RücktritteDer Nächste, bitte!

Rücktritte und Rücktrittsforderungen sind in Mode gekommen. Was sagt das über unser Staatsverständnis aus? Von Adam Soboczynski von 

Unsere Zeit kennt keinen rechten Unterschied mehr zwischen Amt und Person, was folgenreich ist. Eine Bischöfin sah sich im vergangenen Jahr zum Rücktritt gezwungen, da sie bei einer privaten Autofahrt unter Alkoholeinfluss erwischt wurde ; dieses Jahr der Spitzenkandidat einer Volkspartei, da er eine Liebesbeziehung mit einer wesentlich jüngeren Frau einging . Nahegelegt wurde der Rücktritt nun dem Bundespräsidenten , unter anderem mithilfe des psychologischen Argumentationsmusters, dieser hänge, da er kleinbürgerlichen Verhältnissen entstamme, im Privatleben zu stark der Welt des Glamours und der angeblich so schillernden Geschäftswelt an, was ihn per se disqualifiziere. Beinahe schon nachgeschoben wirkte in diesem Zusammenhang der berechtigte Hinweis darauf, er habe im Landtag nur unvollständig Auskunft über seine geschäftlichen Beziehungen zu einem befreundeten Unternehmerpaar gegeben.

Eine Trennung zwischen Amt und Person findet dann keine Geltung mehr, wenn vom Privatleben notorisch auf die Amtsführung geschlossen wird. Anders gesagt: Wenn zum Rücktritt nicht maßgeblich die Amtsführung als Kriterium herangezogen wird, sondern den Amtsträger die Urlaubsfahrten, seine sexuellen Vorlieben, sein Alkoholkonsum, seine Freundschaften diskreditieren. Man spricht dann gemeinhin davon, dass derlei Neigungen oder Gewohnheiten das Amt beschädigten; ein Argument, das seine Widersprüchlichkeit verschleiert. Die Behauptung nämlich, die sittlichen Verfehlungen im privaten Alltag seien amtsrelevant, beschädigt überhaupt erst als medialer Sprechakt das Amt, das gleichzeitig als so ungemein schützenswert vorgegeben wird.

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Die Unterscheidung zwischen Amtsinhaber und natürlicher Person ist eine Erfindung mittelalterlicher Juristen, die den sterblichen, irdischen Körper des Regenten von seinem politischen abgrenzte. Dem widersprach nicht, dass beide Körper als Personalunion gedacht wurden. Man vermied es jedenfalls, leichtfertig von der Schwäche des body natural auf den body politic zu schließen, um die Stabilität der Institutionen zu wahren. Die Schwachsinnigkeit eines Regenten sollte dem (wie man heute sagen würde) Amt, das dieser bekleidete, nichts von dessen Würde rauben. Von diesem rechtsmystischen Konzept, das Amt und Person prinzipiell trennt, zehrte über lange Zeit durchaus auch die moderne Demokratie. Die Öffentlichkeit hatte am Privatleben der Politiker schlechterdings wenig Interesse, man scheute, womöglich tatsächlich aus jenem viel beschworenen Respekt vor dem Amt, intime Details ihres Privatlebens auszubreiten. Noch vor wenigen Jahren wäre es womöglich als äußerst anstößig empfunden worden, das Privathaus samt Klingelschild eines in Bedrängnis geratenen Bundespräsidenten zu veröffentlichen. Oder ihm gar nahezulegen, seine privaten Urlaubsreisen aufzulisten.

