Polynesien Als Tafau uns fuhr

Häuser ohne Wände, Kinder mit Respekt und Tattoos vom Knie bis zur Hüfte – auf Samoa lässt sich noch polynesische Kultur erleben. Im Pick-up mit einer einheimischen Familie kommt man ihr nahe.

Ausblick über Alega Beach auf Samoa

Ausblick über Alega Beach auf Samoa

Vielleicht hat er, nach Westen über den Stillen Ozean schauend, tatsächlich einen Blick in den nächsten Tag hinein erhascht und gesehen, dass alles gut gehen wird. Denn hier in Falealupo ganz im Westen von Savai’i, der westlichsten Insel des Inselstaates Samoa, ist die Datumslinie nur wenige Kilometer entfernt. Tafau Fiainu* hat schon etwa drei Liter des samoanischen Biers Vailima und eine halbe Flasche billigen Rum getrunken und hilft nun Tamatasi, Alofa, Vaimoana und Manaia, seinen vier Kindern, auf die Ladefläche seines Pick-ups. Es geht zum Schwager auf der anderen Seite der Insel und dann nach Hause. Tafau nimmt an der Seite seiner Frau Niu Platz, hinter dem Steuer. »Keine Sorge«, erklärt er fröhlich und mit offensichtlicher Schwierigkeit, die Worte zu formen: »Gott fährt mit mir.«

Der Glaube muss wohl besonders fest sein auf einer Insel mit so ungewissem Untergrund. Savai’i liegt am tektonisch sehr aktiven Tongagraben, wo die Pazifische Platte unter die Australische absinkt. Die Vulkaninsel galt seit je als Wiege polynesischer Kultur. Viele glauben sogar, dass es sich bei Savai’i um Hawaiki handelt, das mythische Ursprungsland der Polynesier, zu deren Siedlungsraum man auch die Osterinsel, Fidschi und Hawaii rechnet.

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Doch im Gegensatz zu den meisten anderen polynesischen Inseln soll man auf Samoa noch eine intakte polynesische Kultur vorfinden. Stolz verweist jede Touristikbroschüre auf den fa’a Samoa, die sprichwörtliche »samoanische Art«. Der Ausdruck steht für den ureigenen Weg der Samoaner, das familiäre und gesellschaftliche Leben zu organisieren. Und nirgends soll der fa’a Samoa besser erhalten sein als hier, auf Savai’i. Die Teilnahme an einem Familienausflug einmal rund um die Insel kann vielleicht helfen, jenen fa’a Samoa aufzuspüren.

Aus Röhren in der Lava schießt das Brandungswasser 30 Meter in die Höhe

Das Geräusch quietschender Reifen reißt uns zurück in die Realität. Ein Hausschwein hat träge die Straße überquert, Tafau hat das Bremspedal rechtzeitig gefunden. Überhaupt fährt er erstaunlich sicher für einen Betrunkenen. Das Radio spielt samoanisierte Versionen westlicher Hits, über den Refrain von Timbalands Apologize singt eine sonore Stimme auf Samoanisch: »Ua tuai e ona fai mai, ua ou sese.« Sehr traditionell klingt das nicht. Von hinten hört man das Lachen der Kinder, während vorn Niu ihrem Mann immer wieder bereitwillig die Flasche Rum reicht.

Im Südwesten der Insel hält Tafau an. Unter einem sattgrünen Brotfruchtbaum senkt ein Schwein seinen Rüssel in eine aufgeplatzte Frucht. Im Schatten des Baums hat sich ein kleiner Kiosk versteckt. Tafau steigt aus und begibt sich zu der Verkäuferin an den Schalter. Hinter ihr türmen sich Konserven bis unter die Decke. Rindfleisch, Thunfisch, Bohnen, Spaghetti – was in Samoa nicht selbst produziert wird, kommt aus der Dose und damit aus Übersee. Tafau kauft eine große Flasche Cola für die Kinder, die hinten auf der Ladefläche der tropischen Sonne ausgeliefert sind. Dazu kommt eine weitere Flasche Rum für den Schwager und Freund Tauilo, den wir besuchen wollen.

