100 Jahre Republik China Der Kaiser war nur Gips
Seite 4/4:

 Der Traum von der Demokratie ist ausgeträumt

In der folgenden Zeit versinkt China in einem endlosen Bürgerkrieg. Warlord kämpft gegen Warlord, seit dem Ende der zwanziger Jahre mischen verstärkt die Kommunisten mit. Im Sommer 1937 greifen die Japaner, die bereits die Mandschurei besetzt haben, nach der Macht über ganz China und errichten in den eroberten Regionen ein Schreckensregime.

Nach dem Zweiten Weltkrieg kommt es schließlich zum finalen »Duell« zwischen Kommunisten und Nationalisten. Maos Partei triumphiert, und 1949 fliehen die verbliebenen Truppen der Kuomintang unter ihrem Führer Chiang Kai-shek – Sun Yat-sen ist schon 1925 gestorben – nach Taiwan. Jede der beiden Parteien ruft ihr eigenes China aus.

Mit dem Beginn des Kalten Krieges ist der Traum von der Demokratie ausgeträumt. Während sich Taiwan in eine Diktatur westlicher Prägung verwandelt (und erst Ende der achtziger Jahre zu republikanischen Prinzipien zurückkehrt), entfaltet sich auf dem Festland Maos kommunistische Gewaltherrschaft.

Und dennoch hat die Erfahrung von 1911 Bleibendes hinterlassen. Denn die Republik, so argumentiert der US-Historiker David Strand in seinem vor wenigen Monaten erschienenen Buch An Unfinished Republic, habe das Ideal politischer Gleichheit und Partizipation im Land verankert. Und das könne, so entleert und entseelt es derzeit auch sei, wiedererweckt werden. Sei erst der richtige Moment gekommen, werde das Volk sich darauf berufen und sich gegen Bürokratismus und Autokratie wenden. So wie es Ende der achtziger Jahre in Osteuropa geschehen ist. Oder wie in diesem Frühjahr in Arabien.

 
Leser-Kommentare
  1. Das chinesische Kaisertum war eine Republik, der Kaiser war ein Gefangener seines Hofzeremoniells.

  2. 2. Opium

    Man muss sich das immer wieder vergegenwärtigen :
    England zwang die Chinesen Opium zu importieren, mit Waffengewalt.
    Der Import und Genuss in England war aber verboten.
    Die Mehrheit im englischen Parlament stimmte für den Krieg.
    Ich hoffe, dass hier noch Wiedergutmachungsansprüche gerichtlich geltend gemacht werden. Ein schlimmes Kapitel des englischen Imperialismus.
    Letzlich hat England damit den Zusammenbruch des chinesischen Reiches zu verantworten.
    Immerhin wurde damals noch niemand mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.

    Eine Leser-Empfehlung
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • reven
    • 19.12.2011 um 2:34 Uhr

    @darthmax
    Letzlich hat England den Zusammenbruch des mandschurischen Imperialismus vielleicht beschleunigt, den Untergang aber nicht ausgelöst.Der Untergang des Mandschurischen Reiches war bereits lange vor der Ankunft britischer Kriegsschiffe durch das Wesen des Qing-Reiches besiegelt worden , da eine Minderheit (wenige Millionen Mandschu)nicht dauerhaft über ein 400-Millionen-Volk der Han-Chinesen herrschen konnte, ohne Komptenzen an die han-Chinesen abzugeben, was wiederum deren Untergang bedeuten würde.Versucht haben die Mandschus, die haben eine endlose Palisadenmauer vor den Toren der mandschurei gebaut, um die Mandschurei frei von Han-Chinesen zu halten.Dies wiederum hat die dünn besiedelte Mandschurei den Russen zum Eindringen "freigegeben", sodass ein Großteil der Mandschurei, die Heimat der Mandschu, im späten 19.Jh praktisch von den Russen besezt wurde.
    Bereits vor dem Opiumkrieg hat ein Großaufstand der Han-Chinesen in Sichuan/Hubei die Qing-Dynastie nachhaltig geschwächt und die Staatskassen ruiniert.