Nicht das Privatleben desavouiert, recht besehen, von vornherein das Amt, sondern die von der Medienöffentlichkeit massiv betriebene Verschmelzung des natürlichen und politischen Körpers, die freilich die Amtsträger – durch allerlei Homestorys und intime Bekenntnisse – oft selbst vorantreiben. Margot Käßmann etwa trug als Amtsträgerin ihr Privatleben und ihren Lebenslauf derart forciert in die Öffentlichkeit, dass es regelrecht selbstverständlich schien, eine alles in allem triviale, private Verfehlung als rücktrittsrelevant zu erachten. Und natürlich kennt die Bundesrepublik auch jene handfesten Affären, in denen die freundschaftliche Verbundenheit zwischen Politikern und Industriellen diesen unmittelbare Geschäftsvorteile verschafften wie im sogenannten Amigo-Skandal um den ehemaligen Ministerpräsidenten von Bayern, Max Streibl. Derartige oder ähnliche Verquickungen würden aus guten Gründen natürlich auch heute, sollten sie sich erweisen, jeden Ministerpräsidenten, Bundeskanzler oder auch -präsidenten stürzen.

Die ungemein zahlreichen Rücktritte jüngeren Datums allerdings entbehren zumeist der genuin politischen Dimension früherer Skandale, kreisten sie nun um Barschel, Kohl, Flick oder Brandt. Man stürzt heute auch über Lappalien, denen eine Relevanz zugesprochen wird, an die man schon wenige Wochen nach dem Rücktritt so recht nicht mehr glauben mag. Das Private fällt heute mit dem Politischen in eins, was man als Krise der Demokratie schlechthin begreifen darf. Offenkundig ist jeder Sinn für die formalen Aspekte unserer Staatsform verloren gegangen, die auf robusten Institutionen basiert, die politische Teilhabe strukturieren. Und auf Amtsträgern, die nicht vordringlich nach Maßgabe ihrer Alltagsmarotten oder -moral zu bewerten sind, sondern vor allem nach Maßgabe ihrer Amtsführung.

Leserkommentare
  1. 1. [...]

    Entfernt. Bitte beteiligen Sie sich nur, wenn Sie einen konstruktiven Beitrag zur Diskussion leisten möchten. Danke, die Redaktion/mo.

    49 Leserempfehlungen
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    Redaktion

    Wie begründen Sie denn Ihre Aussage? Ich konnte in Ihrem Kommentar leider keine Argumente finden.

    Beste Grüße und schöne Feiertage!
    Sebastian Horn

    Mich befremdet eher die lapidare und rechthaberische Blog-Kritik an Soboczynskis differenziertem und bedenkenswertem Kommentar. Eben der Umstand, dass man Soboczynski offenbar nicht verstehen kann oder will, offenbart die Dimension der gegenwärtigen geistigen Misere. Wir sind dabei, die Demokratie insgesamt weiter zu diskreditieren, weil vielen jener realpolitische und geschichtliche Horizont fehlt, den Soboczynskis Zeilen atmen. Vieles, was man hier in den Leserkommentaren bemerkt, hat geradezu "Pöbelhaftes" an sich. Die Rechtsradikalen freuen sich schon, denn die werden von der Politikerschelte erfahrungsgemäß am stärksten profitieren!

    Da werden Skandale bekannt, an denen sich ein aufstrebender Politiker "moralisch orientiert".

    Nach deren Aufdeckung denkt sich dieser: meine Verfehlungen lagen - damals - weit unter diesem Nieveau (tatsächlich?).

    Die (bösen) Medien und die (neidische) Gesellschaft werden allerdings immer sensibler und lassen diese Verfehlungen und Vergünstigungen allerdings heute nicht mehr zu, da auch kein Normalbürger solche unsitllichen Angebote annehmen kann (und darf).

    Schließlich wundert sich nun der Politiker, dass er angsichts der eigenen Worte mit seinen Taten gemessen wird und zurücktreten soll.

    Draufhin liest ein junger Politiker....

    jaja, die Journalisten und ihre "Arbeit".

    Ich zitiere Focus-Chefredakteur Helmut Markwort aus der Sendung „Der Sonntags-Stammtisch" im Bayerischen Rundfunk , der auf die Frage antwortet, ob hinter der ganzen Sache nicht "Journalisten" stehen, die in Ihrer gekränkt sind, weil Wulff ihnen nicht das gab was sie sich erhofften.

