Soziale KluftMaria und Josef im Ghetto des Geldes

Die wohlhabendsten Deutschen mit den teuersten Häusern leben im Taunus bei Frankfurt: Banker, Manager, Industrielle. Was passiert, wenn man sie um Hilfe bittet? Die Schauspielerin Viola Heeß und unser Redakteur Henning Sußebach haben sich – als obdachloses Paar verkleidet – kurz vor Weihnachten auf den Weg gemacht. von 

Das verkleidete Paar vor dem Kronberger Schlosshotel

Das verkleidete Paar vor dem Kronberger Schlosshotel  |  © Michael Herdlein

Wo anfangen in diesem Ort, in dem alles klingt, als habe es für Monopoly Modell gestanden: im Schlosshotel? Auf der Parkstraße? Im Golfclub? Auf der Burg? Oder doch beginnen bei dem Zweifel, der uns auf dem Weg von Frankfurt hinauf in den Taunus begleitet hat, hartnäckig wie ein zugelaufener Hund: Darf man mit einer Lüge nach der Wahrheit suchen?

Es ist ein Dienstagmorgen im Advent, kalt und grau. Wir sind mit der S-Bahn-Linie 4 gekommen, heraus aus Frankfurts Hochhauskulisse, durch das Gewürfel der Gewerbegebiete, vorbei an Streuobstwiesen und Pferdekoppeln, immer steiler bergan bis zur Endstation: Kronberg im Taunus, von Nebel verschleiert. Ein deutsches Wolkenkuckucksheim.

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Eine Statistik hatte uns hergelockt. Die Gesellschaft für Konsumforschung hat errechnet: Die reichsten Deutschen – jene mit der größten Kaufkraft – leben nicht auf Sylt und nicht am Starnberger See, sondern an den Hängen des Hochtaunuskreises. Industriellenfamilien und Bankiers, Millionäre und Milliardäre.

Wir steigen aus und hauchen Atemwölkchen. Wir, das sind: Viola Heeß, freiberufliche Schauspielerin aus Hamburg, und ich, ein ZEIT-Redakteur – von nun an für eine Woche ein Paar in zertretenen Schuhen und zerschlissener Kleidung, beladen mit Rucksack und Plastiktüten, bereit für ein Experiment. Verkleidet als Obdachlose, ohne einen Euro in der Tasche, wollen wir die Menschen hier oben um Hilfe und Herberge bitten. Das Krippenspiel von Kronberg beginnt.

So ziehen wir los. Zwei wertmindernde Gestalten in Straßen voller Hochpreisimmobilien, wo jedes Haus ein rotes Alarmanlagen-Hütchen trägt, wo die Garagentore so breit sind wie Fußballtore und die Springbrunnen auch im Winter plätschern.

Woran genau erkennt man Reichtum in einem wohlhabenden Land? An Lieferwagen, auf denen "Ihr Schwimmbadwasser" steht? An philippinischen Kindermädchen, die Buggys durch die Stadt bugsieren? An der Tatsache, dass Grundschüler auf ihrem Heimweg starr an zwei Menschen vorbeiblicken, die anders aussehen als Mutti und Vati? An einer Upper-Class-Vereinskultur, von der Aushänge von Theatergruppen, Ballettschulen und Chören künden?

Wie alles begann

Einen Monat lang haben sich unsere beiden Menschentester auf ihren Einsatz vorbereitet – schließlich musste nicht nur ein Bart wachsen: Der ehemalige Obdachlose Helmut Richard Brox, der mittlerweile einen Internet-Ratgeber (Adresse: www.ohnewohnung-wasnun.de) betreibt, beriet »Maria« und »Josef« in Sachen Auftreten und Ausrüstung. Die Kleiderkammer des Deutschen Roten Kreuzes in Hamburg lieh ihnen Kleidung und Schlafsäcke. Die beiden bedanken sich hiermit herzlich bei all jenen, die ihnen in Kronberg und Königstein geholfen haben – und bitten diejenigen um Entschuldigung, die sich möglicherweise hintergangen fühlen.

