Bundesweites Zulassungssystem: "Zum Glück verschoben"
Der FH-Kanzler Bernd Klöver über das neue Zulassungsssystem
DIE ZEIT: Kurz vor Weihnachten ist die flächendeckende Einführung der neuen bundesweiten Onlineplattform für Studienbewerber, die eigentlich diesen Herbst starten sollte, zum zweiten Mal verschoben worden . Was haben Sie gedacht, als Sie das hörten, Herr Klöver?
Bernd Klöver: Gott sei Dank, habe ich gedacht, sind die endlich vernünftig geworden. So richtig ich die Idee eines bundesweiten Bewerbermanagements finde, so falsch sind die Verantwortlichen das Thema angegangen.
ZEIT: Ist das nicht billig, mit so einem Kommentar erst zu kommen, wenn das Projekt schon gescheitert ist?
Klöver: Wir Fachhochschulkanzler haben seit Jahren davor gewarnt, dass man ein solches Verfahren nicht mit der Brechstange durchsetzen kann. Bei einem Projekt dieser Dimension, in dem Hunderte Hochschulen und Hunderttausende Bewerber online und in Echtzeit miteinander abgeglichen werden sollen, waren technische Probleme doch absehbar. Nicht mal einen Testlauf im Produktivbetrieb hatte man vorgesehen. Darum haben wir in Hamburg von Anfang an gesagt, da machen wir nicht mit.
ZEIT: Wenn alle sich so verhalten, wird sich an dem gegenwärtigen Bewerberchaos, in dem manche Bewerber erst im fünften Nachrückverfahren und schon mitten im Semester zugelassen werden, nie etwas ändern.

Bernd Klöver, 49, Kanzler der HAW Hamburg
Klöver: Darum sage ich ja: An sich unterstütze ich das Ziel einer solchen Plattform. Aber was mir wirklich im Magen liegt, ist die Art, in der die Politik die Bedenken der Hochschulen wieder und wieder ignoriert hat – bis heute.
ZEIT: Sie haben doch jetzt Ihren Willen, die flächendeckende Einführung ist diesmal sogar auf unbestimmte Zeit verschoben.
Klöver: Aber ein Kernproblem bleibt: Das System ist allein von den Universitäten her gedacht und damit für die meisten Fachhochschulen unbrauchbar. Die letzte Vergaberunde, in der die letzten verbliebenen Studienplätze besetzt werden sollen, ist zum Beispiel erst für den Oktober vorgesehen. Bei uns beginnt das Semester aber Anfang September. Da sind selbst die angeblich so langwierigen Nachrückverfahren, die wir zurzeit haben, deutlich schneller: Bis Ende August haben wir damit alle Plätze bei uns voll. Ich frage mich: Wo ist der Vorteil des neuen Systems für uns, wenn es langsamer ist und uns auch noch mehr Geld kostet?
ZEIT: Mehr Geld?
Wo ist der Vorteil des neuen Systems für uns, wenn es langsamer ist und uns auch noch mehr Geld kostet?
Klöver: Ja, der Hamburger Senat plant bisher keine zusätzlichen Landesmittel für das System ein. Und hat gleichzeitig eine Art Ermächtigungsgesetz beschlossen: Während die alte schwarz-grüne Koalition den Hochschulen noch freigestellt hatte, ob sie sich an dem System beteiligen oder nicht, hat die jetzige SPD-Mehrheit alle Macht der Wissenschaftsbehörde übertragen. Soll heißen: Die Behörde allein entscheidet, welche Studiengänge an welchen Hochschulen bei der Plattform mitmachen müssen. So ein Maß an Detailsteuerung hat es seit den Siebzigern nicht mehr gegeben.
ZEIT: Wofür spricht das?
Klöver: Dafür, dass die Politiker offenbar große Angst davor haben, dass sich freiwillig niemand mehr an dem System beteiligen möchte. Was nicht einmal stimmt. Es kommt jetzt nur darauf an, es im zweiten Anlauf richtig zu machen.







Was soll man zu solchen Äußerungen des Kanzlers sagen? Am besten erinnert man kurz daran, dass Herr Klöver als Kanzler der HAW Hamburg maßgeblich mitverantwortlich dafür ist, dass mehr als 4,5 MILLIONEN EURO - und zwar aus Studiengebühren - in eine Campus-Management-Software investiert wurden, die beispielsweise die Seminarplatzvergabe und die Anmeldung zu Prüfungen erleichtern sollte. Was ist dabei herausgekommen? Ein Äquivalent zur Elbphilharmonie, das bis heute nicht an den Start gegangen ist. Dass Herr Klöver sich des "funktionierenden Systems" HAW Hamburg rühmt und gleichzeitig für ein fatales Missmanagement an seiner Hochschule verantwortlich zeichnet, ist bodenlos.
Ich kann der ZEIT gratulieren. Die ZEIT hat den wahren Fachmann für "IT-Projekte der anderen Art" für dieses Interview gefunden.
Die Software ELVIS für das Campus-Management an der Hochschule des Herrn K. ist seit Jahren ein Fass ohne Boden. ELVIS funktioniert vorn und hinten nicht. Das Projekt wird immer weiter vertagt und verschlang Millionen ohne Nutzen.
Herr K. ist sicher nicht allein daran Schuld. Aber er steht maßgeblich in der Verantwortung für das viele Geld und die Kontrolle darüber. Ich finde, er ist dieser Verantwortung nicht gerecht geworden.
Stattdessen hat er Jahr um Jahr immer mehr (oftmals sauer verdiente) Studiengebühren und sehr viel Steuergeld umgelenkt: Millionen flossen nicht in die Lehre für die Studenten sondern ein konfus und ziellos geführtes IT-Projekt.
Mit dieser eigenen "Erfolgs-Historie" ist Herr K. wahrlich sachkundig für die erfragten Misstände.
Den meisten Leuten wäre solch ein Interview mehr als peinlich. Was soll's, gestehen wir doch auch den Hochschulkanzlern einen über den gewöhnlichen Anstand erhabenen Politiker-Status zu.
Übrigens ... hat die ZEIT auch Mailboxen, falls er anruft?
Endlich werden die Probleme beim Namen genannt. Man kann nicht vom grünen Tisch aus oder per Dekret Systeme ändern, ohne auf die verschiedenen Rahmenbedingungen der Hochschularten Rücksicht zu nehmen. Im Übrigen war Herr Klöver weder Leiter des Projekts "ELViS" noch für sein Management verantwortlich. Das Aufkehren der Scherben anderer ist eine typische Aufgabe für Kanzler an Hochschulen.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren