Theologie Der 1. seiner Art
Seite 2/2:

"Ich bin Theologe, kein Politiker"

Was Omar Hamdan beim Aufbau einer islamischen Theologie in Deutschland etwas überrascht hat, ist das Politische daran. Weil der Islam keine Kirche kennt, sind die Universitäten auf die Zusammenarbeit mit den verschiedenen islamischen Verbänden angewiesen. Über einen Beirat sind sie an die Studiengänge angebunden. Die Verbände vertreten aber oft sehr orthodoxe Sichtweisen, manche Wissenschaftler fürchten ein übergriffiges Verhalten, das sich nicht mit freier Lehre vereinbaren lässt. In Tübingen aber, sagt Hamdan, habe der Beirat nur ein Mitspracherecht in bekenntnisrelevanten Fragen, nicht jedoch, was Studieninhalte betrifft. Er habe die Zusammenarbeit problemfrei erlebt, erzählt er. Dann schiebt der Professor die wieder heruntergekrempelten Hemdsärmel ein zweites Mal nach oben und sagt: »Außerdem – ich bin Theologe, kein Politiker.«

Er möchte einen Islam lehren, der eingebunden ist in einen europäischen Kontext. Aber Hamdan geht es auch darum, einen Zugang zu schaffen zu den Quellen der islamischen Theologie, etwa zum Koran. Viele Muslime hätten falsche Vorstellungen von den Grundlagen des Islam. Und dann zieht er ein Bild aus der Moderne hersan: Wer ohne Quellenwissen sei, sei wie ohne Zugang zum Internet – abgeschnitten.

Auf Hamdans Smartphone sind die Gebetszeiten abgespeichert

Was ist für Omar Hamdan das Wesen des Islams? Die Antwort kommt schnell und lässt Raum: »Eine Lebensweise, die einen sehr weiten Horizont öffnet.«

Es ist fast fünf Uhr geworden, der Professor zeigt auf sein Smartphone, die Gebetszeiten sind darauf abgespeichert, er würde das Gespräch jetzt gern beenden und seinen Pflichten als gläubiger Muslim nachkommen. Und dann schnell zu seiner Familie, zu seiner Frau und seinen drei Söhnen.

Aber Zeit für eine Frage ist noch.

Kann der Islam, der in Deutschland entsteht, auch einmal in islamische Länder hineinwirken? So weit möchte Hamdan noch nicht denken. Ihm geht es zuerst um das, was vor seiner Haustür passiert. »Die Muslime hier wollen teilhaben an der Gesellschaft, in der sie leben«, sagt er, es gehe ihnen um Gleichstellung, um das Gefühl, hier eine Heimat zu haben. »Auf diesem Weg ist ein Zentrum für islamische Theologie ein großer Schritt.«

 
Leser-Kommentare
  1. Unsere Hochschulen haben finanzielle Probleme. Akademische Karrieren sind unsicher, unplanbar geworden. Junge Nachwuchswissenschaftler gehen ein erhebliches Lebensrisiko ein, wenn sie sich darauf einstellen, nach der Promotion eine akademische Laufbahn einzuschlagen. Dies schadet unseren Hochschulen langfristig.

    Und da werden mal eben Professuren für "Islamische Theologie" aus dem Hut gezaubert, als hätten wir keinen Geldmangel. Um Imame auszubilden. Man faßt sich an den Kopf. Wir haben weiß Gott Besseres zu tun, als dieser archaischen Religion auch hierzulande in den Sattel zu helfen.

    Nehmen Sie Abstand von diffamierenden und generalisierenden Äußerungen. Die Redaktion/mak

    15 Leser-Empfehlungen
  2. "Er (Hamdan, Anmerk.) möchte einen Islam lehren, der eingebunden ist in einen europäischen Kontext." und
    "»Die Muslime hier wollen teilhaben an der Gesellschaft, in der sie leben«, sagt er, es gehe ihnen um Gleichstellung, um das Gefühl, hier eine Heimat zu haben. »Auf diesem Weg ist ein Zentrum für islamische Theologie ein großer Schritt.«"

    Hört sich alles gut an. Ist wohl auch der einzig richtige Weg.
    Doch wenn ich höre, daß "Sollte das Fach einmal in allen Bundesländern eingeführt werden, brauchte es dafür 2000 Lehrer, schätzt das Bundesministerium für Bildung und Forschung.", schmilzt meine Sympathie dahin. Denn die über Steuergelder finanzierten Kosten des Religionsunterrichtes (ohne Ausbildung etc.) belaufen sich heute schon auf über 1,5 Mrd. Euro p.a. Wenn diese Anstrengungen den religiösen Frieden in Deutschland in der Zukunft sichern helfen, dann sind die Auwendungen sinnvoll.

