Das Regime wähnt sich zwar als Sachwalter Gottes auf Erden, aber es ist nicht wahnsinnig. Es weiß sehr wohl, dass die Blockade des Golfs Krieg bedeutet . Es weiß (hoffentlich) auch, dass Obama – Irak-Abzug hin, Wirtschaftskrise her – kein Papiertiger ist. Die Fünfte Flotte ist schon einmal im Golf mit der iranischen Marine fertig geworden – im "Tankerkrieg" der Achtziger. Heute, drei Waffengenerationen später, käme ein Arsenal dazu, dass die USA in den Kriegen um Afghanistan mit tödlicher Präzision ausprobiert haben – inklusive der schweren Bomber, die aus Missouri einfliegen würden. Politisch hätten die USA die sunnitischen Staaten (außer Syrien und der Türkei ) auf ihrer Seite, vorweg im Golf.

So weit aber, inschallah, wird es nicht kommen. Denn: Blockiert der Iran die Straße von Hormus, schnürt er sich selber die Kehle zu. Die 2,5 Millionen Barrel Öl, die er täglich exportiert (hauptsächlich durch Hormus), sind zusammen mit Erdgas seine weitaus größte Devisenquelle. Der Iran muss auch ein Viertel seines Treibstoffverbrauchs einführen; es fehlt an Raffinerien. Diese kühle Rechnung zeigt, wie leer die Drohungen des Regimes sind.

Das Ur-Problem aber bleibt: eine revolutionäre Macht, welche die Vorherrschaft zwischen Levante und Hindukusch anstrebt und diese mit dem Griff zur Bombe zu untermauern sucht. Selbst die timide IAEA , der atomare Wachhund der UN , hat jüngst bestätigt, was seit Jahren offenkundig ist: dass der Iran zügig an einem Waffenprogramm arbeitet. Dieses zu stoppen ist die Hauptaufgabe einer Eindämmungsstrategie, wie sie George Kennan, der Architekt der US-Nachkriegspolitik, vorgezeichnet hat. Nur Druck und Gegendruck könnten die "Mäßigung" oder den "Zerfall" sowjetischer Macht bewirken.

Dazu gehört der lange Atem: Isolierung und Sanktionen, die das Regime tatsächlich geschwächt haben. Hier und heute gilt es, den iranischen Bluff als solchen zu entlarven; sonst wird es nicht der letzte sein. Das probate Mittel ist bekannt: Abschreckung. Die ist hundertmal besser als Gewalt, erfordert aber Glaubwürdigkeit. Das heißt: Koalitionsbildung, Entschlossenheit und militärische Präsenz – just wie es Washington in diesen Tagen, wiewohl bedacht und risikobewusst, praktiziert.

Und schon weicht Teheran zumindest verbal zurück. Druck funktioniert auch gegen die Menschheitsbeglücker des 21. Jahrhunderts.

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