    Den Todesstoß setzte der Taiping-Aufstand im 19.Jh.Die mandschurischen Banner-Truppen wurden von den Taiping zerschlagen.Da war klar, dass die Qing mit mandschurischen nicht mehr zu retten war.Eigentlich wäre die Qing damals untergegangen, hätten die Briten bzw andere Großmächte nicht den Qing gefolfen, die Taiping niederzuschlagen, und hätten die han-chinesischen Grundherren nicht gegen die Taiping gekämpft.

    • reven
    • 19.12.2011 um 2:34 Uhr

    @darthmax
    Letzlich hat England den Zusammenbruch des mandschurischen Imperialismus vielleicht beschleunigt, den Untergang aber nicht ausgelöst.Der Untergang des Mandschurischen Reiches war bereits lange vor der Ankunft britischer Kriegsschiffe durch das Wesen des Qing-Reiches besiegelt worden , da eine Minderheit (wenige Millionen Mandschu)nicht dauerhaft über ein 400-Millionen-Volk der Han-Chinesen herrschen konnte, ohne Komptenzen an die han-Chinesen abzugeben, was wiederum deren Untergang bedeuten würde.Versucht haben die Mandschus, die haben eine endlose Palisadenmauer vor den Toren der mandschurei gebaut, um die Mandschurei frei von Han-Chinesen zu halten.Dies wiederum hat die dünn besiedelte Mandschurei den Russen zum Eindringen "freigegeben", sodass ein Großteil der Mandschurei, die Heimat der Mandschu, im späten 19.Jh praktisch von den Russen besezt wurde.
    Bereits vor dem Opiumkrieg hat ein Großaufstand der Han-Chinesen in Sichuan/Hubei die Qing-Dynastie nachhaltig geschwächt und die Staatskassen ruiniert.

    Den Todesstoß setzte der Taiping-Aufstand im 19.Jh.Die mandschurischen Banner-Truppen wurden von den Taiping zerschlagen.Da war klar, dass die Qing mit mandschurischen nicht mehr zu retten war.Eigentlich wäre die Qing damals untergegangen, hätten die Briten bzw andere Großmächte nicht den Qing gefolfen, die Taiping niederzuschlagen, und hätten die han-chinesischen Grundherren nicht gegen die Taiping gekämpft.

    • fauler
    • 18.12.2011 um 21:51 Uhr
    3. Falsch

    "In dieses erschöpfte Land kehrt 1883 der 17-jährige Bauernsohn Sun Yat-sen zurück. Es ist der Auftakt eines neuen Stücks, eines, das so abrupt anfängt, wie es wieder enden wird: China als Republik."

    China war und ist eine Republik, wie sie meint, eine "Volksrepublik".....

    Eine Leser-Empfehlung
    • fauler
    • 18.12.2011 um 22:01 Uhr

    "Auch Sun Yat-sen muss fliehen und geht ins japanische Exil. Im Dezember 1915 lässt Yuan Shikai sich zum Kaiser krönen. Die Republik, kaum erwacht, ist bereits erloschen."

    Nächstes mal lies ich erst den ganzen Artikel und danach kommentiere ich...

    • reven
    • 19.12.2011 um 1:23 Uhr
    5. Sklave

    "Sie belügen den Kaiser voller Demut und Hingabe. Schicken ihm seine Beamten ihre Berichte, dann tun sie dies »respektvoll kniend«, aus dem Wort »ich« wird »Euer Sklave«"

