RückblickNur zu schwach?

Warum das Scheitern der jungen Politiker 2011 auch eine Niederlage der alten ist. von  und

Es hätte das Jahr der Jungen werden können. Ein Jahr, in dem eine neue Generation von Politikern in machtvollen Positionen endlich mitzuspielen beginnt. Die »Jungen«, alle noch keine 40 Jahre alt und mit wenig Erfahrung in der Bundespolitik, das waren: drei FDP-Politiker, die gemeinsam die Parteispitze bilden wollten, ein vermeintlicher Heilsbringer aus Bayern, wie es ihn zuvor noch nicht gab, und eine Ministerin, die Mutter wurde. Doch am Ende dieses Jahres ist Philipp Röslers Macht zerbröselt, und Christian Lindner ist nicht länger FDP-Generalsekretär. Karl-Theodor zu Guttenberg flüchtete in die USA. Und Kristina Schröder wird kaum ernst genommen. So ist 2011 auch das Jahr der Niederlage der jungen Politiker.

Dieses Scheitern wirft eine Frage auf, man erkennt sie, wenn man die Affäre um Christian Wulff und den schnellen Rücktritt von Christian Lindner zusammendenkt. Da ist zwar kein direkter politischer Zusammenhang, keine unmittelbare Verbindung. Doch es gibt einen inneren Zusammenhang: die Frage nämlich, wer in der Politik nach oben kommt. Und wer sich oben hält.

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Philipp Rösler, Christian Lindner und Daniel Bahr trauten sich zwar, nach der Macht in der FDP zu greifen. Aber als es darauf ankam, trauten sie sich nicht, die »Alten« einfach wegzubeißen. Guido Westerwelle und Rainer Brüderle blieben. Und als im Frühjahr auf einmal Karl-Theodor zu Guttenberg zurücktrat und die Union hektisch nach einem Nachfolger für den Verteidigungsminister suchte, traute sich keiner der damals gehandelten Jungen – etwa der CSU-Mann Georg Fahrenschon –, nach Berlin und in die Regierung zu gehen. 2012 wird Fahrenschon nun zwar nach Berlin kommen. Aber nicht als Politiker, sondern als Sparkassenpräsident. Auch das passt zur Geschichte.

Die »Jungen« könnten’s eben nicht, haben die »Alten« damals gespottet. Die Generation der 30- bis 45-Jährigen sei zu schwach, sagten die über 50-Jährigen. Mag sein. Dass aber jemand wie Christian Lindner in diesem Jahr freiwillig ging, während Christian Wulff sich immer noch hält, ist nicht allein ein Beleg für das Scheitern der »Jungen«, sondern auch für die Niederlage der »Alten«.

Wulff war ein durchschnittlicher Ministerpräsident, aber ein überdurchschnittlicher Strippenzieher, der entschlossen nach der Macht griff, als es um den Posten des Bundespräsidenten ging. Lindner gilt so ziemlich als das Gegenteil von Wulff: ein brillanter Kopf. Ein Denker. Einer, der für Inhalte streitet. Es war auch Lindners Fehler, dass die FDP Mitte des Jahres zwar ihre Spitze verjüngte, aber dennoch an Westerwelle und Brüderle festhielt. Doch die FDP gilt als intriganter Haufen, und es ist bezeichnend, dass am Ende dieses Jahres zwei der begnadetsten Strippenzieher der Partei – eben die beiden »Alten« – fester im Sattel sitzen als jene »Jungen«, die sie stürzen wollten. Auch Philipp Rösler wird sich nicht mehr lange als Parteichef halten können. Weniger weil er keine neuen Inhalte zu bieten hat – darin sind sich alle Generationen in der FDP ähnlich. Sondern weil er nicht intrigant genug ist.

Familienministerin Kristina Schröder ist die erste Ministerin, die in ihrer Amtszeit schwanger war , seit Mitte des Jahres ist sie Mutter einer Tochter. Nach ihrer Pause hätte sie die Chance gehabt, noch einmal neu in ihrem Amt anzufangen, in das sie im ersten Jahr nicht recht hineingefunden hatte. Vielleicht hätte man das dann unter Anlaufschwierigkeiten verbucht. Bloß gab es da eben jemanden, der alles daransetzte, diese zweite Chance erst gar nicht zuzulassen: Ursula von der Leyen, die dafür sorgte, dass Schröders Unsicherheit auch wirklich niemandem entgehen konnte – vor allem auf der Pressekonferenz zur Frauenquote, auf der die ehemalige Familienministerin ihre Nachfolgerin bloßstellte. Von der Leyens Botschaft: An meins lasse ich dich nicht ran, egal, ob du es kannst oder nicht.