Spenden

Alle Geldspenden, die das ZEIT-Team während der Recherche erhalten hat, werden weitergeleitet an die Frankfurter St.-Katharinen-Gemeinde. Jeden Winter startet diese Gemeinde die Aktion »Bürger ohne Wohnung«: Vier Wochen lang bekommen obdachlose Menschen warmes Essen, dazu gibt es Konzerte und Gottesdienste. Täglich kommen bis zu 300 Bedürftige in die Kirche.

Obwohl Kronberg auf jeder Landkarte verzeichnet ist, vermessen wir eine Art Terra incognita. Kronberg ist kein Reiseziel wie Sylt, hat keine Uferpromenade wie Starnberg, Google bietet hier kein Street View an. Geografisch gesehen, liegt Kronberg mitten in Deutschland, gesellschaftlich aber am Rande der Aufmerksamkeit. Das dürfte vielen der 17.000 Einwohner recht sein. In Kronberg stehen die Villa der Opels und das Gästehaus der Europäischen Zentralbank. Hier leben der ehemalige Bundesbankpräsident Karl Otto Pöhl und Walther Leisler Kiep, dessen Anwesen im Zuge der CDU-Parteispendenaffäre durchsucht wurde. Doch keiner dieser Namen ist im Telefonbuch zu finden. Und obwohl gemunkelt wird, Josef Ackermann sei fortgezogen, gilt Kronberg als Hausdorf der Deutschen Bank. Die halbe Führungsriege soll hier wohnen oder gewohnt haben, auch Exvorstand Hilmar Kopper, Schöpfer des Unworts des Jahres 1994. Er bezeichnete 50 Millionen D-Mark, um die der Immobilienbetrüger Jürgen Schneider damals Hunderte Handwerker gebracht hatte, schlicht als "Peanuts".

Bis Schneider aufflog, lebte er keine zehn Kilometer von Kopper entfernt, im reizenden Königstein. In einem Privatschloss mit 29 Zimmern, umkränzt von einem vergoldeten Gartenzaun. Heute wohnen in dem Städtchen unter anderem der Opel-Sanierer Nick Reilly, Martin Blessing, Vorstandsvorsitzender der Commerzbank, sowie Jürgen Sarrazin, ehemaliger Chef der Dresdner Bank und entfernter Verwandter des Deutschland schafft sich ab-Propheten Thilo Sarrazin.

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hat Kronberg einmal als "Wandlitz im Westen" beschrieben, als "Rückzugsort für die, die in der Freien Marktwirtschaft das Sagen haben". Es ist die Stadt, in der "die Märkte" wohnen: Manager, nach deren Kriterien derzeit die Welt bewertet wird. Hierher ziehen sich abends Menschen zurück, die kürzlich noch Milliarden verzockt haben und heute über das Schicksal ganzer Staaten richten. Was geschieht, wenn diese Reichen unsere Armut sehen? Wächst mit dem Wohlstand das Mitleid, oder nimmt es ab?

Unsere erste Erkenntnis: Die Welt der Reichen ist schön. Nur wessen Blick von Sozialneid verdüstert ist, wird das nicht wahrnehmen wollen. Zentrum der Stadt ist der sanft ansteigende Victoriapark, bestanden von riesigen Zedern, Buchen und Mammutbäumen, die hundert Jahre Zeit zum Wachsen hatten. Tennisplätze ruhen unter einer Decke aus Laub. Rings um den Park reihen sich Villen in hessischem Fachwerkstil und englischer Tudorgotik, weichgezeichnet von Rhododendren, Efeu und Moos. Kronberg sieht aus, als habe jemand eine englische Grafschaft nachgebaut, was sogar stimmt: Ende des 19. Jahrhunderts ließ sich die Mutter des letzten deutschen Kaisers hier nieder, Victoria, Prinzessin von Großbritannien und Irland. Hoch über der Stadt ließ sie sich ein Heimwehschloss errichten, ihren Witwensitz, dessen Stil den Ort prägt. Bei den Maklern von Engel & Völkers heißen die alten Villen heute "Understatement-Objekte". Stumm schlurfen wir durch den Park und die Gassen der mittelalterlichen Kernstadt. Am ersten Tag wollen wir nicht gleich über Kronberg herfallen. Sondern still auf den Ort wirken und den Ort auf uns wirken lassen. Der Wind treibt einen Prospekt von mamifit über die Wiese, der mit den Worten beginnt: "Bist du kürzlich Mama geworden? Fragst du dich, wie du ohne Nanny und Personal Trainer wieder in deine alten Klamotten passen sollst? Dann bist du bei mamifit genau richtig!"