    Das ist eine typische Kultur der Qing-Dynastie.Die Mandschuren waren kurz vor der Machtübernahme Chinas im frühen 17.Jh noch eine Sklavengesellschaft, in der die unterworfenen Han-Chinesen der Manschurei zu Sklaven (Baoyi,包衣)gemacht wurden.In China selber wurde das Leibeigentum/Sklaventum bereits in der Song-Dynastie vor etwa tausend jahren gesetzlich verboten.Von kulturellen Standpunkten gesehen war die Machtübernahme der Mandschu in China ein zivilisatorischer Rückschritt.Allein die Gesetze der Qing-Dynastie, die die Han-Chinesischen Männer zu mandschurischen Zopftracht und Kledungen unter Androhung der Todeestrafe zwangen, konnten nur durch brutalste Gewalt durchgesetzt werden.
    "Enweder ihr behaltet eure Haare, dann verliert ihr eure Köpfe.Oder ihr behaltet eure Köpfe und verliert eure Haare".Der Zopferlass 1645.
    Darüberhinaus waren han-Chinesische Kledungen strengst verboten.Vom äußeren Erscheinungsbild des traditionellen Han-Chinesen ist durch die Qing-Dynastie fast nichts mehr übrig geblieben.In den Augen vieler Nachbarvölker Chinas, die die han-chinesische Huaxia-Zivilisation weitergepflegt haben, haben sich die Chinesen durch deren totale Unterwerfung und kultuelle Veränderung ab 1644 disqualifiziert, Erbe der Huaxia-Zivilisation zu sein.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • pinero
    • 19.12.2011 um 3:05 Uhr

    "In den Augen vieler Nachbarvölker Chinas, die die han-chinesische Huaxia-Zivilisation weitergepflegt haben, haben sich die Chinesen durch deren totale Unterwerfung und kultuelle Veränderung ab 1644 disqualifiziert, Erbe der Huaxia-Zivilisation zu sein".

    Interessante Sichtweise. Von welchen "Nachbarvölkern Chinas" sprechen Sie denn konkret?
    Ich habe Bekannte in Chiang Mai, die einmal behaupteten, dass die Lanna-Kultur im Norden Thailands und selbst das Staatsverständnis der "Taksim-Dynastie" stark vom republikanischen Gesellschaftsverständnis der Huaxia-Zivilisation geprägt sei. Wenn das zutrifft, würde das natürlich auch die politischen Konfliktlinien in Thailand in einem anderen Licht erscheinen lassen.
    Ich würde mich über eine "Erleuchtung" bezüglich dieser Frage freuen, Sie scheinen auf diesem Gebiet ja Experte zu sein.

    • pinero
    • 19.12.2011 um 3:05 Uhr

    "In den Augen vieler Nachbarvölker Chinas, die die han-chinesische Huaxia-Zivilisation weitergepflegt haben, haben sich die Chinesen durch deren totale Unterwerfung und kultuelle Veränderung ab 1644 disqualifiziert, Erbe der Huaxia-Zivilisation zu sein".

    Interessante Sichtweise. Von welchen "Nachbarvölkern Chinas" sprechen Sie denn konkret?
    Ich habe Bekannte in Chiang Mai, die einmal behaupteten, dass die Lanna-Kultur im Norden Thailands und selbst das Staatsverständnis der "Taksim-Dynastie" stark vom republikanischen Gesellschaftsverständnis der Huaxia-Zivilisation geprägt sei. Wenn das zutrifft, würde das natürlich auch die politischen Konfliktlinien in Thailand in einem anderen Licht erscheinen lassen.
    Ich würde mich über eine "Erleuchtung" bezüglich dieser Frage freuen, Sie scheinen auf diesem Gebiet ja Experte zu sein.

