Warenhauskonzern Stunde der Wahrheit
Sollte der Warenhauskonzern Arcandor ausgeplündert werden? In den Prozessen gegen Thomas Middelhoff taucht ein ungeheurer Verdacht auf.
Thomas Middelhoff weist den Weg, vorbei an gläsernen Leoparden, durch seine Bibliothek in einen Pavillon. Der frühere Chef des KarstadtQuelle-Konzerns wohnt in einer alten, von einem Textilbaron erbauten Villa in Bielefeld-Senne. Über das weitläufige Anwesen windet sich ein Bach. Waldstücke und großzügige Rasenflächen wechseln einander ab, und im Hintergrund, durch die Bäume hindurch, ist ein Reitplatz zu erkennen. Middelhoff wirkt aufgeräumt. Bald, so hofft er, werden mehrere Prozesse gegen ihn in sich zusammenfallen. In ihnen dreht es sich um den Warenhauskonzern, der erst KarstadtQuelle und dann Arcandor hieß und der am Ende pleite war. Bald, hofft Middelhoff, werde er die größte Insolvenz des vergangenen Jahrzehnts hinter sich lassen können. Schadensersatzansprüche gegen ihn, die der Insolvenzverwalter geltend macht? Kann er nicht erkennen.
Am Montag dieser Woche hat ein weiterer Prozess begonnen.
Nachdem sich Middelhoff im Pavillon niedergelassen hat, bekommt er ein sieben Jahre altes Protokoll zu sehen. Draußen wird es schon dunkel, und um das Protokoll zu studieren, lehnt er sich zur Leselampe hinüber. Seine Miene verzieht sich. Aus dem freundlichen Herrn Middelhoff wird ein ernster Mann.
Dieses Schriftstück könnte ihm noch gefährlich werden. Es handelt von Besuch, den der Manager am 26. Juni 2004 in seinem Haus empfangen hat. Seine Gäste hießen Madeleine Schickedanz, Leo Herl und Josef Esch. »An das Treffen kann ich mich erinnern«, sagt Middelhoff. Das schriftliche Protokoll aber habe er »noch nie gesehen«. Es stammt offensichtlich aus Quellen des rheinischen Finanzgewerbes.
- Die Prozesse
Das Zivilverfahren, das am Montag vor dem Landgericht Essen begonnen hat, wird in den Akten des Klägers als Middelhoff II geführt. Der Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg fordert 24 Millionen Euro Schadensersatz vom ehemaligen Arcandor-Chef Thomas Middelhoff und anderen Verantwortlichen des 2009 in die Insolvenz gegangenen Warenhauskonzerns. Die Beklagten sollen überzogene Boni und Abfindungen kassiert haben. Middelhoff wird überdies vorgeworfen, zu hohe Spesen für Privatjets und Geselligkeiten verbraucht zu haben. Im Verfahren Middelhoff I, das seit April läuft, fordert der Insolvenzverwalter 175 Millionen Euro Schadensersatz. Es geht um Geschäfte mit fünf Warenhäusern zwischen KarstadtQuelle und der Kölner Oppenheim/Esch-Gruppe, die nach Görgs Ansicht für den Handelskonzern unvorteilhaft waren.
Rückblende ins Jahr 2004: Geschäftliches steht an. Frau Schickedanz verfügt damals als Erbin des Versandhauses Quelle noch über ein Milliardenvermögen, um das sich privatissime ihr Ehemann und Generalbevollmächtigter Leo Herl kümmert. Im vertraglich geregelten Auftrag steht ihm dabei der Kölner Vermögensverwalter Esch zur Seite. Was die drei nach Bielefeld führt, ist unangenehm: Ein erklecklicher Teil des Schickedanz-Geldes, um nicht zu sagen fast alles, steckt im Warenhauskonzern KarstadtQuelle, dem es im Jahr 2004 bedrohlich schlecht geht.
