Karlheinz Stockhausen: "Er war mein Muserich"
Die Künstlerin Mary Bauermeister erzählt von ihrer großen Liebe mit dem Komponisten Karlheinz Stockhausen.
Wer über die Traumbrücke geht, Raum und Zeit fließen lässt und das große Bild der Schöpfung öffnet, erkennt sie vielleicht mit ihrem Geliebten im »Garten der Lüste«, oder er sieht sie hoch oben auf einem Felsen über dem Rhein. Und flugs ist sie wieder verschwunden und erscheint, bewegt von neuen Melodien, in der Hohen Straße zu Köln. Man schreibt das Jahr 1954. Mary Bauermeister ist 19 Jahre alt; der Krieg ist lange vorbei; Schutt, Schuld und Asche will sie vergessen; die Schule hat sie geschmissen, der Familie ist sie davongelaufen. Frei will sie sein, aufbrechen, Experimente wagen, als Künstlerin die Gesellschaft verändern, sich selbst, die Welt verbessern, das ganze Programm.
Mitten in Köln kommt ihr einer entgegen, ein Mann mit dunklen Augen. Er blickt sie an; sie blickt ihn an; das Herz schlägt wild fünf Mal hin, sechs Mal her und klingt anagrammatisch weiter: kama maka kama maka. Karlheinz Stockhausen, Mary Bauermeister, der Komponist und die Künstlerin. »Ich war seine Muse, und er war mein Muserich«, erzählt die 77-Jährige heute. Sie hat ihre elfjährige, ihre unendliche Geschichte mit Stockhausen mit der Hand aufgeschrieben, tastet sich auf Fingerspitzen vor, verwandelt sich noch einmal in das Mädchen vor dem moralsauren Hintergrund der fünfziger Jahre. Die große Liebe!
Ja. Aber. Stockhausen ist verheiratet, er hat drei Kinder. Mary hat edle Prinzipien (»Eine Ehe wollte ich niemals stören«). Sie hat inzwischen auch ein eigenes Atelier, sie organisiert Künstlerfeste. Avantgardisten aus Südkorea, Nordamerika, Düsseldorf und anderswo treffen sich bei ihr in der Lintgasse. Provokation, Happening, Fluxus sind angesagt. Wer braucht denn die Grenzen zwischen den Künsten oder die zwischen Kunst und Leben? »Etwas gänzlich Neues kündigte sich an«, schreibt Bauermeister im Rückblick auf die ersten sieben Nächte und Tage, die sie in Stockhausens Bett erlebt: »Ich würde sein Musikinstrument werden; ich würde zu Klang werden.« Aber wäre eine so ergebene Metamorphose wirklich neu oder doch nur eine Variante im alten Spiel? Immerhin führt der Ehebruch nicht zum bekannten Spektakel von Tränen und Trennung. Die drei Beteiligten einigen sich auf eine Ménage-à-trois. Stockhausen träumt davon, »zwei Menschen mitreißen zu wollen in Gedanken, dass Liebe alles verwandelt«. Und muss – im Lauf der Zeit – feststellen, dass sein »kleines Projekt einer zukünftigen Menschheit« bis auf Weiteres in den Wolken schwebt.
Und die Kunst? Bauermeister schafft einen Durchbruch, als sie 1962 zusammen mit Stockhausen (als »gleichberechtigte Partner«) im großen Saal des Stedelijk Museum in Amsterdam auftritt: ihre Bilder, seine Musik, eine Inspiration. 1963 reist die ganze Familie (Vater, Mutter, Muse und drei Kinder) auf Einladung eines kunstsinnigen amerikanischen Bankierssohns für sechs Monate nach New York. Weitere Reisen folgen. Mary knüpft Beziehungen zu Künstlern und Galerien. Sie sammelt flache Steine, geflickte Bettlaken, alte Linsen, Pilze, Baumstämme, Zen-Weisheiten. Stellt die gefundenen Objekte ins Licht, schafft neue Verbindungen, Bewegung, Resonanz.
1967, nach der Scheidung von seiner ersten Frau, heiraten Mary Bauermeister und Karlheinz Stockhausen. Sie bekommen zwei Kinder, bauen zwei Häuser, leben zu dritt oder viert, machen Kunst und lassen sich 1973 wieder scheiden. Bauermeister versteht die Trennung heute »möglicherweise als Schutz gegen die totale Aufgabe an den anderen«. Doch die Liebe, versichert sie, bestehe ja fort, über Stockhausens Tod hinaus. Mal melodisch, mal dissonant, es sind die menschlichen »Momente«, die weiterleben in diesem umwerfend erzählten Buch einer vitalen Muse, einer weisen Frau.










Ohne das 'Studio für elektronische Musik (Köln)'
im Funkhaus, hätte sich das Traumpaar wahrscheinlich
nicht kennengelernt, da Stockhausen damals dort
viel arbeitete.
deren Musiker und Konsumenten sehr abfällig äußert
http://www.youtube.com/wa...
aber andererseits diese Popmusik lobhudelt und sogar bereit ist mit Popmusikern zusammenzuarbeiten
http://de-bug.de/mag/424....
ist für mich in seiner Zwiespältigkeit genauso wenig prickelnd wie seine Musik.
Meist haben doch Musiker (auch Stockhausen), Maler, Bildhauer, Schriftsteller, mit „traditioneller“, herkömmlicher, kaum aneckender Kunst angefangen und sich damit ihren Lebensunterhalt verdient und damit einen gewissen Bekanntheitsgrad und auch finanzielle Absicherung erarbeitet.
Erst dann konnten sie sich den Luxus erlauben, eine Art Kunst zu kreieren, die nur wenige anspricht, sogar die meisten eher als Scharlatanerie betrachten.
Allein durch ihren Bekanntheitsgrad und teilweise gezielt verbreitete Informationen, dass der ach so unverstandene Künstler aber doch eine klassische Ausbildung hätte und auch wie die alten Meister könne, wenn er wollte, wertet diese neue Kunst auf. Der Betrachter ist dadurch voreingenommen, er macht im Kopf mehr aus dem was er hört oder sieht.
Das ist die der Umsatzsteigerung dienende „Kunst“ der Kunst- und Musik-Branche, Kunst durch Beiwerk zu "veredeln"; z.B. der ständig mit seiner Mio. Stradivari kokettierende David Garrett, um damit sein “überschaubares“ Spiel aufzuwerten.
Gute Kunst spricht für sich, sie bedarf keinem Beiwerk, keinerlei Erklärung, „Bedienungsanleitung“ und Selbstbeweihräucherung des Künstlers.
http://www.vatican.va/var...
Stockhausenmusik kenne ich nur aus seinen Italiensendungen
und ich vermisse bei Stockhausen die deutsche Kontinuität:
Ich bin mit meinem Beispiel hier in der grössten Tanzhalle
Italiens vorausgegangen und habe in Maria_-Maggiore meinen
(siehe Bild im Link) Mädels die Orgelwerkthemen von JSBach mit verschiedenen Variationen erklingen lassen.
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