Personenrätsel Lebensgeschichte

Was wurde ihr nicht alles angedichtet! Historiker machten sie zur »Heldin von Skandalgeschichten«: Als Hure beschimpft, wurden ihr zahllose Affären nachgesagt, darunter mit ihrem eigenen Onkel, ihrem Schwiegervater sowie dem Erzfeind der Christenheit und einem berühmten Dichter sowieso. Sie sei als Nachfahrin einer Fee teuflischer Abkunft; die Mörderin der Geliebten ihres Gatten; Ate, die ihre Söhne zu »Kampf und Blut« treibe, und so fort.

Dass sie schön war, ließ sich nicht bestreiten. Aber dass sie mit Schmuck, prächtigen Kleidern und Schminke nachhalf, Geselligkeit, Musik und Dichtung liebte, entrüstete nicht nur die Schwiegermutter. Dabei blieb sie nur ihrer sinnenfrohen Heimat und deren Gebräuchen treu. Sie war die Enkelin eines großen Herrn, der für seine skandalösen Dichtungen in der Landessprache berühmt war und für die Liebe zu einer verheirateten Frau. Als Ausgleich musste er seinen legitimen Sohn mit der legitimen Tochter seiner Geliebten verheiraten, dieser unglücklichen Ehe war sie entsprossen.

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Nach dem Tod des Vaters wurde die Fünfzehnjährige zu einer wichtigen Schachfigur auf der politischen Bühne und wurde ohne Mitspracherecht verheiratet. Noch in den Flitterwochen fiel ihrem Mann ein Thron zu, auf den er nicht vorbereitet war. In seiner Unerfahrenheit sei er ein Spielball in ihren Händen, hieß es, dabei war »Gott Alpha und Omega all seiner Taten«, wie ein Chronist schrieb, und ein Geistlicher sorgte dafür, dass es so blieb.

Ihr Einfluss beschränkte sich darauf, die Interessen ihres Erblands zu verteidigen. So schloss sie sich einem Kreuzzug an, in der Überzeugung, ihr Mann eile einem ihrer Verwandten zu Hilfe. Da er jedoch untätig blieb, betrieb sie die Trennung, die nach fünfzehn Ehejahren und zwei Töchtern wegen zu enger Verwandtschaft gewährt wurde. Kaum jemand rechnete damit, dass sie sofort wieder heiraten würde: einen weit jüngeren Mann, den Rivalen des ersten, der ebenfalls binnen Kurzem eine Krone errang, aber seine Macht auszubauen verstand. Ihre Besitzungen einzuverleiben gelang ihm jedoch nicht. So weit ihr Einfluss reichte, vertrat sie zwar sonst überall seine Interessen, sorgte aber für die Unabhängigkeit ihres Erbes. Dazu unterstützte sie sogar einen Aufstand ihrer Söhne, die sie ihm in schöner Regelmäßigkeit geboren hatte. Ihr Mann ließ sie daraufhin festsetzen, erst nach seinem Tod zwanzig Jahre später kam sie wieder frei.

Ungebrochen unternahm die Greisin alles, um ihrem Lieblingssohn die Macht zu sichern. Sie schrieb, als ihm Unrecht widerfuhr, sogar »im Zorn Gottes« an den Papst. Wenn ihr außer Schmähungen auch nachgesagt wurde, sie sei eine »Meisterin des hohen politischen Spiels« gewesen, dann weil sie sich stets als Vertreterin ihres Hauses sah. Dass sie auch dereb letzte war, ahnte sie vielleicht, als sie in hohem Alter starb, bevor ihr Reich sich auflöste und ein endloser Krieg um das Erbe entbrannte. Wer war’s?

Lösung aus Nr. 52:

Joe Cocker (*20. Mai 1944 in Sheffield) wurde durch seinen legendären Auftritt in Woodstock 1969 und dem Beatles-Song »With a little help from my friends« weltberühmt. In den siebziger Jahren verfiel der Rock-, Blues- und Soulsänger mit der unverkennbaren Reibeisenstimme den Drogen und dem Alkohol, kehrte aber trotz aller Tiefschläge regelmäßig mit neuen Alben zurück und landete 1987 den Riesenhit »Unchain my heart«. Joe Cocker ist seit mehr als zehn Jahren trockener Alkoholiker, lebt mit seiner Frau auf einer Ranch in den Bergen von Colorado, betreibt eine Stiftung für bedürftige Kinder und geht noch immer auf ausgedehnte Konzerttourneen

 
  • Quelle ZEITmagazin, 29.12.2011 Nr. 01
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  • Schlagworte Joe Cocker | Liebe | Colorado | Woodstock
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