Psychologie Kann man Glück lernen?
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"Ältere Menschen können Schwierigkeiten besser meistern"

Vor allem aber hatten ältere Menschen ihr ganzes Leben lang Zeit, zu lernen, mit ihren Gefühlen umzugehen, auch mit den schwierigen. Vielen gelinge das offenbar sehr gut, sagt Kunzmann. Sie zeigte Probanden einen Film von einem streitenden Paar und bat sie um Rat; die älteren reagierten gelassener und milder als die jüngeren Testpersonen, »funktionaler«, wie die Wissenschaftlerin es nennt. »Das hilft ihnen, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten.« Und die machen, eben: glücklich.

»Ältere Menschen können Schwierigkeiten besser meistern«, meint auch der Resilienzforscher George Bonanno. Selbst den Tod ihres Lebenspartners verwänden viele besser als weithin angenommen. Und etlichen gelänge es erstaunlich gut, sich damit abzufinden, dass ihre Ressourcen langsam schwinden: »Sie wählen sorgfältiger aus, wofür sie ihre Kraft aufwenden.« Gezwungenermaßen anpassungsfähig sind die Älteren also. Und wenn Bonanno daraus einen Glückstipp ableiten soll, dann diesen: »Sei flexibel!« Es komme eben vor allem darauf an, dass das Verhalten zur jeweiligen Situation passe. »Wir können ziemlich viel von den Alten lernen.«

Freundschaft und Flexibilität – also die Offenheit für Menschen und für den Wandel: Dieser Schlüssel zum Glück liegt also in uns selbst. Dass Menschen mit entsprechenden Charakterzügen von Beginn an glücksbegabter sind, wissen Psychologen schon länger. Der Blick in unzählige Biografien zeigt nun aber, wie viel wir auch im Laufe der Jahre noch ändern können. Nur: Geht das auch im Schnelldurchlauf? Oder braucht man dazu ein ganzes Leben, so wie Godfrey Camille? »Einfach anlesen kann man sich das nicht, das muss man sich schon selbst erwerben«, sagt die Altersforscherin Ute Kunzmann. »Aber es lohnt sich, in diese Richtung, zu den Alten, zu schauen.«

Der Rotterdamer Datensammler Ruut Veenhoven blickt in die Gegenrichtung, zur Jugend, wo oft die Entscheidungen fallen, die Menschen in der Mitte des Lebens unzufrieden machen. »Ich möchte den Leuten sagen können, mit welcher Wahl sie wahrscheinlich glücklich werden, damit sie besser entscheiden können.« Das ist seine Vision. »Für die Gesundheit erforschen wir das schon lange. Jetzt sollten wir das auch fürs Glück hinkriegen.« Deshalb hat er den »Gelukswijzer« gestartet, den Glückswegweiser.

Auf der Website www.risbo.org/happinessmonitor sollen Menschen eintippen, was sie den ganzen Tag tun und wie sie sich dabei fühlen. Diese Methode hat der Ökonomienobelpreisträger Daniel Kahneman vorgeschlagen. Aus diesen Informationen will Veenhoven nicht nur Tipps für den Alltag ableiten, sondern auch für die ganz großen Lebensentscheidungen: »Wir wollen zum Beispiel sagen können, welche Art Leute mit welcher Art Job glücklich werden.« So soll aus glücklichen Augenblicken ein Wegweiser für ein zufriedenes Leben entstehen. Ist das nun mechanistischer Größenwahn oder evidenzbasierte Glückssuche? Für Veenhoven selbst ist es einfach ein »gereedschap voor werken aan je geluk« – ein Glückswerkszeug.

Schon 70.000 Menschen haben ihre Glücksmomente auf die Server in Rotterdam geschickt. Das zeigt: Auch wenn der aktuelle Wissensstand der Experten lautet, dass Glück harte Arbeit ist – die Hoffnung auf eine umfassende Welt-Glücksformel ist ungebrochen.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. ..."Wer ständig glücklich sein möchte, muss sich oft verändern"
    und
    "Kein Weg ist lang, mit einem Freund an der Seite."

    70 Jahre Glücksforschung?

    Das Lunyu(gesammelten Werke) lesen, hätte den Wissenschaftlern viel Zeit und dem Steuerzahler viel Geld gespaart :-)

    • selbon
    • 02.01.2012 um 7:50 Uhr

    Ob im Knast, in der Ehe, im Urlaub, in der Kneipe, im Jop.
    Bestimmt gibt es Techniken, um sich glücklich zu machen.
    Im Leben? Ja, manche gehen aufs Ganze!

