Soziale Kluft: Maria und Josef im Ghetto des Geldes
Die wohlhabendsten Deutschen mit den teuersten Häusern leben im Taunus bei Frankfurt: Banker, Manager, Industrielle. Was passiert, wenn man sie um Hilfe bittet? Die Schauspielerin Viola Heeß und unser Redakteur Henning Sußebach haben sich – als obdachloses Paar verkleidet – kurz vor Weihnachten auf den Weg gemacht.
Wo anfangen in diesem Ort, in dem alles klingt, als habe es für Monopoly Modell gestanden: im Schlosshotel? Auf der Parkstraße? Im Golfclub? Auf der Burg? Oder doch beginnen bei dem Zweifel, der uns auf dem Weg von Frankfurt hinauf in den Taunus begleitet hat, hartnäckig wie ein zugelaufener Hund: Darf man mit einer Lüge nach der Wahrheit suchen?
Es ist ein Dienstagmorgen im Advent, kalt und grau. Wir sind mit der S-Bahn-Linie 4 gekommen, heraus aus Frankfurts Hochhauskulisse, durch das Gewürfel der Gewerbegebiete, vorbei an Streuobstwiesen und Pferdekoppeln, immer steiler bergan bis zur Endstation: Kronberg im Taunus, von Nebel verschleiert. Ein deutsches Wolkenkuckucksheim.
Eine Statistik hatte uns hergelockt. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat errechnet: Die reichsten Deutschen – jene mit der größten Kaufkraft – leben nicht auf Sylt und nicht am Starnberger See, sondern an den Hängen des Hochtaunuskreises. Industriellenfamilien und Bankiers, Millionäre und Milliardäre.
Wir steigen aus und hauchen Atemwölkchen. Wir, das sind: Viola Heeß, freiberufliche Schauspielerin aus Hamburg, und ich, ein ZEIT-Redakteur – von nun an für eine Woche ein Paar in zertretenen Schuhen und zerschlissener Kleidung, beladen mit Rucksack und Plastiktüten, bereit für ein Experiment. Verkleidet als Obdachlose, ohne einen Euro in der Tasche, wollen wir die Menschen hier oben um Hilfe und Herberge bitten. Das Krippenspiel von Kronberg beginnt.
So ziehen wir los. Zwei wertmindernde Gestalten in Straßen voller Hochpreisimmobilien, wo jedes Haus ein rotes Alarmanlagen-Hütchen trägt, wo die Garagentore so breit sind wie Fußballtore und die Springbrunnen auch im Winter plätschern.
Woran genau erkennt man Reichtum in einem wohlhabenden Land? An Lieferwagen, auf denen »Ihr Schwimmbadwasser« steht? An philippinischen Kindermädchen, die Buggys durch die Stadt bugsieren? An der Tatsache, dass Grundschüler auf ihrem Heimweg starr an zwei Menschen vorbeiblicken, die anders aussehen als Mutti und Vati? An einer Upper-Class-Vereinskultur, von der Aushänge von Theatergruppen, Ballettschulen und Chören künden?
- Wie alles begann
Einen Monat lang haben sich unsere beiden Menschentester auf ihren Einsatz vorbereitet – schließlich musste nicht nur ein Bart wachsen: Der ehemalige Obdachlose Helmut Richard Brox, der mittlerweile einen Internet-Ratgeber (Adresse: www.ohnewohnung-wasnun.de) betreibt, beriet »Maria« und »Josef« in Sachen Auftreten und Ausrüstung. Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg lieh ihnen Kleidung und Schlafsäcke. Die beiden bedanken sich hiermit herzlich bei all jenen, die ihnen in Kronberg und Königstein geholfen haben – und bitten diejenigen um Entschuldigung, die sich möglicherweise hintergangen fühlen.
- Spenden
Alle Geldspenden, die das ZEIT-Team während der Recherche erhalten hat, werden weitergeleitet an die Frankfurter St.-Katharinen-Gemeinde. Jeden Winter startet diese Gemeinde die Aktion »Bürger ohne Wohnung«: Vier Wochen lang bekommen obdachlose Menschen warmes Essen, dazu gibt es Konzerte und Gottesdienste. Täglich kommen bis zu 300 Bedürftige in die Kirche.
