Post-Chef Frank Appel "Ich kann mir vergeben"

Der Postchef Frank Appel erklärt, wie er mit Fehlern umgeht, warum es künftig mehr Frauen in Chefetagen geben wird – und warum er seinen Vorgänger Klaus Zumwinkel noch immer um Rat fragt

DIE ZEIT: Herr Appel, was findet Ihre Frau besonders gut an Ihnen?

Frank Appel: Meine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

Anzeige

ZEIT: Und was finden Ihre Mitarbeiter besonders gut an Ihnen?

Appel: Neben all dem, was sie sicher auch gelegentlich zu kritisieren haben: meine Ehrlichkeit und Verlässlichkeit.

ZEIT: Dass Mitarbeitern so etwas als Erstes auffällt, versteht man. Aber Ihrer Ehefrau?

Frank Appel

Frank Appel , 50, wuchs in Hamburg-Bergedorf auf. Nach dem Abitur studierte er Chemie in München und promovierte über Neurobiologie in Zürich. Zunächst strebte Appel eine wissenschaftliche Karriere an, verließ den Uni-Betrieb dann aber ernüchtert. 1993 wechselte er zur Unternehmensberatung McKinsey , zu deren Klienten die Deutsche Post zählte. Von da an ging es steil nach oben. 1999 stieg Appel zum Partner auf. Kurz darauf holte ihn der damalige Postchef Klaus Zumwinkel in die Konzernzentrale nach Bonn.

Post-Vorstand

Zwei Jahre später saß Appel bereits im Vorstand, wo er das Logistikgeschäft verantwortete und die Expansion der DHL -Sparten vorantrieb. 2005 fädelte Appel die Übernahme des britischen Logistikers Exel ein, an dessen Chef er seinen Vorstandsposten dann abgab.

Steueraffäre

Als Zumwinkel wegen einer Steueraffäre im Februar 2008 nach 18 Jahren an der Konzernspitze zurücktreten musste, wurde Appel, der schon zuvor als möglicher Nachfolger gehandelt wurde, vorzeitig zum Vorstandschef berufen. Appel ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Appel: Ich kenne meine Frau seit 25 Jahren. Fundamental für eine lange Beziehung ist, dass man sich aufeinander verlassen und dem anderen ehrlich sagen kann, wie man sich fühlt.

ZEIT: Meinen Sie, dass Appel zu Hause und Appel in der Post ein und derselbe ist?

Appel: Da gebe ich mir wirklich große Mühe. Wer erfolgreich eine Organisation führen will, sollte in allen Lebenslagen derselbe sein. Ich gehe nicht aus dem Haus und wechsle meine Haut.

ZEIT: Sie führen seit fast vier Jahren die Deutsche Post, mit der jeder Deutsche etwas verbindet – nicht aber mit dem Menschen Frank Appel.

Appel: Ich will gar nicht zu sehr im Rampenlicht stehen. Mein Job hat eine dienende Funktion. Der Erfolg des Unternehmens kommt vor allem durch die Mitarbeiter und Führungskräfte.

ZEIT: Sind Sie austauschbar?

Appel: Wenn Sie mich fragen, was meinen Erfolg ausmacht, dann ist das erstens die Auswahl der richtigen Menschen, mit denen ich zusammenarbeite. Und zweitens Glück.

ZEIT: Reden wir über Glück.

Appel: Ich hatte vor allem das Glück, tolle Eltern gehabt zu haben. Als Neurobiologe weiß ich: Was in den ersten drei Lebensjahren passiert, bereitet uns aufs Leben vor. Das wird total unterschätzt.

ZEIT: Und im Beruf?

