Bürgerkrieg : Syrer fliehen in überforderte Nachbarländer

Hühnerställe, Keller oder die staubtrockene Wüste: Viele der 1,5 Millionen syrischen Bürgerkriegsflüchtlinge leben in katastrophalen Verhältnissen.
Im inoffiziellen Flüchtlingslager Dehemieh, Libanon © Caritas International

Je heftiger sich Assads Soldaten und die Rebellen in Syrien bekämpfen , desto mehr Menschen versuchen, aus der fortwährenden Eskalation des Krieges zu entkommen. Doch wer es in ein Nachbarland geschafft hat, muss oft genug mit katastrophalen Zuständen klarkommen.

Am schlimmsten ist die Situation im Libanon . Zigtausende Syrer sind hierher geflohen und täglich werden es mehr. In dem Land gibt es keine offiziellen Flüchtlingslager, und die Regierung will auch in Zukunft keine einrichten. Zu sehr ist das zerrissene Land mit seinen eigenen Problemen beschäftigt

Marc-Andrè Hensel von der Hilfsorganisation World Vision ist seit Anfang August in dem Land. Er beobachtet verstärkt Konflikte zwischen verschiedenen Glaubensgruppen. Die ohnehin vorhandenen Spannungen würden durch die syrischen Flüchtlinge verschärft: "Je länger dieser Konflikt dauert, desto größer wird die Gefahr, dass er sich auf den Libanon ausweitet." Zumal das Land auch wirtschaftlich unter dem Krieg leidet: Vor Beginn des Konfliktes war Syrien der wichtigste Handelspartner des Libanon.

Elizabeth Fleckenstein, Katastrophenkoordinatorin bei Caritas International ist gerade aus dem Libanon und Jordanien zurückgekehrt, wo sie verschiedene Caritas-Zentren besuchte. "Es war herzzerreißend," fasst sie ihre Erlebnisse zusammen.

Zelte aus Pappkartons

Im Libanon leben viele Flüchtlinge in Hühnerställen, Kellern und Garagen. Andere mieten Schlafplätze auf Getreidefeldern, wo sie sich Zelte aus Kartons und Plastik bauen. In Dehemieh ist auf diese Weise ein inoffizielles Flüchtlingslager entstanden. Die Menschen müssen sich selbst helfen, die Caritas unterstützt sie dabei. Die Mietkosten für einen Platz auf dem Feld oder in einem Keller werden jedoch wegen der großen Nachfrage immer teurer. Fleckenstein ist besorgt: "Viele Flüchtlinge können sich das schon jetzt nicht mehr leisten."

Die Caritas verteilt in ihren libanesischen Zentren Brot, Käse, Reis und Zucker an hungernde Familien. Fleckenstein organisierte auch Lampen und Schlafutensilien. Doch fehlen den Hilfsorganisationen oftmals die notwendigen Gelder: "Wir haben kaum noch Lebensmittel und Decken für die nächsten Monate", so Fleckenstein.

Der Italiener Fabio Forgione leitet derzeit den Einsatz von Ärzte ohne Grenzen im Libanon."Wir sind sehr besorgt, weil die Menschen wahrscheinlich monate- oder sogar jahrelang hierbleiben werden. Dafür reichen die Ressourcen nicht", berichtet er. Die Ärzte behandeln vor allem Menschen mit chronischen Krankheiten wie Diabetes und Herzerkrankungen. Viele Kinder sind traumatisiert und brauchen psychologische Hilfe.

Verlagsangebot

DIE ZEIT wird 70 ...

... und ihre Journalisten erzählen von den Geschichten ihres Lebens. Von Geheimnissen und Irrtümern unserer Zeitung. Und von den besten Lesern der Welt. Eine Festausgabe.