Obwohl Kronberg auf jeder Landkarte verzeichnet ist, vermessen wir eine Art Terra incognita. Kronberg ist kein Reiseziel wie Sylt, hat keine Uferpromenade wie Starnberg, Google bietet hier kein Street View an. Geografisch gesehen, liegt Kronberg mitten in Deutschland, gesellschaftlich aber am Rande der Aufmerksamkeit. Das dürfte vielen der 17.000 Einwohner recht sein. In Kronberg stehen die Villa der Opels und das Gästehaus der Europäischen Zentralbank. Hier leben der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl und Walther Leisler Kiep, dessen Anwesen im Zuge der CDU-Parteispendenaffäre durchsucht wurde. Doch keiner dieser Namen ist im Telefonbuch zu finden. Und obwohl gemunkelt wird, Josef Ackermann sei fortgezogen, gilt Kronberg als Hausdorf der Deutschen Bank. Die halbe Führungsriege soll hier wohnen oder gewohnt haben, auch Exvorstand Hilmar Kopper, Schöpfer des Unworts des Jahres 1994. Er bezeichnete 50 Millionen D-Mark, um die der Immobilienbetrüger Jürgen Schneider damals Hunderte Handwerker gebracht hatte, schlicht als »Peanuts«.
Bis Schneider aufflog, lebte er keine zehn Kilometer von Kopper entfernt, im reizenden Königstein. In einem Privatschloss mit 29 Zimmern, umkränzt von einem vergoldeten Gartenzaun. Heute wohnen in dem Städtchen unter anderem der Opel-Sanierer Nick Reilly, Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, sowie Jürgen Sarrazin, ehemaliger Chef der Dresdner Bank und entfernter Verwandter des Deutschland schafft sich ab-Propheten Thilo Sarrazin.
Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Kronberg einmal als »Wandlitz im Westen« beschrieben, als »Rückzugsort für die, die in der Freien Marktwirtschaft das Sagen haben«. Es ist die Stadt, in der »die Märkte« wohnen: Manager, nach deren Kriterien derzeit die Welt bewertet wird. Hierher ziehen sich abends Menschen zurück, die kürzlich noch Milliarden verzockt haben und heute über das Schicksal ganzer Staaten richten. Was geschieht, wenn diese Reichen unsere Armut sehen? Wächst mit dem Wohlstand das Mitleid, oder nimmt es ab?
Unsere erste Erkenntnis: Die Welt der Reichen ist schön. Nur wessen Blick von Sozialneid verdüstert ist, wird das nicht wahrnehmen wollen. Zentrum der Stadt ist der sanft ansteigende Victoriapark, bestanden von riesigen Zedern, Buchen und Mammutbäumen, die hundert Jahre Zeit zum Wachsen hatten. Tennisplätze ruhen unter einer Decke aus Laub. Rings um den Park reihen sich Villen in hessischem Fachwerkstil und englischer Tudorgotik, weichgezeichnet von Rhododendren, Efeu und Moos. Kronberg sieht aus, als habe jemand eine englische Grafschaft nachgebaut, was sogar stimmt: Ende des 19. Jahrhunderts ließ sich die Mutter des letzten deutschen Kaisers hier nieder, Victoria, Prinzessin von Großbritannien und Irland. Hoch über der Stadt ließ sie sich ein Heimwehschloss errichten, ihren Witwensitz, dessen Stil den Ort prägt. Bei den Maklern von Engel & Völkers heißen die alten Villen heute »Understatement-Objekte«. Stumm schlurfen wir durch den Park und die Gassen der mittelalterlichen Kernstadt. Am ersten Tag wollen wir nicht gleich über Kronberg herfallen. Sondern still auf den Ort wirken und den Ort auf uns wirken lassen. Der Wind treibt einen Prospekt von mamifit über die Wiese, der mit den Worten beginnt: »Bist du kürzlich Mama geworden? Fragst du dich, wie du ohne Nanny und Personal Trainer wieder in deine alten Klamotten passen sollst? Dann bist du bei mamifit genau richtig!«
Vormittags scheint Kronberg allein von weiblichen Wesen besiedelt zu sein. Nicht nur von Kindermädchen, sondern auch von Ehefrauen: einkaufend, joggend, gut aussehend. Von diesen sogenannten Taunus-Mamis war in unserem Archivmaterial zu lesen, sie hätten es »nicht nötig« zu arbeiten, weil ein paar Tausend Euro mehr oder weniger im Familienetat keine Rolle spielten. Dafür fahren sie spazieren, worin sich die Boni ihrer Männer manifestieren: Geländewagen von Mercedes und BMW, Porsche und Audi, durchweg schwarz. Die Frauen von Kronberg sind jung, scheinen ausnahmslos schlank zu sein und sehen aus, als kämen sie gerade vom Reiterhof: Pferdeschwanz, taillierte Steppjacke, Jeans und Lederstiefel.
