Rente mit 67Alt werden im Job

Von 2012 an steigt das Rentenalter stetig an. Wirtschaft und Politik dürfen die Risiken nicht nur den Arbeitnehmern aufbürden. von 

Wer 1947 oder später geboren wurde, bekommt zur Jahreswende nicht nur die üblichen Neujahrsgrüße, ihm wird zum 1. Januar 2012 auch die Rente mit 67 geschenkt – oder besser: der allmähliche Einstieg in die vom Bundestag beschlossene Erhöhung der Lebensarbeitszeit. Trotz aller Proteste von Gewerkschaften, Linkspartei und Teilen der SPD gilt also, dass ab 2012 das Regelalter für die abschlagsfreie Rente von 65 Jahren in Schritten von zunächst einem, später zwei Monaten erhöht wird. Damit werden beispielsweise die im Jahr 1955 geborenen Arbeitnehmer künftig in der Regel 65 Jahre und neun Monate bis zur Rente arbeiten müssen; der Geburtsjahrgang 1964 ist dann der erste, der mit 67 das Ruhestandsalter erreicht.

Über das Für und Wider der Rente mit 67 ist ausführlich gestritten worden, die Argumente seien hier kurz wiederholt: Befürworter verweisen darauf, dass die Deutschen länger leben und damit auch länger Rente bekämen, dass zugleich aber die Zahl der Beitragszahler rapide abnehme. Also sei es eine Sache der Generationengerechtigkeit, für einen späteren Einstieg in den Ruhestand zu sorgen. Die Gegner finden, dass die Folgen der demografischen Entwicklung überschätzt würden und durch Wachstum, eine hohe Produktivität und eine steigende Erwerbstätigkeit wettgemacht werden könnten. Überdies sei nicht garantiert, dass jeder, der jenseits der 65 arbeiten soll, auch arbeiten kann – und deshalb die Rente mit 67 nichts anderes sei als ein verschleiertes, gleichwohl massives Rentenkürzungsprogramm.

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Beide Seiten können ihre Argumente durch Zahlen untermauern. Tatsächlich ist die durchschnittliche Rentenbezugsdauer während der vergangenen vier Jahrzehnte um rund sieben Jahre auf nunmehr über 18 Jahre angestiegen. Geringe Geburten- und Zuwanderungsraten sorgen zugleich dafür, dass wahrscheinlich schon 2030 nur noch zwei Beitragszahler auf einen Rentner kommen werden. Umgekehrt zeigen die aktuellsten Statistiken, dass weniger als ein Viertel der Deutschen im Alter zwischen 60 und 64 Jahren heutzutage einen sozialversicherungspflichtigen Job haben. Fast jeder zweite geht mittlerweile vorzeitig in den Ruhestand .

Ändert sich daran nichts, müssen künftig zahllose Bundesbürger mit erheblichen Rentenabschlägen kalkulieren. Wer selbst rechnen will: Für jeden Monat, den man sich vor der regulären Altersgrenze aus dem Arbeitsleben verabschiedet, sind 0,3 Prozent der Rente fällig – und zwar nicht nur einmal, sondern bis zum Tod.

Ob man nun an die Alternativlosigkeit einer längeren Lebensarbeitszeit glaubt oder nicht – allein das steigende Risiko hoher Rentenabschläge macht die Rente mit 67 zu einem riesigen sozialpolitischen Experiment. An seinem Ende könnte eine massive Ausweitung der aufgrund brüchiger Arbeitsbiografien absehbar ohnehin steigenden Altersarmut stehen und damit der endgültige Abschied von einem der wichtigsten Versprechen der deutschen sozialen Marktwirtschaft: einem einigermaßen sorgenfreien Alter in Würde.

Die Frage ist, ob Wirtschaft und Politik dieses Risiko sehen und ihm tatkräftig begegnen. Dafür müssten vor allem die Beschäftigungschancen und die bislang kümmerlichen Fortbildungsmöglichkeiten Älterer in den Unternehmen verbessert werden; der betriebliche Gesundheitsschutz muss einen höheren Stellenwert bekommen. Firmen müssen beweisen, dass für sie ältere Arbeitnehmer tatsächlich nicht zum alten Eisen gehören. Derzeit ist viel vom Mangel an Fachleuten die Rede. Es wird interessant sein zu sehen, ob dieser Mangel auch den älteren unter den Fachleuten hilft.

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Leserkommentare
  1. mehr ist es nicht

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    • hf50
    • 29. Dezember 2011 21:37 Uhr

    Das heutige Einkommensniveau, die unterdurchschnittliche Einkommensentwicklung und die Umverteilung der Vermögen von unten nach oben haben wir dem "Genossen der Bosse" und seinen Vasallen in SPD und Grünen-Partei zu verdanken.
    Die wollen übrigens (fast) alle wieder regieren.
    Da sei Gott vor.
    Oder die Wähler!

  2. bestimmt die Regeln.
    Und das sind schon lange nicht mehr die Bürger, sondern derzeit die Finanzmärkte.
    Erst müssten sich die Bürger zumindest Teile ihrer Souveränität wieder zurück erobern, um überhaupt irgend etwas mitbestimmen zu können.
    In den Fängen der "Finanzmärkte" hat die Demokratie keine Chance mehr.

