Athen, 26. Oktober
Athen, 26. Oktober
Dass Reisen bildet, den Horizont weitet und das Verständnis füreinander fördert, diese Hoffnung mag man nicht ganz aufgeben. Auch wenn man ahnt, dass viele Reisende heute nicht mehr das Fremde, andere suchen. Und schon gar kein Verständnis. Nur, was suchen sie dann?
Der Weg hinauf zur Akropolis führt vorbei an Postkartenmotiven: kleine Tavernen, schlafende Hunde, hier ein paar antike Säulen, dort ein Olivenhain. Es ist angenehm warm und unangenehm staubig. Über den Burghügel weht ein böiger Wind. Unten liegt diese uferlose Stadt, ein Häusermeer, Hauptstadt des Pleite-Lands!
Ich bin zum ersten Mal auf der Akropolis. Eine Dienstreise, ich habe ein wenig Zeit. Unten in der Stadt ist die Nervosität mit Händen zu greifen. Noch am selben Abend werden in Brüssel die Regierungschefs der Europäischen Union zusammenkommen, um über einen Schuldenschnitt und ein weiteres Reformprogramm für Griechenland zu beraten. Die Busfahrer streiken, die Banken fürchten einen Ansturm ihrer Kunden, falls in Brüssel etwas schiefgeht. Die Menschen selbst bangen um ihr Erspartes und um ihre Zukunft. In einigen Straßen liegen noch die Müllsäcke vom letzten Streik, ordentlich gestapelt mittlerweile.
Von der Akropolis aus kann man den Müll nicht sehen. Auffällig viele deutsche Touristen sind auf dem Burghügel, viele Familien mit Kindern. In einigen Bundesländern sind noch Herbstferien. Was die Eltern ihren Kindern wohl erzählen über das Land, in dem sie gerade sind, und über die Menschen, die ihnen dort begegnen? Dass die Griechen den Deutschen auf der Tasche liegen und Steuern hinterziehen? Jährlich besuchen rund 2,3 Millionen Bundesbürger Griechenland. Sind das dieselben, die in Umfragen sagen, dass man die Griechen am besten pleitegehen lassen soll? Dieses Phänomen habe ich bis heute nicht verstanden: wie ein Land, das Deutsche seit Jahrzehnten bereisen und bewundern, über Nacht zum Paria-Staat geworden ist.





....Aber es ist auffällig, dass grundsätzliche Euro-Kritik, wenn sie zum Parteiprogramm wird, bislang vor allem in zwei Spielarten existiert."
Schöner Versuch einer Apologie.
Hätten Sie das mit dem Parteiprogramm ausgelassen, wäre die Behauptung ganz sicher falsch. Lediglich haben die existierenden Parteien ein Gruppeninteresse am Euro. Das Projekt Europa rechtfertigt große Anteile ihrer Klientel, versorgt viele von ihnen mit Altersjobs. Sie waren verantwortlich für die Verträge und Ausführung. Wie wollen sie nun sagen sie hätten geirrt? So funktionieren soziale Gruppen nicht.
Was Sie also beschreiben untergräbt die Basis der Argumente gegen den Euro (in heutiger Form) nicht, sondern die heutige Ausprägung unserer Demokratie. Die vielen Menschen, die Europa anders sehen als sie in den Verträgen von Maastricht und Lissabon festgelegt wurden und Andere mit der Reformulierung beauftragen würden wollen finden keine politische Heimat. Da es sich dabei (glaubt man den Umfragen) um Anteile der Bevölkerung handelt, die größer sind als die Stimmanteile der "Volksparteien" ist das eine ziemliche Anklage.
"Natürlich ist nicht jeder, der am Euro zweifelt, gleich ein Antieuropäer oder Rassist."
Welch großzügiges Zugeständnis! Solche Unterstellungen vergiften die Diskussion: Euro-Skeptiker durch Schlagwörter wie "Antieuropäer" oder "Rassist" in die Defensive und einen Rechtfertigungszwang bringen, wobei man sogleich großzügig zugesteht, dass natürlich nicht alle so sind. Solche Einschränkungen ("Natürlich ist nicht jeder, der ...) haben letztlich nur eine affirmative Funktion; wichtig ist, dass man den politischen Opponenten in die gedankliche Linie "Euro-Skeptiker - Antieuropäer - Rassist" gestellt hat, denn das bleibt haften.
Eine offene politische Kultur ist nur möglich, wenn man auch die Diskussion um den Euro von solchen Unterstellungen freihält. Dass die Einführung des Euro bei fehlender finanzpolitischer Harmonisierung ein Fehler war, sollte wohl klar sein. Wie man nun mit diesem Problem umgeht, muss vorbehaltlos diskutiert werden können. Wichtige finanzpolitische Argument sprechen in allen Euro-Ländern für die Beibehaltung der Währung. Wer für einen Austritt aus dem Euro plädiert, sollte mit sachlichen Argumenten konfrontiert werden und nicht mit unsäglichen Unterstellungen wie "Antieuropäer", Rassist". Das verhärtet die Fronten und verlagert die Diskussion auf eine Ebene unter der Gürtellinie. Der Versuch, die Diskussion durch moralische Diskreditierung zu lenken, ruft letzlich nur gleichermaßen unsachlichen Widerstand hervor.
...Antieuropäer oder Rassist."
Da war ich auch etwas sprachlos.
...Antieuropäer oder Rassist."
Da war ich auch etwas sprachlos.
Der Autor setzt was gleich, das nicht gleich ist:
1.) den Vorschlag, Griechenland pleite gehen zu lassen, und
2.) eine Sichtweise auf Griechenland als "Paria-Staat".
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Das Argument, es werde Europa und letztlich auch Griechenland langfristig besser gehen, wenn das Land pleite geht und sich so zu notwendigen Reformen durchringen muss - also dieses Argument mag das einer Minderheit von Ökonomen sein - auseinandersetzen muss man sich damit dennoch. Tabus helfen da nicht.
für den Euro. Wann endlich werden die Euro-Apologeten diese einfache Wahrheit erkennen und danach handeln?
Noch kann das Abendland gerettet werden. Gebt uns den Nordo,es ist der Weg aus der Krise.
Lieps
Preußischer Diplomat
...Antieuropäer oder Rassist."
Da war ich auch etwas sprachlos.
Warum schwingt der Autor hier die Rassismuskeule und bringt am fragwürdigen Beispiel eines einzelnen Mannes eine ganze Stadt, hier Helsinki, in Misskredit?
Bitte nutzen sie Worte wie "Rassismus" in Zukunft sorgfältiger. Lediglich aufgrund eines Interviews von "Rassismus in Helsinki" zu sprechen ist fast schon unverschämt.
.. auf ueberschnelle Entwicklung?
Wie man z.B. hier schoen sehen kann: http://en.wikipedia.org/w...
sind Oekonomien wie Griechenland, Spanien oder Irland in den letzten zwanzig Jahren wesentlich schneller gewachsen als "etablierte" Laender (z.B. Deutschland oder Frankreich).
Wetten, dass es auch den meisten Griechen in der Krise heute wesentlich besser als 1990 geht?
Gruss
Peter
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