    "Das ist eine kluge Frage Herr Hanitzsch, dafür gibt es Indizien.

    Aber da ich selber in diesem Wettbewerb(!) drin bin, kann ich nur sagen, ja, es gibt Indizien von beleidigten Journalisten, die gesagt haben - "Jetzt packen wir das Ding mal aus!"

    Wenn ich das jetzt näher begründe dann bin ich wieder mit im Wettbewerb drin, aber es ist was dran."

    hier das Orginal:
    http://www.youtube.com/wa...

    Ist schon seltsam, warum gerade jetzt die ganzen "Neuigkeiten" über Wulff kommen, obwohl sie einerseits sehr weit in der Vergangenheit liegen und andereseits, wie von den "Medien" auf wenige Punkte wie blöd geschossen wird.

    "Kritischer Journalismus sieht anders aus".
    Stimme Ihnen zu.

    Eine Trennung von Amt und Privatem ist, wenn es um mögliche Einflussnahmen relevanter Interessengruppen geht, reine Fiktion. Wer ein öffentliches Amt bekleidet, kann, ja darf sich nicht hinter dem Schutz der Privatsphäre verschanzen, um dann in diesem Dunstkreis seine Seilschaften zu pflegen. Wulff muss ja gerade zum Vorwurf gemacht werden, dass er Privates vom Amt nicht sauber zu trennen vermochte, denn die Nähe zum hannoverschen Klüngel resultiert ja letztendlich aus seiner politischen Tätigkeit. Besonders schwer wiegt aber im vorliegenden Fall, dass sich mit dem Amt des Bundespräsidenten eine besondere moralische Vorbildfunktion verbindet, die natürlich sowohl öffentlichen als auch privaten Charakter hat. Es ist schwer erträglich, wenn ein Bundespräsident einerseits seine Reden im Sittlichen und nicht in Machiavellis Denken fundiert, andererseits aber für sich selbst völlig andere Maßstäbe ansetzt. Dann werden aus Denkanstößen bloße Sonntagsreden! Dies schadet dem Amt und kann auch nicht als Petitesse angesehen werden, will man Moral in der Politik überhaupt noch einfordern. Wie sich immer mehr herausstellt, regiert in Hannover ein parteiübergreifender Filz von Politik und Wirtschaft, in dem kleine und große Gefälligkeiten scheinbar alltäglich sind. Wieso dies nichts mit der Amtsführung zu tun haben sollte, müssten Sie seitens der Redaktion erst einmal erklären. Insofern muss man sich schon über diesen Artikel sehr wundern, der Moral ins rein Anstrakte formalisiert.

    Vielleicht haben Sie es nicht bemerkt, aber in diesem Artikel wird allgemein über das Verhalten von Amtspersonen mehr oder weniger philosophiert. Hier gibt es mal eine Gegenmeinung gegen die herrschende Obermoralität, die sich zu Wort meldet, wenn es um Politik geht. (Warum taucht hier nur in meinem Kopf das Wort Philister auf?)

    Kritische Artikel gibt es schon zuhauf. Warum muss jeder einzelne Artikel, der dieses Thema aufnimmt, dieses in allen Einzelheiten zerlegen und verurteilen? Um den Stolz und das Machtbedürfnis der neuen Moralisten zu befriedigen? Gestehen wir es doch der Presse zu, auch mal eine Gegenmeinung zu bringen. Auch das ist kritischer Journalismus. Es gibt nicht nur Ihre Meinung, auch wenn Sie diese für die einzig richtige halten. Kein Mensch hat das Recht, seine Meinung den anderen aufzuzwingen. Das grenzt ja an Meinungsdiktatur. Ich bin froh, dass es auch noch Journalisten gibt, die diese nicht ausufern lassen.