Leserkommentare
  1. Nicht die Jugend der Genannten war das Problem, sondern die Tatsache, daß sie inhaltlich, methodisch und machtpolitisch genau den gleichen Senf probiert hatten, wie die Alteingesessenen.

    Das machte sie noch nutzloser, als die "Alten".

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    Diese sog. Jungpolitiker sind völlig ahnungslos und wollen genau dasselbe wie die Alten.

    Sie wurden ja auch von denen politisch großgezogen.Selbst denken nicht erwünscht. Oder glauben sie ernsthaft dass, wer selbst denken kann und eine andere Meinung vertritt als die Alten, überhaupt für diese Posten in Betracht gezogen wird??

    Diese Damen und Herren sind offensichtlich der Meinung, dass ihr Amt sie schon zu wahren Politikern macht.

    Frei nach dem Motto: Ich bin Minister/Parteivorsitzender ect. und das beweist doch schon, dass ich Ahnung/ Bildung/Wissen hab.

    Irrtum eben. Deshalb landen die flugunfähigen Vögel also auch auf dem Bauch.

    Wenn einer, der mit Mühe kaum,
    geklettert ist auf einen Baum,
    schon meint, das er ein Vogel wär',
    so irrt sich der.

    ...dass Christian Wulff in den 1990er Jahren zu den "JUNGEN WILDEN" in der Union gehörte.

    Zudem: Kohl lies während seiner Kanzlerzeit wirkliche Kritik und innerparteiliche Opposition gar nicht zu - aus guten Gründen, wie die Spendenaffäre mit den "jüdischen Vermächtnissen" dann zeigte.

  2. zu opfern, war ein Kardinalfehler. Die deutsche Politik braucht kluge, junge Köpfe. Er hat es als Redner und Richtungsweiser oft bewiesen.

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    ?

    ich wollte zu #2 eigentlich eine ausführliche Antwort schreiben, aber Sie haben mit Ihrem Kommentar alles dazu gesagt. Bravo und guten Rutsch.

  3. Nun, die Piraten sind ja auch Jungpolitiker und ich bezweifle dass die bereits gescheitert sind. Hinsichtlich der Vorgenanten schließe ich mich 1 an; wer in die Fußstapfen anderer tritt geht keinen neuen Weg.

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    • eikfir3
    • 31. Dezember 2011 13:10 Uhr

    ...natürlich sind die PIRATEN auch Jung-Politiker und solange sie ihrem Wahlvolk ein "Bürgergehalt" möglichst noch ab Geburt versprechen und nicht selber finanzieren müssen, sind sie für allzu leichtgläubige Jungwähler auch demokratisch legitime Jungpolitiker.
    Demokratie ist auch, wenn man anderer Meinung ist, aber einen tragbaren Kompromiß täglich zu finden bereit ist...

    • Nero11
    • 31. Dezember 2011 14:18 Uhr

    müssen sich auch nicht gegen "Alte" durchsetzen.

    das "junge ,andersdenkende" Menschen frischen Wind in den Bundestag bringen. Perfektion ist out. Authentizität ist In.

    ... Die FDP hat vor ca. 2 Jahren und 3 Monaten von dieser Jugendeuphorie profitiert.

    Leider verpasste man die einmalige Chance die jungen Wähler und Ideen umfassend mit einzubringen.

    Wer gleich mit Steuergeschenken auffährt und auf sozial ausgegrenzte draufschlägt hat es eigentlich auch nicht besser verdient.

    Von den anderen jungen möchte ich gar nicht sprechen.
    Die haben sich zwar im Etasblisment angebiedert. Aber mit Frische hat das nichts zu tun.

    • eikfir3
    • 31. Dezember 2011 13:02 Uhr

    ...andersherum, denke ich, als im Artikel geschlußfolgert:
    Die "Jungen" sind in meinen Augen erst dann verloren, wenn sie ihren eigenen "jungen" - Politikern wie Rössler oder vonGuttenberg eine vielen Medien nachgesprochene Abfuhr auch zukünftig erteilen.
    Man müßte ja nicht gleich neue Parteien gründen, das nun auch wieder nicht.
    Aber behutsam, doch effektiv restaurieren, fände ich schon besser, wenn auch mühsamer...

    • stannol
    • 31. Dezember 2011 13:03 Uhr

    Schuld sind auch die Medien die sich lieber auf Machtspielchen und Schmierentheater stürzen als die eigentlichen Politikinhalte zu diskutieren. Es geht immer nur um Personen, Beziehungen, Animositäten, etc.
    Hier kann man leider auch die ZEIT nicht vollständig ausnehmen.