Es wird Mittag, und noch haben wir kein Geld, nichts zu essen, keinen Schlafplatz. Zeit, unsere »Eigenkapitalquote« zu erhöhen. Aber wie? Auf dem Marktplatz betteln? Dort steht vor einem Rewe-Supermarkt ein kleines Weihnachtsbaumwäldchen – und mittendrin hockt: ein Bettler (hoffentlich nicht vom Spiegel).
Viola setzt sich ein paar Straßen weiter vor eine Bäckerei – »wegen Mittagspause geschlossen« –, stellt einen Becher auf und beginnt, Passanten anzusprechen: »Entschuldigen Sie, wir sind ohne Obdach und brauchen Hilfe.« Sogar – oder gerade – hier, im Refugium der Reichen, klingt dieser Satz wie eine Ungeheuerlichkeit. Noch oft werden wir darüber nachdenken, ob wir uns fürs Betteln selbst schämen oder dafür, dass wir mit geheuchelter Armut dem Bettler vor Rewe das Weihnachtsgeschäft verderben.
Vor unserem Aufbruch nach Kronberg hatten wir noch einmal das Buch Deutschland umsonst von Michael Holzach gelesen. Vor 30 Jahren hatte sich der ehemalige ZEIT-Redakteur als mittelloser Mann ausgegeben und war durch ganz Deutschland gewandert. Sein Bericht verkaufte sich 200.000-mal, ein bundesdeutsches Geschichtsbuch. »Ohne Geld durch eine Welt zu gehen, in der sich alles um Mark und Pfennig dreht, hatte etwas Utopisches für mich, erschien mir wie ein Gang in absolutes Neuland«, schrieb Holzach. Auch ihm fiel das Betteln anfangs schwer. »Ich bin mir selbst nicht glaubwürdig«, schrieb er. Im Hochtaunuskreis wurde es ernst für ihn. In einer »stinkreichen Gegend, wo sich die herrschaftlichen Villen hinter haushohem Gebüsch verstecken, als hätten sie ein schlechtes Gewissen«, half ihm niemand. Holzachs Bitten um Essen oder Arbeit wurden abgewimmelt mit Sätzen wie diesem: »Es ist genug Personal im Haus!« Vor lauter Wut und Hunger beging Holzach seinen ersten Ladendiebstahl. Er klaute vier Tafeln Schokolade.






Sondern das eigentliche Problem bei den Reichen ist ihre Maßlosigkeit und diese ständig steigende Anspruchshaltung. Früher reichte eine Millionen heute muss es schon eine Milliarde sein. Immer mehr Luxus und Reichtum, daher bleibt für den normalen Arbeitnehmer nicht mal mehr ein anständiges Gehalt oder eine Altersabsicherung übrig. Nach dreißig Jahren Arbeit und die Ernte ist Hartz4. Da geht es gar nicht um den Extremfall von Obdachlosigkeit sondern ganz normale leistungsfähige normale Arbeitnehmer können nicht mehr leben und Junge Menschen kaum noch eine Familie ernähren weil durch Niedriglohn und Zeitarbeit und permanenter Drangsalierung durch Behörden die Zermürbung so groß ist das viele es einfach nicht mehr schaffen dadurch wird unsere Gesellschaft mehr und mehr zerstört weil was die einen mehr haben wollen ist auf der anderen Seite immer weniger vorhanden. Die Gesellschaft blutet aus für eine Minderheit die im Verhältnis auch nicht viel mehr leistet und zum Gesamtsystem beiträgt als jeder normale Arbeitnehmer aber schon fast in göttlichen Verhältnissen lebt das ist Dekadenz pur und auf Dauer für uns alle schädlich.
Anm.: Bitte verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/vn
Sie fallen auf die Propaganda von gewissen Parteien hinein, die jetzt im Zuge der Finanzkrise entstand. Völlig zu unrecht, weil Papiere mit hoher Rendite -gerade auch von der Mittelschicht verlangt werden. Bei ner Milliarde reicht ja auch ein prozent.
zumal die ganzen Steuererhöhungsorgien ja zuletzt auf Freiwilligkeit beruhen. Die Melkkuh wird schon für sich entscheiden, was sie aushalten will und was nicht.
