Das ideale Publikum

Ulrike Hessler, 56, Intendantin der Semperoper

Toll wäre es, wenn die Semperoper, wie das berühmte Klassenzimmer in Kästners Roman, fliegen und all die Kontinente bereisen könnte, von denen ihre Künstler stammen. Wenn dann all die Menschen in den Genuss unserer Kunst kämen, denen es nicht möglich ist, uns in Dresden zu besuchen. Aber es würde mir schon reichen, wenn wir in allen Vorstellungen ein Publikum hätten wie kürzlich bei der Uraufführung von Jakub Flügelbunt. Die Zuschauer des Abends, zur Hälfte Kinder und junge Leute, waren das ideale Publikum: neugierig, unvoreingenommen, begeisterungsfähig. Hatten die Kinder noch eher verhalten auf das Gewohnte reagiert, auf Prokofjews Peter und der Wolf, das wir Ältere aus unserer Kindheit kennen, so waren sie beim neuen Stück von Miroslav Srnka sofort Feuer und Flamme. Sie ließen sich mitreißen von der Mischung aus Tragik und Komik, vom hohen Anspruch an die eigene Fantasie. So wünsche ich mir unsere Gäste für Musik, Oper und Ballett; für Künste, die jeden Abend neu entstehen.

Schneller, besser

Barbara Ludwig, 49, Oberbürgermeisterin von Chemnitz

Was ich mir wünsche? Dass viele entdecken: Das Etikett »Industriestadt« ist heute kein Makel mehr, sondern ein Gütesiegel. Das Schneller- und Bessersein unserer Firmen hilft Chemnitz auch durch schwierige Zeiten. Und die wichtige Botschaft für junge Leute lautet: Hier kann man inzwischen eine internationale Karriere starten, ohne seine Wurzeln dafür aufzugeben.

Ich wünsche mir Entdecker, die lieber ihrer Neugier folgen als Vorurteilen: Denn dass es sich in Chemnitz fantastisch leben lässt, bezweifeln nur noch jene, die hier niemals waren.

Und noch ein ganz praktischer Wunsch. Wir möchten die Zug-Anbindung für Chemnitz endlich verbessert sehen. Nun will sich auch der Ministerpräsident dafür einsetzen, dass die Strecke nach Leipzig elektrifiziert wird – ich bin gespannt auf den nächsten Termin mit der Deutschen Bahn im Januar. Nicht, dass der Rest des Landes noch den Anschluss an Chemnitz verliert!