ArchitekturGut gebaut!

Die Unterkunft ist wichtiger als die Landschaft, sagt Jan Hamer. Der Architekt stellt interessante Hotelzimmer und Ferienhäuser vor. von Sandra Danicke

Authentizität und Atmosphäre: Das Ferienhaus black + bright auf der Insel Møn in Dänemark ist außen schwarz und innen weiß.

Authentizität und Atmosphäre: Das Ferienhaus black + bright auf der Insel Møn in Dänemark ist außen schwarz und innen weiß.  |  © Andrea Gatzke/hausausmoen.de


DIE ZEIT: Auf Ihrer Webseite urlaubsarchitektur.de gibt es knapp 200 »architektonisch herausragende« Ferienhäuser und Hotelzimmer. Wer wird hier fündig?

Jan Hamer: Alle, für die eine schöne Unterkunft ein wichtiger Aspekt ihres Urlaubs ist. Es gibt mittlerweile Menschen, die planen ihren Urlaub nach unseren Häusern, anstatt nach Ländern oder Regionen.

Anzeige

ZEIT: Die wollen also lieber in einem alten belgischen Schulhaus oder einer umgebauten Klosterscheune im Harz wohnen, als in Kambodscha Abenteuer zu erleben?

Hamer: Die verlegen sogar ihren Sommerurlaub in den November, wenn ihr Wunschdomizil vorher ausgebucht ist.

ZEIT: Ist die Unterkunft nicht zweitrangig, wenn die Landschaft perfekt ist?

Hamer: Im Gegenteil: Ich glaube, wenn die Unterkunft gut ist, dann sind Lage und Landschaft zweitrangig.

ZEIT: Wie viele verpatzte Urlaube gehen wohl auf das Konto miserabler Architektur?

Hamer: Ich glaube, das ist ein Riesenthema. Urlaub wird ja immer wichtiger, weil sich Familien und Paare im Alltag nicht mehr so häufig sehen. Dadurch sind die Erwartungen oft sehr hoch. Ein schlechtes Hotelzimmer kann alles kaputt machen.

ZEIT: Sind Sie selbst schon mal in einem richtig miesen Hotelzimmer gelandet?

Hamer: Ich bin als Architekt viel unterwegs, übernachte in sehr unterschiedlichen Hotels, und da sind immer wieder welche dabei, bei denen ich froh bin, wenn ich wieder abreisen kann.

ZEIT: Was stört Sie?

Hamer: Wenn das Mobiliar halbherzig zusammengewürfelt ist. Aber auch bei sogenannten Design- oder Art-Hotels muss man sehr vorsichtig sein. Es gibt da schöne Ausnahmen, aber die meisten würde ich meiden. Oft sind das bloß so auflackierte Standardbauten. Die schrauben eine Kataloglampe ans Bett und nennen das Design.

ZEIT: Woran hapert es meistens in Ferienwohnungen?

Hamer: Am häufigsten habe ich mich über eine schlechte Küchenausstattung geärgert. Oft scheinen Vermieter verhindern zu wollen, dass man ihre Küchen nutzt. Aber auch Schimmelbefall, schlecht geplante Grundrisse, Kitsch und hellhörige Wände gehören zu meinen persönlichen Negativerfahrungen. 

Leserkommentare
    • Jens_K
    • 02. Januar 2012 16:24 Uhr

    Da zum Thema gerade das 2. Buch erschienen ist, fehlt meiner Meinung nach der Hinweis auf dieses.

    Urlaubsarchitektur Volume 2: Ferienhäuser und kleine Hotels in Europa

    von Jan Hammer und Nadine Weiland, erschienen bei Archimappublishers

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Architektur | Ferienwohnung | Urlaub | Kambodscha | Marokko
Service