Neben etlichen anderen guten, weil differenzierenden, abwägenden Kommentaren finde ich den Ihrigen besonders begrüßenswert.
Immerhin sind wir gegenüber 2009 so weit, dass wir mit einem gewissen Recht auf den Untergang der FDP hoffen dürfen. Habe diesen Club immer die "Partei der Mitleidlosen" genannt - passt in diesem Zusammenhang,
oder etwa nicht?
Die Reaktion der Redaktion hingegen finde ich in diesem besonderen Fall wieder einmal deplatziert. (Jajaja, ich weiß schon: 'Bitte richten Sie' - aber ich möchte gern meine Meinung an Mitdiskutanten senden, nicht in einen redaktionellen Papierkorb.)
Sie fallen auf die Propaganda von gewissen Parteien hinein, die jetzt im Zuge der Finanzkrise entstand. Völlig zu unrecht, weil Papiere mit hoher Rendite -gerade auch von der Mittelschicht verlangt werden. Bei ner Milliarde reicht ja auch ein prozent.
zumal die ganzen Steuererhöhungsorgien ja zuletzt auf Freiwilligkeit beruhen. Die Melkkuh wird schon für sich entscheiden, was sie aushalten will und was nicht.
Neben etlichen anderen guten, weil differenzierenden, abwägenden Kommentaren finde ich den Ihrigen besonders begrüßenswert.
Immerhin sind wir gegenüber 2009 so weit, dass wir mit einem gewissen Recht auf den Untergang der FDP hoffen dürfen. Habe diesen Club immer die "Partei der Mitleidlosen" genannt - passt in diesem Zusammenhang,
oder etwa nicht?
Die Reaktion der Redaktion hingegen finde ich in diesem besonderen Fall wieder einmal deplatziert. (Jajaja, ich weiß schon: 'Bitte richten Sie' - aber ich möchte gern meine Meinung an Mitdiskutanten senden, nicht in einen redaktionellen Papierkorb.)
selten so einen guten text gelesen!
der wird gleich weitergereicht!
Ich habe als Schülerin in den 80er Jahren einmal jährlich im Mai für das Müttergenesungswerk gesammelt (wurde von meiner damaligen Schule organisiert).
Ich habe mich immer vor eine Münchner Bäckerei gestellt und
mich schon als Kind über die Erfahrung empört, dass eben gerade die kleinen Rentnerinnen verhältnismäßig große Beträge (5-Mark, 10-Mark-Scheine) in meine Sammelbüchse warfen, während ich von den sichtbar wohlhabenden, aufgetakelten Berufs-Ehefrauen bestensfalls mit Verachtung gestraft wurde ("solltest Du nicht in der Schule sein???").
Ich habe den Eindruck, dass das latent schlechte Gewissen (weil man ja im Grunde genau weiß, dass man überprivilegiert ist), viele Reiche daran hindert, Mitleid mit Menschen zu empfinden, die eben nicht privilegiert sind. Da gebraucht man dann lieber für sich selbst die Ausrede, dass unterprivilegierte Menschen per se faul oder dumm sind. Und zwar, weil man ansonsten den eigenen Lebensstil nicht vor sich selbst rechtfertigen könnte.
Es mangelt an Empathie, es mangelt an Selbsterkenntnis, es mangelt nur nicht an Geld. Diese Menschen leben in einer Scheinwelt (im wahrsten Sinne des Wortes) und sind im Grunde zu bedauern, weil sie sich untereinander ja auch in permanentem Wettstreit befinden und nicht an dem gemessen werden, was sie sind oder was sie als Mensch ausmacht, sondern ausschließlich an ihrem Besitz.
Nimm einem Reichen sein Geld und es bleibt nichts von ihm übrig. Wie gesagt - man müsste diese Menschen im Grunde bedauern.
Ihr sogenannter Test ist Betrug und (zurecht) strafbar! Sie betteln hier unter Vorspiegelung falscher Tatsachen, da Sie vorgeben, obdachlos zu sein. Das ist Betrug und strafbar. Neben dem strafrechtlichen Aspekt bewirken Sie auch noch Folgendes:
Sie bestätigen die Meinung der dort lebenden Menschen (und meine übrigens auch), dass man Bettelnden (zumindest in Deutschland) nichts geben sollte, da dies meist Betrüger sind.