  3. Mehr Frauen als Männer sind eingeschrieben. Mir ist nicht bekannt , dass Frauen auch Imaninnen werden dürfen. Also bleibt nur der Beruf der Religionslehrerin.
    Das wäre in der Tat ein Anfang.
    Nach meiner Kenntnis werden aber die Imane von den Gemeinden selbst bestellt, da sehe ich eher die Probleme , denn bei innerislamischen Auseinandersetzungen , was denn jetzt die reine Lehre ist, werden die Imane aus den Herkunftsländern selbstverständlich die höhere Glaubwürdigkeit haben. Insbesondere wenn die Herkunftsländer die Moscheen sponsern.
    Da sind leider die Hardliner in der überzahl.

    • otto_B
    • 30.12.2011 um 17:46 Uhr

    "Palästinenser mit israelischem Pass"

    Kann mir jemand mal die offizielle Sprach-Regelung erklären?
    Wann ist jemand Israeli, wann Palästinenser?

    Nach dem mir zuletzt bekannten Regel werden als P. die (arabischen) Bewohner des Westjordanlandes und des Gaza-Streifens bezeichnet, auch die (oft nicht eingebürgerten) Flüchtlinge des Palästina-Krieges in den Nachbarstaaten.
    "Diesseits" der grünen Linie sprach man bisher eigentlich von "israelischen Arabern".

    Die Begriffliche Zweiteilung der Araber Palästinas hat doch wohl was mit der (erwünschten) Zweistaatenlösung zu tun.
    Wird davon etwa abgerückt?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • serins
    • 31.12.2011 um 0:09 Uhr

    existiert nur im Wunschdenken der Leute, er ist ein Muslim (wahrscheinlich ein Araber) mit israelischem Pass. Hört sich natürlich besser an, dass er Palestinenser ist, denn zu sagen, dass Muslime/Araber einen israelischen Pass haben, passt nicht so richtig ins Weltbild der GM und übliche Rhetorik der ZEIT Nahostexperten

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und beteiligen Sie sich mit differenzierten Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ag

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

    • serins
    • 31.12.2011 um 0:09 Uhr

    existiert nur im Wunschdenken der Leute, er ist ein Muslim (wahrscheinlich ein Araber) mit israelischem Pass. Hört sich natürlich besser an, dass er Palestinenser ist, denn zu sagen, dass Muslime/Araber einen israelischen Pass haben, passt nicht so richtig ins Weltbild der GM und übliche Rhetorik der ZEIT Nahostexperten

    Gekürzt. Bitte verzichten Sie auf Pauschalisierungen und beteiligen Sie sich mit differenzierten Argumenten an der Diskussion. Danke. Die Redaktion/ag

    Entfernt. Bitte verzichten Sie auf Unterstellungen. Danke. Die Redaktion/ag

  4. Wenn die Moslems hier Steuern bezahlen, dann haben sie auch ein Recht darauf das auch Ihre Kinder einen niveauvollen Religionsunterricht bekommen wie die restlichen Kinder des Landes auch.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich zahle auch Steuern und gehöre zur Spaghettimonster-Religion. Ich erwarte deshalb auch staatlichen Unterricht und Lehrstühle für Spaghettimonsterologie. Es gehört zu unserem Glauben 7 x am Tag einen Schuhplattler zu tanzen. Wir essen grundsätzlich kein Rindfleisch und nichts, was unter der Erde gewachsen ist. Ich erwarte, dass Schulen und Arbeitgeber darauf Rücksicht nehmen.

    "Wenn die Moslems hier Steuern bezahlen, dann haben sie auch ein Recht darauf das auch Ihre Kinder einen niveauvollen Religionsunterricht bekommen wie die restlichen Kinder des Landes auch."

    "Die restlichen Kinder" sind nicht nur Christen, die einen konfessionellen Religionsunterricht wollen oder da ein Recht drauf hätten, weil ihre Elter Steuern bezahlen.
    Der konfessionelle Religionsunterricht ist ein archaisches Überbleibsel aus einer Zeit, in der fast alle Deutschen Christen waren.
    Die Realität hat sich gewandelt.
    Statt nach und nach für jede religiöse Minderheit einen konfessionellen Religionsunterricht an Schulen einzuführen, sollten alle abgeschafft werden.
    Bei ständig wachsendem Unterrichtsstoff muss auch immer mal entrümpelt werden.
    Wissen über Religionen gehört zur Allgemeinbildung und kann z.B.im Geschichtsunterricht gelehrt werden. Eine Erziehung zu einem bestimmten Glauben hat m.E. an staatlichen Schulen nichts verloren. Kinder gehen dorthin, um ihr Wissen zu erweitern.

    Ich zahle auch Steuern und gehöre zur Spaghettimonster-Religion. Ich erwarte deshalb auch staatlichen Unterricht und Lehrstühle für Spaghettimonsterologie. Es gehört zu unserem Glauben 7 x am Tag einen Schuhplattler zu tanzen. Wir essen grundsätzlich kein Rindfleisch und nichts, was unter der Erde gewachsen ist. Ich erwarte, dass Schulen und Arbeitgeber darauf Rücksicht nehmen.

