Wer sich fragt, wohin sich die Demokratie verdrückt hat, der sollte mal einen Blick aufs Kino werfen. Vergangene Woche erregte in Berlin die Premiere von Hotel Desire die Aufmerksamkeit von Medien und Publikum gleichermaßen. Dass der Film entgegen seines Anspruchs, das delikate Genre Porno ästhetisch aufzuwerten – der Regisseur nennt sein Werk »porNEOgrafisch« –, über eine schlüpfrig-banale Ebene nicht hinauskommt, ist eine Sache. Die andere, weitaus spannendere ist die Genese dieses Skandalfilms: Sergej Moya, Regisseur und Initiator des Projekts, rief vorab zur kollektiven Finanzierung, dem sogenannten Crowdfunding, auf.

Im Internet warb er um Spender, die neben dem guten Gefühl, etwas für die deutsche Kulturlandschaft getan zu haben, häppchenweise Einblicke in das Drehbuch erhielten. Nach diesem Prinzip kann jetzt jeder in den Genuss von Hotel Desire kommen, der Film ist als kostenpflichtiger Stream im Netz oder als Kopie auf der eigenen Festplatte zu haben. Mittlerweile steht er auf Platz eins der Videoload-Verkaufscharts.

Was mit Voyeurismus im Schlafzimmer funktioniert, lässt sich bestimmt auch auf den Büroalltag übertragen, haben sich wohl die Macher von Stromberg gedacht. Seit 2004 gibt es auf ProSieben die Serie über das Ekelpaket im Chefsessel zu sehen, mittlerweile läuft die fünfte Staffel. Christoph Maria Herbst in der Titelrolle ist in diesen Jahren zu einer negativen Galionsfigur des deutschen Angestelltentums geworden. Bislang fehlten die finanziellen Mittel für einen Kinofilm, jetzt soll auch hier das Crowdfunding-Prinzip Abhilfe schaffen.

20.000 Anteile im Gesamtwert von einer Million Euro sind zu erwerben, wer zugreift, der wird am Gewinn beteiligt – vorausgesetzt, es verkaufen sich mindestens eine Million Kinotickets. Der Stromberg-Schöpfer Ralf Husmann findet, im Vergleich zu den gigantischen europäischen Rettungsschirmen sei die Summe von einer Million Euro für sein Filmprojekt bescheiden.

Sollte man in Zukunft also lieber in solide Unterhaltung statt in marode Banken investieren? Stromberg ist da wie immer anderer Meinung: »Demokratie ist schön und gut für ’n Staat, aber im Büro ist das natürlich tödlich.«