    • zeitkom
    • 23. Dezember 2011 14:08 Uhr

    Man muss ja nicht immer die Politiker kritisieren. Auch über die Medien oder die Öffentlichkeit kritisch zu reflektieren, ist kritischer Journalismus.

    Was Sie meinen ist häufig nichts anderes als populistische Hetze, die eine Sau nach der anderen durchs Dorf treibt.

    • cassis
    • 23. Dezember 2011 20:38 Uhr

    Entfernt. Kritik richten Sie, fall nötig, bitte an community@zeit.de. Der Kommentarbereich soll der sachlichen Diskussion dienen. Die Redaktion/mak

    • cassis
    • 23. Dezember 2011 20:56 Uhr

    wurde nicht die wesentlich jüngere Frau zum Verhängnis meiner Einschätzung nach, wobei der Autor diese Causa äußerst wohlmeinend darstellt. Das Mädchen war minderjährig. Und B. hat diese dann fallengelassen, warum, weiß ich nicht. Für mich stand damals zu befürchten, dass die Beziehung nicht mit dem 16. Geburtstag des Mädchens begann, sondern schon womöglich viel früher. Anders lässt sich die fehlende Unterstützung vieler seiner politischen Freunde nicht erklären.

    Insgesamt sieht man an dieser Angelegenheit schon, dass es Adam Soboczynski nicht um eine wirkliche Erörterung geht. Satire?

  2. ...vereinbarte die BW-Bank mit Wulff einen Kredit-Rahmenvertrag über 520.000 Euro - eine Art Dispo, der bis zum 31. Dezember 2024 laufen sollte. Die Zinsen waren variabel. Die Höhe richtete sich nach dem Zinssatz, zu dem Banken am Geldmarkt Geld leihen können. Der Zins habe zwischen 0,9 und 2,1 Prozent gelegen, wie die Anwälte des Bundespräsidenten dem SPIEGEL bestätigten. Derartige Finanzierungen vermittelt die BW-Bank nur an "gehobene Privatkunden", wie es in einer Stellungnahme des Geldinstituts heißt."

    http://www.spiegel.de/pol...

    Mit anderen Worten: die "gehobenen Privatkunden" erhalten Kredite UNTERHALT des Inflationssatzes...dafür zahlen die Normalbürger das Doppelte und Dreifache, um die Gewinne der Banken zu erarbeiten. Ach ja - falls es der Bank mal schlechtgeht springt der Normalbürger noch mal per Steuergeld ein.

    Bundespräsident ist ein Amt, bei dem PERSÖNLICHE INTEGRITÄT UNTRENNBAR TEIL DES AMTES IST!

    Jemand, der derartige Vorteilsnahmen für gerechtfertigt hält, ist UNTAUGLICH - ansonsten können wir doch gleich Drückerkönig Maschmeyer, Steuerhinterzieher Zumwinkel oder Josef Ackermann zum Bundespräsidenten machen.

    77 Leserempfehlungen
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    Wäre Christian Wulff eine Politesse, er wäre jetzt arbeitslos. Einer Politesse würde man bei weitaus geringerer Vorteilsgewährung unterstellen die Fahrzeuge der Bankvorstände beim Falschparken zu "übersehen".

    weil sie bei den Zinssätzen Lateinamerikaner benachteiligt hat.
    Wen benachteiligt eigentlich die BW Bank, wem gehört eigentlich die BW Bank? Wie sind die Verbindungen zur LBBW?

    Anm.: Bitte diskutieren Sie ausschließlich zum Artikelthema. Danke. Die Redaktion/vn

    Es ist nicht zutreffend, wenn sie ihr von Konditionen zu
    bevorzugten Bedingungen oder ggf. einem vergünstigtem Zins sprechen, denn hier liegen unterschiedliche Risiken vor.

