Richey Edwards

Er gilt als »wahrscheinlich tot« – allein, man will es ihm nicht wünschen

Man kann nur hoffen, dass Richey Edwards von dem Konto weiß, auf das seine Bandkollegen seit Jahren die Tantieme einzahlen. Die Manic Street Preachers sind hochanständige Rock ’n’ Roller, denn sie bezahlen einen Mann, der juristisch betrachtet längst tot ist. In England gilt ein Vermisster nach sieben Jahren als »wahrscheinlich tot«. Der ehemalige Songschreiber und Gitarrist der Band ist schon wesentlich länger verschwunden, seit 16 Jahren. Im Februar 1995 fand man Edwards’ Auto nahe einer Hängebrücke zwischen England und Wales . Es war die letzte Spur von ihm. Eigentlich hätte er mit den Manic Street Preachers im Flugzeug nach Amerika sitzen sollen. Er war geflüchtet, Edwards war labil, er litt unter Depressionen und Anorexie, hatte Suizid aber immer ausgeschlossen. Nach seinem Verschwinden meldeten sich regelmäßig Leute, die ihn gesehen haben wollten, auf Ibiza , in Indien . Und man wollte nur allzu gern daran glauben: Richey Edwards am Strand, in Bermudas, seine Tantieme durch einen Strohhalm saugend.

Patrick Süskind

Der Menschenscheue, der die Menschen besser kennt als sie sich selbst

Wenn man die Menschen danach einteilte, ob sie das Leben als Zumutung oder als Annehmlichkeit empfinden, müsste man bei Patrick Süskind nicht lange überlegen. Der Mann, der seit seinem Roman Das Parfum ein Weltstar ist, mag keine Interviews, keine Publicity, keine Partys, ja, er mag es noch nicht einmal, Preise zu bekommen (er hat drei Literaturpreise abgelehnt). Man muss sich sogar fragen, ob Patrick Süskind gerne Erfolg hat, jedenfalls zelebriert er ihn nicht. Er soll, so sagt man, seine Münchner Altbauwohnung nur ungern verlassen. Gleiches gilt wahrscheinlich auch für seine Wohnungen, die er in Paris und Südfrankreich haben soll. Aber wer sollte schon mit Sicherheit sagen können, dass Süskind menschenscheu ist, schließlich sind die einzigen Fotos von ihm fast 30 Jahre alt. Er könnte auch Abend für Abend unerkannt um die Häuser ziehen. Seine Drehbücher legen das sogar nahe: Wer Rossini oder Kir Royal schreibt, der ist kein Einzelgänger, der kennt sich aus, zumindest in der Münchner Schickeria.

Jil Sander

Die Frau, die die Kontrolle behalten will – auch über ihr Leben

Schon komisch, wie ungelenk viele Modemacher neben ihren Models aussehen. Wie ungern (ein wenig Koketterie mag dabei sein) sie am Ende einer Modenschau über den Laufsteg huschen, oft muss sich das Publikum auch mit ein paar schnell abgefeuerten Luftküssen begnügen. Die größte Modemacherin der Republik, Jil Sander , beließ es meist bei einer Verbeugung. Eine Erklärung für die Zurückhaltung könnte so gehen: Wer sich sehr stark mit der Außenwirkung von Menschen beschäftigt, hat Mühe, selbst noch zu wirken, der stolpert gewissermaßen ständig über die Selbstreflexion. Aus Angst, unvorteilhaft wirken zu können, schweigt Jil Sander; jedes Statement, jedes Interview, jedes Bild hätte das Potenzial, sie zu beschädigen – und damit auch ihr Geschäft. Auf den wenigen Fotos, die es von ihr gibt, ist sie das Gesicht der Marke Jil Sander, nicht der Frau. Es gilt, die Kontrolle zu behalten. Bilder, die ihr nicht gefielen, ließ sie verschwinden, indem sie die Rechte daran kaufte. Was bleibt, ist ein Leben, das so perfekt geschnitten ist wie ihre Blazer.