr Versuch, die berechtigte und überfällig Kapitalismuskritik als irrationale Ängste, emotionale Überreaktionen oder wirre Visionen zu diffamieren zu werten. Schon die Anmaßung, die kritischen Menschen als ungebildet und verwirrt abzutun, ist ein Zeichen dafür. Haben Sie es immer noch nicht verstanden? Ihre angeblich auf Ordnung und Analyse beruhende Weltsicht basiert auf einem Fundament politisch motivierter Wirtschaftslügen, die gerade wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.
    Sie haben Grund zur Sorge, denn die Menschen erwachen aus der Erstarrung, die ihnen der Kapitalismus aufgezwungen hat, indem er sich als unabdingbar für die Demokratie ausgegeben hat, als Garantie für Wohlstand und als einzig wahre Gesellschaftsordnung.
    Die Menschheit wird sich weiterentwickeln - sie muss es sogar, denn der Kapitalismus mit seiner ewigen Wachstumsforderung, seinem Raubbau an Mensch und Natur, seiner fehlenden Legitimation ist der Weg in den Untergang.

    ...würde ich es nicht gerade nennen:Frau Roy hat Recht wenn sie auf verstärkten gesellschaftlichen Spannungen zeigt,die in Abschottung der Mittelklasse und offene Konflikten münden können.Wie es aussieht oder aussehen könnte ist es leicht zu erforschen:Die Schuldenkrise in Südamerika der 80'er Jahren kann eine Blaupause sein für das was der EU bevorstehen könnte wenn ein "Worst-Case Szenario eintrifft.

    Gerade in Deutschland verstehe ich diese diffuse Ängste:Schon 2 mal im letzten Jahrhundert wurde das Volksvermögen regelrecht verbrätelt (wie die Schweizer sagen),das ist und bleibt ein Teil des kollektiven Gedächtnisses.Die Krise der westlichen Staaten ist eine Solvenzkrise,die nur durch harte Entschuldung oder radikalere Massnahmen zu lösen ist,aber kein Politiker (ausser Steinbrück) traut sich zu sagen,dass es ohne Opfer nicht geht.

    Und dafür wird er in der eigenen Partei geschmäht.Vielleicht sind die Leuten gar nicht bereit harte Wahrheiten ins Gesicht zu schauen und sind für Pseudosoziale Erlösungsfantasien empfänglich.Das erklärt die Wut der meisten Leser auf die "Böse Spekulanten","Märkten" und "Reiche".Das muss Sorge bereiten.

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  • Schlagworte Arundhati Roy | Europäische Union | Weltraum | Aids | Holocaust | Indien
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