    In der Tat 98 % aller privaten Hausfinanzierungen werden mit einer zeitlich fest vereinbarten Zinsbindung für besipielsweise 5 oder 10 oder gar 15 Jahre vereinbart. D.h.
    der Bankkunde trägt in dieser Zeit kein Zinsänderungsrisiko und kann sich darauf verlassen, daß er nur 4,8 oder 5,2 oder 5,6 % Zinsen zahlen muß. Wenn die Zinsen drastisch steigen würden, würde dies nichts ändern. Die Bank muß sehen wie sie damit klarkommt.

    Nun sind wegen der niedrigen Zinssätze in den letzten Jahren jedoch häufiger, aber eher im gewerblichen Bereich, aber auch bei risikobereiteren Privatkunden Finanzierungen in Mode gekommen, die auf variablem Zinssatz beruhen. Der Kunde bekommt das Geld zu den aktuellen Bedingunen. ändern sich diese aber beispielsweise auf z.B. 10 % wie das Anfang der 80 er Jahre schon der Fall war, dann muß er auch die hohen Zinsen zahlen. Dies bedarf einer besonderen Risikoaufklärung der Bank und besonderer Anforderungen an das wirtschaftliche Verständnis des Kreditnehmers.
    Das ist im Massengeschäft nicht der Fall.

    Hier eine Bevorzugung des Kreditnehmers zu unterstellen, weil er dieses Zinsänderungsriskio trägt ist schlicht falsch.

    und Pfui über die Nebelkerzen des Herrn Soboczynski a la "Putin ist ein Demokrat", gerichtet an alle Politiker. Natürlich gehören Amtsführung und Lenben irgendwie zusammen. Wem das nicht passt, der sollte den Politikbetrieb, ja, sogar die Öffentlichkeit meiden.

    • fanta4
    • 23. Dezember 2011 12:37 Uhr

    Aber wie heißt es so schön: Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen.

    Nicht nur, dass Politiker wie Wulff, reichlich gut bezahlt werden vom Volk und in kürzester zeit geradezu frivole Pensionsansprüche bekommen - Nein, diese Alimentierung und Selbstbedienung beim Staat reicht noch nicht, es muss auch noch Vorteilsnahme bei der Wirtschaft stattfinden.

    Pfui Deibel.

    überhaupt einen benötigten Kredit erhält!!

    Das ist in der heutigen Zeit fast unmöglich.

    Dem "gehobenen" Kreis ist es jedoch jederzeit möglich zu Spottzinsen Geld zu leihen.

    In Köln gibts ein Sprichwort dazu: Der Düwel scheisst nie ob ene kleene Hoof.
    Der Teufel scheißt nie auf einen kleinen Haufen.

    so isses.

    • panoist
    • 23. Dezember 2011 13:52 Uhr

    Es ist unerträglich wie hier in der Zeit, der Korruption das Wort geredet wird.
    Korruption ist ein Rücktrittsgrund.
    Politiker die uns vorleben, daß ihr Amt der Selbstbereicherung dient, leisten der Demokratie einen Bärendienst. Herrn Wulffs Verhalten, seine Lügen und Ausflüchte waren eines Bundespräsidenten unwürdig.
    Er hat, nicht sein Rücktritt würde das Amt beschädigen.
    Es ist keine Privatangelegenheit sich als Ministerpräsident von Reichen "Freunden" einladen und offenbar im Gegenzug für Gefälligkeiten benutzen zu lassen.
    Der Vergleich zu privaten Verfehlungen hinkt. Der Mann hat sein Amt, sein Ansehen und das unseres Landes erheblich beschädigt.
    Neben einer lückenlosen Aufklärung seiner Verflechtungen ist ein Rücktritt Pflicht.

