Garmisch-PartenkirchenEau Skilift

Auch Wintersportorte setzen neuerdings ihre Duftmarken. Garmisch-Partenkirchen riecht nach Verbena, Zitrone Bergamotte, Kardamom von Markus Wolff

Die Stadt Garmisch-Partenkirchen

Die Stadt Garmisch-Partenkirchen  |  © Garmisch/Kneffel/Farthofer dpa/lby

Wir haben die Nase voll. Das ist zwar nichts Ungewöhnliches, nur riecht es dieses Mal ganz angenehm nach Bergamotte und Zitrone, nach Verbena und Kardamom, kurz: Es riecht nach Garmisch-Partenkirchen. Denn der Ort, olfaktorisch bislang eher unauffällig, hat sich einen eigenen Duft kreieren lassen. Nun ist er damit nicht der erste. Denn Düfte sind keineswegs nur die Gefühle der Blumen, wie Heinrich Heine irrtümlich behauptete, sondern längst auch die der Städte. Das vornehme englische Seebad Southport besitzt einen Duft und Beverly Hills sogar schon drei von ihnen. Auch deutsche Städte haben längst die Chance gewittert, sich durch ein Parfum unverwechselbar zu machen; für Reisende durchaus von Vorteil. Wem beispielsweise am Niederrhein eine feine Kombination von Patschuli, Eichenmoos und Safran durch das geöffnete Zugfenster in die Nase dringt, weiß gleich: Ah, »Homme«, Krefeld!

Jetzt drängen aber auch die Winterorte auf den Markt, Kitzbühel war der erste. Nun hat Garmisch-Partenkirchen nachgezogen und ist die erste deutsche Alpenregion mit eigenem Parfum. Das birgt Chancen, aber auch Risiken. Denn was mag die Essenz eines Wintersportortes sein? Es müsste sich schon um leidenschaftliche Stammgäste handeln, die sich beschwingt eine Note aus Skikeller und klammem Handschuh hinter das Ohrläppchen tupften. Auch kann es nicht im Interesse der Städte sein, dass nach Abreise allerorten die Nase gerümpft und getuschelt wird, man rieche stark nach Kitzbühel oder Garmisch-Partenkirchen. Denn neben der Erinnerung ist es der Duft, der bleibt, auch wenn wir fahren müssen.

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Das Parfum Garmisch-Partenkirchen. Kreiert hat es der spanische Parfumeur Jimmy Boyd.

Das Parfum Garmisch-Partenkirchen. Kreiert hat es der spanische Parfumeur Jimmy Boyd.  |  © Markt Garmisch Partenkirchen

Doch in Bayern haben die Verantwortlichen alle Schwierigkeiten souverän gemeistert. Vor allem: Anders als bei der erfolglosen Bewerbung um die Olympischen Winterspiele wurde die Bevölkerung beim Parfum von Beginn an miteinbezogen. Gleich mehrfach reiste der spanische Parfumeur Jimmy Boyd zu feinsinnigen Gesprächen mit Einheimischen an, und gut kann man sich die langen Abende an den Stammtischen vorstellen, an denen es darum ging, ob man eher dynamisch oder bodenständig sei, eher Zitrone oder Moschus.

Entstanden ist eine komplexe Mixtur, die nicht nur zu kaufen ist. Auch in den Geschäften der Stadt sowie den Fluren und Zimmern der Hotels legt sie sich einem unsichtbaren Mantel gleich um den Gast. Ein Parfum wie ein treuer Freund. Der kräftig ist, natürlich und selbst in schwierigen Momenten nicht verduftet.

Die Frage ist nur: Was sind die Folgen? Wird es Nachahmer geben? Wird der Alpenbogen bald riechen wie eine Douglas-Filiale? Ist in den Gondeln von St. Moritz bereits kommende Saison eine männlich-herbe Komposition aus russischen Tundra-Blüten wahrzunehmen? Experimentiert das umtriebige Ötztal vielleicht schon mit einem sportlichen, gletschercoolen Eau d’Ötzi? Werden sich finanziell klamme Kommunen zusammenschließen (»4 Skigebiete, 1 Duft!«) oder durchschnittliche Orte durch den Einsatz mondäner Fremddüfte versuchen, Gäste bewusst zu täuschen? Natürlich wollen wir jetzt niemanden auf falsche Ideen bringen. Aber sollte es in Ischgl oder Sölden bald nach Beverly Hills riechen, denken wir uns unseren Teil.

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Leserkommentare
    • Varech
    • 26. Dezember 2011 20:20 Uhr

    Mmmm - Mmooooon Boots!

    Hat das in der Redaktion eigentlich mal jemand laut gelesen und sich dabei zugehört?

    • Varech
    • 27. Dezember 2011 19:44 Uhr
    2. Danke!

    Die Dinger sind raus gestellt.

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  • Schlagworte Heinrich Heine | Bewerbung | Duft | Parfum | Stadt | Garmisch-Partenkirchen
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