Die drei brauchen einen Retter, einen wie Thomas Middelhoff. Als Chef von Bertelsmann hat er den Medienkonzern Anfang des vergangenen Jahrzehnts ins globale Internetgeschäft gehievt, ist sogar in den USA eine große Nummer, und nachdem er bei Bertelsmann unerwartet hinausgeschleudert wurde, ist er elegant in London gelandet, wo er als Investmentbanker sofort enorme Profite erzeugt. Auch für sich persönlich.
Männer wie Middelhoff gab und gibt es wenige, da kann Großaktionärin Schickedanz (»Als Geschäftsfrau hat man mich nie erzogen«) froh sein, ihn erfolgreich nach Essen und in den Aufsichtsrat von KarstadtQuelle gelockt zu haben. Kurz nach dem Treffen in Bielefeld soll Middelhoff dort den Vorsitz übernehmen und ein Jahr später sogar den Vorstandsvorsitz.
Auf der Agenda der Zusammenkunft steht die prekäre Lage des Warenhauskonzerns. Aber im Hintergrund spielt sich eine zweite Geschichte ab. Eine Geschichte von Gier und vom Wunsch, aus sehr viel Geld noch mehr Geld machen zu wollen.
Zunächst trägt Middelhoff vor, wie er den Laden flottmachen will, und fordert dafür eine stabile Aktionärsstruktur. So weist es das Protokoll aus. Folgt man Leuten, die einen guten Einblick in die Geschehnisse haben, dann hat bei jener Teestunde aber auch ein Projekt zur systematischen Ausplünderung des KarstadtQuelle-Konzerns auf dem Tisch gelegen. Die Anwälte des Insolvenzverwalters nennen es den »Großen Plan«.
- Datum 22.12.2011 - 06:38 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.12.2011 Nr. 52
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... die nichts als kurfristige Eigeninteressen im Auge haben, will man Wasserversorgung, Stromversorgung, öffentlicher Verkehr etc. anvertrauen, im Glauben daran, dass sich so die Kräfte des Marktes zum Wohle aller entfalten können?
Bitte gebt uns die alte Esoteriken zurück, z.B. jene mit Räucherstäbchen und Regentänzen. Diese scheinen weit vernünftiger angelegt zu sein.
Ich bin entsetzt über die Zusammenhänge hinter der Karstadt Pleite. Nicht, dass ich vieles von dem was hier steht nicht bereits wusste, nein, die koprimierte Zusammenfassung macht deutlich was hier gelaufen ist. Warum, so frage ich mich (meine Familie ist ebenfalls Geschädigte)lässt man Sal. Oppenheimer und auch Esch weiterhin agieren? Warum geht man hier nicht von Wiederholungs- und Verdunkelungsgefahr aus? Dürfen solche Leute nicht in U-Haft? Vielleicht weil sie die besten Anwälte bezahlen können? Stellt sich hier nicht die Frage nach unserem Rechtssystem? Geschieht es wie in Amerika, dass nur arme und meist auch farbige Angeklagte, die mit "Pflichtverteidigern gesegnet sind" zum Schluss auf dem el. Stuhl landen? Fragen über Fragen, alle berechtigt! Der Focus der Öffentlichkeit sollte sich hierauf lenken und nicht von anderen Albernheiten, die eher als Provinzposse denn als Skandal daherkommen ablenken?
In diesem Sinne: "Frohe Weihnachten."
Sal. Oppenheim agiert nur noch dem Namen nach.
Die Bank wurde von der Deutschen Bank aufgekauft, damit niocht noch mehr Mrd. den Bach runtergehen.
Herr Esch dürfte auch keine Kontakte zur DB mehr haben, eigene Geschäftskonten mal abgesehen.
Auf den Vorstand und Aufsichtsrat von Sal. Op. werden wohl auch noch Verfahren zu kommen.
Sal. Oppenheim agiert nur noch dem Namen nach.
Die Bank wurde von der Deutschen Bank aufgekauft, damit niocht noch mehr Mrd. den Bach runtergehen.
Herr Esch dürfte auch keine Kontakte zur DB mehr haben, eigene Geschäftskonten mal abgesehen.