Vormittags scheint Kronberg allein von weiblichen Wesen besiedelt zu sein. Nicht nur von Kindermädchen, sondern auch von Ehefrauen: einkaufend, joggend, gut aussehend. Von diesen sogenannten Taunus-Mamis war in unserem Archivmaterial zu lesen, sie hätten es "nicht nötig" zu arbeiten, weil ein paar Tausend Euro mehr oder weniger im Familienetat keine Rolle spielten. Dafür fahren sie spazieren, worin sich die Boni ihrer Männer manifestieren: Geländewagen von Mercedes und BMW, Porsche und Audi, durchweg schwarz. Die Frauen von Kronberg sind jung, scheinen ausnahmslos schlank zu sein und sehen aus, als kämen sie gerade vom Reiterhof: Pferdeschwanz, taillierte Steppjacke, Jeans und Lederstiefel.

Es wird Mittag, und noch haben wir kein Geld, nichts zu essen, keinen Schlafplatz. Zeit, unsere "Eigenkapitalquote" zu erhöhen. Aber wie? Auf dem Marktplatz betteln? Dort steht vor einem Rewe-Supermarkt ein kleines Weihnachtsbaumwäldchen – und mittendrin hockt: ein Bettler (hoffentlich nicht vom Spiegel).

Viola setzt sich ein paar Straßen weiter vor eine Bäckerei – "wegen Mittagspause geschlossen" –, stellt einen Becher auf und beginnt, Passanten anzusprechen: "Entschuldigen Sie, wir sind ohne Obdach und brauchen Hilfe." Sogar – oder gerade – hier, im Refugium der Reichen, klingt dieser Satz wie eine Ungeheuerlichkeit. Noch oft werden wir darüber nachdenken, ob wir uns fürs Betteln selbst schämen oder dafür, dass wir mit geheuchelter Armut dem Bettler vor Rewe das Weihnachtsgeschäft verderben.

Vor unserem Aufbruch nach Kronberg hatten wir noch einmal das Buch Deutschland umsonst von Michael Holzach gelesen. Vor 30 Jahren hatte sich der ehemalige ZEIT-Redakteur als mittelloser Mann ausgegeben und war durch ganz Deutschland gewandert. Sein Bericht verkaufte sich 200.000-mal, ein bundesdeutsches Geschichtsbuch. "Ohne Geld durch eine Welt zu gehen, in der sich alles um Mark und Pfennig dreht, hatte etwas Utopisches für mich, erschien mir wie ein Gang in absolutes Neuland", schrieb Holzach. Auch ihm fiel das Betteln anfangs schwer. "Ich bin mir selbst nicht glaubwürdig", schrieb er. Im Hochtaunuskreis wurde es ernst für ihn. In einer "stinkreichen Gegend, wo sich die herrschaftlichen Villen hinter haushohem Gebüsch verstecken, als hätten sie ein schlechtes Gewissen", half ihm niemand. Holzachs Bitten um Essen oder Arbeit wurden abgewimmelt mit Sätzen wie diesem: "Es ist genug Personal im Haus!" Vor lauter Wut und Hunger beging Holzach seinen ersten Ladendiebstahl. Er klaute vier Tafeln Schokolade.

Leserkommentare
  1. Irgendwie habe ich das immer geahnt...