    Sie haben meine volle Zustimmung bis auf ein kleines Detail: Josef Ackermann.
    Wenn Sie damit den Deutsche Bank-Ackermann meinen, sollten Sie ihn nicht vorschnell in die Steuerhinterzieher/Abzocker-Schublade stecken; und machen Sie ihn nicht zum BP von Merkel-Deutschland, - der Mann ist glücklicherweise Schweizer Staatsbürger. Sie täten ihm auch wahrscheinlich keinen Gefallen damit.

    für inkompetente Neidkritik.

    Der geschilderte Kredit ist nicht zu beanstanden, weil er weitgehend den Marktgegebenheiten entspricht.
    Also jeder Bürger vergleichbarer Bonität hätte ebenfalls diesen Kredit bekommen.
    Der Kredit war variabel abgeschlossen, damit trägt der Kunde das Zinsänderungsrisiko. Glück für Wulff, das die Zinsen niedrig blieben.

    Die meisten Büger verfügen nicht über so hohe gesicherte Einkünfte, dass sie solch ein Risko eingehen könnten oder für die Bank für eine so hohe Summe gut sind.

    Der entscheidende Faktor ist die Risikobewertung, der letztlich auch für den Spruch verantworltich ist, der "Teufel scheisst immer auf dne größten Haufen"
    Darin liegt keine Beborzugung, sondenr schlicht der Vorteil eine geringeres wirtschaftliches Existenzrisiko zu tragen.

    H.

    • Lena65
    • 25. Dezember 2011 10:37 Uhr

    Die Aufregung über Wulffs Kredit bei der BW-Bank ist ein typisches Beispiel, wie mit Halbinformationen Politik gemacht wird. Beim Wulff-Kredit handelte es sich um ein komplexes Finanzmarktprodukt, das dem Geschäftsmodell gleicht, welches die Hypo Real Estate in den Zusammenbruch führte. Die HRE vergab langfristige Kredite für große Investitionen (Hochhäuser, Stauseen etc.) und finanzierte sie mit rollierenden kurzfristigen Geldern. Das ging so lange gut, wie man kurzfristiges Geld preiswert auf dem Geldmarkt bekommen konnte. Während der Finanzkrise 2007/8 war das nicht der Fall.

    Wulffs "Kredit" war gemäß Presseberichten an den Euribor gekoppelt. War der Euribor niedrig, bezahlte er wenig, war er hoch, bezahlte er viel.

    Anbei die Entwicklung dieses Zinssatz für 3-monatige Gelder in den letzten Jahren:

    http://www.unciatrends.co...

    Die Zahlen offenbaren sofort das Dilemma der HRE. In den Jahren 2007 - 8 stieg der Euribor zum Teil über 5%. Es offenbart auch das Problem Wulffs bei der Finanzierung seiner Immobilie in 2008. Damals dürfte es schwer gewesen sein, an einen Bankkredit zu kommen.

    Die Zahlen zeigen auch, dass die BW-Bank den Euribor nur mit erheblichen Aufschlägen an Wulff weitergereicht hat. Wäre der Euribor wieder auf das Niveau von 2008 gestiegen, hätte es für Wulff sehr teuer werden können. Normalen Kunden darf eine Bank solche Kredite nicht anbieten: Viel zu riskant.

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    Jemand, der derartige Vorteilsnahmen für gerechtfertigt hält, ist UNTAUGLICH - ansonsten können wir doch gleich Drückerkönig Maschmeyer, Steuerhinterzieher Zumwinkel oder Josef Ackermann zum Bundespräsidenten machen.
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    zumindest der letztere könnte ab nächsten Jahr diese Tätigkeit ausüben.
    Nicht zuletzt würde ihn seine repräsentative Qualifikation, welche er schon im Regierungsviertel unter Beweis stellen durfte, für dieses Amt qualifizieren.

    • ABWEI
    • 23. Dezember 2011 10:51 Uhr

    Diese verniedlichung der Tatsache, daß hier ganz klar
    vorteilsnahme im Amt besteht, kann man bestimmt nicht
    mit der Geschichte erkären. Unser Bundespräsident sollte
    sich mal bei Bernhard Vogel erkundigen, wie man mit
    Würde und Anstand ein Amt jahrzehntelang führt.