Es gibt tatsächlich Bedürftige - auch bei uns in Deutschland - das Problem ist nur, dass man als Privatperson die echten Bedürftigen von den Betrügern nicht einfach unterscheiden kann, bewirkt durch häufigen Missbrauch der Gutmütigkeit anderer - wie in Ihrer Reportage geschehen. Zum Glück gibt es in Deutschland Ämter, die die Bedürftigkeit tatsächlich ermitteln können. Auch ich finde es sehr schade, dass der Mensch so hinterhältig ist, dass man als Normalverdiener oder Reicher nicht einfach etwas jemandem direkt geben kann, weil man dann gleich ausgenutzt wird.
Ich bin sicher, auch die Reichen im Taunus spenden einiges ihres Verdienstes an seriöse Organisationen, bei denen das Geld besser vor Missbrauch geschützt ist, als wenn es einem "Bettler" direkt in die Hand gedrückt würde.
Andererseits tragen Reiche/Normalverdiener durch ihre Abgaben schon sowieso ordentlich zur Gemeinschaft bei, jedenfalls die Ehrlichen. Klar, die Betrügerquote unter den Reichen ist leider auch nicht so verschieden von der Betrügerquote von den Armen.
Zitat: "Auch ich finde es sehr schade, dass der Mensch so hinterhältig ist, dass man als Normalverdiener oder Reicher nicht einfach etwas jemandem direkt geben kann, weil man dann gleich ausgenutzt wird."
... haben ein paar Menschen durchaus "etwas jemandem direkt gegeben". Oder haben Sie da was überlesen ?
Das geht: auf einem jeden Weihnachtsmarkt können Sie am UNESCO-Stand "etwas jemandem direkt geben", es tut auch nicht weh.
... reichlich wenig zu tun. Ein jeder Freizeit-Wanderer dürfte mal die Erfahrung gemacht haben, dass er unterwegs mal etwas Hilfe gebraucht hätte.
Und das steht im Artikel auch nicht so, wie Sie das (alles über Geld) darstellen; die Beiden haben auch nur nach Toillete, Übernachtungsmöglichkeit oder etwas zum Essen gefragt. Seit wann ist das ein Verbrechen?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und üben Sie ausschließlich sachliche, respektvolle Kritik. Danke. Die Redaktion/vn
Zwar gehörte es damals zum guten Ton, Bettlern was zu geben und war christliche Pflicht. Allerdings wurde Bettlern oft unterstellt, dass sie eigentlich Betrüger seien. Eine Verdrehung von Fakten, dass wer arm sei, ein schlechter Mensch sein müsse.
Heute geht es wieder darum, ob jemand wirklich bedürftig sei oder nicht. Als bedürftig anerkannt waren in Mittelalter und Neuzeit nur Kinder, Kranke, Schwangere und Alte. Der Rest könne ja arbeiten, unabhängig davon, wieviele Arbeitslose es gab und wie wenig Arbeitsplätze.
Sie sollten mal daran denken, dass es niemandem Spaß machen kann, zu betteln.
"Gesellschaften, in denen heutzutage in größerem Umfang gebettelt wird, lassen zwei Rückschlüsse zu:
Erstens scheint dort die Kluft zwischen Arm und Reich besonders groß zu sein. In egalitären Gesellschaften hätte der eine nicht (viel) mehr als der andere; das Betteln würde also nicht "lohnen".
Zweitens haben in einer "Bettel-Gesellschaft" offensichtlich die sozialen Sicherungssysteme (so sie denn überhaupt vorhanden sind) eklatant versagt. Das Betteln ist ein Akt der Unterwerfung, der Demütigung, dem man sicherlich nur als Ultima ratio folgt, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind."
http://sowi.st-ursula-att...
... Auch ich finde es sehr schade, dass der Mensch so hinterhältig ist"
Projektion:
http://de.wikipedia.org/wiki/Projektion_(Psychoanalyse)
> Ich bin sicher, auch die Reichen im Taunus spenden einiges ihres
> Verdienstes an seriöse Organisationen, bei denen das Geld besser
> vor Missbrauch geschützt ist, als wenn es einem "Bettler" direkt
> in die Hand gedrückt würde.
Ja, klar..
Da werden Millionen in Steueroasen transferiert um sie dem Zugriff des deutschen Fiskus zu entziehen. In "Stiftungen", deren Sinn und Zweck es ist, den Wohlstand der Eigner zu mehren.
