Vor mehr als zehn Jahren entschied ich mich für Dresden. Ich entschied mich für einen Geografie-Lehrstuhl an der Technischen Universität, obwohl es andere Optionen gab. Mir gefielen hier die wunderbaren Bedingungen im Labor, ich schätzte die ausgewogene Besetzung der Professuren. Die einerseits naturwissenschaftliche, andererseits geisteswissenschaftliche Ausrichtung der ganzen TU. Damals schwebte mir vor, das Fach Geografie noch stärker als Brückendisziplin auszubauen.

Heute ist die Lage so ganz anders.

Im September, am Rande einer Tagung, teilte mir ein Kollege mit: Ich solle mich mit unserem Dekan in Verbindung setzen. Warum, das wollte er mir nicht verraten.

Mitte Oktober also saß ich im Büro des Dekans. Der erklärte mir, im Rahmen von »Strukturanpassungsmaßnahmen« müsse die gesamte Fachausbildung Geografie, alles also außer dem Lehramtsstudium, gestrichen werden – obwohl diese Disziplin seit Jahren stabil hohe Absolventenquoten aufweist; obwohl die Zahl der Studienanfänger im Bachelor und Lehramt aufgrund der immensen Nachfrage sogar mittels Numerus clausus begrenzt werden musste.

Der Dekan erklärte mir: Er sei davon ebenso wie ich nur »von oben herab« in Kenntnis gesetzt worden. Er kenne keinerlei Details. Er wisse nur so viel: Das Ganze sei bereits beschlossene Sache. Als der Dekan mich verabschiedete, musste ich ihm versichern, Stillschweigen zu bewahren. Unser Gespräch sei vertraulich, sein Inhalt nicht öffentlich.

Keine Erklärungen, keine Protokolle

Inzwischen wurden die Mitglieder des Geographischen Instituts über die Entscheidung informiert – mündlich. Es gibt weder Erklärungen noch Protokolle, es gibt nichts Schriftliches über den Abwicklungsbeschluss des Rektorats. Es ist schwer zu verstehen, dass für jeden neuen Papierkorb, der angeschafft wird, Formulare auszufüllen sind; dass es aber zu einer dermaßen drastischen Entscheidung nicht ein einziges Papier gibt, das uns als Betroffenen vorgelegt worden wäre.

Noch schwerer fällt es mir, nachzuvollziehen, dass der Rektor einer so großen Universität einfach nach dem Zufallsprinzip über derartige Entwicklungen entscheiden soll. Zufällig sind einige Professuren an unserem Institut zurzeit nicht besetzt. Wollte man diese einfach streichen? Ich habe nachgefragt, wie der Prozess der Stelleneinsparungen vonstatten gehe. Mir wurde lediglich erklärt, dass das Wissenschaftsministerium Sparmaßnahmen angeordnet habe und die TU Dresden davon nicht verschont bleiben werde. Genaueres wisse man nicht. Unsere Bitte an den Rektor, seine Entscheidung inhaltlich zu begründen, blieb bis heute unbeantwortet.