Appel: Zwei Tage vor dem Bankrott von Lehman Brothers haben wir die Postbank verkauft – reines Glück! Wir hatten eine Aufsichtsratssitzung an jenem Freitag, und der eine Chefverhandler stand kurz vor der Pensionierung, für die andere war es der letzte Tag vor ihrem Mutterschutz. Ich habe den beiden potenziellen Käufern gesagt: Entweder wir haben am 12. September einen Deal, oder wir haben gar keinen Deal. Keiner ahnte, dass Lehman Brothers am Sonntag pleitegehen würde, sonst hätte die Deutsche Bank die Transaktion nicht gemacht. Hätten wir da nicht verkauft, würde ich heute nicht hier sitzen.

ZEIT: Sicher?

Appel: Ja, denn dann hätte ich nie verkauft. Und ich wüsste heute nicht, wie wir als Industrieunternehmen die enorm gestiegenen Kapitalanforderungen an Banken stemmen sollten.

Leser-Kommentare
    • TDU
    • 20.12.2011 um 12:45 Uhr

    Nichts gegen einzuwenden gegen diese üblichen Pauschalen und die Offenlegung der "Geheimnisse" einer glücklichen und funktionierenden Ehe.

    Nur ein wenig vorsichtig sein sollte er schon. Dumme und arme Jungs versenden weder Pakete, schreiben keine Briefe und sortieren auch nicht für Hungerlöhne, wenn der Zwang zu groß wird.

  1. 2. Ahh...

    Wieder ein neues Abziehbildchen für die üblichen Botschaften...

    Eine Leser-Empfehlung
  2. ...mir schleierhaft, warum dieses informativ-kluge Interview vor und hinter dem Mikrofon klug, meine ich, bisher noch nicht kommentiert wurde, wo doch anderererseits bei Trivial-Interviews oft gleich loskommentiert wird.
    Zur Sache:
    Mit diesem Appel-Chef sind die Post und wir Nutzer wirklich glückhaft bedient, meine ich:
    Aber zu fördern braucht man Frauen wohl garnicht, diese Meisterinnen in der geschmeidigen Anpassung, was ja gerade auch ihr größtes Handicap ist.
    Wenn Frauen etwas wirklich wollen, schaffen sie alles, na sagen wir: fast alles(!) alleine, sogar dann, wenn Männer ihnen eifersüchtig und unklug auch noch Knüppel vor die Füße werfen.
    Und natürlich hat auch hierin Appel recht, wenn er meint, daß es Aufgabe der Wirtschaft ist, schon aus Klugkeit (füge ich hinzu!), Frauen zu fördern.
    Aber dazu müssen wir Testosteron-Produzenten erst mal diesen logischen Zusammenhang neidlos erkennen, meine ich und bin hocherfreut, daß es doch langsam voran geht, mit uns Menschen!
    Wenn auch leider nur sehr langsam.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 20.12.2011 um 13:55 Uhr

    Es ist schön lieber Testeron Mitproduzent, dass Sie erkannt haben, was einigen z. B. mir, schon von Haus klar ist. Und ich habe auch nichts gegen Frauenförderung durch die Wirtschaft. Nur kam das ein wenig abstrakt rüber. "Seine" Chefinnen düften keine Förderung mehr nötig haben, es sei denn Postenverteilung wäre auch unter "Fördermassnahme" zu verstehen, aber das tut er sicher nicht.

    Der Dienstleistungsbereich ist ein Breich. Da kann man wunderbare Netzwerke aufbauen. Aber Netzwerke gut ausgebildeter Technikfirmen sind wegen der Monopolisierung von Auftragsvolumina gar nicht gerne gesehen und in solchen Firmen zählt die messabre Tat und nicht die Kommunikation.

    Man sollte also in diesem Bereich die Förderung aller naturwissenschaftlichen Talente nicht vernachlässigen.

    Dass man Fehler nicht leugnen sollte, ist auch kein Fall der Selbstkasteiung, sondern ist ein Ding im mutigen und klugen Umgang mit sich selbst und andern.

