Jahreswechsel: Her damit – Weg damit
Welche Werte, Kunstwerke, Ereignisse brauchen wir dringend im neuen Jahr? Und vor allem: Was brauchen wir auf keinen Fall mehr? 16 Antworten im Feuilleton der ZEIT.
© Sean Gallup/Getty Images

Auf manches will man im Neuen Jahr verzichten, anderes sehnt man sich herbei. Feuerwerk über dem Brandenburger Tor in Berlin, in der Silvesternacht zu 2011
Kein Angeberquatsch
Was ganz schön nervt und gerne mal aufhören könnte, ist die ständige Angeberei im gehobenen Herrensegment. So was wie Harald Schmidts » Late Night kann ich konkurrenzlos.« Oder Guttenbergs »... irgendwas in unserer Familiengeschichte muss über die Jahrhunderte dazu geführt haben...« Natürlich sind solche rhetorischen Einstecktüchlein über die Jahrhunderte konkurrenzlos geworden, aber was soll der ganze Angeberquatsch uns noch ein paar Jahrhunderte lang begleiten? Davon wird er auch nicht besser. Eine Abnahme solcher gespreizter Bescheidwisserei wäre doch sehr schön. Wie leicht lebte es sich, müsste man diese zum Platzen aufgepumpten Gockeleien im Stil von »ein Rex Germaniae ist im religiös gespaltenen Deutschland eine Unmöglichkeit geworden« nie wieder lesen und hören. Nicht mehr dieses Deutschland-geht-es-soundso. Dafür vielleicht lieber ein bisschen mehr Traurigkeit. Und auch ein bisschen mehr Daniil Charms. Iris Radisch






Ich persönlich hielt Melancholia ja für grandios überbewertet. Ein Film besteht schließlich nicht nur aus Mise en scène und Schauspielerei. Ja, hatte gute Seiten und die Stimmung war...speziell. Aber naja. Jedenfalls finde ich die präsentierte Idee extrem gut: Warum die Kömödie immer nur denen überlassen, die denken, dass sie sich damit auskennen? Vielleicht könnte von Trier mit einer dieser Personen kooperieren? Aus der Depression und der Manie, aus der Tiefe und der Plattheit könnte so eine wirklich interessante Mischung entstehen. Schließlich ist Rekombination das wichtigste Werkzeug der Kunst.
Überbewertet? Dazu kann ich nur sagen, dass sie sich wahrscheinlich nicht ausreichend damit beschäftigt haben?! Nicht nur die Opernadaption ist großartig, sonder auch sämtliche biblische, gesellschaftliche und psychologische Aspekte. Man sollte nicht den Fehler machen diesen Film zu unterschätzen, da er so viel Konsistenz besitzt, wie ich es selten gesehen habe und wahrscheinlich auch lange nicht mehr sehen werde. Natürlich ist alles eine Geschmacksfrage, nur das Argument, dass außer Montage und Schauspielerei nichts weiter gezeigt wird (so habe ich es verstanden), kann ich nicht unkommentiert gelten lassen.
Überbewertet? Dazu kann ich nur sagen, dass sie sich wahrscheinlich nicht ausreichend damit beschäftigt haben?! Nicht nur die Opernadaption ist großartig, sonder auch sämtliche biblische, gesellschaftliche und psychologische Aspekte. Man sollte nicht den Fehler machen diesen Film zu unterschätzen, da er so viel Konsistenz besitzt, wie ich es selten gesehen habe und wahrscheinlich auch lange nicht mehr sehen werde. Natürlich ist alles eine Geschmacksfrage, nur das Argument, dass außer Montage und Schauspielerei nichts weiter gezeigt wird (so habe ich es verstanden), kann ich nicht unkommentiert gelten lassen.
Überbewertet? Dazu kann ich nur sagen, dass sie sich wahrscheinlich nicht ausreichend damit beschäftigt haben?! Nicht nur die Opernadaption ist großartig, sonder auch sämtliche biblische, gesellschaftliche und psychologische Aspekte. Man sollte nicht den Fehler machen diesen Film zu unterschätzen, da er so viel Konsistenz besitzt, wie ich es selten gesehen habe und wahrscheinlich auch lange nicht mehr sehen werde. Natürlich ist alles eine Geschmacksfrage, nur das Argument, dass außer Montage und Schauspielerei nichts weiter gezeigt wird (so habe ich es verstanden), kann ich nicht unkommentiert gelten lassen.