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    • Petro69
    • 31. Dezember 2011 18:20 Uhr

    Leider wird oft auf nebensächliche Dinge Wert gelegt und die
    klare Berichterstattung mit Kritik wird aus welchen Gründen auch immer unterlassen. Über Wochen zieht sich die Wulff - Geschichte hin und
    ohne Ergebnis. Da gibt es so viel wichtige Dinge zu tun, was
    auf Eis liegt. Wahrheit ist Klarheit - reimt sich sogar !

    „Schuld sind auch die Medien die sich lieber auf Machtspielchen und Schmierentheater stürzen als die eigentlichen Politikinhalte zu diskutieren“
    Hier kann man leider auch die ZEIT nicht vollständig ausnehmen.
    Genauso ist es. Als die FDP Anfang 2011 sowohl durch eigene Ungeschicklichkeit als auch durch gezielte Indiskretionen und das Abwickeln alter, offener Rechnungen (BDI gegen Brüderle) in Schieflage geraten war, hieß es unisono in der Presse: weg mit den Alten, Erneuerung muss her.
    Als die das dann taten, wurden sie prompt als PIPs verspottet (Politiker im Praktikum).
    Wir leben in einer vernetzten Welt, die zunehmend komplizierter wird. Monokausale Erklärungsmuster sind zwar plakativ, taugen aber als Lösung nicht („die Jungen sind unerfahren“, „die Alten sind mediokere, aber abgebrühte Machtspieler“).
    Wie in der Wirtschaft sind auch in der Politik gemischte Teams die Lösung. Mische alte und junge, Männer und Frauen, theoretische Analytiker und praktische Umsetzer; wie werden die geführt? Durch gemeinsame Werte und Ziele

    • lcamino
    • 31. Dezember 2011 13:05 Uhr

    Schröder bleibt Ministerin, Lindner und Guttenberg kommen wieder! Was aus Rösler und Bahr wird ist noch lange nicht entschieden! Aber keine Angst, selbst wenn sie nicht mehr in der Politik eine Rolle spielen werden, haben alle zusammen in naher Zukunft einige gute Posten in der Wirtschaft zu erwarten!

    Keine von diesen "jungen Wilden" hat bisher etwas geleistet, weder im Amt noch zuvor! Keiner dieser Jungen hat Rückgrat bewiesen, und keiner ist an den Positinonen durch eigene Leitung angekommen!

    Wir sollten den "Alten" dankbar sein, dass diese "Rasselbande" eigentlich entzaubert ist, auch wenn es die Zeit genau so wie so manche anderen Boulevardblättchen nicht wahrhaben wollte!

    Die letzten "Jungen" waren übrigens Wulff oder Merz! Auch alles andere als Vorzeigepolitiker, eher raffgieriege Mitnehmer-was-geht!

    Vielleicht sollten wir tatsächlich wieder über Politiker nachdenken, die mindestens 10 Jahre mal was gearbeitet haben (und ich meine damit nicht im Aufsichtsrat der ERGO rumsitzen) und erst ab 60 einen Ministerposten bekleiden!

    Erst ab einem gewissen Alter zeigt sich die geistige Reife und das Stehvermögen, dass in diesen Ämtern nötig ist!

    Und "alte" klare Denker gibt es in der BRD zuhauf!

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    Unabhängig ,ob die „Jungen“ was gebracht haben oder nicht, aber wer traut bzw. geht heute noch in die Politik? ein falsches Wort und du wirst durch die Medien in die Mangle. Natürlich müssen Politiker auch kritisiert werden, aber irgendwann ist das Maß voll. Ein intelligenter gutbezahlter aus der Wirtschaft wird sich dieses mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht antun.

    Das man den „Alten dankbar sein sollte stimme ich ihnen zu, aber waren diese immer fehlerfrei? Jeder „junge“ Politiker der es wagt in die Politik einzusteigen, verdient meinen Respekt. Die Aufgaben sind und werden nicht leichter, aber sie müssen gemacht werden.
    Der Mix aus „jungen und „alten“ Politiker ist der richtige Weg.

  4. Entfernt. Bitte beziehen Sie sich in ihren Kommentaren auf das konkrete Artikelthema. Danke, die Redaktion/jz

  5. ... eine Frage von Jugend oder Alter, sondern eine Frage des Vorhandenseins (oder eben der Abwesenheit) einer geistigen und politischen Potenz, die dazu angetan wäre, den großen demokratischen Entwurf von 1949 zu stärken, mit Leben zu erfüllen, statt an seiner sukzessiven Verflüchtigung mitzuwirken.
    Isofern: Ja, zu schwach.

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