    Und die fehlende Scham, bzw. das "ich kann mich nicht um alles Kümmern" wegen der Frage nach den Arbeitsbedingungen hätte man jemandem, der nicht die Frauenförderung so hoch angesetzt hätte, vermutlich nicht so leicht durchgehen lassen.

    • TDU
    • 20.12.2011 um 13:55 Uhr

    Es ist schön lieber Testeron Mitproduzent, dass Sie erkannt haben, was einigen z. B. mir, schon von Haus klar ist. Und ich habe auch nichts gegen Frauenförderung durch die Wirtschaft. Nur kam das ein wenig abstrakt rüber. "Seine" Chefinnen düften keine Förderung mehr nötig haben, es sei denn Postenverteilung wäre auch unter "Fördermassnahme" zu verstehen, aber das tut er sicher nicht.

    Der Dienstleistungsbereich ist ein Breich. Da kann man wunderbare Netzwerke aufbauen. Aber Netzwerke gut ausgebildeter Technikfirmen sind wegen der Monopolisierung von Auftragsvolumina gar nicht gerne gesehen und in solchen Firmen zählt die messabre Tat und nicht die Kommunikation.

    Man sollte also in diesem Bereich die Förderung aller naturwissenschaftlichen Talente nicht vernachlässigen.

    Dass man Fehler nicht leugnen sollte, ist auch kein Fall der Selbstkasteiung, sondern ist ein Ding im mutigen und klugen Umgang mit sich selbst und andern.

    Und die fehlende Scham, bzw. das "ich kann mich nicht um alles Kümmern" wegen der Frage nach den Arbeitsbedingungen hätte man jemandem, der nicht die Frauenförderung so hoch angesetzt hätte, vermutlich nicht so leicht durchgehen lassen.

  3. Frauen sind besser weil sie Frauen sind.
    Männer sind besser weil sie Männer sind.
    .
    Wird der eine Quatsch jetzt vom anderen abgelöst?
    Verbessert das wirklich was bei der Post?
    Glaub' ich nicht.
    Ob Frauen oder Männer, BWL-Absolventen sind nicht gerade Leute, denen man vorgestellt werden möchte.

    • kinnas
    • 20.12.2011 um 13:44 Uhr
    5. Tjaja

    "Wer erfolgreich eine Organisation führen will, sollte in allen Lebenslagen derselbe sein."

    Wenden sie diesen Satz mal auf die Politiker an. Kein Wunder, daß es der BRD zZ schlechter geht als es müsste!

    • TDU
    • 20.12.2011 um 13:55 Uhr

    Es ist schön lieber Testeron Mitproduzent, dass Sie erkannt haben, was einigen z. B. mir, schon von Haus klar ist. Und ich habe auch nichts gegen Frauenförderung durch die Wirtschaft. Nur kam das ein wenig abstrakt rüber. "Seine" Chefinnen düften keine Förderung mehr nötig haben, es sei denn Postenverteilung wäre auch unter "Fördermassnahme" zu verstehen, aber das tut er sicher nicht.

    Der Dienstleistungsbereich ist ein Breich. Da kann man wunderbare Netzwerke aufbauen. Aber Netzwerke gut ausgebildeter Technikfirmen sind wegen der Monopolisierung von Auftragsvolumina gar nicht gerne gesehen und in solchen Firmen zählt die messabre Tat und nicht die Kommunikation.

    Man sollte also in diesem Bereich die Förderung aller naturwissenschaftlichen Talente nicht vernachlässigen.

    Dass man Fehler nicht leugnen sollte, ist auch kein Fall der Selbstkasteiung, sondern ist ein Ding im mutigen und klugen Umgang mit sich selbst und andern.

    Und die fehlende Scham, bzw. das "ich kann mich nicht um alles Kümmern" wegen der Frage nach den Arbeitsbedingungen hätte man jemandem, der nicht die Frauenförderung so hoch angesetzt hätte, vermutlich nicht so leicht durchgehen lassen.

  4. den anderen zu vernachlässigen. Punkt.

