Brian Wilson: "Ich hatte genug von Surfsongs. Ich wollte ein großes Pop-Meisterwerk schreiben"
Brian Wilson ist der Beach Boy, der niemals auf dem Surfbrett stand. Songs darüber schreiben konnte er allerdings mit Leichtigkeit, bis ihn die Melancholie ergriff.
Viele Menschen träumen von der ewigen Sonne Kaliforniens. Ich bin zwar am Meer aufgewachsen, blieb aber meistens in meinem Zimmer und träumte von Melodien. Mich störte schon, dass ich mein Klavier nicht mit an den Strand nehmen konnte.
In meinem ganzen Leben bin ich nie gesurft. Es interessierte mich einfach nicht. Auch mit Stränden konnte ich nie viel anfangen. Mein Bruder Dennis war Surfer mit Leib und Seele. Er war ein Meister im Wellenreiten und nicht so schüchtern wie ich. Wenn Dennis abends nach Hause kam, berichtete er mir von seinen Abenteuern am Strand, von den Mädchen und dem Spaß, den sie da alle hatten. Er war es auch, der mich eines Tages aufforderte, einen Song übers Surfen zu schreiben. Das fiel mir leicht.
69, war der Kopf der Beach Boys. Er schrieb Hits wie California Girls und Good Vibrations. Gezeichnet von langem Drogenmissbrauch und schweren psychischen Problemen, spricht er seit vielen Jahren nur sehr schleppend. Das Singen auf der Bühne fällt ihm aber leicht. Im vergangenen Herbst erschien, 44 Jahre nach den Aufnahmen, das Beach-Boys-Album The Smile Sessions.
Weil meine Surfsongs gut ankamen, starteten wir mit einigen Verwandten und Freunden die Beach Boys, die schnell Erfolg hatten. Das war toll, aber ich hatte keine Lust, auf Tournee zu gehen. Zu Beginn der Sechziger bin ich manchmal noch mit den Beach Boys aufgetreten, aber ich beschloss, lieber zu Hause zu bleiben und Songs zu schreiben. Ich war immer ein untypischer Kalifornier – meine Stimmung ist oft nicht so sonnig. Seit ich mich erinnern kann, habe ich diese Anflüge von Melancholie, woher genau die kommen, weiß ich nicht. In mein Wohnzimmer ließ ich mir irgendwann einen riesigen Sandkasten bauen, in den ich mein Klavier stellte. So hatte ich einen Strand für mich allein.
Für schüchterne Menschen wie mich ist das Berühmtsein vor allem anstrengend und unheimlich. Immer wieder bekam ich zu hören, dass ich ein Genie sei. Das ist sehr schmeichelhaft, es bringt aber auch großen Druck mit sich. Ende der Sechziger hatte ich genug von den fröhlichen Surfsongs. Ich wollte neue Musik ausprobieren, wollte mit Klängen, Strukturen und Arrangements spielen. Ich träumte davon, ein großes Pop-Meisterwerk zu schreiben, so wie George Gershwins Rhapsody in Blue. Leider wurde aus dem Traum nichts.
Die geplante Platte Smile wurde nie fertig. Warum? Das verstehe ich bis heute nicht so recht. Mir war immer bewusst, dass die Musik gut war, aber das große Problem waren die Drogen, deren Nebenwirkungen mir sehr zusetzten. Andererseits wären Songs wie Good Vibrations ohne Drogen so nie entstanden. Der Plattenfirma und den anderen Beach Boys gefielen die Smile-Songs nicht so gut. Sie verstanden alle nicht, warum ich keine Surf-Hits mehr liefern wollte. Sie waren gegen Experimente. Smile verschwand im Archiv, und ich versank in Depressionen. Dass diese Aufnahmen nun nach so langer Zeit doch noch erschienen sind, ist ein Traum für mich. Und das Ende eines Albtraums. Zu verdanken habe ich das meiner Frau, die mich lange bedrängte, das Projekt doch noch zu Ende zu bringen. Vor einigen Jahren habe ich Smile bereits auf einer Tournee aufgeführt, denn mittlerweile machen mir Konzerte Spaß. Nur Strände kann ich immer noch nicht ausstehen. Heute lebe ich glücklich in Beverly Hills. Das ist zwar auch in Kalifornien, aber in sicherem Abstand vom Wasser.
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(Popmeisterwerke) vollbringt man nicht mit den Händen
...mit den Füßen? Spaß bei Seite, 1. sagt der Mann nix davon, dass die Platte wirklich ein Meisterwerk geworden ist, 2. muss man auch die besten Ideen immer noch spielen und singen können (wenigstens ersteres geschieht normalerweise mit den Händen)3. lese ich da nix von Händen.
Aber es stimmt natürlich: Das Handwerk allein macht noch keinen guten Künstler, andererseits ist man ohne Handwerk auch ziemlich aufgeschmissen, wenn man auch noch so gute Ideen haben mag.
Die jetzt herausgekommene „nachgeschobene“ Doppel-CD bringt kaum musikalischen Gewinn, aber aus Sicht der Labels ist natürlich besser, wenn zweimal das fast gleiche gekauft wird als einmal.
Verworfene Varianten, Studiobesprechungen oder -albernheiten dürften höchsten „Hardcore-Fans“ interessieren, die aber auch wirklich jeden Huster oder Pups ihrer Stars hören wollen.
Auch nicht schön ist die Stereoummischung der ursprünglich in Mono veröffentlichen Musiken. Dies kann ja nicht im Sinne B. Wilson`s sein, da er bekanntlich einseitig Taub ist, und sich deshalb mittels der Stereoabmischung nicht künstlerisch ausdrücken kann.
Die nachträgliche Stereoabmischung ist somit Frevel an der Kunst, so wie es z.B. die Colorierung des Films „Casablanca“ auch ist.
Nicht wenige Beach-Boys-Stereoversionen klingen dünn weil die einzeln Gesangstimmen in der Stereobasis verteilt bzw. separiert sind.
Dagegen klingen die Mono-Urversionen homogener, der Chor der Fünf wirkt voller, „klangkörperlicher“, intimer und stimmiger.
Wohl dem, der nicht nur bei den Beach-Boys noch die alten Platten oder die Erst-CDs hat, nur die klingen authentisch, dem damaligen Zeitgeist entsprechend
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