Und dann spendet man noch ein paar Krümel, um sein Gewissen zu beruhigen und die Steuerlast weiter zu drücken.
Man rechnet sich arm, während die Kapitaleinkommen mit 25% besteuert werden - und der wirklich arbeitende Pöbel schnell mit über 40% dabei ist.
> Andererseits tragen Reiche/Normalverdiener durch ihre Abgaben
> schon sowieso ordentlich zur Gemeinschaft bei, jedenfalls die
> Ehrlichen.
Was leider leider leider stets ausgeblendet wird, ist, daß "Reiche" (und damit meine ich jetzt Jahreseinkommen von 1 Million Euro und mehr) diese Einkommen leistungslos beziehen - und dafür Leistungsträger genannt werden.
Die Leistung für diese Einkommen erbringen andere, nämlich diejenigen die für die jeweilige Firma (direkt) oder für das Kapital/Zins (indirekt) schuften.
Insofern werden auch die absolut hohen aber relativ niedrigen Beiträge der Oberschicht zum Gemeinwohl von der Mittelschicht erbracht.
Das Pyramidenspiel gehört eingestampft!
Ab jeweils diskussionswürdigen Limits muss es progressive 100% Steuer auf Einkommen und Vermögen geben!
stimmts?
Zitat: "Auch ich finde es sehr schade, dass der Mensch so hinterhältig ist, dass man als Normalverdiener oder Reicher nicht einfach etwas jemandem direkt geben kann, weil man dann gleich ausgenutzt wird."
... haben ein paar Menschen durchaus "etwas jemandem direkt gegeben". Oder haben Sie da was überlesen ?
Das geht: auf einem jeden Weihnachtsmarkt können Sie am UNESCO-Stand "etwas jemandem direkt geben", es tut auch nicht weh.
... reichlich wenig zu tun. Ein jeder Freizeit-Wanderer dürfte mal die Erfahrung gemacht haben, dass er unterwegs mal etwas Hilfe gebraucht hätte.
Und das steht im Artikel auch nicht so, wie Sie das (alles über Geld) darstellen; die Beiden haben auch nur nach Toillete, Übernachtungsmöglichkeit oder etwas zum Essen gefragt. Seit wann ist das ein Verbrechen?
Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Anfeindungen anderer User und üben Sie ausschließlich sachliche, respektvolle Kritik. Danke. Die Redaktion/vn
Zwar gehörte es damals zum guten Ton, Bettlern was zu geben und war christliche Pflicht. Allerdings wurde Bettlern oft unterstellt, dass sie eigentlich Betrüger seien. Eine Verdrehung von Fakten, dass wer arm sei, ein schlechter Mensch sein müsse.
Heute geht es wieder darum, ob jemand wirklich bedürftig sei oder nicht. Als bedürftig anerkannt waren in Mittelalter und Neuzeit nur Kinder, Kranke, Schwangere und Alte. Der Rest könne ja arbeiten, unabhängig davon, wieviele Arbeitslose es gab und wie wenig Arbeitsplätze.
Sie sollten mal daran denken, dass es niemandem Spaß machen kann, zu betteln.
"Gesellschaften, in denen heutzutage in größerem Umfang gebettelt wird, lassen zwei Rückschlüsse zu:
Erstens scheint dort die Kluft zwischen Arm und Reich besonders groß zu sein. In egalitären Gesellschaften hätte der eine nicht (viel) mehr als der andere; das Betteln würde also nicht "lohnen".
Zweitens haben in einer "Bettel-Gesellschaft" offensichtlich die sozialen Sicherungssysteme (so sie denn überhaupt vorhanden sind) eklatant versagt. Das Betteln ist ein Akt der Unterwerfung, der Demütigung, dem man sicherlich nur als Ultima ratio folgt, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind."
http://sowi.st-ursula-att...
... Auch ich finde es sehr schade, dass der Mensch so hinterhältig ist"
Projektion:
http://de.wikipedia.org/wiki/Projektion_(Psychoanalyse)
> Ich bin sicher, auch die Reichen im Taunus spenden einiges ihres
> Verdienstes an seriöse Organisationen, bei denen das Geld besser
> vor Missbrauch geschützt ist, als wenn es einem "Bettler" direkt
> in die Hand gedrückt würde.
Ja, klar..
Da werden Millionen in Steueroasen transferiert um sie dem Zugriff des deutschen Fiskus zu entziehen. In "Stiftungen", deren Sinn und Zweck es ist, den Wohlstand der Eigner zu mehren.