Mehr erfahren

Kommentare

17 Kommentare Seite 1 von 2 Kommentieren

40.000 Syrer bereits in der Türkei?

40.000 Flüchtlinge in der boomenden Türkei mit fast 80 Millionen Einwohner innerhalb von 1,5 Jahren, das scheint verkraftbar, oder?
Dafür klappt aber der Waffennachschub aus der Türkei in die umkämpften Gebiete an die FSA und die islamistischen Aktivisten aber nachzu perfekt wie die Soldzahlungen dank der "Freunde Syriens" auch.

Objektiv bleiben..

In der Türkei halten sich weit mehr Syrer auf, Schätzungen gehen von bis 80tsd aus, die aber bei Verwandten untergekommen sind. Die Verhältnisse in der Türkei können Sie nicht mit den anderne Nachbarländern (einschließlich der EU Nachbarländer Griechenland und Bulgarien). Die syrischen Flüchtlinge, die offiziell "Gäste" sind, haben aufladbare "Kreditkarten", mit denen sie in den "Shops" einkaufen können. Damit dürften die Türken neue Maßstäbe gesetzt haben. Also kein Grund für Kritik.

@ Heinrich2006, bitte keine unterschwellige Aggression.

@ Heinrich2006,
bitte keine unterschwellige Aggression.

-" ...fast 80 Millionen Einwohner" ??? ich glaube damit meinen Sie das Deutschland.

"Waffennachschub? aus der EU meinen Sie glaube ich. Nämmlich das ist eine EU Mentalität keine Türkische.
wie bei den1., 2. und 3. Golf, Libyen und jetzt das Griechenland. Wie immer, es hat sich nichts verändert. Die Griechen sind nicht ohne einen Grund soooo sauer auf unsere Aussenpolitik. Also erst sich über das Thema gut informieren, dann können Sie ihre aggressive Äußerungen gegen die Türkei äußern. Wenn Sie so scharf drauf sind.

Ich finde die Situation der syrischen Flüchtlinge ...

... schlimm, und bin deshalb empört darüber, dass Staaten wie die USA, Saudi-Arabien und Grossbritannien durch ihre fortdauernde Unterstützung der Umstürzler mit finanziellen Mitteln, Logistik, mutmaßlich Waffen, den Konflikt anheizen und verschärfen, und damit direkt verantwortlich sind für die katastrophale Lage dieser Menschen.

Prinzipien

"Die syrische Armee und Assad können für die Lage dort gar nichts."

Nachdem Syrien viele Jahre ein autoritäres, jedoch nach innen und außen relativ friedliches Land war, und aktuell eben die beschriebene Lage besteht, könnte ich jetzt versuchen, nach den Prinzipien der Kausalität, Logik und Rechtmäßigkeit zu argumentieren, und ich glaube, gute Argumente zu haben.

Aber ich habe begriffen, dass es Meinungen gibt, bei denen das sinnlos ist.

Es wird erneut deutlich, dass

.... eine Meinung nicht das Selbe ist wie ein begründeter Standpunkt, und ein wortlos geposteter Link zum "wikipedia"-Eintrag zu Syrien nicht das Selbe wie eine schlüssiges Argument.

Außerdem bewegen Sie sich vom Thema weg, das nicht darin besteht, ob Syrien immer schon ein Paradies zum Leben war oder seine politischen Handlungen frei von jeder Fragwürdigjeit, sondern darin, wer die Verantwortung trägt für die aktuell katastrophale Lage, in der sich viele Menschen in Syrien offenbar befinden. Wer hat das kausal herbeigeführt, und ist dieses Handeln von Rechtsprinzipien gedeckt?

Nüchtern betrachtet, fällt die Antwort auf diese Fragen eindeutig aus.

Freiheit und Demokratie

Um endlich in Freiheit und Demokratie leben zu können, müssen die syrischen Flüchtlinge diese Entbehrungen auf sich nehmen. Nach einem siegreichen Ende, werden die Demokraten unter Führung der FSA ganz nach dem Vorbild Saudi-Arabiens einen Staat schaffen,für den es sich gelohnt hat, eine einseitige, nicht der Wahrheit entsprechende Berichterstattung abzuliefern.