    »Das ist wirklich unpassend heute«, sagt er mit hochgezogenen Augenbrauen. »Wir haben hier nämlich eine Wohltätigkeitsveranstaltung.«

  2. Das Verhalten dieser Leute beruht auf Sozialisation und damit auf eine Konditionierung zu einem bestimmten Reagieren auf andere Schichten. Die Erziehung in elitären Kreisen unterlag schon immer dem gleichen Strickmuster. Erst einmal sei dieser gute Artikel lobend erwähnt.
    Wie ein Vorrednerin schon erwähnt hat, ist d. Verhalten d. Kindes erschreckend ("Da sind wieder die faulen Feiglinge"). Diese Kinder sind so abgeschottet von der Welt, in der die Leute leben, die Ihnen diesen Luxus durch Ihrer Hände Arbeit erlauben, dass sie schlicht nicht anders reagieren können. Sie werden in ihren Zuchtanstalten konditioniert. Privatschulen, best. Hochschulen, Clubs, Vereine; diverse Seilschaften kurz gesagt. Da wird ihnen beigebracht, dass sie etwas Besseres sind, als d. Anderen. Es wird ihnen sogar noch eingetrichtert, dass sie Verantwortung für d. Unterschichten übernehmen müssen. Die sind eben dumm u. unkultiviert. Wenn diese Leute in ihre Welt eindringen, können sie nichts abgeben. Nachher kommen die wieder. Sie können nur an selbst ausgesuchten Orten,zu best. Zeiten geplant etwas geben. Dann soll auch d. Presse dabei sein und zeigen, wie gut sie für d. untere Volk sorgen. Wir sind ja garnicht so, wie wir immer dargestellt werden. So soll es dann wirken. Dann gehen sie wieder befriedigt durch ihre eigene Großzügigkeit in ihre Welt und lassen den Untertanen draussen. D. Untertan ist vulgär u. billig.

    • eras
    • 26. Dezember 2011 16:14 Uhr

    "Ich denke, dass jeder einen Rat gäbe wie "geht doch nach Frankfurt", denn dort gibt es institutionalisierte Hilfe."

    Und damit haben Sie das Problem der deutschen Gesellschaft (und vieler industrialisierter Gesellschaften) auf den Punkt gebracht. Man kann es sich bei uns leisten, Menschlichkeit "outzusourcen" (um mal einen dieser zynischen Begriffe zu gebrauchen). Man institutionalisiert die Hilfe einfach. Im reichen Westen lebt man in einem Kokon der Annehmlichkeit, erkauft mit Geld. Wer da nicht reinpasst, wird außer Sichtweite geschoben...

    Das betrifft nicht nur die Armen, sondern auch die Alten (zumindest den nicht wohlhabenden Teil), die Pflegebedürftigen, Menschen mit Behinderungen, etc.

    Deswegen lieben wir Deutschen unsere afrikanischen/asiatischen/woauchimmer Waisenkinder. Man erkauft sich ein gutes Gewissen und kann sich gleichzeitig sicher sein, dass "unser Armer" nie vor der eigenen Haustür steht.

    Inmitten der harten Realität eines Schwellen- oder Entwicklungslandes wird man nicht so viel soziale Kälte finden wie in einem reichen Vorort eines Industrielandes.

    Natürlich gilt das nicht für alle Deutschen. Eine Minderheit überwindet ihre Angst und ist sozial aktiv. Beim Mitternachtsbus, bei der Tafel, etc.

    Das macht ihr Leben aber nicht einfacher. Wenn man nämlich in persönlichen Kontakt mit den Armen tritt, dessen Kokon aus Vorurteilen und Vorbehalten wird schnell mal brüchig...

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    • essilu
    • 26. Dezember 2011 16:22 Uhr

    ...wohl wahr, was Ihnen zu umschreiben gelungen ist.
    Danke dafür.

    • Zack34
    • 26. Dezember 2011 16:58 Uhr

    Zitat: "Und damit haben Sie das Problem der deutschen Gesellschaft (und vieler industrialisierter Gesellschaften) auf den Punkt gebracht. Man kann es sich bei uns leisten, Menschlichkeit "outzusourcen" (...). Man institutionalisiert die Hilfe einfach. Im reichen Westen lebt man in einem Kokon der Annehmlichkeit, erkauft mit Geld."