Und dann spendet man noch ein paar Krümel, um sein Gewissen zu beruhigen und die Steuerlast weiter zu drücken.
Man rechnet sich arm, während die Kapitaleinkommen mit 25% besteuert werden - und der wirklich arbeitende Pöbel schnell mit über 40% dabei ist.
> Andererseits tragen Reiche/Normalverdiener durch ihre Abgaben
> schon sowieso ordentlich zur Gemeinschaft bei, jedenfalls die
> Ehrlichen.
Was leider leider leider stets ausgeblendet wird, ist, daß "Reiche" (und damit meine ich jetzt Jahreseinkommen von 1 Million Euro und mehr) diese Einkommen leistungslos beziehen - und dafür Leistungsträger genannt werden.
Die Leistung für diese Einkommen erbringen andere, nämlich diejenigen die für die jeweilige Firma (direkt) oder für das Kapital/Zins (indirekt) schuften.
Insofern werden auch die absolut hohen aber relativ niedrigen Beiträge der Oberschicht zum Gemeinwohl von der Mittelschicht erbracht.
Das Pyramidenspiel gehört eingestampft!
Ab jeweils diskussionswürdigen Limits muss es progressive 100% Steuer auf Einkommen und Vermögen geben!
stimmts?
Was macht Ihrer Meinung nach die Beiden "zweifelhaft ausschauend" ?
Anhand des Artikels kann sogar davon ausgegangen werden, dass diese noch nicht mal gestunken haben, was für einen echten Straßenbettler und Clochar eine schwer zu vermeidende und für andere deutlich wahrnehmbare Realität ist.
Die beiden hatten nur keine "betatzte", bombonfarbige "hight-tech"-Kluft der Wanderer an. Also ?
Den Test sollte man überall durchführen, in der Tat. Anscheinend haben Sie an diesem bereits teilgenommen.
denn wer hilft noch jemandem, der in der Innenstadt umkippt oder um Hilfe ruft. Ich schaue nach zwei solchen Erfahrungen plus diverser in Radio, TV und Zeitschriften geschilderten als erstes, ob ich von irgendwo gefilmt oder beobachtet werden, weil ständig irgend welche Menschen meinen, etwas testen zu müssen.
Diese Fake-Schwemme macht alles nur schlimmer und zeigt vor allem, dass man diesen "Hilferufern" nicht trauen sollte.
denn wer hilft noch jemandem, der in der Innenstadt umkippt oder um Hilfe ruft. Ich schaue nach zwei solchen Erfahrungen plus diverser in Radio, TV und Zeitschriften geschilderten als erstes, ob ich von irgendwo gefilmt oder beobachtet werden, weil ständig irgend welche Menschen meinen, etwas testen zu müssen.
Diese Fake-Schwemme macht alles nur schlimmer und zeigt vor allem, dass man diesen "Hilferufern" nicht trauen sollte.
»Mama! Da sind wieder die faulen Feiglinge.«
Dieser Artikel hat mich sehr traurig gestimmt.
Ich bin Atheist....glaube nicht an Gott....halte jedoch viel von Humanismus...stark beeinflusst durch die 10 Gebote, wenn nicht durch diese hervorgerufen??
Das, was in Königsberg und Kronberg beschrieben wird, Alarmanlagen an den Häusern, Wohlhabendenghettos auf den Bergkuppen, abgeschirmt durch private Sicherheitsdienste und einfach räumliche Entfernung von der Gesellschaft, lässt sich wunderbar in Lima beobachten, tagtäglich hautnah erleben.
Charity in der Ferne, mit möglichst wenig Sozialkontakt....das ist auch das Bild der Deutschen Entwicklungshilfe im Ausland, respektive in Lima. Leitende Mitarbeiter in der Entwicklungshilfe leben in eben diesen Wohlhabendenghettos...innerhalb derer es offensichtlich ebenso Standesunterschiede gibt...wer weniger gut betucht ist, wohnt halt am Fusse der Bergkuppe...und nichtsdestotrotz bleibt der gewünschte Abstand zum Plebs gewahrt. Auch hier "helfen" diese Leute (ihrem eigenen Lebenslauf, oder aus innerer Überzeugung?) in diversen Entwicklungshilfeprogrammen, um sich dann im privaten Leben möglichst abzuschotten....(von einigen sympathischen Ausnahmen einmal abgesehen).