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    • serins
    • 29. Dezember 2011 19:22 Uhr

    auf seiner höchsten Stufe ( Die gesamte Politik wird durch das Finanz- und Monopolkapital beherrscht).
    Dank der Grünen, ja die Weltverbesserer, und der s.g. Sozialdemokratie wurden die durch die Arbeitnehmerschaft seit den 20iger Jahren erzielten Erfolge innerhalb von 4 Jahren zu Grabe getragen. Und durch Clowns wie Assmusen und Weidmann wurde den AN der Todestoß versetzt.
    Das böse Erwachen wird imho für viele noch kommen, die gar nicht daran denken. Stichwort ÖD. Denn ohne Steuerzahler kann man die spätestens 2030 benötigten 150 Mill. Euro/Jahr an Pensionen nicht aufbringen können.

    Das Problem mit den Renten wird sich wie im Artikel beschrieben gar nicht stellen, denn ein Großteil der Bevölkerung wird aufgrund der geringen Renten und der sinkenden Reallöhne mit und ohne Abschläge auf Grundsicherung angewiesen sein, denn schon heute hat ein Großteil nur Rentenansprüche von 600 Euro. Über die Sicherheit der Betriebsrenten kann man sich mal mit Pensionären in den USA unterhalten, die auch drauf gebaut haben und jetzt wieder mit Mitte 70 arbeiten gehen dürfen.

  3. Bis die erste Generation mit 67 Jahren in Rente geht, vergehen noch viele Legislaturperioden. Hoffentlich kommt es noch zu einem Umsteuern, auch wenn es aktuell ganz und gar nicht danach aussieht. Dafür sind die Profiteure dieses "riesigen sozialpolitischen Experiments" zu mächtig.

    • serins
    • 29. Dezember 2011 19:22 Uhr

    auf seiner höchsten Stufe ( Die gesamte Politik wird durch das Finanz- und Monopolkapital beherrscht).
    Dank der Grünen, ja die Weltverbesserer, und der s.g. Sozialdemokratie wurden die durch die Arbeitnehmerschaft seit den 20iger Jahren erzielten Erfolge innerhalb von 4 Jahren zu Grabe getragen. Und durch Clowns wie Assmusen und Weidmann wurde den AN der Todestoß versetzt.
    Das böse Erwachen wird imho für viele noch kommen, die gar nicht daran denken. Stichwort ÖD. Denn ohne Steuerzahler kann man die spätestens 2030 benötigten 150 Mill. Euro/Jahr an Pensionen nicht aufbringen können.

    Das Problem mit den Renten wird sich wie im Artikel beschrieben gar nicht stellen, denn ein Großteil der Bevölkerung wird aufgrund der geringen Renten und der sinkenden Reallöhne mit und ohne Abschläge auf Grundsicherung angewiesen sein, denn schon heute hat ein Großteil nur Rentenansprüche von 600 Euro. Über die Sicherheit der Betriebsrenten kann man sich mal mit Pensionären in den USA unterhalten, die auch drauf gebaut haben und jetzt wieder mit Mitte 70 arbeiten gehen dürfen.

    Eine Leserempfehlung
    Antwort auf "Wer am Drücker ist,"
    • Xdenker
    • 29. Dezember 2011 20:16 Uhr

    Die bei Eintritt in die Rente gewährte Monatsrente sinkt, die durchschnittliche Rentenbezugsdauer steigt. Ob auch die durchschnittlich je Rentner über die gesamte Bezugsdauer zu zahlende Gesamtrente sinkt oder nicht, ist zumindest fraglich.

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    ..die Miete wird aber auch nicht über das gesamte restliche Leben gestreckt, sondern ist jeden Monat fällig.

    Davon ab, ist tatsächlich fraglich wer solange arbeitet und ob die Mehrheit überhaupt noch über die Sozialsicherungsrente kommt (so es etwas in der Art dann noch gibt).

  4. 6. Tja...

    ..die Miete wird aber auch nicht über das gesamte restliche Leben gestreckt, sondern ist jeden Monat fällig.

    Davon ab, ist tatsächlich fraglich wer solange arbeitet und ob die Mehrheit überhaupt noch über die Sozialsicherungsrente kommt (so es etwas in der Art dann noch gibt).

    Antwort auf "Rentenkürzung?"
    • hf50
    • 29. Dezember 2011 21:37 Uhr

    Das heutige Einkommensniveau, die unterdurchschnittliche Einkommensentwicklung und die Umverteilung der Vermögen von unten nach oben haben wir dem "Genossen der Bosse" und seinen Vasallen in SPD und Grünen-Partei zu verdanken.
    Die wollen übrigens (fast) alle wieder regieren.
    Da sei Gott vor.
    Oder die Wähler!

    Antwort auf "Rentenkürzung"
    • Logeg
    • 29. Dezember 2011 21:41 Uhr
    8. Risiko

    Es gibt kein Risiko für den Arbeitnehmer. Ein Risiko setzt voraus, dass es anders kommen könnte. Kann es aber nicht. Vielen Dank auch, Sozialdemokraten.

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  • Schlagworte Die Linke | SPD | Alter | Arbeitnehmer | Bundestag | Gesundheitsschutz
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