    Ergänzend, das Stichwort Pflegeversicherung.

    • essilu
    • 26. Dezember 2011 16:17 Uhr

    ...Kommentar.
    Das Beispiel mit dem "Spiegel" ist so passend. Im Grunde ist es vielleicht die einzig überzeugende Reaktion auf den hervorragenden, wenn auch erschütternden Artikel...

    Wir wissen um die soziale und emotionale Kälte in unserer Gesellschaft. Aber oft ändert sich nichts oder nur wenig daran...

    Es wird viel zu wenig von den Menschen berichtet, die sehr wohl "Gutes" tun. Vielleicht, weil sie selbst zu bescheiden sind, darüber zu sprechen. Oder, weil für sie Nächstenliebe etwas Selbstverständliches ist, worüber man nicht gross zu tönen braucht. Oder, weil sie die Erfahrung gemacht haben, dass man sie verlacht und sie als "Gutmenschen" bezeichnet...
    Man könnte viel, sehr viel zu dem Thema sagen.
    ...
    Wenn man nur sehr wenig zu essen hat, allein ist und zu zerbrechlich, sich in der harten Menschenwelt "zurecht" zu finden, dann hilft dieser Rat, den ich selbst einmal bekommen habe:
    "Kaue ganz langsam - dann geht der Hunger schneller weg."

    Allen noch einen schönen 2. Weihnachtstag und alles Gute für das Neue Jahr.

  3. ...was die beiden erlebt hätten, wenn sie noch dunkelhäutig wären.Man vermisst nähmlich den obligatorischen Polizeieinsatz, womit er dann gegeben wäre...ex officio :)

    • essilu
    • 26. Dezember 2011 16:22 Uhr

    ...wohl wahr, was Ihnen zu umschreiben gelungen ist.
    Danke dafür.

    Antwort auf "Symptombeschreibung"
    • zylar
    • 26. Dezember 2011 16:28 Uhr

    Niemand ist in Deutschland gezwungen auf der Straße zu leben.
    Und wenn man es unbedingt will, so kann man sich "nicht sesshaft" in den Perso eintragen lassen und 1x tägl 10€ vom Sozialamt holen..

    Das wird halt über Steuern und Sozialabgaben finanziert.
    Gäbe es dieses System nicht, würden Menschen vllt auch mehr Almosen geben.
    Aber wieso muss man ein schlechtes Gewissen haben, wenn man nicht alles doppelt und dreifach abgibt?

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    • Karl63
    • 26. Dezember 2011 18:04 Uhr

    Solange ich bewusst zurück blicken kann (und dies umfasst inzwischen rund 4 Jahrzehnte) war Obdachlosigkeit hier in Frankfurt stets ein gesellschaftliches Faktum. Ob die Ursachen dafür in Suchtkrankheiten, Psychischen Erkrankungen allgemein, oder nicht verarbeiteten Lebenskrisen liegen - darüber mögen andere / kompetentere Urteilen.
    Fakt ist auch, trotz der Bankenkrise ist Frankfurt am Main immer noch einer wohlhabenden Städte in der Republik (eine derartige Einnahmesituation hätte manch anderer Kämmerer nur allzu gerne), aber wo viel Licht da (auch) viel Schatten.
    Unser soziales Netz gehört eindeutig zu den positiven Errungenschaften unserer Republik, aber ist schlechterdings unmöglich dafür zu sorgen, dass es "perfekt" funktioniert. Es wird immer Menschen geben, die durch die "Lücken" ganz nach unten durchgereicht werden.
    Ich will mal folgende These aufstellen: selbst wenn es mir vergönnt sein sollte so alt wie Johannes Heesters zu werden (dies wären immerhin noch rund sieben Jahrzehnte in die Zukunft) werde ich den Tag nicht mehr erleben, an dem das Problem Obdachlosigkeit aus dieser Gesellschaft gänzlich verschwunden ist.
    Wie Man / Frau mit Leuten umgeht, die um Hilfe bitten, dies ist eine ganz individuelle Entscheidung und da mag ich auch keine pauschale Wertung abgeben. Was ich keinesfalls will sind Zustände wie in den USA, weil die Gesellschaft dort zahlt letztlich einen hohen Preis dafür - auch wenn es keiner offen einräumen mag.

