Nachdem im Oktober an dieser Stelle geklärt wurde, dass es Freundschaft zwischen Tieren geben kann , fragten gleich mehrere Leser nach, ob denn der Mensch beim Mitleid noch eine Monopolstellung habe. Oder können auch Tiere sich in die Pein ihrer Mitgeschöpfe einfühlen?

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Mitleid oder Empathie ist die Fähigkeit, zu erkennen, dass ein anderes Wesen leidet, und dieses Gefühl zu "spiegeln". Es ist die Grundlage für die menschliche Moral – Serienkillern und anderen Psychopathen fehlt meist jegliches Empathievermögen. Schon seit mehreren Jahren weiß man, dass Primaten Emotionen ihrer Artgenossen deuten können. Schimpansen leiden mit, wenn sie im Fernsehen Bilder von gequälten Schimpansen sehen. Rhesusaffen, denen man eine Belohnung anbot, wenn sie anderen Rhesusaffen Elektroschocks versetzten, lehnten die Nahrung ab (was bei Menschen keine Selbstverständlichkeit ist).

In der vergangenen Woche berichteten nun Forscher von der University of Chicago in Science von Hinweisen, dass auch Ratten Empathie empfinden : Im Experiment befreiten die Nager eingesperrte Artgenossen, die sichtbar litten, aus einem Gefängnis. Das Leiden des Mitgeschöpfs war also nicht nur "ansteckend", es führte sogar zu einer altruistischen Handlung, aus der die Ratten keinen unmittelbaren Nutzen zogen. Und sogar wenn ihnen als Alternative Schokolade angeboten wurde, ließen sie zunächst die andere Ratte frei und teilten danach mit ihr die Süßigkeit: ihr Mitgefühl war noch stärker als die Naschsucht.

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