Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich die nachfolgende Kolumne selbst geschrieben habe, wenn auch in einer Zeit großer familiärer und beruflicher Belastung. Da zudem meine Ideen, Skizzen und Fundstellen für diesen Text auf fast 80 Datenträger verteilt sind, mag es sein, dass sich die eine oder andere Bearbeitung, die ich vorgenommen habe, nicht mehr genau rekonstruieren lässt. Dafür möchte ich mich schon vorab bei den Leserinnen und Lesern und auch bei den betroffenen Autoren entschuldigen.

Letztlich aber geht es hier nicht so sehr um mich und meine Unzulänglichkeit, sondern darum, wie wir dem Bundespräsidenten helfen können, künftig weniger irritierend und dafür gradliniger zu wirken, auf dass ihm der Vorwurf einer »Schnorrermentalität« ( Handelsblatt ) erspart bleibe und ihn niemand mehr, wie jüngst die Financial Times Deutschland , einen »Geiz ist geil«-Präsidenten nenne .

Wir von der ZEIT sind in solchen Krisensituationen netter zu unseren Staatsmännern, wir schimpfen nicht nur, sondern machen konstruktive Vorschläge. Und zwar jedem, ganz unabhängig von seiner Parteizugehörigkeit und seinem Amt. So riet (wenn ich hier nicht irre; ich hatte keine Zeit, das genau zu recherchieren – die Kinder! Der Weihnachtsstress!) ein anonymes Autorenkollektiv der ZEIT bereits 1999 dem in Bedrängnis geratenen niedersächsischen Ministerpräsidenten Gerhard Glogowski ( SPD ), wie er das Image eines schnöden Schnäppchenjägers loswerden könne.

Auch Christian Wulff , der damals sehr harsch über Glogowski urteilte, könnten diese Tipps nützlich sein, für den Fall, dass die bisherigen Worte des Bundespräsidenten zu seiner Privatwirtschaft doch noch nicht die letzten waren.

Tipp 1: Man bezahlt mit Geld. Das hebt man von dem Konto ab, auf dem jeden Monat die Lohnzahlungen für geleistete Arbeit eingehen.

Tipp 2: Theater-, Opern- und Zirkuskarten kauft man an der Kasse. Wenn jemand anderes die Karten kauft, gibt man ihm später das Geld oder lädt ihn zum Essen ein.

Tipp 3: Wenn man sich kein Haus leisten kann, mietet man eine Wohnung. Die Miete zahlt man per Überweisung oder Dauerauftrag bis zum dritten Werktag des Monats.

Tipp 4: Nach einem Restaurantbesuch fragt man nach einer sogenannten Rechnung. Auch die kann man sofort mit Bargeld oder Kreditkarte begleichen.

Tipp 5: Geschenke gibt es zu Weihnachten und zum Geburtstag. Sie sind verpackt und kommen von Freunden oder Verwandten.

Tipp 6: Urlaubsreisen bucht man im Reisebüro. Dafür spart man vorher und freut sich dann. Wenn einem die Fluglinie Upgrades aufdrängen will, lehnt man freundlich, aber bestimmt ab.

Tipp 7: Champagner, Markenkleidung und Sportwagen erhält man in der Regel nicht kostenfrei vom Hersteller, sondern man bezahlt dafür mit Geld (siehe Tipp 1) oder verschuldet sich bei der Bank.

Tipp 8: Wenn am Ende des Monats Geld übrig ist, freut man sich und schließt eine Ausbildungsversicherung für die Kinder ab.

Wir vertrauen darauf, dass der Bundespräsident diese Hinweise gewissenhaft und mit ganzer Kraft, zum Wohle des deutschen Volkes... [eckige Klammern: von hier an unleserlich]