    23 Leserempfehlungen
  3. Wie soll man in Zeiten von Moralverlust den einfachen Menschen noch erklaeren, warum sie sich anstaendig verhalten sollen, wenn bereits hier dafuer geworben wird Vetternwirtschaft und Vorteilsnahme durch Personen, die moralische Instanzen sein sollten, zu ignorieren und zu entschuldigen.

    Diese Meinung hier zu vertreten ist tatsaechlen nahe an der Geschmacklosigkeit. Wo andere Menschen in dieser Zeit zu Hungerloehnen in Deutschland arbeiten und schwer ihre Familien durchbringen koennen, da erhascht sich ein finanziell ohnehin gutgestellter Staatsdiener zehntausende Euro wenn nicht mehr.

    Das ist Masslosigkeit und hat keinen Platz in einem solchen Amt.

    55 Leserempfehlungen
    • Kelhim
    • 23. Dezember 2011 10:55 Uhr

    Ehebruch, Spielsucht, Bordellbesuche und andere Privatangelegenheiten, über die eine Mehrheit der Bevölkerung die Nase rümpft, sind mir egal, solange ein Politiker eine wirklich gute Arbeit leistet. Wenn aber zu einer schwachen Leistung auch noch Peinlichkeiten hinzukommen, fällt es schwer, jemanden noch ernstzunehmen - doch selbst dann ist das noch kein zwingender Rücktrittsgrund.

    Wenn mich jemand allerdings auf mehrfaches Nachfragen hin anlügt, obwohl die Wahrheit schon für alle Leute sichtbar offenbar ist und man die Lüge sofort als solche erkennt (wie in diesem Jahr also mindestens zweimal geschehen), dann wird das Private zum Politischen, weil ich dieser Person nicht mehr vertrauen kann.

    18 Leserempfehlungen
  4. Ein geldwerter Vorteil wie Wulffs Privatkredit ist mitnichten eine Privatangelegenheit, sondern geht den Bürger an. Der Vorgang mag legal gewesen sein, eigentlich aber sollte er als Korruption hart bestraft werden.
    Die gesetzlichen Regelungen zum Thema Korruption in Deutschland sind ungenügend.

    27 Leserempfehlungen
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    vielen anderen nur Recht geben. [...] Das Amt eines BP hängt selbstverständlich mit dessen Privatleben zusammen. Natürlich muss er auch seine Privatspäre haben und gibt es Dinge, die niemanden etwas angehen. Dafür gibt es aber Dinge, die er vor niemandem verbergen oder vertuschen darf. Und sehr wohl gibgt es "private" Dinge, die ein BP einfach nicht machen darf !! Schon erst recht nicht solche bei denen der Normalbürger stärker zur Rechenschaft gezogen wird als jetzt Wulff. Und schließlich darf er eines nicht: Lügen ! Und das hat Wulff, als er erst die Beteiligung des Herrn Geerkens am Kredit verneinte und kurz darauf doch zugab! Nein, eine Person muss würdig für das Amt des BP sein, dazu gehören nicht ALLE privaten Dinge, aber einige, zumal, wenn mind. an der Grenze des juristisch einwandfreien!! [...]

    Gekürzt. Bitte üben Sie Kritik auf einer sachlichen, respektvollen Ebene. Danke. Die Redaktion/vn

  5. Wer so argumentiert, rechtfertigt den Missbrauch des Amts für private Zwecke. Das Treiben der Privatperson hat ja dann keine Konsequenzen mehr für den Amtsträger.

    Die "zweckfremden und damit unrealistischen Ansprüche" an das Amt sind nichts weiter als der Versuch, Korruption und Vetternwirtschaft einzudämmen.

    Das zu übersehen ist eine schwache Leistung.

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