    • reven
    • 19.12.2011 um 1:56 Uhr

    "Wer hätte es auch gewagt, seine Anstellung, vielleicht gar seinen Kopf zu riskieren, um dem Kaiser die Wahrheit zu sagen?
    "
    In der Qing-Dynastie jedenfalls nicht von han-chinesischen Beamten.In der vorherigen han-chinesischen Ming-Dynastie jedoch waren die konfuzianischen Beamten so mächtig geworden, dass die Staatspolitik ohne die Zustimmung des von Konfuzianischen Beamten besetzten Kabinetts nicht zu machen war.Ein Erlass des Ming-Kaisers in der späteren Phase der Ming-Dynastie ohne die Zustimmung des Kabinnes konnte von den Beamten verweigert werden, ohne dass sie sich vor Konsequenzen fürchten mussten.Der Wanli-Kaiser der Ming-Dynastie konnte nicht mal seinen Wunsch des Thronnachfolgers gegen die Beamtenkaste durchsetzen und musste Jahrzehnlang aus Protest die kaiserlichen Audienzen boykottieren.Den Kaiser zu kritisieren, galt als Ehrensache.Ein Held wurde man, den Kaiser so weit zu provozieren, dass man vor dem Palast Stockschläge auf den Hintern bekam.So war die späte Ming-Dynastie.Eine Phase der intellektuellen Rebellion.

    • reven
    • 19.12.2011 um 1:59 Uhr

    Die Qing-Dynastie indessen war in erster Line eine Fremdherrschaft, in der die wichtigsten Regierungsposten von Mandschu-Adligen besetzt wurden.Han-Chinesische Beamte wurden stets misstrauig beäugt, nach dem Motto der Mandschu-Adligen:"Wenn die Han stark sind, dann gehen die Mandschu unter!".
    Unzählige sogenannte Schriftinquisitionen zur Verfolgung han-chinesischer Intellektueller haben die han-chinesische Bildungselite mundtot gemacht.Da ist man eben vorsichtig geworden.Den Kaiser zu kritisieren oder gar in Frage zu stellen?Schaut bloss auf die Schicksale unzähliger anderer han-chinesicsher Intellektuelle: Sippenhaft/hinrichtungen.Familie, Lehrer,Freunde, Bekannte, alle entweder durch die Ling-Chi-strafe öffentlich einen Tod durch tausendfaches Zerschneiden gestorben, oder in die Mandschurei in die Sklaverei mandschurischer Krieger getrieben.

    • reven
    • 19.12.2011 um 2:34 Uhr

    @darthmax
    Letzlich hat England den Zusammenbruch des mandschurischen Imperialismus vielleicht beschleunigt, den Untergang aber nicht ausgelöst.Der Untergang des Mandschurischen Reiches war bereits lange vor der Ankunft britischer Kriegsschiffe durch das Wesen des Qing-Reiches besiegelt worden , da eine Minderheit (wenige Millionen Mandschu)nicht dauerhaft über ein 400-Millionen-Volk der Han-Chinesen herrschen konnte, ohne Komptenzen an die han-Chinesen abzugeben, was wiederum deren Untergang bedeuten würde.Versucht haben die Mandschus, die haben eine endlose Palisadenmauer vor den Toren der mandschurei gebaut, um die Mandschurei frei von Han-Chinesen zu halten.Dies wiederum hat die dünn besiedelte Mandschurei den Russen zum Eindringen "freigegeben", sodass ein Großteil der Mandschurei, die Heimat der Mandschu, im späten 19.Jh praktisch von den Russen besezt wurde.
    Bereits vor dem Opiumkrieg hat ein Großaufstand der Han-Chinesen in Sichuan/Hubei die Qing-Dynastie nachhaltig geschwächt und die Staatskassen ruiniert.

    Den Todesstoß setzte der Taiping-Aufstand im 19.Jh.Die mandschurischen Banner-Truppen wurden von den Taiping zerschlagen.Da war klar, dass die Qing mit mandschurischen nicht mehr zu retten war.Eigentlich wäre die Qing damals untergegangen, hätten die Briten bzw andere Großmächte nicht den Qing gefolfen, die Taiping niederzuschlagen, und hätten die han-chinesischen Grundherren nicht gegen die Taiping gekämpft.

    Eine Leser-Empfehlung
    Antwort auf "Opium"

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service