  4. Der Artikel arbeitet heraus, daß es den Reichen an Mitleid fehlt - im Gegensatz zu den einfachen Leuten. "Dabei gibt es nicht nur Millionäre hier, sondern auch Menschen, die in »Geschosswohnungsbauten« leben. Genau jene waren es, die uns am menschlichsten erschienen: ..."

    Wer dazu die Forenkommentare liest, sieht, daß der Autor dabei bewußt die Ressentiments vieler Foristen anstachelt.

    In "Dilemma der Differenz. Zum pädagogischen Umgang mit
    Unterschieden und Ausgrenzung", S.21 wird auf die Studie von Schäuble/Scherr verwiesen. Dort werden klassische Ausgrenzungstopoi aufgelistet. Ich paraphrasiere:

    Reiche sind anders und passen nicht zu uns

    Reiche sind gefährlich, parasitär und nutzen uns aus

    Reiche sind intelligent, mächtig und haben mehr Einfluß als ihnen zusteht

    Reiche ... haben keine Beziehung zu Deutschland

    Bereits das konstuierte Experiment, das von einem unrealistischen Ergebnis ausgeht ("Wildfremden wird die Tür geöffnet") und ohne Kontrollgruppe (wie z.B. Helmut Schmidt oder di Lorenzo oder auch ein Bummel durch Neukölln) auskommt, gerät dann auch zu dem überraschenden Schluß, daß die "Reichen anders sind als wir normalen Leute und nicht so richtig zu uns passen". Besonders verwerflich ist dabei, daß "die Reichen" pikiert reagieren als die beiden Hochstapler in der Outdoorausrüstung in eine geschlossene Gesellschaft eindringen. Na, sowas aber auch. Die ZEIT-Redaktion würde garantiert keinen abweisen, der beim Hamburger Presseball bei der Laudatio reinplatzt.

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    • LaSilas
    • 26. Dezember 2011 16:50 Uhr

    Wie ist es denn seit vielen Jahren in Deutschland? Es gibt keinen Zusammenhalt mehr und Arbeitslose werden ständig diffamiert.

    Hartz-IV-Empfänger seien gering qualifiziert, faul und dumm.

    Dabei sind einige dadurch reich geworden, dass sie andere arm gemacht haben oder arm halten.

    Meinen Sie, es gäbe keine Reichen, die den lieben Tag lang gar nichts tun als Geld zählen, Tennis oder Golfclub? Warum sind das denn keine "faulen Feiglinge" wie es schon die Kinder der Superreichen runter beten?

    • eckbert
    • 26. Dezember 2011 16:50 Uhr

    die Medien versuchen sich als Erfüllungsgehilfen einer pseudo-sozialistischen Politik.
    Wie ich geschrieben habe, dient diese aber nicht einer Gleichmachereri per se, sondern man versucht sich ( Mittelschicht) einfach besser zu stellen, um auch mal "nach oben" zu kommen. Gerade deswegen ist der Schluss falsch bei dem Mädchen handle es sich um Geldadel. Der benimmt sich im Regelfall anders.
    Gerade darum habe ich ja den Artikel von Ditfurth angehängt. Sie beschreibt das vortrefflich.
    Eine gewisse bildungsbürgerliche Mittelschicht gibt sich sozial verträglich und haut dann aber wirklich Arme aus den gentrifizierten Viertel im Nordend während sie mit dem Fahrrad in den Bioladen fährt, um das Gewissen zu beruhigen.
    dDass diese eigentliche asoziale Gruppe mitterweile mit ihrer PArtei bei 16 % liegt, ist der eigentlicher skandal und zeugt vom Selbstbetrug einer Partei

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