Samoa: Anreise

Flüge nach Samoa führen meist über Neuseeland. Air New Zealand verkehrt mehrmals pro Woche zwischen Auckland und Faleolo Airport. Nach Neuseeland bieten Emirates und Air New Zealand gute Flüge via Dubai und Australien an

Unterkunft

Das Angebot in Apia, der Hauptstadt Samoas auf Upolo, reicht von günstigen, familiär geführten Hostels wie dem Tatiana Motel (Tel. 00685-26829, www.tatiana-motel.com, DZ ab ca. 63 Euro) bis hin zum berühmten und preislich entsprechenden Aggie Grey’s (Tel. 00685-22880, www.aggiegreys.com, DZ ab ca. 136 Euro). Am schönsten schläft es sich in Samoa jedoch in den »Beach fales« (www.samoabeachfales.com), das sind traditionelle Hütten in Meeresnähe, durch die der Wind pfeift. Zahlreiche Anbieter gibt es im Ort Manase im Norden von Savai’i. Auch auf Upolu gibt es mehrere Möglichkeiten

Weitere Tipps

Beste Reisezeit: Trockenzeit zwischen Mai und Oktober – doch auch sonst sind Wärme und Sonne garantiert

Weitere Tipps: Samoaner sind sehr gastfreundlich. Wird man eingeladen, sollte man die Gelegenheit nutzen. Upolu und Savai’i lassen sich am besten mit dem Auto erkunden. Autos werden auch für nur einen Tag vermietet. Zwischen dem Mulifanua Wharf auf Upolu und dem Hafen von Salelologa auf Savai’i verkehrt eine moderne Fähre mehrmals am Tag. Das Safua Hotel in Lalomalava auf Savai’i bietet kundige Inselführungen an und organisiert zudem zahlreiche Möglichkeiten, in die samoanische Kultur einzutauchen. Wer genug Zeit hat, sollte sich die dünn besiedelte und autofreie Insel Manono nicht entgehen lassen. Kleine Boote setzen in der Nähe des Mulifanua Wharf auf Upolu über

Auskunft: Samoa Tourism Authority (www.samoa.travel). Sie befindet sich neben dem Regierungsgebäude an der Beach Road in Apia

Die Dörfer, an denen wir vorbeikommen, erstrecken sich nur wenige Hundert Meter ins Inselinnere, bis dorthin, wo der Busch oder die Bananen-, Kakao- oder Kokospalmenplantagen beginnen. In gleißender Ferne erkennt man die schwarzen Basaltzungen an der Küste beim Dorf Taga, Zeugnisse von Vulkanausbrüchen vor rund hundert Jahren. An ihren Rändern explodiert die Brandung, immer wieder verwischen weiße Gischtwolken die dunkle Küstenlinie. In unterirdischen Höhlen staut sich das salzige Wasser und schießt dann durch Röhren in der Lava bis zu dreißig Meter hoch in die Luft.

Unser Pick-up schlingert immer wieder nach rechts. Vielleicht lässt der Alkohol Tafau in alte Gewohnheiten abrutschen – auf der linken Straßenseite fährt man in Samoa erst seit knapp zwei Jahren. Die deutschen Kolonialherren hatten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts in »Deutsch-Samoa« den Rechtsverkehr eingeführt. Das wurde immer mehr zur störenden Hinterlassenschaft, denn in den anderen Staaten des Südpazifiks wie etwa Neuseeland fährt man links. Und entsprechend gebaut sind die Autos, die man von dort importieren könnte.

Leser-Kommentare
    • k2
    • 27.12.2011 um 10:14 Uhr

    in der Frühzeit, denn die Abstammung der Südseeinselbewohner liegt im Dunkeln. Eingang des Textes stellt Mayer zumindest indirekt ähnliche Fragen ? Es scheint so.
    "Savai’i liegt am tektonisch sehr aktiven Tongagraben, wo die Pazifische Platte unter die Australische absinkt. Die Vulkaninsel"[Andreas Mayer]. Tonga heisst Süden und die
    sagenumwobene unbekannte Herkunft der Steine
    auf der Osterinsel, in Text von Mayer erwähnt, habe ich geologisch gelöst: Diese Steine haben die brasilianischen Bewohner
    des Amazonaswaldes aus einem mir bekannten Steinbruch unmittelbar am anderen Ufer der
    Cook Street von Neuseelands Wellington.

    • Varech
    • 28.12.2011 um 10:17 Uhr

    ... jedoch verkommen, gewalttätig, verantwortungslos geht es da also zu. Kurz: Ein Land ist in aktiver Unterentwicklung begriffen.

    Was soll eigentlich eine "Korallenbucht" sein?
    Gesundheitswesen, Wirtschaftsleben und Schulbildung scheinen wohl nicht der Rede wert zu sein.

    Aber sogar deutsche Schuld konnte der Autor noch entdecken!

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