Die Hemdsärmel hat er nach oben gekrempelt. Sein Bart zittert. Gleich wird es wieder rumpeln. Wie so oft, wenn Jens-Peter Holm einen seiner Sätze in die Runde wirft: »Spiele ich mit dem Enkel, und der Vater des Kindes kommt rein, dann soll der sich nicht einmischen.« Einen Moment lang ist es still im Raum. Dann folgt der ersten Erschütterung das Nachbeben: »Ich habe in diesem Moment die Befugnis zu entscheiden. Nicht die Eltern.«

Wortmeldungen von Großvater Holm klingen gern streng und herrisch. Auch als es um Vorbilder geht, erschüttert ein Diskussionsbeitrag von Opa Jens-Peter den Seminarraum und lässt die Rundherum-Sitzenden zusammenzucken: »Mehr Strenge in der Erziehung«, sind Holms Worte, mit denen er begründet, warum sein eigener Großvater als Vorbild gelten könne. Dieser Großvater hatte nie mit ihm gespielt. Nie durfte ein Kind diesem Opa widersprechen. Trotzdem entdeckt Holm, wenn er zurückdenkt, einen schätzenswerten Zug an seinem autoritären Ahnen: »Es gab auch mal was auf die Finger.«

Am Ende der Veranstaltung im Hamburger Stadtteil Bergedorf wird der Kursleiter Willi Hasse den Schüler Holm ausdrücklich für die provozierenden Wortbeiträge loben. Seine Forderungen nach Strenge und Respekt hätten den Unterricht befeuert. Und das sei wichtig. So konnte diese Fortbildung für Großeltern gelingen.

Jens-Peter Holm ist 63 Jahre alt. Spontan würde man ihn hier nicht erwarten. Im Haus im Park , einem Ü-50-Begegnungszentrum der Körber-Stiftung, wird an sechs Mittwochnachmittagen über »Sensibilisierung« und »Sensibilität« diskutiert, über Dinge wie »Pubertät« oder über die »Kraftquelle für das ganze Leben«.

Ausgerechnet Holm, der »nie Kleinkinder gewickelt und gefüttert« hat, weil doch »immer eine Frau zum Wickeln da war – wenn nicht die eigene, dann die Schwester oder die Schwiegermutter«. Er, der in seinem Leben auch »die Küche als reine Frauenwelt« kennengelernt hat. Dieser Mann der Nachkriegsgeneration, ein Macho norddeutscher Prägung, fragte seine Frau, als er in der Zeitung den Hinweis auf einen Kurs für Großmütter entdeckte: »Kannst du mal abklären, ob da auch Großväter hingehen können?«

Seit acht Jahren ist Holm Großvater, seit gut einem halben Jahr schon dreifacher. Als Pensionär hat er ein Leben voller Erfahrungen hinter sich. Er war mehr als drei Jahrzehnte lang Maschinenbauingenieur, daneben Biobauer und ist seit 2011 »Befehlsempfänger des Sohnes«, der den Familienbetrieb weiterführt. Den jüngsten biografischen Schritt krönt Jens-Peter Holm in einer Stunde mit einer Urkunde: Er wird Hamburgs erster lizensierter Opa.

Dann ist der Kurs Starke Großeltern, starke Kinder des Deutschen Kinderschutzbunds zu Ende. Das Schriftstück bescheinigt ihm, dass er »respektvollen Umgang mit unterschiedlichen Werten« gelernt hat. Dass er weiß, wie »Konflikte mit unseren Enkelkindern« zu lösen sind. Wie man für »eine gute Atmosphäre in Ihrer Familie« sorgt.