  2. und wenn wir trotzdem unglücklich sind, stellen wir die Formel einfach um ;-)

    Selbst wenn es eine Formel gäbe, gäbe es wahrscheinlich genauso viele Ausnahmen, wie es Menschen gibt. Alles im Artikel vorgestellte ist nur Statistik, dessen sollte man sich bewußt sein.

  3. In Aldous Huxleys schöner neuer Welt, nehmen die Menschen die Glücksdroge Soma. Jahrzehnte später steht der Filmheld Neo, gefangen in der Illusion der Matrix, vor der Wahl die rote oder die blaue Pille zu schlucken . . . er entscheidet mit der blauen Pille den Schleier der Matrix zu lüften . . . .
    Die Illusion der Matrix, sowie auch die Glücksdroge Soma liefern in der Fiktion dem Gehirn Inputs die Lust erzeugen. Und dennoch verwenden Huxley und die Wachowski Brüder ihr ganzes Können darauf, zu zeigen, dass eben der Input nicht alles ist: Der Mensch hat ein Grundbedürfnis nach Authentizität ! Für Nicht-Literaten und Nicht-Cineasten: Stellen Sie sich vor, Sie könnten eine Beziehung mit ihrer Traumfrau/mann eingehen. Der Haken: Ein allwissender Schicksalsbote würde sie vorher in Kenntnis setzen, dass diese/r sie ständig auf übelste Weise betrügen und hintergehen würde, dieses jedoch so geschickt täte, dass sie es niemals rausbekommen würden . . . würden sie sich diese Beziehung wünschen ? Keiner von uns würde dieses! Glück besteht aus vielen Komponenten: Authentizität, Geborgenheit, Lust, Sinn aber auch Pflichtgefühl, Gewissenhaftigkeit, Fairness und harte Arbeit sind nur einige davon. Mich persönlich macht ein zugeworfenes Lächeln vom heimlichen Mädchen meines Herzens, eine vollendete sinnvolle Tätigkeit, ein gutes Gespräch mit einem Freund, ein Stück frischer Apfelkuchen bei Mutti, glücklicher als es ein teurer Luxuswagen oder eine große Villa könnten.

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    • R_B
    • 02.01.2012 um 13:41 Uhr

    Sie haben es mir erspart, selbst einen zu schreiben. D'accord!

    • R_B
    • 02.01.2012 um 13:41 Uhr

    Sie haben es mir erspart, selbst einen zu schreiben. D'accord!

    • R.B.
    • 02.01.2012 um 9:04 Uhr

    machen in der Regel Dinge, die sie tun wollen und die ihnen gefühlsmäßig gut tun und vermeiden möglichst Dinge, die sie nicht tun wollen, die ihnen gefühlsmäßig nicht gut tun.

    Sie sind damit immer Gestalter i h r e s Lebens. Nehmen die Dinge, die sie nicht tun wollen überhand (Fremdbestimmung), sinkt also die gefühlsmäßige Zufriedenheit,steigert sich diese gar zur Unzufriedenheit, dann leiten sie aktiv Veränderungen, Anpassungen mit dem Ziel ein, wieder zufriedener zu sein, m.a.W. wieder mehr Dinge zu tun, die sie wollen, die ihnen gefühlsmäßig gut tun.

    Diese Menschen g e s t a l t e n mit dieser einfachen Gleichgewichtsregel ihr e i g e n e s Leben.

    Sie messen sich dabei weniger an den anderen, sondern vielmehr an ihren eigenen Gefühlen der Zufriedenheit und Freiheit ihr Leben so selbst zu gestalten, dass sie sich gut fühlen, mit den kleinen, wie den großen Dingen.

    Sie entwickeln zusehends ihr eigenes Zufriedenheitssytem und ihren eigenen Lebens- und Arbeitsrhytmus und sie wissen bei allen Widrigkeiten des Lebens:

    Das Glück, die Zufriedenheit liegt nicht in weiter Ferne, sondern in mir selbst. Ich selbst kann und muss es gestalten.

  4. Life is not a journey to the grave with the intention qf arriving safely in a pretty and well preserved body, but rather to skid in broadside, thoroughly used up, totally worn out, and proclaiming, "Wow, what a ride !!!"

