Politik und Lyrik Nr. 41 Ode auf das Smartphone
Jede Woche veröffentlicht die ZEIT Gedichte über Politik. Diese Woche widmet sich Hendrik Rost der modernen Kommunikation und Michael Lentz der Weltwahrnehmung.
Seit dem 10. März versuchen wir im Politikteil der ZEIT, Politik von einer anderen Seite und auf andere Art wahrzunehmen. Elf Lyrikerinnen und Lyriker verfassen eigens für die ZEIT Gedichte, sie zeigen uns ihre Sicht auf die Politik. Mal schreiben sie unabhängig von den Ereignissen, mal gehen sie direkt auf politische Erlebnisse ein. Womit wir anfangs nicht gerechnet hatten, das ist die Fülle und Dichte der Ereignisse, wie wir sie seit Anfang dieses Jahres erleben. Die Gedichte wurden dabei häufig sehr aktuell, einige am Tag nach politischen Entscheidungen oder nach Katastrophen verfasst. Diese Woche widmet sich Hendrik Rost der modernen Kommunikation und Michael Lentz der Weltwahrnehmung.
Hendrik Rost: Ode auf das Smartphone
»Woher weiß man, ob jemand ein iPhone hat?
Er zeigt es einem.«
Der Arbeitstag ist lang
und es spielt damit, dass jemand
anrufen könnte.
Unsere Sinne sind erweitert
um seine berührungsempfindliche Realität –
als letzte Grenze die Akkus.
Es kann aufgerüstet werden,
die Revolte als App,
aber es erklärt keinen Krieg,
der nicht längst die Dinge bebildert:
Despoten geraten global unters Volk.
Es lebt von Infos und Mauscheleien:
Daumen rauf, Daumen runter.
Ein jeder schuftet hart
für so viel Naivität,
und wir kehren zurück
in höchste Auflösung.
Was wir wollen,
wird gespeichert auf Vorrat.
Wenn wir Nachts endlich einnicken,
liefert es Bestellungen
ans Universum.
- Hendrik Rost
Jahrgang 1969, wurde im Münsterland geboren. Studierte Philosophie und Literaturwissenschaft. Lebt als Autor und Übersetzer mit seiner Familie in Lübeck. Seine Übersetzungen (zusammen mit Mirko Bonné) der Gedichte von Rutger Kopland erschienen 2008 im Hanser Verlag. Im Frühjahr 2010 erschien sein fünfter Gedichtband Der Pilot in der Libelle im Göttinger Wallstein-Verlag.
- Datum 22.12.2011 - 13:25 Uhr
- Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
- Serie Politik & Lyrik
- Quelle DIE ZEIT, 15.12.2011 Nr. 51
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:





Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren