Partnerschaft"Was bin ich für Dich?"

Ein Mann und eine Frau in ihren Dreißigern. Sie kennen sich seit ein paar Monaten. Er wirkt interessiert, aber distanziert. Die Frau will Klarheit von 

Sehr geehrte Damen und Herren,

anbei ein Brief zum Verbessern. Namen und Details habe ich geändert, damit sich der Betreffende nicht wiedererkennt. Wir kennen uns seit einigen Monaten, und inzwischen finde ich das unklare Verhalten schwer erträglich.

Anzeige

Ich frage mich aber, ob es sinnvoll ist, eine Klärung schriftlich zu versuchen und wenn ja, ob es mir mit dem Brief gelingen kann. Über eine Stilkritik würde ich mich freuen.

Viele Grüße

L.

Lieber M.,

ich schreibe Dir, um mir ein bisschen Nähe zu erschleichen, denn nie bist Du mir so nah wie dann, wenn ich mich Dich mir zuhörend vorstelle. Zuhörend und verstehend. Wenn wir uns sehen, hörst Du auch zu, mit diesem seltsam konzentriert-verschlossenen Gesichtsausdruck, aber was verstehst Du eigentlich? Ich glaube, Du verwendest sehr viel Kraft dafür, zu verbergen, was in Dir vorgeht. Deine Gesichtsmuskeln sind bis in die letzte Faser darauf trainiert, komplett zu erstarren und anströmende Empfindungen nicht nach außen dringen zu lassen. So vermute ich. Aber strömt da wirklich was? Oder ist das die Maske eines Mannes, dem aufgrund fehlender Gefühle keine passenden Gesichtsausdrücke zur Verfügung stehen und der sich darum mit einer neutralen Einheitsmaske tarnt?

Du bleibst mir fern, wenn wir uns sehen. Du duldest es, dass ich Deine Hand nehme, aber setzt Dich, wenn wir uns beim Spaziergang auf einer Bank niederlassen, so weit wie möglich weg von mir. Sinkst augenblicklich in Dich zusammen, anstatt den Arm über die Rückenlehne zu legen – ein Körper, in Abwehr zusammengekrümmt statt offen und einladend. Du suchst mich nicht, Du lässt Dich hin und wieder von mir finden. Aber nicht zu sehr. Jede Kritik von mir, jede Bemerkung über Dich kränkt Dich zutiefst. Wie kann das sein? Was bin ich für Dich? Ich merke, dass ich immer ungeduldiger werde, aber auch immer geduldiger. Es wächst etwas zwischen uns, aber was ist das? Ist es gut, oder ist es schlecht? Manchmal denke ich, wenn es mir gelingen würde, Dich nicht mehr zu wollen, dann könnte ich Dich vielleicht haben. Wie bitter das ist. Menschen sind nicht so. Menschen wollen einander. Oder ist es einfach nur so, ganz banal: Ich gefalle Dir nur mäßig, allenfalls gefällt Dir meine Aufmerksamkeit, Du fühlst Dich gut unterhalten von mir?

Es sind die falschen Fragen, ich weiß. Es ist nicht gut, über solche Dinge zu reden, das alles fällt eindeutig in den Bereich, der zu beschweigen ist. Nur bin ich kurz davor, den Mut zu verlieren und die Sache zu beenden. Und das ängstigt mich. Wie wird es sein ohne Dich? Ohne Dein zusammengekrümmtes Schweigen? Vielleicht findest Du eine Möglichkeit, mir ein Signal zu geben. Sei eben einfach nur ein Freund, wenn Du mich nicht lieben kannst, aber sei irgendwas. Lass nicht immer und immer alles so offen. Es weht ein kalter Wind in dieser Offenheit, dem bin ich nicht gewachsen.

Es grüßt Dich

L.

Leserkommentare
  1. verzeihe ich ihm seine korrekte Nachrationalisierung.

  2. Blablabla, patati und patata, typisch Frau. Zieh Dich sexy an, lade ihn bei Dir, Führ ihn in dein Bett. Am Morgen danach beim Frühstück ist das Eis gebrochen und Du kannst ihn ruhig alles fragen was Du willst, ganz entspannt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

  • Artikel Auf einer Seite lesen
  • Schlagworte Partnerschaft | Georg Büchner | Brief | Körper | Offenheit | Redakteur
  • Models present creations from the Felder & Felder Autumn/Winter 2013 collection during London Fashion Week, February 15, 2013. REUTERS/Olivia Harris (BRITAIN - Tags: FASHION)

    Vom Rand des Laufstegs

    Aktuelle Berichte von den Schauen in New York, London, Mailand, Paris und Berlin auf ZEIT ONLINE

    • Kochblog: Nachgesalzen

      Nachgesalzen

      Die Meisterköche Karl-Josef Fuchs, Jürgen Koch und Christian Mittermeier verraten ihre Tipps und Tricks

      • : Hinter der Hecke

        Hinter der Hecke

        Eine Schrebergarten-Kolonie ist ein eigener Kosmos. Unser Kolumnist Ulrich Ladurner erforscht ihn und seine Bewohner mit Demut, Feinsinn und Humor.

        • ZEITmagazin: Heiter bis glücklich

          Heiter bis glücklich

          Oft sind es die einfachen Dinge, die uns heiter bis glücklich stimmen. Im "Heiter bis glücklich"-Blog stellt die ZEITmagazin-Redaktion täglich ihre Entdeckungen vor.

          Service