  5. Ich finde es sehr interessant, dass die Frage nach dem „Sinn des Lebens“ hier gar nicht mehr gestellt wird, obwohl sie doch eng mit der Frage nach einem glücklichen Leben zusammenhängen müsste. Denn nur gute Freunde und Bewältigungsstrategien, so wichtig wie sie natürlich sind, scheinen mir nicht ausreichend zu sein. Strebt der Mensch nicht mehr nach, träumt er nicht mehr von einem Leben, welches er in einen Sinnzusammenhang stellen kann? Was brauche ich, um glücklich zu sein?
    Vielleicht ist die Frage veraltet, zu sehr durch Religion oder Vorstellungen des Absurden nach dem wegbrechen der Religion (usw.) geprägt. Und dennoch scheint die Frage nach wie vor aktuell, nicht zuletzt für Philosophen: http://www.amazon.de/Sinn...
    Wer sich nicht nur von Medizin, Psychologie, Statistik usw. den Weg vorgeben lassen, sondern selber darüber nachdenken möchte, dem sei dies ans Herz gelegt. Zu finden sind hier Gedanken zum Thema von großen Namen wie: Goethe, Kafka, Camus, A. J. Ayer, Thomas Nagel, Huxley, Benjamin Franklin, Einstein, Woody Allen und sogar Monty Python. Ob das glücklich macht? Nein. Aber nachdenklich :)

    Eine Leser-Empfehlung
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    Ich habe mir sagen lassen, dass nur im deutschen Sprachraum so sehr nach dem Sinn des Lebens gesucht wird - einfach, weil wir dafür einen Ausdruck dafür haben.:-D
    Ob das so stimmt weiß ich nicht.
    Aber wissen Sie: Ich lebe einfach ohne einen großen Sinn und bin glücklich.
    Bhutan hat das Bruttosozialglück zur Sprache gebracht- dort ist von einem übergeordneten Sinn auch nicht die Rede. ;-)

    Das Problem bei der Sinnsuche liegt darin, daß sie das Leben vom schönen, aufregenden, zu genießendem Selbstzweck zu einem bloßen Mittel zu einem wie auch immer gearteten Selbstzweck degradiert.

    Es gibt wenig Mittel, sich das Leben mit so wenig so sehr zu verderben, wie eine rationale "Suche nach dem Sinn", die ja doch nicht mehr ist, als eine logische Fehlleistung eines Verstandes, der nun mal darauf trainiert ist, Kausalitäten zu erkennen.

    Kleiner Tip: Ersparen Sie sich die Sinnsuche und genießen Sie lieber den Moment. Das klingt zwar nach alberner Binsenweisheit, macht das Leben aber deutlich schöner.
    Das heißt ja schließlich nicht, daß man deswegen weniger denken soll, sondern lediglich, zu erkennen, daß "Sinn" ein rein menschliches Konstrukt ist, welches außerhalb davon wenig Sinn ergibt :) .

    Ich habe mir sagen lassen, dass nur im deutschen Sprachraum so sehr nach dem Sinn des Lebens gesucht wird - einfach, weil wir dafür einen Ausdruck dafür haben.:-D
    Ob das so stimmt weiß ich nicht.
    Aber wissen Sie: Ich lebe einfach ohne einen großen Sinn und bin glücklich.
    Bhutan hat das Bruttosozialglück zur Sprache gebracht- dort ist von einem übergeordneten Sinn auch nicht die Rede. ;-)

    Das Problem bei der Sinnsuche liegt darin, daß sie das Leben vom schönen, aufregenden, zu genießendem Selbstzweck zu einem bloßen Mittel zu einem wie auch immer gearteten Selbstzweck degradiert.

    Es gibt wenig Mittel, sich das Leben mit so wenig so sehr zu verderben, wie eine rationale "Suche nach dem Sinn", die ja doch nicht mehr ist, als eine logische Fehlleistung eines Verstandes, der nun mal darauf trainiert ist, Kausalitäten zu erkennen.

    Kleiner Tip: Ersparen Sie sich die Sinnsuche und genießen Sie lieber den Moment. Das klingt zwar nach alberner Binsenweisheit, macht das Leben aber deutlich schöner.
    Das heißt ja schließlich nicht, daß man deswegen weniger denken soll, sondern lediglich, zu erkennen, daß "Sinn" ein rein menschliches Konstrukt ist, welches außerhalb davon wenig Sinn ergibt :) .

  6. ... als Kind und Jugendlicher seinen Träumen folgen zu dürfen, um als alter Mensch erwacht in der Realität anzukommen. Und was heißt das? Nun, den Keim der Liebe, den jeder Mensch in sich trägt, zum Wachsen und Blühen zu bringen. Zu lieben und geliebt zu werden. Nur darum geht es im Leben.

    Möglicherweise wird die Glücksforschung bald eine neue Krankheit diagnostizieren, das sogenannte Glücksdefizitsyndrom. Behandelbar mit Vitamin L oder Schokolade.

    Eine Leser-Empfehlung

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