Auf den Vorstand und Aufsichtsrat von Sal. Op. werden wohl auch noch Verfahren zu kommen.
Entfernt. Bitte bleiben Sie beim Thema. Danke, die Redaktion/se
Nein, es gibt keine Inflation! Das hat die Frau Bundeskanzlerin ganz klar gesagt. Und der Herr Ackermann hat das auch gesagt. Und der weiss das ja.
Entschuldigung für den Sarkasmus, natürlich bemerke auch ich als Gutverdiener die Inflation. Wenn ich lese, das die Banken jetzt eine halbe Billionen Euro fast für lau bekommen, wird mir schlecht.
Nein, es gibt keine Inflation! Das hat die Frau Bundeskanzlerin ganz klar gesagt. Und der Herr Ackermann hat das auch gesagt. Und der weiss das ja.
Entschuldigung für den Sarkasmus, natürlich bemerke auch ich als Gutverdiener die Inflation. Wenn ich lese, das die Banken jetzt eine halbe Billionen Euro fast für lau bekommen, wird mir schlecht.
Nein, es gibt keine Inflation! Das hat die Frau Bundeskanzlerin ganz klar gesagt. Und der Herr Ackermann hat das auch gesagt. Und der weiss das ja.
Entschuldigung für den Sarkasmus, natürlich bemerke auch ich als Gutverdiener die Inflation. Wenn ich lese, das die Banken jetzt eine halbe Billionen Euro fast für lau bekommen, wird mir schlecht.
...müssen wir ihm wohl einen Platz im Obdachlosenasyl besorgen und ein wenig Geld aus der Sozialkasse für ihn aufbringen. Seine Villa wird dafür nicht verwendet werden können, weil die einer Bank gehört.
Glaubt jemand wirklich, dass Richter diesem Herrn auch nur einen Cent abknöpfen?
Selbst wenn es so wäre, würde das Geld nicht an die arbeitslosen Mitarbeiter gehen, sondern wie hier präzise angeführt, den Banken.
"Der große Plan". Ein herrlicher Titel!
Wer findet sich um die Volks-Beschiss-Chronik seit 2000, und die Beteiligung von Politik und Medien daran, als Kriminal-Epos zu publizieren? Im Milliarden-Bereich gäbe es hier noch die Riester-Geschichte, die erste Bankenkrise, die zweite Bankenkrise (im Krieg der Worte als "Staatsschuldenkrise" vernebelt), und sicher einiges andere...
In Kaufhauskonzernen schlummerten immer stille Reserven, da sie über Grundstücke in zentraler Lage, um die letzte vorletzte Jahrhundertwende um 4-5 stellige Goldmarkbeträge erworben, verfügten. Dauerhaft im Besitz des Unternehmens stehen sie ohne nennenswerten Betrag in den Büchern. Ein Leckerbissen für jeden Immobilienfachmann. Erstaunlich wer alles dabei gut zu verdienen wusste, nur das Kaufhausunternehmen und seine Besitzerin nicht.
oder organisierte Kriminalitaet in Deutschland und niemand schaut hin. Middelhoff ist wenn man ganz genau hinschaut ein Blender mit gluecklichem timing. Seine Ausfluege in die Welt des Internets a la AOL und Napster waren Flops der teure Flops der Extraklasse. Amazon & Co. hat er mit Bedrtelsmann komplett verpennt, denn Bedrtelsmann hatte mit seinem Produkt - und Rechteportfolio in Europa, aver auch in Ubersee, die besten moeglichkeiten fuer ein lukratives on-line business, auch das hat er vergeigt. Dass man bei Rausschmissn noch Kohle bekommt, ist heute quasi Standard, so eine Art Sold fuer die Schweigepflicht. Middlehoff ist fuer mich der Guttenberg des deutschen Managements, dicke Backen und nicht viel dahinter. Man darf nur hoffen, dass er nun ernsthaft zur Rechenschaft gezogen wird.
komme manchmal mit meinen 3 Tastaturen durcheinander..
komme manchmal mit meinen 3 Tastaturen durcheinander..
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