    Quote ist allgemein und immer abzulehnen. Denke ich.

    Es muss in der Politik, Wirtschaft und Beruf immer nur um Kompetenz gehen und nie um das Geschlecht oder gar Migration...

    Was nützt ein Mann/Frau/Migrant etc. an den Hebeln der Macht wenn diese Person fachlich einfach nicht fähig ist diese Hebel zu bedienen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    sehr richtig...
    ausserdem peinlich sich jetzt aus öffentlichkeits- und pr absichten der mode zu beugen ,wie dieser "chef" es tut.

    zumal: wer öffentlich klaus zumwinkel gutheißt und ihn als berater sieht, disqualifiziert sich selbst.

    man kann nur hoffen, dass wir die political corectness zurückfahren und nach dem leistungsprinzip vorgehen. wer leiset bekommt den posten , egal ob frau oder mann
    falls es zur gesetzlichen quote kommt, werden etliche menschen bzw. männer das land verlassen

    sehr richtig...
    ausserdem peinlich sich jetzt aus öffentlichkeits- und pr absichten der mode zu beugen ,wie dieser "chef" es tut.

    zumal: wer öffentlich klaus zumwinkel gutheißt und ihn als berater sieht, disqualifiziert sich selbst.

    man kann nur hoffen, dass wir die political corectness zurückfahren und nach dem leistungsprinzip vorgehen. wer leiset bekommt den posten , egal ob frau oder mann
    falls es zur gesetzlichen quote kommt, werden etliche menschen bzw. männer das land verlassen

  5. Wenn Frauen besser sind als Männer, dann soll der gute Herr Appel mal sein Zustellpersonal konsequenterweise auf 100% Frauen umstellen. Vielleicht klappt dann die Zustellung von Briefen und Paketen besser, als sie das zur Zeit tut...

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ..so wie Sie jetzt offensichtlich absichtlich überspitzt formulieren, habe ich Appel eigentlich nicht verstanden, sondern eher - auch überspitzt bzw. verkürzt ausgedrückt - Frauen sind besser als ihr beschränkter Ruf bei uns Testosteronproduzenten im Allgemeinen ist und müssen immer etwas besser sein, um uns überhaupt leistungsmäßig recht aufzufallen zu können, weil wir eben seit Siegmund Freud Kastrationsängste um unsere Herr-lichen diesbezüglichen Prduktionsstätten, tatsächlich und im unbewußt übertragenen Sinne haben.
    Normal sind wir als homo sapiens doch erst dann, finde ich, wenn dies kein Thema mehr für uns und die dann ärmeren Medien ist! ;-)
    P.S.: ich traue mich solche Dinge auch nur deswegen zu schreiben, weil wir doch gerade öffentlich-medial um einen berühmten Psychotherapeuten trauern, der allerdings eine anderes Lieblingsthema speziell beackerte!

    ..so wie Sie jetzt offensichtlich absichtlich überspitzt formulieren, habe ich Appel eigentlich nicht verstanden, sondern eher - auch überspitzt bzw. verkürzt ausgedrückt - Frauen sind besser als ihr beschränkter Ruf bei uns Testosteronproduzenten im Allgemeinen ist und müssen immer etwas besser sein, um uns überhaupt leistungsmäßig recht aufzufallen zu können, weil wir eben seit Siegmund Freud Kastrationsängste um unsere Herr-lichen diesbezüglichen Prduktionsstätten, tatsächlich und im unbewußt übertragenen Sinne haben.
    Normal sind wir als homo sapiens doch erst dann, finde ich, wenn dies kein Thema mehr für uns und die dann ärmeren Medien ist! ;-)
    P.S.: ich traue mich solche Dinge auch nur deswegen zu schreiben, weil wir doch gerade öffentlich-medial um einen berühmten Psychotherapeuten trauern, der allerdings eine anderes Lieblingsthema speziell beackerte!

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service