Fotoausstellung Fotos: alt, Text: neu

Der Berliner Designer Max Kersting hat Flohmarktfotos mit Kommentaren versehen – das ist ziemlich lustig

Ein Mann auf einer Aussichtsplattform beschaut das Alpenpanorama. Ein Foto, wie es in vielen Familienalben kleben könnte, aufgenommen wahrscheinlich irgendwann in den fünfziger Jahren. Doch dann das – in kantigen Buchstaben ist auf dem Bild notiert: »Er konnte sie sehen / Sie stürzte gerade ab«. Zwei Sätze, draufgeschmiert: Ein neuer Geschichtenhorizont öffnet sich.

So ist es bei allen Bildern der Fotostrecke Drei unbeschwerte Tage von Max Kersting, einem jungen Berliner Designer. Der Betrachter denkt jedes Foto weiter, bildet einen eigenen Kosmos um Person und Situation herum. Die simplen Sätze, nachträglich hinzugefügt – scheinbare Kommentare, Notizen, Dialoge, Gedanken, Rückblicke, Beschreibungen –, lassen die Momentaufnahmen zu Geschichten werden. Kersting, der Schöpfer, Zusammensteller, Handlungsgeber, hat sie aus den alten Fotos herausgelesen. Eines Tages ging er in ein Antiquariat, um ein Geschenk für einen Freund zu suchen, und durchwühlte Kisten voller alter Bilder. »Plötzlich kam die Erkenntnis, dass ich gar kein Buch schreiben muss, um Geschichten zu erzählen, die mir am Herzen liegen«, sagt er. Kersting begann, Fotos zu sammeln und sie mit seiner Interpretation zu versehen, Fotos, von denen keiner mehr weiß, woher sie kommen und wer sie aufgenommen hat. »Es ist für mich ein bisschen so wie für andere Menschen das Sammeln von Platten«, sagt der 28-Jährige, der Kommunikationsdesign studierte und auch in der Werbung gearbeitet hat. Er würde sich am ehesten Erzähler nennen.

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»Uns wird so häufig etwas ›vorgelebt‹: perfekte Menschen, perfekte Situationen – aber die Wirklichkeit lässt die Perfektion bröckeln, und deswegen erzählt sie gute Geschichten: Sie ist witzig, verrückt, böse, alles eben«, erklärt Kersting seine Idee, alte und vor allem (scheinbar) spontan entstandene Bilder zu suchen und zu verwenden. »Ich habe mir die Frage gestellt: Was benötige ich, um ein bestimmtes Gefühl zu erwecken?« Wörter, Bilder oder die Kombination von beidem? Es ist vielleicht die Schönheit des Alltäglichen, gepaart mit Kerstings dezent humorvollem Blick, die die Fotoarbeit Drei unbeschwerte Tage so vielfältig interpretierbar machen (mehr davon auf mmmaax.de).

Drei unbeschwerte Tage erzählt von einer nostalgischen Sehnsucht nach einer Welt, in der nicht alles perfekt sein musste, in der nicht alles geplant war. »Die Aufnahmen sind unbeholfen und deswegen liebenswert«, findet Kersting. Das Absurde ist das Echte, es zeigt die Komik des Lebens: zwei Felsbrocken, die miteinander sprechen, eine junge Frau, die fröhlich winkt, sich aber ihren Teil denkt. Max Kerstings Sicht der Dinge ist »zu 20 Prozent ironisch«.

Am 6. und 7. Januar 2012 sind Max Kerstings Bilder in der Düsseldorfer Galerie Ninasagt zu sehen.

 
Leser-Kommentare
    • jofri
    • 23.12.2011 um 19:26 Uhr

    Wenn Herr Max nix draufgeschrieben hätte, wären die Fotos fast noch besser.

  1. alleinige "copyright" natùrlich @max kersting

  2. Ich bin ja wirklich offen für simplen Humor und ein Freund des gepflegten Kalauers. Aber die Sprüche sind, bei allem guten Willen, schrecklich platt und aufgedrückt. Sonst wirklich nichts Berichtenswertes passiert im Bereich Photographie? Wirklich gar nicht?

  3. Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    der humor ist wirklich ausgesprochen fade.

    der humor ist wirklich ausgesprochen fade.

  4. der humor ist wirklich ausgesprochen fade.

  5. 6. Stimmt

    Der Humor ist wirklich nicht zum lachen. Oede!

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  6. 7. [...]

    Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie konsturktive und sachliche Beiträge leisten wollen und verzichten Sie auf pauschale Unterstellungen und haltlose Spekulationen. Danke, die Redaktion/fk.

    Eine Leser-Empfehlung
  7. jeder bekommt sie einmal...hier ein beispiel...

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  • Quelle ZEITmagazin, 22.12.2011 Nr. 52
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