Wir fordern, das unvermeidliche d-Moll KV 466 endlich einmal durch das mindestens ebenso düstere C-moll KV 493 zu ersetzen, das serene C-Dur KV 467 durch die mindestens ebenso heiter plaudernden Konzerte B-Dur KV 450 oder Es-Dur KV 449 ..
Merkt man eigentlich, wenn man sich schreibenderweise total verläuft?
- Weniger Nullnachrichten aus Politikerbetroffenheitsgeschwätz. "Angela Merkel verurteilt den Terroranschlag", ist keine Schlagzeile. Das Gegenteil war eine: "..freue mich über den Tod von.."
- Behauptungen von Politikern müssen in der dritten Person *immer* in den Konjunktiv gesetzt werden, [...] (Bei Politikern, die die Zeit nicht mag, funktioniert das schon ganz gut.)
Im übrigen sind von Pressesprechern gefilterte Politikerworte fast immer irrelevant, da auf ihre Wählerwirkung hin optimiert. Beleuchtet, wann immer möglich, Taten, nicht Worte!
- Weniger Politikerportraits als Illustration. Jeder weiß, wie unsere wichtigsten Politiker aussehen. Es braucht nicht das hunderttausendste Merkelbild. Es scheint ja eine ganze Politikerphotographierindustrie geben, um allein den Bedarf der Zeit zu decken.
- Arbeitet gegen die Modethemenflut. Manchmal scheint ihr nach der Maxime zu arbeiten: "Es wurde alles gesagt, aber noch nicht von jedem." Dann gibt es wochenlang Hauptartikel zum selben Thema, die sich inhaltlich kaum unterscheiden. Extrem war das jüngst zum Thema Wulff zu beobachten.
- Fordert von euren Autoren die gleiche Sachlichkeit und die gleichen "vertrauenswürdigen Quellen" wie von euren Kommentatoren. Tut ihr das nicht, dann seid wenigstens duldsamer mit den Kommentaren zu den entsprechenden Artikeln.
- Und natürlich: Hört auf, Maßregelungen von Kommentatoren mit einem "Danke" abzuschließen. Das ist nicht höflich, sondern unverschämt.
Bitte formulieren Sie Kritik ohne pauschale Herabwürdigungen. Ohne Danke, die Redaktion/fk.
doch die schreiber sind
So recht Sie mit ihrer Fernsehschelte auch haben, DEXTER hat auf einer Liste neben THE WIRE und BREAKING BAD aber so gar nichts verloren - dramaturgisch liegen dazwischen Welten, und wenn Michael C. Hall noch so brillant dagegen anspielt. Außerdem ist bei dem Amerikanern nicht alles Gold, was glänzt. Bekommt TREME eine vierte Staffel, auch wenn es nicht so viele gucken wie das ebenfalls fantastische GAME OF THRONES? Bleibt THE WALKING DEAD auf dem mühsam erreichten Niveau, nachdem Frank Darabont des Produktionsbudgets wegen von AMC gefeuert wurde?
Und warum immer nur Amerika? In England wird mit wenig Geld (hallo ARD und ZDF!!!!) vorgeführt, wie es auch geht: kurze Staffeln, BLACK MIRROR oder LIFE'S TOO SHORT allein dieses Jahr. Aber Experimente bei uns? Schon am ehesten auf dem KiKa mit ALLEIN GEGEN DIE ZEIT - da ist deutlich mehr los als beim TATORT, und dafür zu Recht mit der ersten Staffel für einen Emmy nominiert gewesen.
Deutsches Fernsehen ver- und behindert Kreativität - bitte mal Hintergrundberichte dazu in 2012, uns nicht nur mosern ;-)
»Denk positiv!« ist nichts anderes als eine Worthülse. Im Pessimismus à la Schopenhauer Trost zu suchen, wäre aber gleichfalls verhängnisvoll. Sich durch das Missgeschick anderer Menschen sowie das Wiederholen von Leerformeln, wie z.B. »Es könnte schlimmer sein« erheitern zu lassen, zeugt davon, dass man den Sinn des Lebens überhaupt nicht begriffen hat. Was der Mensch wirklich braucht, ist eine Rückbesinnung auf die tradierten christlichen Werte, auf denen Deutschland zu Adenauers Zeiten aufzubauen wissen mochte.
Beschäftigung mit anderen erheitert. Beschäftigung mit sich selbst verstimmt. Daher die Schwermut verschlossener Menschen.
Joseph Joubert
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