ZEITmagazin: Herr Berben, Sie haben zwei starke Frauen in Ihrer Familie. Was haben Ihre Mutter und Großmutter Ihnen mitgegeben?

Oliver Berben: Erst jetzt mit 40 merke ich, was starke Frauen wirklich sind. Meine Großmutter hat in einer Zeit gelebt, in der es alles andere als üblich war, alleine zu leben, wenn man mit Ehe und Zweisamkeit nicht zufrieden war. Es gibt da einen Satz in Schoßgebete von Charlotte Roche , mit dem ich wahnsinnig viel anfangen kann: »Ich löse mich auf in dem Bemühen, anderen zu gefallen.« Vor vielen Jahren habe ich mit meiner Großmutter genau darüber gesprochen. Ich war unglücklich. Meine Großmutter sagte: »Oliver, du musst egoistischer sein.« Das fand ich schockierend. Damals war ich jung, 17 oder 18, und dachte, Egoismus sei schlecht, aber meine Großmutter hat recht: Wer sich nicht um sich selber kümmert, kann sich nicht um andere kümmern. Das wird oft so negativ dargestellt, aber eine gewisse Form des Egoismus gehört zur Kraft dazu.

ZEITmagazin: Als Produzent führen Sie ein Leben auf der Überholspur. Welche Bedeutung hat Familie für Sie?

Berben: Unsere Familie ist nicht besonders groß, und ich habe keine Geschwister, zu denen ich gehen könnte, deshalb ist sie sehr wichtig für mich. Wir haben uns immer gegenseitig Rückhalt gegeben, Familie war und ist für mich eine schlagende Einheit. Als sich meine Eltern vor vielen Jahren getrennt haben, handelten sie sehr souverän, aber ich habe große Angst, dass ich plötzlich irgendwann ganz alleine sein werde. Man muss etwas dafür tun, damit das nicht passiert. Familie und Freunde sind mir über alles wichtig, deshalb hat mich dieses letzte Jahr auch völlig aus der Bahn geworfen. Ein Freund wurde mir entrissen, und ich weiß nicht, ob ich aus dem Tief schon wieder raus bin. 

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ZEITmagazin: Was ist passiert?

Berben:Bernd Eichingers Tod war ein Entreißen, aus dem Nichts raus, ohne irgendwelche Vorbereitung. Aber das Entreißen verwandelt sich mit der Zeit in ein Verabschieden, und man hat die Möglichkeit, es zu verarbeiten. Auch wenn man einen Freund nie ersetzen kann. Bernds Bild hängt bei mir im Büro, und ich rede ganz oft laut mit ihm. Dann bin ich überhaupt nicht traurig, und das finde ich ziemlich cool. Ich freue mich darüber, dass ich nicht traurig bin, weil ich glaube, er würde es auch gut finden. Ich habe damit einen Weg gefunden, mit dem Verlust klarzukommen, ihn in etwas Positives umzuwandeln. Das ist wie bei einem Kometen, der auf die Erde zufliegt, irgendwo dagegenprallt, seine Laufbahn ändert und weiterfliegt, nur woandershin.