Nicht zu unterschlagen, daß man Spenden steuerlich absetzen kann. Also großzügige Spenden können unterm Strich für einen vermögenden Spender einen Nettogewinn bedeuten, wenn er dann weniger Einkommen zu versteuern hat, und im Endeffekt zahlt dann die Allgemeinheit mit (die die ausfallenden Steuereinkünfte ersetzen muß). Nur der setzt niemand ein Denkmal...
Das gleiche bei den Fernseh-Spenden-Galas, wo sich die Promis nicht lumpen lassen. Nicht wenige dieser Multimillionäre, die Deutschland reich gemacht hat, haben zuvor ihr Vermögen in die Schweiz oder nach Monaco transferiert, um es dem Zugriff des Finanzamts zu entziehen. Der arbeitnehmende Steuerzahler, der keine Wahl hat, ist also gemessen an seinem Einkommen der weitaus großzügigere Beitragszahler in Sachen Gemeinwohl. Nur der bekommt niemals Applaus.
Die soziale Kälte ist aber auch eine Folge des "Sozialstaats": Wo das Soziale an den Staat delegiert ist, fühlt sich der Einzelne nicht mehr zuständig. Obendrein werden Bedürftige dann nicht als Bedürftige wahrgenommen, sondern als Sozialschmarotzer. Bemerkenswert anders sind dann auch Großzügigkeit und Anteilnahme der Menschen in ärmeren Ländern, wo sich der Staat nicht kümmert (selbst beobachtet). Besonders fatal wirkt sich derzeit aus, daß Deutschland sich immer noch für einen Sozialstaat hält, es aber in Wirklichkeit schon ziemlich harte Einschnitte gegeben hat. Nur ist das der mehr oder weniger gut situierten Bevölkerungsmehrheit eben noch nicht bewußt geworden.
Nicht zu unterschlagen, daß man Spenden steuerlich absetzen kann. Also großzügige Spenden können unterm Strich für einen vermögenden Spender einen Nettogewinn bedeuten, wenn er dann weniger Einkommen zu versteuern hat, und im Endeffekt zahlt dann die Allgemeinheit mit (die die ausfallenden Steuereinkünfte ersetzen muß). Nur der setzt niemand ein Denkmal...
Das gleiche bei den Fernseh-Spenden-Galas, wo sich die Promis nicht lumpen lassen. Nicht wenige dieser Multimillionäre, die Deutschland reich gemacht hat, haben zuvor ihr Vermögen in die Schweiz oder nach Monaco transferiert, um es dem Zugriff des Finanzamts zu entziehen. Der arbeitnehmende Steuerzahler, der keine Wahl hat, ist also gemessen an seinem Einkommen der weitaus großzügigere Beitragszahler in Sachen Gemeinwohl. Nur der bekommt niemals Applaus.
Die soziale Kälte ist aber auch eine Folge des "Sozialstaats": Wo das Soziale an den Staat delegiert ist, fühlt sich der Einzelne nicht mehr zuständig. Obendrein werden Bedürftige dann nicht als Bedürftige wahrgenommen, sondern als Sozialschmarotzer. Bemerkenswert anders sind dann auch Großzügigkeit und Anteilnahme der Menschen in ärmeren Ländern, wo sich der Staat nicht kümmert (selbst beobachtet). Besonders fatal wirkt sich derzeit aus, daß Deutschland sich immer noch für einen Sozialstaat hält, es aber in Wirklichkeit schon ziemlich harte Einschnitte gegeben hat. Nur ist das der mehr oder weniger gut situierten Bevölkerungsmehrheit eben noch nicht bewußt geworden.
Zur Klarstellung, niemand verlangt, dass diese Leute in den Armenvierteln von Lima leben, jedoch auch in Lima gibt es zwischen Armenviertel und Wohlhabendenghetto noch einiges mehr....
Doch zurück zum Artikel...er hat mich einfach nur traurig gestimmt, denn NOCH habe ich von Deutschland das Bild einer solidarischen Gesellschaft...wie war das noch mal...GENERATIONENVERTRAG, SOZIALE marktwirtschaft, VERANTWORTUNGSBEWUSSTSEIN, VEREINSLEBEN, POLITISCHES ENGAGEMENT.....mehr und mehr lese ich jedoch von Typen wie GUTTENBERG, KOCH-MEHRIN, WULFF.....
DEUTSCHLAND - EIN WINTERMÄRCHEN????
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren