Von allen Aufnahmen, die im vergangenen Jahr Franz Liszt in den Blick nahmen, ist das eine der feinsten: Der Erlanger Pianist David Theodor Schmidt nämlich beweist, dass sich bei ihm Geschmack und Gestaltungskraft in schöner Balance befinden.

Er ist – seinem programmatischen Ansatz und der romantischen Wohin?-Frage im CD-Titel zum Trotz – kein Mensch, der die Dinge ungebührlich übertreibt. Was er ausdrücken will, erreicht er durch Analyse, aber mit Gefühl. So schaut er denn wirklich befreit und befreiend auf Liszt, wie der sich fünf Liedern von Franz Schubert nähert (darunter Der Lindenbaum und Der Wanderer). Liszt macht sich die nicht virtuos untertan. Er fügt vielmehr den Fragen Schuberts noch eigene Verrätselungen hinzu. Er ist nicht klüger, er geht nur ein paar schön verschlungene Seitenwege.


Schmidt ist gewissermaßen immer mit der Erkenntnislampe hinterher: auf Rosensuche und beim Stachelnfinden. Kein Wunder, dass er, pianistisch souverän und im Spiel angespannt und entspannt zugleich, bei Schumanns Kreisleriana ankommt, wo die Musik die bekannten Fantasiegebiete verlässt und auf einer neuen Subjektivitätsstufe hemmungslos mit sich selber spielt. Manchmal klingt Schmidt mit Schumann schon so wie Thelonious Monk . Eine hochaufregende CD.

David Theodor Schmidt: "Wohin? – Auf romantischer Reise" (Hänssler Profil)