    "Wenn die Moslems hier Steuern bezahlen, dann haben sie auch ein Recht darauf das auch Ihre Kinder einen niveauvollen Religionsunterricht bekommen wie die restlichen Kinder des Landes auch."

    "Die restlichen Kinder" sind nicht nur Christen, die einen konfessionellen Religionsunterricht wollen oder da ein Recht drauf hätten, weil ihre Elter Steuern bezahlen.
    Der konfessionelle Religionsunterricht ist ein archaisches Überbleibsel aus einer Zeit, in der fast alle Deutschen Christen waren.
    Die Realität hat sich gewandelt.
    Statt nach und nach für jede religiöse Minderheit einen konfessionellen Religionsunterricht an Schulen einzuführen, sollten alle abgeschafft werden.
    Bei ständig wachsendem Unterrichtsstoff muss auch immer mal entrümpelt werden.
    Wissen über Religionen gehört zur Allgemeinbildung und kann z.B.im Geschichtsunterricht gelehrt werden. Eine Erziehung zu einem bestimmten Glauben hat m.E. an staatlichen Schulen nichts verloren. Kinder gehen dorthin, um ihr Wissen zu erweitern.

  5. Entfernt. Diffamierende Äußerungen die sich generalisierend gegen eine ganze Religion richten, werden nicht geduldet. Die Redaktion/mak

    10 Leser-Empfehlungen
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ist wirklich witzig. Dann sollten wir die Gelder für die beiden anderen "Wüstenideologien" (aka Christentum und Judentum) auch gleich streichen. Sind hier nicht "heimisch". Obwohl...naja...Juden gab es schon unter den Römern in Köln und Trier...Dann streichen wir eben nur die Gelder für Christen und Moslems.

    ist wirklich witzig. Dann sollten wir die Gelder für die beiden anderen "Wüstenideologien" (aka Christentum und Judentum) auch gleich streichen. Sind hier nicht "heimisch". Obwohl...naja...Juden gab es schon unter den Römern in Köln und Trier...Dann streichen wir eben nur die Gelder für Christen und Moslems.

  6. Ich zahle auch Steuern und gehöre zur Spaghettimonster-Religion. Ich erwarte deshalb auch staatlichen Unterricht und Lehrstühle für Spaghettimonsterologie. Es gehört zu unserem Glauben 7 x am Tag einen Schuhplattler zu tanzen. Wir essen grundsätzlich kein Rindfleisch und nichts, was unter der Erde gewachsen ist. Ich erwarte, dass Schulen und Arbeitgeber darauf Rücksicht nehmen.

    14 Leser-Empfehlungen
    Antwort auf "@HamburgerSepp"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • TDU
    • 02.01.2012 um 14:19 Uhr

    Es herrscht auch Länderzuständigkeit auf dem Gebiet. Nichts und niemand hindert Sie daran, Unterschriften für ein Volksbegehren in dieser Richtung zu sammeln. Sollte das nicht erfolgreich sein, stellt sich Frage, ob die Menschen noch zu unreif sind, um die Wichtigkeit Ihres Anliegens zu begreifen.

    • TDU
    • 02.01.2012 um 14:19 Uhr

    Es herrscht auch Länderzuständigkeit auf dem Gebiet. Nichts und niemand hindert Sie daran, Unterschriften für ein Volksbegehren in dieser Richtung zu sammeln. Sollte das nicht erfolgreich sein, stellt sich Frage, ob die Menschen noch zu unreif sind, um die Wichtigkeit Ihres Anliegens zu begreifen.

  7. Ich wäre dafür, jeglichen Religions"unterricht" in den Schulen abzuschaffen. Vernünftiger wäre es m.E., so etwas wie "Ethik" zu installieren, etwas, das das menschliche Miteinander erklärt und befördert. Religionsunterricht kann nur zu Missverständnissen führen, da nichts von alldem nachvollziehbar ist, das wie Tatsachen verkauft wird. Es gibt ja allgemein anerkannte Regeln des menschlichen Zusammenlebens in unserem Land, Kommunikationsregeln etc, warum sollen Kinder nicht damit vertraut gemacht werden? Und es gibt darüber hinaus noch etwas, was so gut wie gar nicht gelehrt wird: Recht im Alltag, Geschäftskunde, Staatsbürgerkunde! Das betrifft jedes Kind, darüber wissen auch die Eltern oft nicht genügend Bescheid. Christentum und Islam sind veraltete Formen der Machtausübung mittels Massenpsychologie/Massenhypnose und Gruppenzwang. In einer offenen Gesellschaft, die wir ja mal werden wollen, hat so etwas nichts zu suchen. Spiritualität ist Privatsache, schon wenn man über sie redet, verschwindet der magische Moment, auf den es ankommt.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service